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Öko-LSV 2011: Winterweizen-Qualität schwankend – Dinkel-Erträge gut

Die Qualitätsergebnisse der Öko-Winterweizensortenversuche liegen nun fast vollständig vor. Diese und die Auswertung der Öko-Dinkelsortenversuche fasst Dr. Claudia Hof-Kautz, Landwirtschaftskammer NRW, zusammen. Ausführliche Tabellen finden Sie anschließend an den Text, Standortbeschreibungen und Erträge siehe auch Artikel in LZ Rheinland Ausgabe 39 (29.September 2011) S. 34 und in der Ausgabe 42 (20.Oktober 2011) S.17.

Öko-Winterweizen


Qualitätsleistungen der Standorte im Anbaugebiet 3 „Lehmige Standorte West“

Winterweizen, reife Ähre, Foto: A. Paffrath, LWK NRWDie Proteingehalte fielen an den vier in Nordrhein-Westfalen untersuchten Standorten in 2011 recht unterschiedlich aus und erreichten nicht immer die geforderten 10 % (Tab.1). Die Standorte Dörentrup und Lichtenau hatten vergleichsweise gute Erträge und kamen aber auf nur geringere Proteingehalte. In Belecke wurden sowohl für den Standort gute Erträge als auch gute Proteingehalte erzielt. Der Standort Stommeln hatte aufgrund der Verunkrautung nur geringe Erträge, allerdings gute Proteinwerte aufzuweisen. Im Anbaugebiet 3 kam der Standort Wiebrechtshausen in Niedersachsen auf die besten Proteinwerte mit 12,8 % im Mittel.

Mehrjährig geprüfte Sorten

Von den mehrjährig geprüften Sorten Akteur, Capo, Event, Naturastar, Discus und Julius bringt nur Capo durchschnittliche Proteingehalte. Alle anderen Sorten liegen langjährig unter dem Durchschnitt. Allerdings kann Naturastar dabei relativ überdurchschnittliche Kleberwerte erzielen. Die A-Weizensorten Discus und Julius fallen mit relativ 63 % und 79 % deutlich im Sedimentationswert ab.

Sorten aus der Öko-Züchtung

Die Sorten Wiwa, Scaro und Butaro aus ökologischer Züchtung weisen alle gute Proteinwerte auf. Insbesondere Wiwa hat deutlich überdurchschnittliche Protein- und Feuchtklebergehalte sowie einen sehr hohen Sedimentationswert. Scaro zeigt sich etwas schlechter in der Qualität, hat dafür aber deutlich bessere Erträge als Wiwa. Butaro weist eine schlechte Fallzahlstabilität auf.

Österreichische begrannte Sorten

Arnold und Bitop haben sehr gute Qualitätswerte bei Proteingehalt, Klebergehalt und Sedimentationswert. Allerdings sind diese beiden Sorten sehr früh reif und  nicht Fallzahlstabil. Sie müssen früh geerntet werden. Die Sorte Estevan bringt mittlere Qualitäten bei ausgeglichenem Ertrag und guter Fallzahlstabilität. Philipp und die neuere Sorte Lukullus präsentieren etwas überdurchschnittliche Qualitätswerte.

Neue Sorten aus konventioneller Züchtung, überwiegend erst einjährig geprüft

Die neueren Sorten Genius, Famulus, Florian, Meister zeigten sich bisher eher unterdurchschnittlich in den Qualitätszahlen, weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Öko-Dinkel


In Nordrhein-Westfalen wird derzeit nur am Standort Lichtenau Öko-Dinkel geprüft. Im Anbaugebiet 3 gibt es darüber hinaus noch den Standort Alsfeld in Hessen mit einem weiteren Öko-Dinkelsortenversuch.

Erträge und Qualitäten an den Standorten im Anbaugebiet 3 „Lehmige Standorte West“

An beiden Standorten wurden im Vergleich zu den Vorjahren gute bis sehr gute Erträge des Dinkels erzielt. In Lichtenau kamen die Sorten des Standardmittels auf 37,8 dt/ha, am Standort Alsfeld in Hessen wurden Höchsterträge mit 68,9 dt/ha Vesenertrag erzielt (Tab. 2 ).

Der Protein- und Feuchtklebergehalt der Standardsorten lagen mit 10,5 % und 22,7 % in diesem Jahr in Lichtenau unter dem Mittel der Vorjahre mit 12,2 % und 29,4 % (Tab. 3 ). Sedimentationswert und Fallzahl der Standardsorten waren mit 17 ml und 248 s hingegen höher als im Mittel der Jahre zuvor (14 ml und 193 s).

Geprüfte Sorten

Dinkelähre, Foto: T. Stephan, BLE/ BonnDie Sorte Franckenkorn wird schon seit 1998 in NRW geprüft. Sie ist eine ertragssichere Sorte mit hohen Erträgen, niedrigen Protein- und Klebergehalten und mittlerer Lageranfälligkeit. Auch in diesem Jahr konnte sie hohe Erträge realisieren, in Lichtenau brachte sie den höchsten Ertrag aller Sorten. Bei den Qualitäten war sie 2011 knapp unter dem Durchschnitt. Aufgrund ihrer Ertragssicherheit ist Franckenkorn eine empfehlenswerte Sorte.

Seit 2007 steht die Sorte Zollernspelz in der Prüfung. In NRW zeigt sie eher schwankende Ertrags- und Qualitätsleistungen. In Hessen lag sie beim Ertrag im Mittel der letzten drei Jahre über dem Durchschnitt und kam dieses Jahr auf höhere Erträge als Franckenkorn. Bei den Qualitäten kann sie durchaus hoch liegen, hatte in diesem Jahr jedoch Protein- und Kleberwerte um den Durchschnitt. Mit einer mittleren Pflanzenlänge hat sie eine gute Standfestigkeit. Für einen Anbau ist die Sorte überlegenswert.

Oberkulmer Rotkorn ist eine alte Sorte, die besonders gut für den Menschen verträglich sein soll. Bei sehr hohen Qualitäten kann sie i.d.R. nur unterdurchschnittliche Erträge realisieren. So lag sie auch in diesem Jahr ertraglich unter dem Mittel allerdings mit hohen Protein- und Klebergehalten. Aufgrund ihrer Langstrohigkeit hat sie eine gute Beikrautunterdrückung, geht aber sehr leicht ins Lager.

Ebners Rotkorn ist eine Sorte aus biologisch-dynamischer Züchtung, die seit 2008 in NRW in der Prüfung steht. Die Sorte soll keine Weizeneinkreuzung haben und wäre daher besonders für Allergiker geeignet. Anfänglich schien die Sorte hohe Erträge mit hohen Qualitäten zu kombinieren, allerdings ist sie ertraglich in den letzten zwei Jahren deutlich eingebrochen. Insbesondere in diesem Jahr hatte sie an beiden Standorten einen über 10 dt/ha geringeren Ertrag als die Standardsorten. Der Proteingehalt lag in 2011 im Durchschnitt, der Klebergehalte über dem Durchschnitt. Sie ist ebenfalls langstrohig, aber gegenüber Oberkulmer Rotkorn standfester.

Samir steht seit zwei Jahren in der Prüfung. Die schweizer Sorte stammt aus biologisch-dynamischer Züchtung und soll eine rasche Jugendentwicklung mit schneller Bodenbeschattung aufweisen. Vom Ertrag liegt die Sorte im Mittelfeld. Die Qualitäten liegen deutlich unter dem Durchschnitt. Auch in diesem Jahr hatte die Sorte mit die schlechtesten Protein- und Klebergehalte. Daher ist sie für einen Anbau vorerst nicht zu empfehlen.

Die neue Sorte Divimar steht seit 2011 in der Prüfung und zeigte in Lichtenau einen unterdurchschnittlichen Ertrag, während sie in Alsfeld den höchsten Ertrag erbrachte. Bei den Qualitäten liegt sie unter dem Durchschnitt. Weitere Ergebnisse müssen in den kommenden Jahren abgewartet werden.

Seit 2004 wird die Sorte Ceralio in NRW geprüft. Sie steht in diesem Jahr noch im Sortiment, wird aber nicht mehr vermehrt und steht daher auch nicht mehr zur Verfügung. Die Sorte hat ein mittleres Ertragsniveau zwischen 80  bis 103 % relativ zum Mittel der Standardsorten. Die Qualitäten sind eher unterdurchschnittlich.

Saatgutbezug

Die Verwendung von ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut ist grundsätzlich gemäß EU-Bioverordnung vorgeschrieben. Die Verfügbarkeit einzelner Sorten finden Sie im Überblick unter: www.organicXseeds.de .

Quelle und Ansprechpartnerin: Dr. Claudia Hof-Kautz, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Referat 25 – Ökologischer Land- und Gartenbau, Versuchsleitung Acker- und Feldgemüseanbau


Tab. 1: Rohproteingehalte (%) und weiter Qualitätsparameter der Winterweizensorten in NRW 2011
sowie im Vergleich zu den Standorten in Hessen und Niedersachsen (ABG 3 „Lehmige Standorte West“)

Rohprotein i.d.TM
Standorte NRW
Standorte Hessen
Standorte Nieder-sachsen
alle Standorte
Feucht-kleber-gehalte %
Sedimen-tations-wert ml
Fall-zahl
Korn-ertrag
dt/ha
Nr. Sorte  
Warstein Belecke
Dörentrup Wendling-hausen
Lichtenau
Stommeln
Mittel 2011**
Alsfeld Lieder-bach
Franken-hausen
Wieb-rechts-hausen
Hilligs-feld
Mittel 2011**
Mittel 2009-2011**
Anzahl Versuche 2009-2011**
Mittel 2009-2011**
Mittel
2009-2011**
Mittel 2009-2011**
Mittel 2009-2011**
relativ
relativ
relativ
relativ
relativ
1 Akteur E
10,9
9,47
9,08
11,5
9,8
11,2
10,5
12,9
9,8
10,5
10,3
97
14
88
87
103
100
2 Capo* E
11,8
9,04
10,2
12,4
10,3
10,6
10,8
13,3
9,1
10,7
10,8
101
21
103
95
91
100
3 Naturastar* A
12,2
8,8
9,99
11,6
10,3
10,7
10,5
12,7
9,0
10,6
10,5
97
21
106
81
106
100
4 Butaro E
12,9
10,2
9,76
13,1
11,0
12,3
11,9
13,8
10,7
11,6
11,2
106
16
105
103
89
89
5 Wiwa E
13,6
10,5
10,9
13,0
11,7
12,1
12,2
14,4
10,5
12,0
11,8
109
18
114
117
112
86
6 Scaro E
12,1
9,98
10,4
11,8
10,8
10,8
11,4
13,1
10,0
11,1
10,8
101
15
105
110
110
95
7 Arnold E
13,2
10,9
10,7
13,1
11,6
11,7
12,1
14,1
9,4
11,7
11,8
111
14
114
116
81
90
8 Discus A
11,5
9,5
9,49
11,1
10,2
10,1
9,8
11,6
8,8
10,1
10,1
93
16
84
63
100
104
9 Estevan* E
11,3
8,97
10,2
11,6
10,2
10,5
10,8
12,5
8,7
10,4
10,6
99
21
94
83
109
100
10 Bitop E
13,7
9,78
10,3
12,6
11,3
11,5
11,7
13,6
10,5
11,6
11,7
109
20
111
110
85
92
11 Julius B
10,1
8,73
9,04
10,7
9,3
9,9
-
11,9
8,9
9,8
9,6
90
20
91
79
104
104
12 Phillipp E
12,4
9,5
10,3
12,6
10,7
11,1
11,2
12,8
9,9
11,0
11,1
104
14
109
94
98
93
13 Event E
11
9,15
9,27
10,9
9,8
9,7
10,3
12,2
9,8
10,2
10,0
93
15
80
93
96
103
14 Genius E
11,6
9,55
9,73
11,5
10,3
10,9
11,1
12,7
9,8
10,8
10,4
97
14
90
103
109
100
15 Lukullus A
11,9
10,6
9,85
12,2
10,8
11,5
11,1
13,2
9,8
11,1
11,0
102
7
103
102
105
97
16 Meister A
10,3
8,98
9,4
10,9
9,6
10,5
9,8
11,8
9,2
10,0
9,8
91
7
90
81
93
95
17 Famulus E
11,3
9,93
9,73
11,4
10,3
9,7
10,8
11,9
9,7
10,4
10,5
97
7
93
83
101
96
18 Florian E
10,9
9,96
9,63
11,9
10,2
10,2
10,7
12,5
9,8
10,5
10,4
97
7
98
94
113
99
Mittel der Standardsorten*
11,8
8,9
10,1
11,9
10,6
10,7
12,9
8,9
Versuchsmittel
11,8
9,6
9,9
11,9
10,4
10,8
11,0
12,8
9,6
10,8
10,7
15
21,6
39,7
336
53,3

*Sorten des Standardmittels: Capo, Naturastar, Estevan; ** ohne den Standort Stommeln

 

Tab. 2: Vesenertrag (dt/ha) der Jahre 2009 bis 2011 der Dinkelsorten in NRW
sowie im Vergleich zum Standort in Hessen (AGB 3 „Lehmige Standorte West“)

Ertrag mit Spelz dt/ha
bei 86 % TM
Nordrhein-Westfalen
Lichtenau
Hessen
Alsfeld
Mittel
Anzahl
Versuche
Nr. Sorte
2009
2010
2011
2009
2010
2011
2009-2011
                 
relativ
 
1 Franckenkorn*
34,3
32,2
44,0
49,7
60,2
70,7
48,5
105
6
2 Zollernspelz*
32,9
33,7
35,7
49,4
61,1
76,0
48,1
103
6
3 Oberkulmer Rotkorn*
33,6
28,8
33,7
42,5
45,4
60,2
40,7
92
6
4 Ebners Rotkorn
34,8
29,8
27,6
46,7
-
54,5
38,7
89
5
5 Samir
-
34,1
39,6
-
52,0
68,4
48,5
100
4
6 Divimar
-
-
36,9
-
-
76,6
56,7
101
2
7 Ceralio
35,3
30,4
39,7
47,4
-
-
38,2
100
4
  Mittel der Standardsorten*
33,6
31,6
37,8
47,2
55,6
68,9
  Versuchsmittel
34,2
31,5
36,7
47,2
54,7
67,7
44,8
5
  GD 5 %
2,5
6,6
4,4
7,3
9,1
*Sorten des Standardmittels: Franckenkorn, Zollernspelz, Oberkulmer Rorkorn

 

Tab. 3: Qualitäten der Dinkelsorten 2011 in NRW sowie im Vergleich
zum Mittel 2009-2011 im Anbaugebiet 3 (AGB 3 „Lehmige Standorte West“)

Dinkel-Qualitäten
Protein-
gehalt %
Lichtenau
Mittel
2009-2011
AGB 3
Feucht-
kleber %
Lichtenau
Mittel
2009-2011
AGB 3
Sedimen-tations-
wert ml
Lichtenau
Mittel
2009-2011
AGB 3
Fallzahl s
Lichtenau
Mittel
2009-2011
AGB 3
Nr 2011
1 Franckenkorn*
10,0
11,5
20,3
25,9
15
12
242
194
2 Zollernspelz*
10,4
12,1
23,4
30,6
17
15
252
214
3 Oberkulmer Rotkorn*
11,2
13,0
24,4
31,6
18
15
249
172
4 Ebners Rotkorn
10,2
12,4
27,5
30,7
16
15
236
170
5 Samir
9,8
9,9
20,5
20,0
15
13
257
175
6 Divimar
10,2
10,2
21,0
25,2
14
14
262
262
7 Ceralio
9,7
11,2
22,9
25,9
13
14
253
173
  Mittel der Standardsorten*
10,5
-
22,7
-
17
248
  Versuchsmittel
10,2
11,5
22,9
27,1
15
14
250
194
*Sorten des Standardmittels: Franckenkorn, Zollernspelz, Oberkulmer Rorkorn
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Stand: 27.10.2011 15:05