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Bio-Milchmarkt NRW – Was meinen die Molkereien?

Mädchen mit Milchglas, Foto: BLE / BonnDer Bio-Milchmarkt wächst seit Jahren und Biomilch wird gesucht. So verwundert es nicht, dass Bio-Milch von den Molkereien teurer als im Vorjahr bezahlt werden muss. Während sich im Jahresdurchschnitt 2006 die Preise für die Milch aus konventioneller Produktion noch unter dem Wert des Vorjahres bewegten, können laut ZMP die Biomilchproduzenten mit einem Plus von 0,4 bis 0,5 Cent je Kilogramm rechnen.

Im Jahr 2006 betrug der Preisabstand für Milch (4,2% F, 3,4% E) zwischen den sechs größten in NRW aufholenden Molkereien für konventionelle Milch und der Bio-Molkerei Söbbeke wenigstens 5,54 ct/kg, höchstens 10,8 ct/kg (jeweils netto). Bei diesem Preisabstand ist klar, dass am Markt eine besondere Wertschöpfung mit Bio-Milch möglich ist. Wer Bio-Milchprodukte im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel sucht, wird vielfach auch Produkte aus Österreich (REWE) und Dänemark (ALDI) finden. Ein Grund dafür ist, dass der Markt mit deutscher Ware nicht ausreichend bedient werden kann.

Durchschnittliche Milcherzeugerpreise bundesweit (Quelle: ZMP)
Abb.: Durchschnittliche Milcherzeugerpreise bundesweit (n. ZMP)

 

Fünf Molkereien mit unterschiedlichen Konzepten

Logo Upländer BauernmolkereiInsgesamt fünf Molkereien holen in NRW Biomilch auf: Neben der Bio-Molkerei Söbbeke in Gronau sind dies die Upländer Bauernmolkerei, Campina, die MUH und Walhorn. Damit besteht ein flächendeckendes Netz für die Aufholung von Bio-Milch in NRW. Die Konzepte der Molkereien sind sehr unterschiedlich. Während z. B. Söbbeke die gesamte Produktpalette von Frischmilch bis zum Käse ausfüllt, stellen andere Molkereien Spezialprodukte wie Bio-H-Milch her. Deutliche Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Unternehmensstrategien.

Für konventionelle Betriebe ist es durchaus überlegenswert, ob die Bio-Milcherzeugung eine sinnvolle Alternative darstellt. Wir haben die Molkereien nach ihren Markteinschätzungen befragt. Einige haben uns geantwortet:

Wie hat sich die Bio-Milchverarbeitung in Ihrem Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt und wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung ein, für Ihr Unternehmen und für den Biomilchmarkt insgesamt?

Logo SöbbekeSöbbeke: Die Biomilchverarbeitung in unserem Hause entwickelte sich auch im letzten Jahr positiv. Wir wachsen kontinuierlich und damit organisch auch im letzten Jahr um 10 %.
Damit wachsen wir deutlich unter dem Marktwachstum welches sich bis 20 und 30% je nach Segment entwickelt hat. Bei Söbbeke werden wir auch zukünftig organisch wachsen, d.h. immer die Nachhaltigkeit des Absatzes im Auge haben.

MUH: Die MUH hat seit einigen Jahren Wachstumsraten bei haltbarer Biomilch zwischen 15 und 25 %, wobei 2006 das stärkste Wachstum zu verzeichnen war. Etwa 9 Mio. Liter Biomilch wurden verkauft.

Campina: Das Molkereiunternehmen Campina hat den Absatz von Biomilch sowohl durch neue Abnehmer als auch durch ein größeres Produktsortiment in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert; in 2006 gegenüber 2005 sogar um 7% auf insgesamt  41 Mio kg, 36 Mio in den Niederlanden und 5 Mio in Deutschland.


Die Nachfrage nach Bio-Milch steigt. Der Bio-Milchpreis ist zwar auch gestiegen, aber ein kostendeckender Bio-Milchpreis von 40 Cent/kg ist nicht in Sicht. Warum steigt der Milchpreis nicht im gleichen Maß wie dieNachfrage und wie schätzen Sie die Entwicklung des Bio-Milchpreises ein?

Söbbeke: Der Biomilchpreis entwickelt sich im Gegensatz zum konventionellen Milchpreis positiv, und zwar aufgrund der Nachfrage des deutschen Verbrauchers. Auch der Biomarkt wird von Angebot und Nachfrage bestimmt und nicht von der Kostenstruktur des Einzelnen.

Wenn man sich die Entwicklung des o.g. Biowachstums genau anschaut wird man feststellen, dass durch den Eintritt des konventionellen Handels und hier insbesondere des Discounts das Preisniveau nach unten geht. Was einzelbetrieblich sinnvoll sein mag hat in der Folge aber immer eine Preissenkung im Gesamtmarkt gebracht. Auch hier deutet sich eine Entwicklung wie im konventionellen Milchmarkt an.

Logo MUHMUH: Ob ein kostendeckender Bio-Milchpreis bei 40 Cent/kg liegt, wissen wir nicht. Fakt ist, dass nach einem Margenverfall in den Jahren 2004/05 entsprechend der konventionellen Produktedie Erlöse in 2006 erstmals deutlich angehoben werden konnten. Der Rohstoffmarkt ist bis auf einige Engpässe im Sommer 2006 noch immer reichlich versorgt. Auch bei Biomilch bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis.

Campina: In der Genossenschaft Campina  ergibt sich der Milchpreis an die Mitglieder aus dem Ergebnis aller wirtschaftlichen Aktivitäten des Unternehmens. Der Biomilchpreis setzt sich wiederum aus dem „konventionellen“ Milchpreis zuzüglich des Biomilchzuschlages zusammen. Dieser Zuschlag deckt die höheren Produktionskosten der Biomilch kalkuliert auf Basis der durchschnittlichen betrieblichen Kosten. Der Zuschlag beträgt für 2006 5,58 ct/ kg und wird ab 2007 auf 6,07 ct/kg (zuzügl MwSt) erhöht.

Nehmen Sie derzeit neue Lieferanten auf? Wenn nein, wann rechnen Sie mit einer Neuaufnahme?

Söbbeke: Ja, wir nehmen gerne neue Milchlieferanten auf.

MUH: Wir haben 2006 einige neue Lieferanten aufgenommen und beobachten zurzeit die freundliche Absatz-Situation. Abhängig von der Marktentwicklung und der Lage der möglichen neuen Biomilchlieferanten im Hinblick auf die Milcherfassungskriterien kann es durchaus sein, dass wir im Laufe des Jahres 2007 nochmals unsere Rohstoff-Basis vergrößern.

Logo CampinaCampina: In den Niederlanden sind z.Zt  einige Mitgliedsbetriebe in der Umstellungsphase, die anschließend in die Biomilcherfassung wechseln. In Deutschland haben wir aus logistischen Gründen ein Erfassungsgebiet (Bergisches Land entlang der A 4) für Biomilch festgelegt, in diesem Gebiet sind wir weiterhin an Biomilch-Betrieben interessiert.

Müssen Ihre Lieferanten einem Bio-Verband angeschlossen sein?

Söbbeke: Ja, wir legen Wert auf die Mitgliedschaft in einem Anbauverband.

MUH: Nein, müssen sie nicht. Wir produzieren sowohl die Marke MUH BIO als auch die Handelsmarken (Füllhorn, Grünes Land, Edeka Wertkost) nach EU-Verordnung und mit dem Bio-Siegel.

Campina: Nein.

Haus Riswick Bio-Milchviehherde, Foto:A. Hauswald, LWK NRWDie Milchqualität spielt eine zunehmende Rolle, so der Eindruck. Was sind die größten Herausforderungen im Zusammenspiel mit Ihren Lieferanten?

Söbbeke: Söbbeke pflegt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit seinen Milchlieferanten. Aufgrund der oben beschriebenen Marktmechanismen und der Produktionsstrukturen der Lieferanten und auch der Molkerei sehen wir unseren Platz bei den Qualitätsführern.
Gemeinsam wollen sich Biobauern und Molkerei beim Konsumenten als vertrauenswürdige Lebensmittellieferanten profilieren. Wir gehen davon aus, dass es uns gelingen wird, auch zukünftig mit dieser Politik einen äußerst wettbewerbsfähigen Preis an unsere Bauern zu zahlen.

MUH: Die Anforderungen an die Qualität von Lebensmitteln sind in den vergangenen Jahren, zum Teil ausgelöst durch Lebensmittelskandale, immer weiter gestiegen und werden sich weiter verschärfen. Das Image der Milch, insbesondere im Hinblick auf die Qualität, war und ist hervorragend.

Die Sensibilität ist in diesem Punkt auch bei unseren Landwirten sehr ausgeprägt und stellt deshalb für uns keine besondere Herausforderung dar. Zusätzliche Qualitätssicherungsmaßnahmen in den letzten Jahren wie z. B. die Einführung von QM-Milch und die tägliche Bewertung der Gütekriterien werden auch von den Landwirten begrüßt und erfolgreich umgesetzt.

Campina: Die Produktqualität ist gut und muss beständig auf einem hohen Niveau bleiben; zusätzlich wird die Dokumentation der betrieblichen Prozesse an Bedeutung gewinnen.

 

Ansprechpartner: Christoph Drerup, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Tel.: 02945-989-560, E-Mail: Christoph.Drerup@lwk.nrw.de

Quelle: Dr. Karl Kempkens, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Ökozentrum Köln-Auweiler, Tel.: 0221-5340-177, E-Mail: Karl.Kempkens@lwk.nrw.de

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Stand: 21.02.2007 00:00