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Extreme Unterschiede bei Kleegras und Co.
Große Abweichungen bei Wuchs, Bestandszusammensetzung und Qualität
Die Betriebsbesuche der letzten Woche haben allen Beteiligten wieder interessante Einblicke ermöglicht. Die Frage nach den Ursachen der sehr unterschiedlichen Entwicklung des Grünlands, zum einen geringes zum anderen sehr starkes Wachstum, viel oder wenig Klee. Entsprechend die hohe oder niedrige Milchleistung, Milchinhaltsstoffe, Kondition und Gesundheit der Tiere kamen zur Sprache. Lesen Sie hier den Bericht.
Hohe Erträge bei Kleegras und Kurzrasenweide möglich
Vergleichsweise hohe Erträge gibt es bei kleereichem Kleegras nicht nur auf besseren Böden, sondern in diesem Frühjahr auch auf leichten Böden. Anders als in 2011 ist die Wasserversorgung nicht begrenzender Faktor. Entscheidend aber ist, dass ausreichend Klee im Aufwuchs steht.
Wo nach der Ansaat in 2011 wenig Klee steht, weil nicht aufgelaufen, von Gräsern unterdrückt oder abgefroren, sind die Bestände dagegen relativ hell und wenig ertragreich. Auch ältere Kleegrasbestände sind weniger ertragreich. Dagegen sind auf einem Betrieb die Luzernebestände sehr wüchsig und beginnen erst im 5. Jahr langsam zu vergrasen.
Bei Kurzrasenweide sind die Erträge zwar nur indirekt messbar. Die Einschätzung der Praktiker aber lautet, dass das, was an Silagen in den letzten ein bis zwei Monaten eingespart werden konnte, bei Schnittnutzung nicht von der Weidefläche einzufahren sei, vor allem nicht in der Futterqualität. Sogar Bestände mit nur mäßiger Pflanzenzusammensetzung (viel Rotschwingel, Gemeine Rispe, Flechtstraußgras) werden kurz abgefressen und das bei normaler Milchleistung und Tierkondition. Gerade dieses Futter würde im Stall nur ungern gefressen.
Lieschgras im wahrsten Sinne „herausragend“
Lieschgras im Aufwuchs kann auch der Laie in diesem Jahr gut erkennen: Wo es vorkommt, überragt es fast alle anderen Gräser. Derart viel Lieschgras habe ich in den letzten 22 Jahren, in denen ich mich intensiv mit Kleegras beschäftige, noch in keinem Jahr in normalen Futterbeständen gefunden. Ausnahmen bilden hier die Höhenlagen im Schwarzwald. Im Extrem sind die übrigen Gräser nur noch im Unterwuchs zu finden.
Bei anderen Grasarten war das Wachstum kältebedingt gehemmt, violette Verfärbungen, z. B. bei Deutschem Weidelgras, zeigten auch optisch Stress. Lieschgras ist dagegen relativ kältetolerant. Typisch für das eigentlich konkurrenzschwache Lieschgras in Kleegras- und Grünlandbeständen ist, dass es in „normalen“ Jahren bei flüchtigem Hinsehen kaum zu finden ist, da es sich meist nur im Unterwuchs hält. Unter den Bedingungen im Frühjahr 2012, überragt es dann die anderen Gräser. Sein Vorkommen in mehrjährigen Ansaatmischungen ist gerechtfertigt.
Niedrige Erträge auf kühlem Boden
Auf kühlen Böden (Auenlehm, feuchte Niederungen) gab es vielerorts erst ein schwaches Wachstum. Viele Gräser, so auch Deutsches Weidelgras, wurden durch den Kälteeinbruch im Februar geschwächt. Sie brauchten lange bis sie wieder wuchsen. Zudem haben in diesen Böden die über lange Zeit niedrigen Temperaturen die Nährstoffnachlieferung begrenzt. Bei mehrschnittigen Wiesen täuscht der Wiesenfuchsschwanz zwar hohe Erträge vor, aber die Bestände sind dünn und lassen nur schwache Erträge erwarten.
Viel Klee im Frühjahrsaufwuchs
Viele Kleegras- und Grünlandflächen sind in diesem Frühjahr sehr kleereich, vor allem Bestände, die im Herbst 2011 lange beweidet werden konnten. Reichlich Licht fiel bei milden Tagestemperaturen bis auf den Boden und hat besonders den Weißklee gefördert. Die Einzelpflanzen, sowohl Weißklee als auch Gräser, gingen gestärkt in den Winter und sind im Frühjahr als erstes wieder ergrünt. Die benachbarten reinen Schnittflächen hatten es da deutlich schwerer.
Zeigen bei Nässe beweidete Neuansaaten vom Herbst 2011 starke Trittschäden, so steht hier in diesem Frühjahr wenig Klee (Rotklee wie Weißklee).
Ebenso Grünland, das ausschließlich geschnitten wird, weist wenig Klee auf. Dasselbe gilt für Kleegras, das in 2011 erst spät zur Heunutzung geschnitten wurde. Auch waren Neuansaaten zu sehen, auf denen in Folge der Trockenheit der Klee ausgefallen ist. Nur mit ausreichender Gülledüngung werden hier 2012 nennenswerte Erträge erzielt werden können. Durch Beweidung in Kombination mit Weißkleenachsaat kann versucht werden, Klee zu etablieren. Ansonsten werden diese Flächen ertrags- und proteinarm bleiben.
Futterqualität sehr unterschiedlich erwartet
Die Bestände sind derzeit sehr unterschiedlich entwickelt: Wiesenfuchsschwanz ist in den Niederungen verblüht, Gemeine Rispe steht in der Ähre, die Weidelgräser sind da wo es kühl war noch weit zurück oder in günstigeren Lagen schon im Ährenschieben. Das alles ergibt ein recht unterschiedliches Bild, teils sind die Bestände sehr kleereich, vereinzelt aber auch frei von Klee.
Zum Schnitttermin: Bei günstiger Witterung sollte in Niederungen und Übergangslagen geschnitten werden. Das gilt auch für wüchsige kleereiche Bestände, die in ihrer Entwicklung eigentlich noch zurückliegen. Ansonsten kann es sein, dass in einer feuchten Phase, gerade Kleeblätter im Unterwuchs absterben und damit die Schmackhaftigkeit sinkt.
Zur Qualität: Ausgesprochen geringe Energie- und Proteingehalte liefern Bestände mit überwiegend Wiesenfuchsschwanz. Kleearmes Kleegras liefert bei frühem Schnitt zwar energiereiches, aber proteinarmes Futter, was auch an der hellen Farbe der Bestände äußerlich schon erkennbar ist. Höhere Energie- und Proteingehalte versprechen dagegen kleereiche Bestände.
Quelle und Ansprechpartner: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251-2376-594, E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de
