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Naturland Nachrichten: Öko-Geflügelhaltung

Interview mit Iris Weiland

Mobilstall für Legehennen

Iris Weiland
Iris Weiland

Iris Weiland hat bereits über 100 Hühnermobile in ganz Deutschland, Österreich, Holland, Luxemburg und Italien entwickelt. Für Ihre Pionierarbeit erhielt die Agrar-Ingenieurin den „Förderpreis Ökologischer Landbau“.

Naturland Nachrichten - NN: Welche Vorteile bietet Ihr Mobilstall?

Iris Weiland: Das Hühnermobil ist ein Vehikel für eine besonders tier- und umweltgerechte Freilandhaltung von Legehennen. Es wird jede Woche auf ein neues Stück Weide gefahren. So bleibt der Auslauf grün und frei von problematischen Parasitenanreicherungen oder Nährstoffeinträgen.

Die Hühner nutzen den Auslauf sehr gerne und nehmen dort zusätzlich zum Futter im Stall über 200 g Frischmasse auf. Die darin enthaltenen Vitalstoffe sowie die Bewegung draußen bei Wind und Wetter sorgen für eine stabile Gesundheit und eine herrlich tiefgelbe Eidotterfarbe. Die Eier dieser Hennen bekommen von Feinschmeckern Bestnoten und werden von Eierkunden mit sehr guten Preisen bezahlt.

Der vollmobile Stall bietet wie ein stationärer Stall für die Freilandhaltung alles, was Hühner zum Leben brauchen. Neben Futter- und Wasserangebot ist der Stall mit Mistbändern, Lichtprogramm, automatischer Auslaufklappensteuerung und Nestsperre ausgestattet. Auf der geschlossenen Bodenplatte wird ständig trockene Einstreu mitgeführt, auch wenn der Stall auf Rädern innerhalb weniger Minuten auf ein neues Weidestück und damit einer Verschlammung im Auslauf davon fährt.

Für den Landwirt ist die gut durchdachte Arbeitswirtschaft sowie die Flexibilität des Systems ein zusätzlicher Vorteil: Die Stallkapazitäten wachsen mit dem Absatz mit, ein Aufstocken wie auch ein Abstocken der Hühnerzahl durch Verkauf der Ställe ist leicht möglich und ein gutes Argument gegenüber der Bank bei der Stallfinanzierung.

Der Stall hat schon einigen Landwirten einen guten Einstieg in die Hühnerhaltung ermöglicht, die an der Hofstelle keine Stall- oder Auslaufkapazitäten mehr hatten. An der Hofzufahrt oder einer Straße aufgestellt, hat das Hühnermobil eine sehr hohe Werbewirksamkeit. Kunden, die einmal diese Eier gekauft haben, kommen wieder und gerade Direktvermarkter können von schönen Umsatzsteigerungen berichten, seit die Beschriftung auf dem Hühnermobil den Weg zum Hofladen weist.

NN: Welche Bereiche sind besonders anspruchsvoll und für wen ist ein Mobilstall weniger geeignet?

Iris Weiland: Das Hühnermobil wird unabhängig von Wasserleitungen, stationären Futtersilos oder Stromleitungen betrieben. So wird die hohe Mobilität erst ermöglicht. Einmal wöchentlich wird daher der Stall mittels Frontladertechnik mit Wasser und Futter versorgt, das Mistband wird abgedreht und der Stall versetzt. All diese Arbeiten fallen in einem stationären System fast nicht an oder sind stark automatisiert. Täglich werden die Eier beim Stall auf der Wiese herausgeholt, auch das kann bei einem stationären System mit weniger Fahraufwand gelöst werden.

Die Vorteile des aufwändigeren vollmobilen Systems leuchten den Eierkunden in Direktvermarktungen sofort ein. Daher ist es in der Ab-Hof-Vermarktung leicht, über einen höheren Eierpreis den Mehraufwand des mobilen Systems mehr als wett zu machen. Eier an Wiederverkäufer müssen einen um ca. 5 ct. höheren Preis erzielen als Eier aus großen stationären Haltungen. Dies kann dem Kunden erfahrungsgemäß auch in Supermärkten vermittelt werden. Gehen die Eier aus dem Hühnermobil in die Belieferung des anonymen Eiermarktes, werden sie nicht konkurrenzfähig zu Eiern aus großen stationären Haltungen sein.

Wer möglichst viele Eier mit möglichst wenig Arbeitszeit zu niedrigsten Kosten erzeugen möchte, sollte sich kein Hühnermobil anschaffen. Es ist zwar arbeitswirtschaftlich durchoptimiert. Dennoch machen Ställe bis 1.200 Tieren naturgemäß mehr Arbeit als ein stationärer Stall für 6.000 oder mehr Hühner. Rechnet man allerdings die in stationären Ställen grundsätzlich notwendigen Aufwendungen für die Auslaufpflege, dann schneidet das Hühnermobil als Auslaufoptimierer auch arbeitswirtschaftlich und hinsichtlich der Kosten gut ab.

NN: Für welche Gruppengrößen gibt es Ihren Mobilstall?

Iris Weiland: Das Hühnermobil gibt es in drei Größen. Der Stall für 225 Tiere ist ideal für Direktvermarkter. Der Stall ist gering automatisiert, jedoch für die Größe arbeitswirtschaftlich praktisch eingerichtet. Pro Stall werden ca. 0,5 bis 1 ha Auslauf benötigt, auf dem der Stall rotiert (man rechnet ca. 10 bis 20 qm Auslauf pro Huhn.

Das Hühnermobil für 800 Legehennen ist das Wendigere der großen Modelle. Es lässt sich, wie die anderen Modelle auch, sehr leicht versetzen und ist in Obstanlagen oder im Gemüsebau zur Nachernte durch die Hühner gut einsetzbar. Das Fahrwerk ist fest mit dem Stall verbunden. Das wirtschaftlichste Modell, auch von den Anschaffungskosten, ist der Stall für 1200 Tiere. Hier kann das Fahrwerk für mehrere Ställe verwendet werden. Daher sinken bei mehreren Ställen die Kosten je Hennenplatz auf ca 95,- €.

Diese Ställe sind voll mechanisiert und lukrativ für eine Eiererzeugung, die an Wiederverkäufer ausgerichtet ist. Die Ställe werden ebenfalls spätestens alle zwei Wochen in der Vegetationszeit auf ein neues Weidestück verfahren. In der Kleegras-Fruchtfolge ergeben sich viele Vorteile: das Land wird leicht gedüngt, die Hühner finden hochwertige Nahrung im Auslauf und es findet kein Flächenverbrauch statt.

NN: Wie funktioniert der Mobilstall im Winter?

Hühnermobil, Foto: Iris Weiland
Fernblick auf ein Weiland-Hühnermobil
Foto: Iris Weiland

Iris Weiland: Der Stall ist rundum mit 6 cm starken Isolierpaneelen ausgestattet. Die Hühner heizen den Stall mit ca. 10 Watt pro Huhn. In den kleinen Ställen ca. 2 KW, in den großen ca. 12 KW. Das reicht in aller Regel aus, um den Stall frostfrei zu halten. Nur an Extremstandorten oder extremer Witterung ist an einzelnen Nächten eine Zusatzheizung einzusetzen. Die Legeleistung liegt auch in den kalten Wintermonaten bei durchschnittlich 90%.

Der Stall wird im Winter nicht so oft versetzt wie im Sommer. Man sollte jedoch für den Fall des Versetzens im Winter eine größere Grünfläche vorsehen, weil die Vegetation im Winter nicht nach 6 Wochen wieder nachgewachsen ist, wie im Sommer. Eine Alternative ist ein fester Standplatz während ca. 3 Wintermonaten in Verbindung mit einem überdachten Bereich.

NN: Wie lösen Sie die Fragen zum Strombedarf am Stall?

Iris Weiland: Der Stall wird unabhängig vom Stromnetz betrieben. Je nach Modell setzen wir 12 oder 24 Volt Akkutechnik ein. Für das Laden der Batterien praktizieren die Landwirte verschiedene Methoden: Solarpanels, Stromgenerator oder Batteriewechsel. Während der Winterzeit, wenn der Stall nicht so oft versetzt wird, kann über ein Stromkabel ein Ladegerät an die Batterie angeschlossen werden. 

NN: Wie wirtschaftlich ist der Mobilstall im Vergleich zu stationären Stallgebäuden?

Iris Weiland: Die ausschlaggebenden Faktoren für eine wirtschaftlich erfolgreiche Legehennenhaltung sind eine sehr gute Tiergesundheit, hohe Legeleistung und ein guter Eierpreis. Wie schon beschrieben, können mit dem Haltungssystem Hühnermobil alle diese Erfolgsfaktoren gut erreicht werden, so dass der höhere Arbeitsaufwand und die höheren Stallplatzkosten im Vergleich zu stationären Stallgebäuden mehr als wett gemacht werden. Die Erfahrung zeigt, dass häufig Eierpreise von 35 bis 40 ct ab Hof realisiert werden, in Supermärkten erzielen diese Eier 45 ct. bis zu 60 ct.

Viele Stallbetreiber benötigen schon nach 6 bis 12 Monaten den zweiten Stall. Vor wenigen Wochen hat beispielsweise Familie Leiders vom Stautenhof bei Willich ihr fünftes kleines Hühnermobil angeschafft. Mittlerweile gibt es auch kundenfinanzierte Anschaffungsmodelle für Hühnermobile. Das Haltungssystem leuchtet ein und es ermöglicht eine gute Form der Kundenbindung.

Weitere Informationen:
Stallbau Iris Weiland e.K.,
Hilberlachestraße 8,
37242 Bad Sooden-Allendorf
Tel.: 05652 - 919380,
E-Mail: info@huehnermobil.de

Das Interview führte Ralf Alsfeld, Naturland e. V.

Quelle: Naturland Nachrichten 2 / April 2012

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Stand: 23.05.2012 15:05