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Bessere Qualitäten durch Siliermittel

Fahrsilo mit frischem Grasschnitt, Foto: D. Menzler, BLE/ BonnMilchviehhalter stellen sich zurzeit die Frage, ob und wenn ja, welches Siliermittel dem Kleegras oder dem Grünlandschnitt beigefügt werden soll. Der höhere Energiegehalt und die gesteigerte Verdaulichkeit behandelter Silagen sprechen für den Einsatz von Silierhilfen. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen die Steuerung des Silierprozesses durch die Zugabe von Milchsäurebakterien mit dem Ergebnis einer höheren Energiekonzentration.

Tatsächlich hat die Auswertung von Fütterungsversuchen (Hammeltest) in Riswick, ergeben, dass behandelte Graskonserven eine um 0,25 MJ NEL/kg TS höhere Energiekonzentration bei einer um 3% höheren Verdaulichkeit aufwiesen und dies im Mittel über alle geprüften Siliermittel.

In der Praxis herrscht noch eine gewisse Skepsis, Siliermittel standardmäßig einzusetzen. Die Erwartung, dass man eine Behandlung mit Milchsäurebakterien anhand der LUFA-Analyse erkennt, wird sich nicht erfüllen. Und für eine überzeugende Ergebnisdarstellung über den Futterverzehr oder die Schmackhaftigkeit aus Sicht der Kühe fehlt in der Praxis die „0-Variante“, die für eine vergleichende Betrachtung auf dem Hof ebenfalls vorhanden sein müsste.

Entscheidungshilfen im Überblick

In Zeiten unbefriedigender Milchpreise bzw. unsicherer Perspektiven könnte man zu der Ansicht gelangen, sich den Einsatz von Siliermitteln zu sparen. Aber folgende Aspekte gilt es, bei der aktuellen Entscheidung zu bedenken:

  • Aufgrund des natürlichen Besatzes mit Milchsäurebakterien – sowohl homofermentative (milchsäurebildend) als auch heterofermentative (zusätzlich essigsäurebildend, gut für Lagerstabilität) – wird jeder Grasaufwuchs eine „natürliche“ Silierung bei Luftabschluss durchlaufen. In der Natur kann aber nicht über die Bakterienstämme und deren Konzentration entschieden werden. Aus den Vorjahren ist bekannt, dass bei kalten Witterungsbedingungen die natürliche Konzentration unzureichend ist. Gerade in der konkurrenzintensiven Startphase nach dem Einsilieren, schaltet eine zügige Absenkung des pH-Wertes Gärschädlinge aus. Hier lenken und beschleunigen die zugesetzten Siliermittel den Silierprozess mit definierten Bakterienstämmen in definierter Konzentration. Sillierhilfsmittel mindern das Risiko einer Fehlgährung.
  • Siliermittel können Fehler durch eine unprofessionelle Silierpraxis nicht abstellen. Der Eintrag von Clostridien und Buttersäurbakterien durch verschmutztes Futter (Maulwürfe, Wildschweine, neue Ansaaten) wird durch die Verwendung von Siliermitteln nicht beseitigt. Ihre Aufgabe ist, hoch verdauliches Futter vor dem unerwünschten Abbau während des Silierprozesses schützen. Gutes Futter soll gut bleiben, schlechtes Futter wird schlecht bleiben.
  • Silageentnahme, Foto: D. Menzler, BLE/ BonnDie Siliermittelkosten ergeben sich aus der Erntemenge und dem Preis für das Siliermittel. Bei der Erntemenge gehe ich von Trockenmasseerträgen zwischen 20 und 32 dt TM/ha aus bzw. 60 bis 100 dt Frischmasse pro ha. Die Preise für die Siliermittel schwanken stark zwischen 0,8 bis über 6 € je t Frischmasse. In der Regel wird von den Lohnunternehmern kein (nennenswerter) Aufpreis für das Eingeben der Siliermittel bei der Ernte verlangt. Insgesamt ergeben sich je ha Kosten von 5 € aufwärts, was in Relation zu den übrigen Kosten bei der Futterbergung nicht sehr ins Gewicht fällt.
  • Bei der Siliermittelwahl ist man häufig an das vorgegebene Angebot des Lohnunternehmers gebunden. Für Bio-Betriebe ist wichtig, dass die Siliermittel keine Enzyme enthalten, die in der Regel nicht bio-konform sind. Auch bei den Säurezusätzen - nur notwendig bei TS-Gehalten unter 28% - sollte genauer nachgefragt werden, weil hier die Bio-Zulassung beschränkt ist. Empfohlen sind Produkte allein mit homofermentativen Milchsäurebakterien. Wenn Sie die Wahl haben, so achten Sie zusätzlich noch auf die DLG-Einstufung 4c „Mittel zur Verbesserung der Milchleistung“. Es ist nicht erkennbar, dass höherpreisige Produkte einen Mehrwert haben. Sind Nacherwärmungen zu befürchten – geringer Vorschub bei Sommerfütterung –, ist der Einsatz der teureren, heterofermentativen Milchsäurebakterien sinnvoll.

Grundsätzliches

Setzen Sie flüssige Siliermittel ein, um das Ziel einer schnellen Silierung zu erreichen. Der Einsatz von Siliermitteln entbindet nicht von der Pflicht, die „gute fachliche Praxis“ einzuhalten, d.h. kurze Feldliegezeiten, kein Erdkontakt, Einfahren in dünnen Schichten, sorgfältiges Abdichten des Silos. Dies bedeutet auch, möglichst zuckerreiches Ausgangsmaterial zu ernten, andernorts wird deshalb Bio-Melasse zugesetzt, dies ist die Nahrungsgrundlage der Milchsäurebakterien. Die Empfehlung, dem Gras vor dem Schnitt einige Stunden Sonnenschein zu geben und ein Überaltern des Aufwuchses zu vermeiden, gilt immer.

Quelle und Ansprechpartner: Informationsdienst Milch- und Rinderproduktion (MIR) Nr. 18, 07. Mai 2010, Christoph Drerup, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02945-989-560, E-Mail: christoph.drerup@lwk.nrw.de

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Stand: 12.05.2010 11:38