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Zierpflanzen in Bio-Qualität
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Auf 5 ha Freifläche werden rund 350 unterschiedliche Zierpflanzen ökologisch erzeugt.
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Klaus Bongartz demonstriert die intensive Durchwurzelung der Pflanzen.
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Nur zwei der Glashäuser werden im Winter bis maximal 8 °C geheizt.
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Die äußere Qualität der Bio-Stauden steht den konventionell erzeugten Pflanzen in nichts nach.
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Gemüse und Getreide oder Fleisch und Milch, erzeugt nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus, gibt es schon lange. Noch ganz am Anfang stehen hingegen Anbau und Vermarktung von Bio-Zierpflanzen. Klaus Bongartz aus dem rheinischen Nettetal hat seinen Betrieb 2009 umgestellt, nachdem er zuvor schon über viele Jahre Mineraldüngung und Pflanzenschutz zurückgefahren hat. Christian Wucherpfennig von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat den Betrieb besucht.
Auch hier macht Bio Sinn
Vom Gedanken „etwas Gutes für die Umwelt zu tun“ bis hin zum Schritt, Bio-Zierpflanzen auch zu kaufen, ist es ein weiter Weg. „Blumen esse ich doch nicht“, hört Klaus Bongartz daher häufig zu Beginn von Gesprächen. Dennoch gelten auch für Bio-Zierpflanzen die Vorgaben der EU-Bio-Verordnung und wenn man sich einem Anbauverband anschließt – Bongartz hat sich für Bioland entschieden – auch deren Erzeugungsrichtlinien.
Etwa 350 unterschiedliche Artikel erzeugt Klaus Bongartz auf seinem im Jahr 1925 gegründeten Betrieb, der neben 5.200 m² Hochglasflächen auch rund 5 ha Freilandfläche umfasst. Etwa 60 % der Pflanzen werden vegetativ vermehrt. Schwierigkeiten gibt es jedoch beim Bezug von generativ vermehrten Pflanzen, die also in Form von Samen oder Jungpflanzen zugekauft werden müssen.
Aufgrund der geringen Anzahl von Bio-Zierpflanzenbetrieben – es gibt etwa 200 Gärtnereien und Baumschulen in Deutschland, die auf gut 400 ha wirtschaften – ist die Nachfrage entsprechend gering. Gute Erfahrungen liegen mittlerweile beim Bezug von Primel-Jungpflanzen in Bioqualität vor.
Stets auf der Suche nach Neuem
Schon Ende der 90er Jahre begann Klaus Bongartz nach neuen Wegen für seinen Betrieb zu suchen. Dabei entwickelte er eine Kombination von acht Pflanzenstärkungsmitteln, die ein- bis dreimal die Woche auf die Pflanzen aufgebracht wird. Dabei kommen unter anderem Knoblauch, Melisse und Ringelblume zum Einsatz und seit dreizehn Jahren arbeitet Bongartz auch mit Mitteln auf homöopathischer Basis. Die Mischungen können mittlerweile auch über den Fachhandel bezogen werden.
Eine besondere Herausforderung stellt das Unkrautmanagement aufgrund des Herbizid-Verzichts dar. Mit den flächendeckend verlegten MyPex-Bändchengewebe, die an allen Stellen nahtlos schließen, setzt Bongartz auf Unkrautvermeidung. Zudem werden alle benutzten Töpfe und Kulturpaletten gedämpft, um einer Verbreitung von Unkrautsamen vorzubeugen.
Das im Gartenbau häufig angewendete Abflämmen kam nicht in Frage, weil die MyPex-Bändchengewebe den hohen Temperaturen nicht standhalten. Zudem hält die Wirkung des Abflämmens nicht lange vor und es wird deutlich mehr Heizgas verbraucht. Klaus Bongartz hat eine besondere Form der Heißwasserbehandlung entwickelt. Dabei wird die Wirkung von 95 °C heißem Wasser mittels eines aus Kokosöl und Maisstärke gebildeten Schaumbelags in seiner Wirkung verlängert und tötet darüber hinaus auch Unkrautsamen ab. Das Schaummittel musste zuvor ökologisch zertifiziert werden, da es sich um eine Neuentwicklung handelt.
„Es hat eben noch keiner gebraucht“, so Klaus Bongartz, eine Erfahrung, die er beim Anbau von Bio-Zierpflanzen schon häufiger gemacht hat. Andererseits schätzt er dies aber auch beim Öko-Zierpflanzenanbau: „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Dingen.“
Größere Wurzeloberfläche erleichtert Nährstoffaufschluss
Der Verzicht auf herkömmliche Mineraldünger bereitet Bongartz keine Schwierigkeiten. Für alle Pflanzen wird das gleiche, von ihm selbst mit entwickelte Erdsubstrat verwendet, das aus Torf, Kompost, nachwachsenden Rohstoffen und organischen Düngern besteht. Zusammen mit den Pflanzenstärkungsmitteln kann je nach Bedarf Kaliumsulfat und Bittersalz ausgebracht werden. Eine Stickstoffnachdüngung mit Horngries ist nur bei einem Teil der Pflanzen erforderlich. Aufgrund der besseren Durchwurzelung und der damit verbundenen größeren Wurzeloberfläche können sich die Pflanzen Nährstoffe besser erschließen.
Die Produktion bereitet aus Sicht von Klaus Bongartz mittlerweile keine Probleme mehr, wenn man einmal vom Bezug von Samen und Jungpflanzen in Bioqualität absieht. Die mechanische und thermische Unkrautregulierung ist eine reine Kostenfrage. „Wir gehen von Mehrkosten in der Bio-Produktion von 10 bis 20 % aus und das wird grundsätzlich auch akzeptiert“, legt Bongartz seine Bilanz offen. Darüber hinaus profitiere er auch von der höheren Qualität der Erzeugnisse. Die Pflanzen sind im Vergleich zu konventionell erzeugten haltbarer und widerstandsfähiger.
Gegenwärtig gelingt es leider nur, 7 % der erzeugten 1,2 Mio. Pflanzen mit Bio-Aufschlag zu verkaufen. Ökonomisch ist dies gegenwärtig nur durchzuhalten, weil er auch für einen Großteil der konventionellen vermarkteten Ware aufgrund der guten Qualität einen Zuschlag erhält.
Vermarktung mit eigenem Label
Die Vermarktung der Pflanzen erfolgt ausschließlich über das Unternehmen Landgard, in dessen Aufsichtsrat Bongartz Mitglied ist. Für die erfolgreiche Vermarktung wurde ein eigenes Label entwickelt, es heißt FlorBio, das künftig bei allen vermarktungsfähigen Erzeugnissen eingesetzt werden soll. „Dann sieht der Kunde, dass ökologisch erzeugte Zierpflanzen länger halten und qualitativ hochwertiger sind“, zeigt Klaus Bongartz seine Strategie auf.
Allgemein läuft die Vermarktung in Süddeutschland sowie insbesondere in der Schweiz und Österreich besser als in Norddeutschland. Die Vermarktung in die Schweiz machte es erforderlich, dass das Unternehmen auch eine Bio-Suisse-Zertifizierung aufweist. „In der Produktion entsprechen dabei die Vorgaben jedoch weitestgehend den Bioland-Richtlinien“, sieht Bongartz hier nur einen geringen Mehraufwand für sich. Höhere Anforderungen gibt es jedoch beim Einsparen natürlicher Ressourcen, was er jedoch eher als Ansporn begreift.
Im aktiven Marketing steht bei Bio-Zierpflanzen, weil sie nicht verzehrt werden, die Gesundheit der Menschen nicht an erster Stelle. „Ich bin überzeugt, dass in naher Zukunft Pflanzen an der Kasse giftfrei sein müssen“, blickt Klaus Bongartz hier auch über den Tellerrand. Darüber hinaus wird in der Vermarktung auf die konsequente Umsetzung neuer gesellschaftlicher Anforderungen, die Verringerung von Schadstoffen, die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen und die Wertschätzung der Natur beim optischen Genuss in den Vordergrund gestellt.
Mit seinem Vermarktungspartner Landgard ist Klaus Bongartz grundsätzlich zufrieden. „Damit bekomme ich Zugang zu allen Gartencentern, Blumenfachgeschäften, Baumschulen und Baumärkten mit einer Fachabteilung Garten in Deutschland“, nennt Bongartz hier die Vorteile. Zunehmend fragt er sich jedoch, ob hier auch im ausreichenden Maß seine potenzielle Kundschaft sitzt.
Bio-Zierpflanzen im Naturkosthandel etablieren
Daher ist es geplant, aktiv auf die regionalen Bio-Großhändler zuzugehen und dort Ware anzubieten, um damit die Bio-Zierpflanzen vermehrt im Naturkosthandel zu etablieren. Auch für die Inhaber von Bioläden ist der Verkauf von Bio-Zierpflanzen häufig Neuland, sodass hier die Wege erst geebnet werden müssen.
Ein Verkauf an Endverbraucher ist hingegen zunächst nicht vorgesehen: „Wir haben uns bei den Kulturen spezialisiert und bieten mit derzeit 350 Produkten zu wenig Auswahl an.“ Für die Vermarktung der 1,2 Mio. jährlich erzeugten Pflanzen müsse man daher schon auf andere Vertriebswege setzen. „Wir sind vielleicht zehn bis 15 Jahre zu früh, aber ökologisch zu produzieren, begeistert mich“, hier ist Klaus Bongartz aber voller Hoffnung und Tatendrang. Der ökologische Gemüseanbau habe vor 25 Jahren schließlich auch mal klein angefangen.
| Wissenswertes Bio-Zierpflanzen | Projekt Bio-Zierpflanzenanbau | |
|---|---|---|
| Vorgaben der EU-Bio-Verordnung: | ||
- Die Vorgaben der Anbauverbände gehen darüber hinaus. Bei Bioland gilt zusätzlich:
Anbauumfang:
Förderung der ökologischen Bewirtschaftung:
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Die Bioland Beratung GmbH bearbeitet seit Oktober 2011 im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) über einen Zeitraum von drei Jahren in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, der Anbaugemeinschaft Bio-Zierpflanzen e. V. und einem Netzwerk von fünf Leitbetrieben in Nordrhein-Westfalen und Versuchsanstellern offene Fragen des Anbaus und Marketings von Bio-Zierpflanzen. Dabei wurde unter anderem ein hochwertiges Verkaufsregal entwickelt, das mit seinem integrierten Bewässerungssystem stets für eine frische Optik der Pflanzen bei minimalem Pflegeaufwand sorgt. Darüber hinaus wurden Flyer entwickelt, die die Einzigartigkeit der Produkte in zielgruppengerechter Aufmachung vermitteln soll. | |
Weitere Informationen |
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Bio-Zierpflanzenbetrieb Bongartz >>
Quelle: LZ Rheinland Ausgabe 33, 16. August 2012, Christian Wucherpfennig, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02821-996-177, E-Mail: christian.wucherpfennig@lwk.nrw.de




