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Neue Herausforderungen im Bio-Gemüsemarkt

Gemüsetheke im Einzelhandel; BLE / Bonn,  Thomas StephanDer Bio-Markt hat seit 2004 wieder deutlich an Fahrt gewonnen. Dafür sprechen nicht nur die Umsatzsteigerungen für das Jahr 2004, sondern auch erste Halbjahresbilanzen für das Jahr 2005. So ist 2004 der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland um beachtliche 13 % auf 3,5 Mrd. Euro gestiegen. Für das erste Halbjahr 2005 melden die im Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel zusammengeschlossenen Bio-Großhändler ein Umsatzwachstum von 15 %. Der Frischebereich, der neben Obst und Gemüse auch Molkerei- und Wurst/Fleischprodukte umfasst, ist dabei der Motor der Entwicklung und konnte sogar um 18 % zulegen.

Obst und Gemüse machen zusammen knapp ein Fünftel des gesamten Öko-Marktes aus. Zusammengenommen bilden sie damit die wichtigste Produktkategorie der Öko-Nachfrage. Das Nachfrageplus auch bei Bio-Obst und -Gemüse resultiert aus dem anhaltenden Gründungsboom neuer Bio-Supermärkte und einer steigenden Nachfrage in der Gemeinschaftsverpflegung.

Auch der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verstärkte in den letzten Monaten seine Aktivitäten im Bio-Bereich. Zwar bleiben Möhren, Zwiebeln, Tomaten und Gurken Schwerpunkte im Bio-Angebot des LEH, doch bieten viele Handelsketten inzwischen ein wochenweise wechselndes Bio-Gemüsesortiment an, das von Aubergine bis Zucchini und Zuckermais reicht. Auch Discounter entdecken zunehmend Bio-Ware für sich. Neben Plus bietet inzwischen auch Aldi Süd regelmäßig ein begrenztes Bio-Frischesortiment. Aldi Nord und Lidl bieten zumindest probeweise hin und wieder Bio-Frischgemüse an. Der harte Wettbewerb im konventionellen Bereich, der es auf allen Stufen der Vertriebskette oft nicht erlaubt, kostendeckende Margen zu erwirtschaften, dürfte dafür eine wesentliche Ursache sein. Das Interesse der Verbraucher versucht man verstärkt durch Werbeaktionen zu beleben, bzw. zu wecken.

Die steigende Nachfrage wirkt sich auf den deutschen Bio-Anbau jedoch nicht im gleichen Maße positiv aus: Ein Teil der steigenden Nachfrage wird durch Einfuhren aus dem Ausland abgedeckt, vor allem beim Fruchtgemüse (Tomaten, Gurken), aber z.T. auch bei Möhren bzw. Zwiebeln. Der Preisdruck auf die deutschen Erzeuger wächst in vielen Bereichen – trotz der steigenden Nachfrage aus dem Bio-Fachhandel und dem LEH. Doch nicht nur die Auslandsware sorgt für Preisdruck, sondern auch einige deutsche Erzeuger sehen sich aus unterschiedlichen Gründen (fehlende Lagermöglichkeiten, mangelnde Liquidität, durch mangelnde Aufbereitungsmöglichkeiten uneinheitliche Sortierungen etc.) zeitweise gezwungen ihre Bio-Ware zu Preisen abzugeben, die nicht der eigentlichen Marktlage entsprechen.

Betriebe, die in Logistik und Aufbereitung investieren konnten, bzw. sich in unterschiedlicher Weise in Vermarktungsgemeinschaften zusammengeschlossen haben, konnten mit der steigenden Nachfrage neue Absatzwege erschließen und ihre Anbauflächen ausweiten. Um einseitige Abhängigkeiten in der Vermarktung zu vermeiden, suchen andere Betriebe ihren Weg in einer vielseitigen Absatzstruktur, die Belieferung von Abo-Kisten- Lieferanten und/oder der Gastronomie bzw. Gemeinschaftsverpflegung einschließen.

Geringe Flächenveränderungen

Feldgemueseanbau Fenchel, BLE / BonnDie Anbauflächen für Bio-Gemüse sind seit 2001 nur um 5 % von 8.000 ha auf 8.400 ha in 2004 ausgeweitet worden. Das belegen Erhebungen der ZMP, die auf den Meldungen der Kontrollstellen basieren. Der Öko-Anteil insgesamt an der Gesamtgemüseanbaufläche in Deutschland liegt damit aber immerhin noch bei beachtlichen 7,83 %.

Beim Industriegemüse ist der Öko-Anteil mit 9,5 % noch höher. Die Anbauflächen schwankten im Bio-Bereich in den letzten Jahren zwischen 2.300 und 3.000 ha. Der hohe Öko-Anteil bei Babynahrung, aber auch der boomende Markt für Bio-Tiefkühlprodukte dürfte dafür verantwortlich sein. Insgesamt wurden zwischen 2001 und 2004 jährlich 183.000 t bis 206.000 t Bio-Gemüse erzeugt. Das sind gut 6 % der deutschen Gemüseproduktion insgesamt.

Für die Flächenentwicklung einzelner Kulturen ist die Datenbasis etwas schwächer. Viele Kontrollstellen melden die Flächen nicht nach Einzelkulturen, sondern nur Gemüseflächen insgesamt. Daher stellen die von der ZMP ermittelten Flächen in der Regel eher Orientierungswerte dar. Jährliche Schwankungen der Anbauflächen sind nicht in jedem Fall auf tatsächliche Anbaueinschränkungen oder Erweiterungen zurückzuführen. Möhren, als eine Hauptkultur im deutschen Bio- Gemüsebau, wurden seit 2001 auf etwa 800–1.000 ha produziert, beim Kohl schwankt der Anbauumfang zwischen 300 und 500 ha und bei Zwiebeln zwischen 160 und 200 ha. Rote Bete wurde in den letzten Jahren auf 180–240 ha biologisch erzeugt. Bei dieser Kultur ist der Öko- Anteil mit zuletzt 13,4 % (2004) besonders hoch. Gemüsesäfte, die auch einen hohen Anteil an Roter Bete enthalten, haben im Bio-Markt einen höheren Stellenwert als im konventionellen Markt. Auch werden frische Rote Bete im Bio-Markt etwas stärker nachgefragt.

Marktkommentare zu Spargel, Möhren und Gurken

Strukturwandel im Spargelbau Spargel, BLE / Bonn
Sehr eindeutig belegbar ist jedoch der stetige Flächenzuwachs bei Spargel. Wurden 2001 erst 380 ha Spargel biologisch bewirtschaftet, stieg der Anbauumfang bis 2004 auf 510 ha. Hier haben die Flächen innerhalb von vier Jahren überproportional um 34 % zugelegt. Da Spargel im deutschen Gemüsebau in den letzten Jahren aber rasant im Anbauumfang ausgeweitet wurde, liegt der Öko-Anteil inkl. der Junganlagen bei nur 2,6 %.
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Möhrenmarkt in Bewegung Möhrenmarkt in Bewegung
Möhren sind im Bio-Gemüsemarkt ein wichtiger Basisartikel: Etwa 27 % der Öko-Gemüse- Einkaufsmengen entfallen auf Möhren. Ihr Umsatzanteil am Bio-Gesamt-Gemüsemarkt liegt bei 13 %. Anfang September sorgte eine Verkaufsaktion für Bio-Möhren im Discount-Handel für Unruhe unter den größeren Bio-Möhrenerzeugern. Dort wurden sie den Endverbrauchern je nach Kette für 0,45 – 0,55 Euro/kg angeboten.
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Gegenläufige Preistendenzen bei Bio-Gurken Gegenläufige Preistendenzen bei Bio-Gurken
Auch wenn die Abhängigkeiten zwischen Bio-Markt und konventionellen Markt tendenziell zunehmen, unterscheiden sich beide Märkte in manchen Bereichen erheblich. Bio-Gurken gehören zum Standardsortiment aller Absatzstrukturen.
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Quelle: ÖKOMARKT Forum Nr. 43 vom 28.10.2005.

Ansprechpartnerin: Antje Kasbohm, Tel: 0228-9777-364 E-Mail: Antje.Kasbohm@zmp.de

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Stand: 23.09.2010 11:08