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Feldtag auf dem Wiesengut

Feldtag 2007 in Hennef, im Vordergrund Getreide, Foto: C. Stumm IOLDas Wiesengut in Hennef hat auf seinem Feldtag Ökologischer Ackerbau aktuelle Versuche zu Ackerbohnen, Winterweizen, Kartoffeln und Gemüse vorgestellt. Im Mittelpunkt standen Strategien zu Unkrautregulierung und optimalem Nährstoffmanagement. Landwirte, Berater und Wissenschaftler nutzten vergangenen Mittwoch die Gelegenheit zu Diskussion und Erfahrungsaustausch.

Professor Ulrich Köpke, Leiter des Versuchsbetriebes für Organischen Landbau der Universität Bonn, begrüßte die Teilnehmer und erklärte, dass es in Zeiten  schwieriger Witterungsbedingungen für den Biolandwirt zunehmend darauf ankomme, seine Anbaustrategien den individuellen Standortgegebenheiten anzupassen.

Frühe Aussaat von Winterweizen

Was im Süden funktioniert, eignet sich nicht unbedingt nordrhein-westfälische  Verhältnisse, wie ein Versuch zur frühen Aussaat von Winterweizen zeigte. In NRW säen Ökolandwirte ihr Wintergetreide in der Regel Mitte Oktober, um dem Unkraut- und Krankheitsdruck entgegenzuwirken. Ein Biolandwirt aus Freising entwickelte ein  an seinem Standort erfolgreiches System zur frühen Aussaat von Wintergetreide mit einer abfrierenden Zwischenfrucht und Untersaat, deren Aufwuchs vor Winter gemulcht wird.

Auf zwei Praxisbetriebe in NRW ließen sich seine guten Erfahrungen nicht übertragen: Zwar konnten durch die Aussaat Anfang September 50 bis 80 kg N/ha vor der Verlagerung in tiefere Bodenschichten bewahrt werden. „Die frühen Varianten brachten aber fast alle Mindererträge, was vor allem an der im Vergleich zur üblichen Saat geringeren Kornzahl pro Ähre lag“, berichtete Christoph Stumm, Koordinator des Projektes "Leitbetriebe Ökologischer Landbau". Das liege an den Kurztagsbedingungen und der durch kalte Witterung verminderten Mineralisierung zum Zeitpunkt der Ährenanlage, erklärte er.

Kainit gegen Hederich

Erfolg versprechender ist ein Versuch zur Unkrautkontrolle im Sommergetreide. „Die Praxis hat vermehrt mit den Problemunkräutern Ackersenf und Hederich zu kämpfen“, weiß Stumm. „Kainit, im Ökolandbau als Dünger zugelassen, hat eine ätzende Wirkung auf zweikeimblättrige Unkräuter. Wir prüfen, ob durch die Düngewirkung und Unkrautunterdrückung von Kainit- Staub Mehrerträge möglich sind.“

Untersaaten in Kartoffeln, Foto: C. Stumm IOLDer im letzten Jahr auf zwei Leitbetrieben erfolgreich gestartete Versuch findet in diesem Jahr auf dem Wiesengut und einem Leitbetrieb im Kreis Neuss statt. „An den Aufnahmen aus diesem Frühjahr erkennt man deutlich die gute Wirkung des Kainiteinsatzes gegen Hederich“, kommentierte Stumm einige Leinwandfotos. Wichtig sei die Ausbringung im Morgentau. Eine Wirkung auf andere Unkräuter wie Windenknöterich, Weißen Gänsefuß oder Klettenlabkraut war nicht nachzuweisen.

Untersaaten in Kartoffeln

Bereits in die Praxis übernommen haben einige Betriebe die im Rahmen des Leitbetriebe-Projektes geprüfte Idee, Untersaaten in Kartoffeln gegen Spätverunkrautung, Klutenbildung und die Verlagerung von Bodennitrat einzusetzen. Ölrettich und Senf zeigten die besten Ergebnisse. Als Alternative zu den Kruziferen eigne sich für Gemüsebetriebe auch Buchweizen, erklärte Stumm, der die Versuche  in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer NRW betreut.

Er empfiehlt, die Untersaat je nach Standort mit dem letzten Häufeln oder nach Absterben des Krautes per Elektrostreuer auszubringen. Die Untersaat dürfe natürlich nicht zur Konkurrenz für die Kartoffel werden.

Ackerbohnen
in Hafermulch

Direktsaat von Ackerbohnen in Haferstoppeln, Foto: C.Stumm IOLDie Direktsaat steht im Ökologischen Landbau vor dem Problem vermehrter Verunkrautung und verminderter Stickstoffmineralisation. „Um die Direktsaat in den Ökologischen Landbau zu integrieren, bieten sich Körnerleguminosen an, die die verringerte Stickstoffmineralisation kompensieren“, erklärte Prof. Köpke den Direktsaatversuch von Ackerbohnen in Hafermulch auf dem Wiesengut. Gegen Samenunkräuter wirke der bodenkonservierende Mulch des Hafers zusätzlich allelopathisch.

Betriebsleiter Martin Berg konnte die Hafermulchvariante schon Mitte März säen, als der Boden noch gar nicht pflugfähig war. Die Ackerbohnen in Mulchsaat fielen mit weniger Wuchs und deutlich mehr Unkraut auf. „Schläge mit Wurzelunkräutern sind für die Direktsaat im ökologischen Landbau völlig ungeeignet“, sagte Köpke, „samenbürtige Unkräuter lassen sich weitgehend kontrollieren.“ Für konventionelle Betriebe zum Beispiel, die auf ökologischen Landbau umstellen, sei die Direktsaat mit Ackerbohnen eine sinnvolle Alternative.

Direktsaat kann sich lohnen

Harald Schulte hat die ersten Ergebnisse des Versuchs in seiner Diplomarbeit ausgewertet. „Die vergleichsweise hohen Mindererträge der Direktsaat-Variante können durch reduzierten Arbeitszeit- und Betriebsmitteleinsatz kompensiert werden – und zwar bis zu 9,5 dt“, errechnete er. Prof. Köpke betonte, dass die Direktsaat im Ökologischen Landbau nur ein Element von mehreren darstellen könne.

Doktorandin Daniela Kießling stellte ihren Versuch zum Anbau von Ackerbohnen-Ölfrucht-Gemengen vor. Mit einem geeigneten Gemengepartner soll unter anderem der durch die Körnerleguminose angereicherte Stickstoff ertragswirksam vor Verlagerung bewahrt werden. In der Prüfung stehen die Ölfrüchte Saflor (Färberdistel), Senf und Öllein. „Die Öle bzw. der Senf können zu Speisezwecken genutzt werden“, erklärte Kießling. „Hauptproblem für die Praxistauglichkeit ist bisher  die Synchronisation der Abreife.“

Kopfsalat wird auf Bissfestigkeit getestet, Foto: C. Stumm IOLKeimbelastung durch tierische Düngemittel?

Um die Qualität von Kopfsalat geht es bei einem weiteren Versuch am Institut für Organischen Landbau. Meike Fischer-Arndt untersucht unter anderem die Frage, ob der im Ökolandbau übliche Einsatz tierischer Düngemittel zu einer erhöhten Keimbelastung am Salat führen kann. „Die bisherigen Ergebnisse bestätigen diesen Verdacht nicht, erzählte die Doktorandin, „obwohl wir alles tun, um mögliche Einträge zu provozieren.“ Über ein selbst entwickeltes Gerät mit künstlichem Gebiss misst sie außerdem, wie bissfest verschiedene Düngevarianten sind.

Artischockenanbau im Rheinland

Artischocken aus dem Rheinland? - „Durchaus möglich“, erklärte Dr. Timo Kautz den Anbauversuch zu Artischocken auf dem Wiesengut. „Für Direktvermarkter könnten Artischocken aus eigenem Anbau besonders attraktiv sein. Deshalb prüfen wir, ob und wie sich der Anbau lohnen kann.“ Zwei verschiedene Sorten der gesunden Delikatesse werden sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus angebaut. „Wir kommen wieder -  zum Testessen“, entschieden mehrere  Feldtag-Besucher spontan.

Der Versuchsbetrieb für Organischen Landbau der Universität Bonn bewirtschaftet etwa 50 ha Ackerland und 15 ha Grünland in der Siegniederung bei Hennef. 35 Limousin-Mutterkühe mit Nachzucht und ein Zuchtbulle bilden den Tierbestand. Dieses Jahr feiert das Wiesengut sein 20-jähriges Jubiläum.
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Stand: 27.06.2007 00:00