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Einfallsreich und praktisch – Bio-Geflügelmast in Uetze

Betriebsleiter Hendrik Stolze, Foto J. van der Linde, LWK NRWIn der Region Hannover liegt die Gemeinde Uetze, in der Bauer Hendrik Stolze seit ca. 20 Jahren seinen 90 ha-Betrieb nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes bewirtschaftet. Um ihm dabei ein wenig im Betriebszweig Geflügelmast über die Schulter zu schauen, ist eine Exkursionsgruppe der 16. Internationalen Bioland Geflügeltagung im Februar zum Betrieb in Niedersachsen aufgebrochen.

Betriebsübersicht

Mit 60 ha wird auf zwei Drittel der gesamten Betriebsfläche Ackerbau betrieben, dabei werden auf 15 ha Kartoffeln, 5 ha Gemüse und den restlichen Flächen Mais und Getreide angebaut. Seit 1985 wurde kein Pflug mehr auf den Flächen eingesetzt.

Der Betrieb hat 180 Mastschweineplätze, momentan stehen 85 Rinder im Betrieb. In der Mutterkuhhaltung setzte Hendrik Stolze bislang auf die Rassen Charolais und Uckermärker, durch verstärktes Augenmerk auf gute Fleischqualität wird er die Rinderhaltung in Zukunft mehr auf die Erzeugung des fein gemaserten Fleisches der Uckermärker, der jüngsten deutschen Rinderrasse, ausrichten.

Die Schlachtung und Verarbeitung des Großviehs erfolgt in der EU-zertifizierten Schlachtstätte für Rotfleisch am Hof, je Woche werden etwa 8 - 10 Schweine und ein Rind geschlachtet sowie anschließend zerlegt und u.a. zu Wurstwaren verarbeitet. Hendrik Stolze ist während des Schlachtvorganges anwesend, der entfallende Tiertransport sowie ein ruhiger Schlachtablauf sind ihm wichtig und kommen Tier und Fleischqualität zugute.

Den Bedarf im Geflügelbereich decken in der Vermarktung die saisonale Haltung von 150 Puten, 500 Flugentenerpel und 350 Gänse sowie dauerhaft 1.300 Hähnchenplätze ab. Dabei ist Bauer Stolze einer der Wenigen, die im Biobereich mit der Herkunft Cobb auf eine schnell wachsende Linie setzen. Die Hähnchen  kommen als Eintagsküken in den Betrieb und werden mindestens 120 Tage bzw. „lieber 150 Tage“ gemästet.

So staunten einige Besucher nicht schlecht, als ihnen aus einem der Hofladenkühlschränke eine einzelne Hähnchenkeule mit 717 g für einen Preis von 7,82 Euro ins Auge fiel. Das Geflügel wird außerhalb des Betriebes in Lohn geschlachtet, anschließend warm in einen Kühltransporter zum Hof gefahren, dort erfolgt dann die Restkühlung und die Zerlegung aller geschlachteten Hähnchen. Ganze Körper werden nicht verkauft, „sie sind mit 20 Wochen einfach zu groß für den deutschen Durchschnittshaushalt“ sagt Bauer Stolze.

100 Prozent Direktvermarktung

Die auf dem Biohof Stolze erzeugten Waren werden zu 100 % in der Direktvermarktung abgesetzt, dies geschieht vorwiegend über den Verkauf auf 9 Wochenmärkten bis nach Hannover. Dabei bezeichnet der Betriebsinhaber seine Kunden als „sein wichtigstes Gut.“ Konkurrenzangst am Markt verspürt er nicht.

Geflügelfleisch sei aufgrund der Tatsache, dass er nur eigene Ware vermarkte, stets zu knapp. Es erfreut sich so großer Beliebtheit, dass die Ware meist bereits am Donnerstag ausverkauft ist. „Wer bei mir Samstags noch etwas vom Hähnchen möchte, muss vorbestellen, unsere Kunden sind darauf eingestellt“ so Hendrik Stolze.

Dabei setzt er sehr auf persönliche Kundenkontakte im Gespräch sowie Verkaufstechnik. Wenn etwas ausverkauft ist, liege es stets am Geschick des Verkäufers, das Interesse auf einen anderen – vielleicht noch ungewohnten Artikel – zu lenken. Lediglich der Wurstverkauf erfolgt im  Frischanschnitt, wo hingegen sämtliche Zerlegeware im Geflügelbereich aufgrund der längeren Haltbarkeit am Hof vakuumiert wird.

Hähnchenküken im Aufzuchtstall, Foto: J. van der Linde, LWK NRW Schwere Masthähnchen, Foto: J. van der Linde, LWK NRW Schwere Masthähnchen, Foto: J. van der Linde, LWK NRW
Hähnchenküken im Aufzuchtstall,
Fotos: Jutta van der Linde, LWK NRW
Hähnchenküken im Aufzuchtstall, Futtereinheit und Wasserversorgung sind problemlos unterzubringen. Schwere Masthähnchen im Alter von 20 Wochen

 

 

Hofeigene Mobilställe für Hähnchenmast entwickelt

Nicht schlecht staunten die Anwesenden, als ihnen die künftigen Unterkünfte für die Masthähnchen präsentiert wurden. Mitten auf dem Hof hatte Bauer Stolze den ersten Prototyp seiner hofeigenen Mobilstallserie für Hähnchenproduktion aufgestellt und demonstrierte die beeindruckenden Funktionen des Stalles. Am bereitstehenden Traktor war ein Containerauflieger angehängt, welcher mit einem Greifhaken den etwa 3,5 Tonnen schweren Stall zu Demonstrationszwecken auf den Auflieger zog (Bild) und anschließend wieder herunter fuhr. (Bild)

Mit Greifarm auf den Auflieger, Fotos J. van der Linde, LWK NRW Hochziehen des mobilen Stalles, Foto: j. van der Linde, LWK NRW Auflieger, Foto: j. van der Linde, LWK NRW
Der Mobilstall wird verladen. Er hängt hier bereits am Haken Der Mobilstall wird auf den Auflieger gezogen. Der fahrbereite Mobilstall steht auf dem zum Transport geliehenen Auflieger

 

Auf die Arbeitswirtschaft und Zeitersparnis im laufenden Betrieb war neben der Schadnager-Absicherung vom Betriebsleiter bei der Entwicklung des Stalles ein starkes Augenmerk gerichtet worden. So hatte sich der Landwirt zum Beispiel Gedanken gemacht, wie der Stall nach einem erfolgten Durchgang am effektivsten entmistet und gereinigt werden könnte. Dies wurde recht findig über eine Klappe (Bild) gelöst. Wird diese entriegelt und der Stall mit dem Greifarm angewinkelt, rutscht die Stalleinstreu am hinteren Stallende über die gesamte Breite hinweg einfach heraus.

Neben dem stabilen Containerhaken ragen am vorderen Stallende zwei Siloanschlussrohre heraus, sie führen in ein selbstgebautes Holzsilo im Inneren des Gebäudes (Bild).

Hochklappen des Auslaufdaches, Foto: J. van der Linde, LWK NRW Entmistungsklappe des mobilen Stalles, Foto: J. van der Linde, LWK NRW Entmistungsklappe des mobilen Stalles, Foto: J. van der Linde, LWK NRW Stall innen mit Holzsilo, Foto: J. van der Linde, LWK NRW
Das Hochklappen des Daches über dem Auslauf ist schnell umzusetzen. Die Entmistungsklappe geht über die gesamte Breite. Die Entmistung gestaltet sich unkompliziert durch Anwinkeln der Stalleinheit. Innenansicht mit Holzsilo zur Futterversorgung

 

Die Futterversorgung der einzelnen Einheiten soll mit möglichst geringem Aufwand abgewickelt werden, aus diesem Silo werden dann im Stall vorhandene Futterautomaten befüllt. Die Stromversorgung erfolgt über ein Solarmodul, die Wasserversorgung über einen per Traktor angefahrenen Vorratstank. Obwohl Boden, Wände und Decke aus wasserdicht beschichteten Holzplatten gefertigt sind, bestehen nach Angaben des Landwirtes auch im Winter keinerlei Probleme mit Tropfwasser.

Der Bedarf an Innenbeleuchtung wird neben Elektrik überwiegend über entsprechende Lichtleisten im oberen Wandbereich gedeckt.

Die Ställe werden nach Angaben des Landwirtes stets mit der Auslaufluke gen Süden aufgestellt, dabei werden Hackschnitzel im stallnahen Bereich an die Luke angefüllt. 150 Hähnchen finden im 3,5 x 6 Meter großen Stall Platz. Das Gebäude ist sehr stabil gebaut, Hendrik Stolze bemerkt, dass auch ein Sturm für dieses Gebäude kein Problem sei. Das Metallgerüst für den Stall lässt der Landwirt in Lohn schweißen, Holzverkleidung und –ausbau sowie Isolierung erfolgen bei ihm auf dem Hof. An der Auslaufseite des Stalles hängt über die gesamte Länge eine große, schwere Wellblechplatte, diese bildet hochgeklappt das Dach des Auslaufs. (Bild)

Weitere im Bau befindliche mobile Ställe, Foto: J. van der Linde, LWK NRW Weitere im Bau befindliche mobile Ställe, Foto: J. van der Linde, LWK NRW Weitere im Bau befindliche mobile Ställe, Foto: J. van der Linde, LWK NRW
Weitere Mobilställe sind im Bau. Hier sieht man das Metallgerüst Die Mobilställe sind durch das Metallgerüst sehr stabil. Holzverkleidung und Innenbereich des Stalles noch im Ausbau

 

Auf dem Weg zu den jetzigen Hähnchenunterkünften kommt die Gruppe an den fertigen Gerüsten weiterer Mobilställe vorbei. Der Stall soll bei ihm in Serie gehen erklärt der Landwirt, im Ziel werden bis 2013 etwa ein Dutzend dieser Ställe gebaut und im Betrieb eingesetzt. Die Materialkosten seines Stalles werden von Hendrik Stolze mit 7.500 – 8.000 Euro beziffert, den Anhänger mit Aufliegevorrichtung leiht er sich bei Bedarf von einem örtlichen Unternehmer.

Homepage Bauer Stolze >>

Quelle: Jutta van der Linde, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02162-370-672, E-Mail: jutta.vanderlinde@lwk.nrw.de

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Stand: 17.04.2012 15:05