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Mehr Transparenz und faire Partnerschaft im Kartoffelhandel

Bio Kartoffel Erzeuger Verein setzt sich für die Interessen der Erzeuger ein

Kartoffelrodung, Foto: D. Menzler, BLE/ BonnBei der Kartoffelvermarktung ist häufig kein direkter Kontakt mehr zum Endverbraucher vorhanden. Die Handelswege und damit das Marktgeschehen sind für den einzelnen Landwirt immer schwieriger zu überschauen. Der Bio Kartoffel Erzeuger Verein setzt sich für die Interessen der Erzeuger ein und hilft dem einzelnen Landwirt die richtigen Entscheidungen zur Vermarktung seiner Ware treffen.

Aus der Praxis für die Praxis

Christoph Schäfer ist begeisterter und überzeugter Biolandwirt. Auf seinen Betriebsflächen im Landkreis Lüchow-Dannenberg, Niedersachsen, baut er neben Getreide, Leguminosen und Gemüse auch 40 ha Kartoffel an. Seine Augen leuchten, wenn er seine Kartoffel-,  Möhren-, Schnittlauch - und Rhabarberbestände zeigt. Schnittlauch und Rhabarber sind neu im Betrieb und Schäfer weiß: Er muss immer mal wieder Neues testen, um den Betrieb weiterzuentwickeln. Für ihn hängt die Entwicklung des Ökolandbaus in Deutschland an der Innovation auf den Betrieben und auf den nächsten Stufen der Verarbeitung und des Handels ab. Deshalb pflegt er auch den direkten Kontakt zu seinen Marktpartnern. Vertrauen und Verlässlichkeit sind ihm wichtige Grundwerte im Handel.

Fehlende Transparenz

Bei der Kartoffelvermarktung ist schon lange kein enger Erzeuger-Endkunden-Kontakt mehr gegeben. Die Handelswege und damit die Nachvollziehbarkeit sind komplexer. „Blind abliefern und abwarten was bei Partien rauskommt, kann für den Landwirt und den Handelspartner nicht die richtige Strategie sein“, so Schäfers Aussage. Doch wie kann ein einzelner Landwirt sich richtig am Markt bewegen und alle Informationen des Handels prüfen?  Wie kommen die unterschiedlichen Abzüge einer Partie zustande? Wie kann ein Preisaufschlag für Kühlhausware im Frühjahr erzielt werden? Allein könne der einzelne Landwirt diese Fragen nicht lösen.

Deshalb hat Schäfer im letzten Jahr mit einigen anderen Kartoffelbauern den Bio Kartoffel Erzeuger Verein gegründet. Mittlerweile sind knapp 2.000 ha Biokartoffeln „vereint“, was rd. 25 % der gesamten deutschen Biokartoffelfläche ausmacht. Die meisten Mitglieder kommen aus Nord und Ostdeutschland, mittlerweile gibt es aber auch deutliche Zuwächse in Bayern, NRW und Baden-Württemberg. Es gibt enge Kontakte zu Erzeugern in den Niederlanden, der Schweiz und Österreich, was für Schäfer wegen der Importe aus Teilen dieser Länder wichtig ist. Und erstaunlich ist: Die Fragen der Erzeuger sind europaweit die gleichen: Wie verbindlich ist die Bestellung und Reservierung von Ware, wie stabilisieren wir den Preis, wie gehen wir mit Dumpingangeboten von Bauern aus den eigenen Reihen um und an welcher Stelle ist der Eigentumsübergang abgeschlossen?

Beratung und Verbände unterstützen Zusammenschluss

Klar ist dem Praktiker: Veränderungen können nur mit vertrauenswürdigen Handelspartnern und den Biobauern gemeinsam erfolgen. Da die großen Handelsketten immer öfter eigene Qualitätsstandards setzten, ist der einzelne Betrieb dem machtlos ausgesetzt. Es gab bisher keine verbandsübergreifende Interessenvertretung der Kartoffelanbauer. „Wir haben historisch die einmalige Chance, die kleine Gruppe der Bio-Kartoffelanbauer zusammenzuführen “ so die Aussage des Vorstandsvorsitzenden. Anders als im konventionellen Anbau, ist die Gruppe der Bio-Kartoffel-Erzeuger deutschlandweit überschaubarer und gewillt, etwas zu verändern. Die Unterstützung durch die Anbauverbände und die Beratung ist ihnen sicher.

Immer wieder Ärger gibt es bei den Abzügen. „Einige  Kartoffelbauern bekommen erst Wochen später eine Rückmeldung über erhöhte Abzüge der gelieferten Ware. Dann ist die Ware aber längst weg und kein Mensch kann noch nachprüfen, ob diese Abzüge gerechtfertigt sind.“ Und, „was passiert eigentlich mit der aussortierten Ware?“, fragt er sich. Bei geschätzten 250.000 t Biokartoffel pro Jahr in Deutschland und (zu knapp) unterstellten 10 % Ausschussware, handele es sich um eine Million  Euro, die hier in ihrem Wert nicht berücksichtigt wird.

Was bietet der Verein?

Christoph Schäfer, Vorsitzender des Bio-Kartoffelvereins, Foto: K. Kempkens, LWK NRWZentrales Ziel sei der Zusammenschluss der Erzeuger, um damit bei den Marktpartnern ernst genommen zu werden. „Wir spüren schon nach dem ersten Jahr, dass sich das Gespräch lohnt“ so Schäfer. Der Vorstand und die Geschäftsführerin Monika Tietke haben bislang mit einigen bedeutenden Abnehmern gesprochen, um die Ziele des Erzeugerzusammenschlusses im direkten Kontakt zu formulieren. Außerdem ist an jedem wichtigen Abpackbetrieb in Deutschland ein Vereinsmitglied als Ansprechpartner bei Reklamationen schnell vor Ort, um die Abzüge oder Verweigerungen von Partien zu überprüfen.

Mit dem 14-tägigen Rundschreiben zum Marktgeschehen, Musterverträgen für den Kartoffelhandel und der Unterstützung bei Streitigkeiten wird das Angebot des Vereins für die Mitglieder abgerundet. Zum Abschluss bringt Schäfer noch ein Argument, dass häufig kaum beachtet wird: Der Verein biete eine strukturierte Plattform zur Vernetzung und zum Austausch mit anderen Erzeugern, denn, so Schäfer, „wer gut Verkaufen will, muss gut informiert sein“.

Die Mitgliedschaft kostet 20 €/ha Kartoffelfläche und erscheint damit auf den ersten Blick teuer. Sei sie aber nicht, so Schäfer: „Bei rund 6.000-8.000  € Marktwert der Kartoffeln je Hektar sind die 20 € gut angelegtes Geld“.

Weitere Informationen

Im Internet unter www.bke-verein.de finden Sie weitere Informationen.
Hier können Sie auch direkt dem Verein beitreten!

Ansprechpartner/in

Geschäftsführerin Monika Tietke: 0 58 48 / 1299
Vorsitzender Christoph Schäfer: 0 58 43 / 9721 107


Quelle:
Dr. Karl Kempkens, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0228-703-1456, E-Mail: karl.kempkens@lwk.nrw.de

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Stand: 25.07.2011 00:00