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Aktuelles zur Futterernte 2008
In den Niederungsgebieten sind am vergangenen Wochenende die ersten konventionellen Ackerflächen und auch Grünlandflächen geerntet worden. Die ersten Bioflächen mit hohen Anteilen früh blühender Gräser (Wiesenfuchsschwanz) werden in dieser Woche geerntet. Die Abreifeprüfung in Riswick auf einer Bio-Grünlandfläche hat am 29. April einen Rohfasergehalt von nur 15,7% ergeben bei Rohfaserzuwächsen von 0,5% pro Tag.
Aufwuchs in Höhenlagen verhalten
Die Erfahrungen im letzen Jahr haben gezeigt, dass Rohfaserzuwächse bis zu 1% täglich erreicht werden können, was aktuell aber nicht erwartet wird. In den Übergangs- und Höhenlagen ist der Aufwuchs noch sehr verhalten, „aber es kommt“. Erste Ackerfutterflächen dürften dort in der Woche nach Pfingsten fallen, soweit die Witterung mitspielt.
Über 90% der Landwirte wollen früher schneiden!
Wenn es eine einheitliche Meinung der Milchviehhalter zum Futterbaujahr 2007 gibt, so ist es die, in 2008 früher den ersten Grassilageschnitt einzufahren. Lediglich die Betriebe, die noch in den ersten drei Wochen des Mai 2007 die Grassilage unter der Plane hatten, sprachen den Winter über von zufriedenstellenden Futterrationen. Landwirte, die erst Anfang Juni den ersten Schnitt eingefahren haben, sprachen zumeist von zu geringen Milchleistungen, die hiermit erfüttert werden konnten.
Getreidepreise als Hemmnis
Natürlich tut sich jeder Milchviehhalter schwer, bei Preisen um 45 €/dt die Verdaulichkeit der Rationen mit Getreide zu erhöhen. Im Einzelfall ist zu entscheiden, ob die Quotenerfüllung und Gesunderhaltung der Kühe dennoch zu diesem Schritt zwingt. Das Fazit aus diesem Wissen muss für das Jahr 2008 genutzt werden. Zur Untermauerung dieser guten Absicht sind für drei Grassilagequalitäten eines Betriebes aus 2007 Futterrationen erstellt worden. Gerechnet wird einheitlich für 22 kg Milch unter Ergänzung von Getreide. Die Berechnung der Futteraufnahme berücksichtigt die Unterschiede bei den Grundfutterqualitäten.
Folgende Rationen ergeben sich:
Grassilage 1. Schnitt |
Grassilage 1. Schnitt |
Grassilage 2. Schnitt |
|
Acker |
Grünland |
Acker |
|
| Erntetermin 2007 | 5. Mai |
22. Mai |
19. Juni |
| Energiekonzentration | 6,31 MJ NEL/kg TS |
5,95 MJ NEL/kg TS |
5,55 MJ NEL/kg TS |
| Rohfaser | 25,1 % |
28,5 % |
29,5 % |
| Zucker | 3,8 % |
3,2 % |
1,7 % |
| Ration für 22 kg Milch nach Energie und Eiweiß (nXP) |
16,2 kg TS Grassilage 1 kg Getreide |
14,3 kg TS Grassilage 3,4 kg Getreide |
12,8 kg TS Grassilage 5,4 kg Getreide |
| Kosten | 11,6 ct/kg Milch |
15,4 ct/kg Milch |
18,6 ct/kg Milch |
Anmerkung: Zugunsten der Übersichtlichkeit ist auf Angaben zu Proteingehalt, Asche, RNB u.a. verzichtet worden. Vorhandene Unterschiede bei diesen Kennzahlen ändern nichts an den Aussagen. Bei Bedarf kann die vollständige Tabelle beim Autor angefordert werden.
Fazit:
Hohe Grundfutteraufnahme nur bei guten Futterqualitäten
Obwohl beide 1. Schnitte noch vor der anhaltenden Schlechtwetterperiode Ende Mai geerntet wurden, ergeben sich aus den Qualitätsunterschieden erhebliche Konsequenzen für die Fütterung. Ernährungsphysiologisch sind beide Rationen gleichermaßen wiederkäuergerecht. Der frühe Schnitt in Verbindung mit der geringeren Getreidegabe führt zu einer deutlich größeren Trockenmasseaufnahme aus dem Grobfutter. Wer also eine hohe Grobfutterleistung anstrebt, muss Futter mit hoher Verdaulichkeit anbieten. Insofern sind Rohfasergehalte von 25% oberer Grenzwert.
Maximaler Energieertrag durch frühen Schnitt
Werden für die Grassilagen jeweils Kosten von 13 €/dt TS angesetzt (einzelbetriebliche Vollkosten im Mittel über alle Schnitte ohne Prämien) ergeben sich Erzeugungskosten von 11,6 bzw. 15,4 ct/kg Milch incl. Getreide. Bei 1.000 ltr. täglich erzeugter Milch macht dies 38 € aus, über 90 Tage 3.400 €. Man mag in Erinnerung an die schwachen frühen Aufwüchse im vergangenen Jahr einwenden, dass der Kostenvorteil des frühen Schnitts tatsächlich nicht so hoch ausfällt, denn geringere Erträge müssen kompensiert werden. Man kann aber auf der anderen Seite auch davon ausgehen, dass gerade ein früher erster Schnitt ein Maximum an Energieertrag über die gesamte Vegetationsperiode ermöglicht. Es wird von manchen Betriebsleitern als Quälerei empfunden, über viele Monate hinweg überständige Silagen mit unbefriedigender Futteraufnahme zu füttern. Am Ende bleibt die klare Empfehlung, im Zweifel einen früheren als einen zu späten Schnitttermin zu wählen.
Früher Schnitt erfordert optimales Management
Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass auch der frühe erste Schnitt (oben) eine Schwäche hat: der niedrige Zuckergehalt. Tatsächlich ist nicht vorherzusehen, ob der geringe Zuckergehalt von 3,8 % i.T. in der Fütterung ausreichend Energie für die Pansenbakterien bringt, um die hohe Futteraufnahme zu ermöglichen. Andersherum ergibt sich gerade für frühe Schnitte die Forderung, hohe Zuckergehalte – hier 8 bis 9% i.T. – anzustreben. Ermöglicht wird dies durch das Schneiden nach einer intensiven Sonnenperiode (nachmittags), kurze Feldliegezeiten (24 Stunden), zügiges Beschicken, Festfahren und Abdecken des Silos und schnelle Vergärung, hier helfen Silierzusätze.
Zweiter Schnitttermin witterungsabhängig
Obwohl nur 6 Wochen nach dem ersten Schnitt geerntet, weist der zweite Schnitt oben schon deutliche Alterungstendenzen auf. Dr. Leisen von der Landwirtschaftskammer NRW weist darauf hin, dass in Trockenperioden zum zweiten Schnitt der Nachwuchs bei den Untergräsern ausfällt und damit keine Ernteelastizität mehr vorhanden ist. Beobachten Sie also die Witterung, denn bleibt es trocken, so muss der zweite Schnitt genauso zeitig geerntet werden wie der erste Schnitt.
Quelle und Ansprechpartner: MIR Nr. 18/08, Christoph Drerup, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02945-989-590, E-Mail: christoph.drerup@lwk.nrw.de
