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Kälberdurchfall homöopathisch behandeln

Kälber am Futtertrog, Foto: LWK NRWEs gibt zahlreiche homöopathische Kälberdurchfallmittel, die bei passender Wahl - je nach Patienten- und Durchfallerscheinungsbild - erfahrungsgemäß eine rasche Linderung und Heilung bewirken. In dem folgenden Beitrag nennen Anne Verhoeven und Anja Hauswald, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, einige wichtige Mittel, die in der Praxis und vor allem im Ökobetrieb auf Haus Riswick häufig Anwendung finden.

Bei Durchfällen im Kälberbereich wird zunächst darauf geachtet, dass der eintretende Flüssigkeits- und Salzverlust ausgeglichen wird. Den betroffenen Kälbern wird neben der Vollmilchtränke (Sauermilchtränke), die dann pro Kalb auf je 2 l morgens und abends reduziert wird, Leinsamenschleim-Elektrolyte-Tränke ad libitum angeboten. Durchfallkranke Kälber nehmen davon erfahrungsgemäß bis zu 8 l am Tag auf. Der Leinsamenschleim schützt die angegriffene Darmschleimhaut; Elektrolyte kompensieren den Flüssigkeits- und Salzverlust. Die Elektrolytmischung kann auch den bewährten alten Hausmitteln Eichenrindentee oder Schwarzer Tee anstelle von Leinsamenschleim oder Wasser beigegeben werden.

Zur Beruhigung entzündeter, blutender Darmschleimhaut mit blutigen Durchfällen hat sich allerdings Leinsamenschleim als Grundlage am besten bewährt. Um die Darmflora des Kalbes wieder aufzubauen, ist der Einsatz von Joghurt mit lebenden Kulturen oder ein vergleichbares Produkt empfehlenswert. Wird der Durchfall zu spät bemerkt, ist das Kalb also bereits zu schwach zum Trinken, muss die verlorene Flüssigkeit über eine Infusion vom Tierarzt zugeführt werden. Eine Gabe Glucose regt zudem den Appetit an, so dass anschließend mit der Elektrolyttränke begonnen werden kann.

Durchfallkälber warm halten

Kälber mit Durchfall verlieren sehr schnell Körperwärme. Das geht dann rasant mit Energieverlust einher. Hier empfiehlt sich das Überstreifen eines wärmenden Pullunders oder eines alten Pullover ohne Ärmel über den Rumpf des Kalbes, so dass die Energie des Tieres für den Kampf gegen die Durchfallerreger zur Verfügung steht. Außerdem unterstützt Propolis mit 2 ml zweimal täglich den Kälberorganismus bei drohender Untertemperatur. Die Wahl des passenden homöopathischen Durchfallmittels hängt vom Verhalten des Kalbes sowie von Farbe, Geruch und Konsistenz des Kotes ab.

Die verschiedenen Mittel

Nux vomica D6/30 als wichtigstes Durchfallmittel kommt dann in Frage, wenn Tränkemenge oder  Temperatur nicht im angestrebten Bereich lagen und daraus resultierend Durchfall beim Kalb auftritt. Bei wechselhaften, eher breiigen, unangenehm riechenden Durchfällen, die die Hinterhand des Kalbes verschmiert aussehen lassen, eignet sich Pulsatilla D30. Wenn beim Kalb eine Milchunverträglichkeit vorherrscht, ist auch hier die Gabe von Calcium Carbonicum C30 (Kälber-Konstitutionsmittel) angezeigt. Kalb und Kot riechen säuerlich.

Podophyllum D12 passt zum fröhlich tobenden, nicht krank erscheinenden Kalb, das plötzlich den Rücken hochzieht und unter Pressen einen gelblichen Wasserstrahl durch den Stall schießt - einen so genannten wasserdünnen Hydrantenstuhl bei ungestörtem Allgemeinbefinden. Die Heftigkeit des Durchfalles steht im Gegensatz zum Befinden des Kalbes. Bei wässrigem Durchfall gepaart mit Blähungskoliken und unerträglichen, des nachts verschlimmernden Schmerzen, kann eine Gabe Chamomilla D6 Abhilfe schaffen. Mercurius D12 ist das Mittel für immer wiederkehrende, teils blutige Durchfälle. Das Kalb ist geschwächt, die Haare sind aufgestellt und der Bauch von hinten betrachtet birnenförmig.

Durchfallmittel mit Schwäche und Kollaps

Eines der wichtigsten Kollapsmittel ist Veratrum album C30. Beine und Maul des Kalbes sind eiskalt, die Schleimhäute blass und trocken. Das Kalb liegt manchmal mit verkrampft an den Körper gezogenen Beinen in seiner Durchfallpfütze. China D30 ist ein Mittel für Schwächezustände, die regelmäßig wiederkehren und bei denen die Haut kalt und feucht erscheint. Nach dem Tränken tritt wässrig-blutiger Durchfall auf und das Kalb ist überempfindlich gegen Kälte und Zugluft. Wenn Durchnässung die Ursache des Durchfalls ist, hilft Dulcamara D6. Ein weiteres wichtiges Durchfallmittel ist Arsenicum album C30 bei wasserdünnen, stinkenden, auch mit Blut vermischten Durchfällen. Das eiskalte Tier mit trockenen Schleimhäuten erscheint sehr elend und leidend vor Angst und Schmerzen. Der scharf-ätzende, wasserdünne Durchfall greift die Fellbehaarung an der Hinterhand an und lässt diese ausfallen.

Nach Carbo vegetabilis D12 verlangen geschwächte Kälber und Jungtiere mit geblähtem Bauch und flachem Atem. Mit geöffnetem Maul ringen sie um Luft und aus dem wunden After rinnt wässriger, übelriechender Durchfall. Oukubaka D6 bewirkt die Ausscheidung von Toxinen, auch nach dem Genuss von fehlgegärtem oder toxinbelastetem Futter. Gussartige, graugrüne, spritzende, schaumig stinkende Durchfälle sind mit Pyrogenium D12 behandelbar. Die Tiere zeigen wechselnde Fieberkurven und sind sehr geschwächt. Bei ansteckenden, septischen Durchfällen, die zu einer Störung des Allgemeinbefindens führen, kommt eine Kombination von Lachesis, Pyrogenium und Echinacea in Betracht.

China-Kur nach Akut-Durchfällen

Als Leitsymptom hat das homöopathische Mittel China die Schwäche nach Säfteverlust im Arzneimittelbild. Von akuten Durchfällen geschwächte Kälber kommen durch eine fünftägige Kur mit China D30 und Echinacea D200 wieder auf die Beine.

Quelle: LZ Rheinland, Ausgabe 49 vom 8.Dezember 2011

Ansprechpartnerinnen: Anne Verhoeven, Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02821-996-128, E-Mail: anne.verhoeven@lwk.nrw.de und Anja Hauswald, Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02821-996-145, E-Mail: anja.hauswald@lwk.nrw.de

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Stand: 08.12.2011 00:00