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“Fit Bee” soll Bienensterben verhindern

Bienen beim Wabenbau, Foto: D. Menzler, BLE / BonnBis zu 30 Prozent der deutschen Bienenvölker haben den vergangenen Winter nicht überlebt. Das Völkersterben lässt Fachleute ein ganzes Bündel an Ursachen vermuten. Daher sind insgesamt 14 Forschungsprojekte gestartet. Unter anderem werden der Einfluss der Varroa-Milben und die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln beobachtet. Ziel der Forschung ist, Grenzwerte für vitale Bienenvölker zu definieren und neue Werkzeuge zur Steigerung der Gesundheit im Bienenstock zu finden.

Ursachenforschung ermöglicht Gegenmaßnahmen

Mit zahlreichen Forschungsvorhaben will das von der Universität Hohenheim koordinierte Projekt “FIT BEE” die Ursachen des Bienensterbens der vergangenen Jahre aufdecken und Ansätze zur Vermeidung solcher Schäden liefern. Wie der Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim, Dr. Peter Rosenkranz, vergangene Woche erklärte, haben bis zu 30% der deutschen Bienenvölker den vergangenen Winter nicht überlebt. Auch in gut geführten Beständen registrierten die Imker zunehmende Verluste. Dies deute darauf hin, dass der „Superorganismus“ Biene durch ein ganzes Bündel an Ursachen geschwächt sein könnte.

„Mit Einzelmaßnahmen kommen wir daher beim Bienensterben nicht weiter“, so der Leiter der Landesanstalt. Es sei notwendig, zuerst die komplexen Wechselwirkungen zwischen Einzeltieren, Bienenvolk, Bienenkrankheiten und Umweltparametern besser zu verstehen.

Aus diesen Forschungsergebnissen könne dann eine „Checkliste“ für den Imker erstellt werden, in der die Bedingungen für ein gesundes Bienenvolk aufgelistet seien. Ein wichtiger Ansatz im Kampf gegen das Bienensterben sei das Thema „Varroa-Milbe“. Die regelmäßigen Sterbewellen der vergangenen Jahre sprächen dafür, dass im letzten Glied vor allem Parasiten stark beteiligt seien, erläuterte Rosenkranz. Inzwischen sei jedes Volk befallen.

Als derzeit einziges empfohlenes Mittel bleibe den Imkern jedoch nur, die Stöcke mit Ameisen-, Milch oder Oxalsäure zu behandeln. Im Rahmen von “FIT BEE” arbeiteten die Forscher in Hohenheim an einer biologischen Bekämpfung über die Sexual-Duftstoffe der Milben. Die ersten Zwischenergebnisse seien ermutigend.

Negative Effekte der Pflanzenschutzmittel

Ein zweites Teilprojekt zum Bienensterben in Hohenheim konzentriert sich auf mögliche negative Effekte auf die Insekten durch Pflanzenschutzmittel. „Wir wissen, dass die meisten Pflanzenschutzmittel die Biene nicht sofort umbringen, aber sie haben durchaus Kontakt dazu und es gibt vielleicht Langzeiteffekte, die man nicht ausschließen darf“, stellte Projektleiter Dr. Klaus Wallner fest.

Erstmals solle “FIT BEE” deshalb systematisch erfassen, wie viele Wirkstoffe vom Feld in den Bienenstock gelangten. Dazu fange man die Bienen nach der Rückkehr ab und messe im Labor die Rückstände in der Honig-Blase und im Pollen an den Bienenbeinen. Gleichzeitig sucht die Forschungsgruppe um Wallner nach neuen Techniken, die Bienenschutz und Pflanzenschutz vereinen. „Dabei verfolgen wir zwei Ansätze: Neue Spritztechnik, die die Blüte schonen, und Zusatzstoffe, die die Bienen abschrecken“, erläuterte der Wissenschaftler.

Die Forschungen an der Universität Hohenheim sind jedoch nur zwei Teilprojekte im Gesamtkonzept von “FIT BEE”. Insgesamt beteiligen sich nach Angaben der Universität 14 Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen an dem Projekt. Alle Ergebnisse zusammen sollen am Ende einen Standard für das ideale Bienenvolk ergeben. „Im besten Fall haben wir schließlich ein Set von Grenzwerten und eine Reihe von Werkzeugen, mit denen sich die Bienengesundheit in allen Facetten auf Dauer wieder steigern lässt“, fasste Rosenkranz zusammen.

Quelle: Agra-Länderberichte Europe (AgE) 15/12, 10. April 2012

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Stand: 08.05.2012 15:05