Navigation

Direktlinks Zum Inhalt springen. | Zur Seitennavigation springen. |
Farbleiste: blau = Umwelt, grün = Naturschutz, orange = Verbraucherschutz, dunkelorange = Landwirtschaft

Wandel in der Legehennenhaltung?

Die Geschwisterhaltung aus bäuerlicher Sicht

Logo Die Biohennen AG Immer öfter wird der Ruf aus Tierschutzkreisen laut, Alternativen zur Tötung männlicher Legeküken zu schaffen — Eine verständliche und unterstützenswerte Forderung. Allerdings verlangt sie einen großen Umbruch in der Legehennenhaltung, die nicht nur die Eierproduzenten, sondern auch der Handel und der Verbraucher mittragen müssen.

Auslöser der Küken-Selektion war in den 1950er Jahren der Beginn der Legebatteriehaltung in den USA. Rund 10 Jahre später hielt die Käfighaltung in Deutschland Einzug und damit auch die Legehybride. Sie ersetzte aufgrund der hohen Legeleistung nach und nach alle in landwirtschaftlicher Freilandhaltung lebenden Hühnerrassen, die als Zweinutzungshuhn auch passable Fleischlieferanten waren.

Das erreichte Zuchtziel hat jedoch gravierende Nachteile: Da männliche Legehybriden wegen eines zu geringen Fleischansatzvermögens nicht wirtschaftlich gemästet werden können, werden sie kurz nach dem Schlüpfen getötet. Diese Praxis wird von konventionellen wie auch biologisch wirtschaftenden Brütereien gleichermaßen angewandt. Doch wird nicht sinnlos getötet. Die Küken werden zum größten Teil mit CO2 getötet und zu Futterzwecken frisch und tiefgefroren vermarktet. Abnehmer sind Zoos, Falknereien, Reptilienbesitzer und andere. Damit ist nach Ansicht der Behörden der sinnvolle Grund zum Töten gegeben, denn dieser ist laut Tierschutz-Verordnung zwingend nötig.

Dennoch verstehen wir, dass der Verbraucher emotional reagiert und das flauschige Küken nicht als Tierfutter sehen möchte. Da und dort tauchen in geringen Mengen denn auch entsprechende Eier am Markt auf, die dem Verbraucher ein gutes Gewissen mit Slogans wie „Eier mit doppeltem Lebenswert“ suggerieren. Allerdings werden die männlichen Tiere dennoch, wenn auch erst nach 80 Tagen, getötet und erfahren bei Abtransport und Schlachtung eher mehr als weniger Leid. Eine Tatsache, die gerne verschwiegen wird.

Ist-Situation und mögliche Lösungen

Eintagsküken, Foto: J. van der Linde, LWK NRWDie Bauern der Biohennen AG, Vorreiter in Sachen tiergerechter Legehennenhaltung, haben sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt und Möglichkeiten zur Lösung geprüft.

  • Grundsätzlich ist die Verwendung von Mehrzweck- bzw. so genannten Zweinutzungshühnern durchaus möglich. Sie legen allerdings im Vergleich zu den jetzt gehaltenen Legehybriden weniger Eier und der Hahn hat im Vergleich zu den herkömmlichen Fleischhähnchen einen sehr geringen, bisher weder vom Verbraucher noch von Verarbeitern akzeptierten, Fleischansatz. Die entstehenden höheren Kosten lassen sich nur in einem Nischenmarkt umsetzen.
  • Ein entscheidendes Problem ist jedoch der Futterverbrauch, wenn alle Hähne gemästet werden. Der Futterverbrauch je kg Fleisch ist bei Legehähnen bis zu  4 Mal höher als bei den Masthybriden. Das führt zu einer sehr schlechten Energiebilanz und würde die Nahrungskonkurrenz zum Menschen drastisch erhöhen. Ein Effekt, der für zukunftsorientierte Biobauern nicht hinnehmbar ist, zumal noch immer bis zu 5 % konventionelle Futteranteile im Biofutter wegen Nichtverfügbarkeit von ausreichend Biofutter mit hohem Eiweißanteil zulässig sind.
  • Die Küken werden am ersten Tag getötet und einer sinnvollen Verwendung zugeführt. Die Biohennen-Bauern sind der Meinung, dass der Tod zu einem späteren Zeitpunkt nicht vertretbarer wird, nur weil die Tiere dann nicht mehr so viele Emotionen freisetzen.

Diese Punkte lassen für die Bauern der Biohennen AG nur einen Schluss zu: Es muss eine andere Möglichkeit geben, Schritt für Schritt die emotional belastete Kükentötung zu umgehen.

Geschlechtsbestimmung bereits beim Ei

Seit Jahren wird an der Geschlechtsbestimmung des unbebrüteten Eies gearbeitet. Ein erster Erfolg wurde erreicht: Die Bestimmung ist unter Laborbedingungen möglich, aber sehr aufwändig. Nun geht es darum, Verfahren zu entwickeln mit denen große Stückzahlen kostengünstig untersucht werden können. Das ist ein Weg, um in allen Handelsstrukturen Eier ohne Kükentötung anbieten zu können.

Zweinutzungshuhn und Direktvermarktung

Geschlechtsbestimmung beim unbebrüteten Ei ist ein Lösungsansatz, Foto: Bildarchiv Europäische KommissionDer andere Weg sollte vor dem Hintergrund der Vielfalt und Freiheit in der Landwirtschaft die Wirtschaftsgeflügelzucht wieder beleben, um zumindest im Bereich Direktvermarktung und Kleinststrukturen ein Zweinutzungshuhn in wirtschaftlichen Größen halten zu können und sich damit von den großen Zuchtunternehmen unabhängig zu machen. Im Laufe der Jahre könnte dann mit einer verbesserten Legeleistung der Hennen und einer gestiegenen Akzeptanz gegenüber den „neuen“ Hähnchen durch die Verbraucher gerechnet werden.

Zukunftsorientierte Lösung angestrebt

Und so setzt die Biohennen AG statt auf populistisch ausgeschlachtete Kleinstprojekte auf eine praktikable Langzeitlösung für die Bauern, den Handel und den Verbraucher. Mit der flächendeckenden Einführung der Geschlechtsbestimmung am unbebrüteten Ei wäre die effektivste Lösung gefunden. Wir werden aber intensiv nach einer Förderung und dem Erhalt der Wirtschaftsgeflügelzucht suchen und vor allem immer daran arbeiten, um den lebenden Tieren ein gutes, der Art gerechtes Leben zu bieten.

Die Richtlinien der Biohennen AG schreiben das Halten von Hähnen in der Legehennenherde vor. Diese leben dann den ganzen Legezyklus in der Herde.

Die Biohennen AG ist eine Erzeugergemeinschaft von traditionell wirtschaftenden Bauern und hat mit ihrer Marke „Die Biohennen“ bundesweit den höchsten Standard in der Hühnerhaltung und Eierproduktion. In 26 bäuerlichen Familienbetrieben finden sich insgesamt über 100.000 Hühner in artgerechter Haltung nach den Richtlinien der Biohennen.

Quelle: Pressemeldung Die Biohennen AG, 85088 Vohburg, April 2012

Ihre Meinung || Seite drucken Druck
Stand: 08.05.2012 15:05