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Öko-Ferkel: Inulin und Ackerbohnen geprüft
Ist durch den Einsatz von Inulin eine Stabilisierung oder gar Verbesserung von Fitness und Leistung bei Sauen und Ferkeln möglich und lässt sich durch den Einsatz extrudierter statt getoasteter Ackerbohnen eine Leistungssteigerung bei Ferkeln erreichen? Diesen Fragen wurde im Rahmen eines vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) geprüften Projektes in Haus Düsse nachgegangen. Dr. Gerhard Stalljohann und Sybille Patzelt erläutern die Ergebnisse.
Inulin — ein schwer lösliches Kohlenhydrat
Inulin ist ein Oligosaccharid und zählt zu den schwer löslichen Kohlenhydraten, die kaum mit körpereigenen Enzymen, sondern eher mit Darmkeimen verdaut und verwertet werden. Dadurch sollen sie zu einer positiven Keimbesiedlung des Darms, vor allem des Dickdarms, beitragen und die Abwehrleistung des Darms gegenüber krankmachenden Keimen erhöhen und auch die Leistungsbereitschaft verbessern.
Durch Extrudieren von Futterkomponenten sollten die Nährstoffe eines Futters gegenüber Toasten noch mehr aufgeschlossen, quasi zerlegt werden, um die Verdauung bei Ferkeln zu verbessern. Ein vorrangiges Interesse bestand darin festzustellen, ob durch eine Zugabe von Inulin zum Trage- und Säugefutter positive Einflüsse auf biologische Leistungen der Sauen und auf Vitalität und Gesundheitsstatus der Ferkel, bereits während der Säugephase, zu verzeichnen sind.
Mit und ohne Inulin
Im Öko-Versuchsstall des Landwirtschaftszentrums Haus Düsse wurde die Sauenherde für den Projektzeitraum im Drei-Wochen-Rhythmus geführt und in zwei Futtergruppen geteilt: In eine ohne Inulin-Zulage zum Futter als Kontrollgruppe (KG) und eine andere mit Inulin-Zulage als Versuchsgruppe (VG). Sauen, die eine Inulin-Zulage erhielten, blieben bis zum Projektende in dieser Versuchsgruppe und bekamen fortlaufend über das Trage- und Säugefutter Inulin.
Die von diesen Sauen gesäugten Ferkel bekamen ab der vierten Lebenswoche ebenfalls eine Inulin-Zulage zum Saugferkel-Beifutter. Die Sauen und Ferkel der KG erhielten entsprechend der VG gleiche Futterrationen, jedoch ohne Inulin-Zulagen.
Tabelle 1: Mittlere Sauenleistungen ohne und mit Inulin-Zulage zum Trage- und Säugefutter
Fütterungsstrategien |
Trage- und Säugefutter ohne Inulin-Zulage |
Trage- und Säugefutter mit Inulin-Zulage |
Anzahl Würfe |
71 |
70 |
Wurfnummer |
3,3 |
3,7 |
Anzahl tot geborener Ferkel |
0,9 |
1,1 |
Anzahl lebend geborener Ferkel |
13,4 |
12,8 |
Anzahl Ferkel nach Wurfausgleich |
12,6a |
12,2b |
Anzahl abgesetzte Ferkel |
10,0 |
10,0 |
Geburtsgewicht/Wurf, kg |
18,09 |
19,0 |
Absetzgewicht/Wurf, kg |
121,6 |
129,5 |
Tragezeit, Tage |
116 |
116 |
Säugezeit, Tage |
43,3 |
44,0 |
Zwischenwurfzeit, Tage |
182 |
177 |
Saugferkelverluste, % |
20,4 |
17,1 |
Laktationsfutter, kg |
267,1 b |
288,2 a |
Substanzverlust, % |
3,2 |
4,0 |
Positiv unterstützt
Mit 19,0 kg Geburtsgewicht je Wurf und mit 129,5 kg Absetzgewicht je Wurf erzielten die Ferkel der mit Inulin versorgten Sauen tendenziell höhere Gewichte als die der KG. Das Geburtsgewicht je Wurf lag in der KG bei 18,9 kg und das Absetzgewicht je Wurf bei 121,6 kg. Die Saugferkelverluste konnten um 3,3 Prozentpunkte, von 20,4 % auf 17,1 % reduziert werden. Das mittlere Geburtsgewicht der Saugferkel war signifikant unterschiedlich und lag mit 1,56 kg in der VG um 80 g höher gegenüber dem Geburtsgewicht der Ferkel der KG, die 1,48 kg erreichten.
Die Saugferkel der mit Inulin versorgten Sauen entwickelten sich auch während der Säugezeit leistungsmäßig besser. Die Absetzgewichte der Ferkel betrugen 13,0 kg in der VG und 12,3 kg in der KG. Hieraus errechnen sich tägliche Zunahmen von 257 g in der VG und 248 g in der KG. Ein abschließender Vergleich der so gefütterten Sauen und Ferkel zeigt, dass durch Inulin-Zulagen zum Trage- und Säugefutter die Sauenfruchtbarkeitsleistungen positiv unterstützt und die Vitalität der Saugferkel tendenziell gesteigert werden konnten (siehe Tabelle 1).
Mit Inulin wird’s teurer
Diesen Vorteilen stehen natürlich die entstandenen Kosten der hier eingesetzten Inulin-Zulagen durch Topinamburmehl entgegen. Bei kalkulierten Futterkosten von 735 € und einer Kalkulation, dass 20 Ferkel pro Sau und Jahr abgesetzt werden, entstehen Mehrkosten von 3,30 €/Ferkel.
Aufgrund dieser vergleichsweise hohen Kostensteigerung je Ferkel stellt sich die Frage, ob eine Inulin-Zulage durch Topinamburmehl für einen kürzeren Zeitraum, zum Beispiel rund um die Geburt, die gleichen Effekte, dann aber mit geringeren Kosten, erbringen würde. Sollte eine Inulin-Zulage dem Säugefutter beigefügt werden, würden bei gleicher Kalkulation nur noch Mehrkosten von 1,50 €/Ferkel anfallen.
Falls eine andere Inulin-Quelle nutzbar wäre, zum Beispiel Chicoree, würden bei einer Inulin-Zulage im Trage- und Säugefutter nur noch Mehrkosten von 0,32 €/Ferkel und bei einer Zulage von Chicoree nur im Säugefutter, Mehrkosten von 0,15 €/Ferkel anfallen. Zu Versuchsbeginn lag für Chicoree eine Bio-Zulassung durch die zuständige Kontrollstelle vor, diese Zulassung wurde dann aber aufgrund futtermittelrechtlicher Umstände von der zuständigen Kontrollbehörde zurückgezogen.
Im vorangegangenen Projekt in Haus Düsse konnte festgestellt werden, dass das Toasten der Ackerbohnen unter anderem einen positiven Effekt auf Vitalität und Leistungen der Ferkel erbrachte und zwar über eine Verbesserung des Hygienestatus sowie Nährstoff- und Stärkeaufschluss im Ferkelfutter. Die Größenordnung des Stärkeaufschlusses konnte jedoch mit der zur Verfügung stehenden Methode kaum messbar ermittelt werden.
Deshalb sollte in diesem Projekt zusätzlich geprüft werden, ob durch ein Extrudieren gegenüber dem Toasten ein deutlich messbarer Aufschlussgrad in der Ackerbohne erreicht werden kann und daraus wiederum ein positiver Effekt auf die Fitness und Leistung der Ferkel ausgeübt wird. Hierzu wurden in der Versuchsgruppe 22 % extrudierte Ackerbohnen und in der Kontrollgruppe 22 % getoastete vergleichend eingesetzt und geprüft.
Tabelle 2: Mittlere Ferkelleistungen in Abhängigkeit von der Aufbereitungsform der Ackerbohnen
Aufbereitungsform der Ackerbohnen |
extrudiert |
getoastet |
aufgestallte Ferkel |
739 |
702 |
ausgewertete Ferkel |
730 |
699 |
Absetzgewicht, kg |
12,9 |
12,5 |
Aufzuchtdauer, Tage |
29 |
29 |
Futteraufnahme, g |
870 |
870 |
tägliche Zunahme, g |
473 |
496 |
Endgewicht, kg |
26,7 |
27,0 |
| Futterverbrauch je kg Zuwachs, kg | 1,84 |
1,76 |
|
|
|
Getoastete brachten mehr
Es konnte festgestellt werden, dass extrudierte Ackerbohnen in den Ferkelaufzuchtfuttern, gegenüber den getoasteten, zu keiner Leistungssteigerung der Ferkel geführt haben. Es zeigte sich eher die Überlegenheit der Ferkel der getoasteten Ackerbohnen-Gruppe mit signifikant höheren täglichen Zunahmen von 519 g im Vergleich zur extrudierten Ackerbohnen-Gruppe, die eine tägliche Zunahme von 461 g erreichten. Das Endgewicht der Ferkel, die getoastete Bohnen bekamen, lag tendenziell mit 28 kg um 3 kg höher als das Endgewicht der Ferkel, die extrudierte Ackerbohnen erhielten und ein Gewicht von 25 kg erzielten (siehe Tabelle 2).
In einer weiteren Auswertung wurde geprüft, inwieweit sich eine Inulin-Zulage in Kombination mit dem Einsatz extrudierter beziehungsweise getoasteter Ackerbohnen auf die Leistungsdaten der Aufzuchtferkel auswirkt. Die durchschnittlichen Gewichte der Ferkel nach dem Absetzen in den vier Fütterungsstrategien schwankten von 12,0 kg bis 13,8 kg. Nach jeweils 29 bis 30 Aufzuchttagen, am Ende der zehnten Lebenswoche, wogen die Ferkel der Futtergruppe AFe2 28,6 kg und erzielten somit das höchste Endgewicht. Die Ferkel der Futtergruppe AFg3 erreichten im Mittel 27,9 kg, die Ferkel der Futtergruppe AFg4 26,0 kg und die Ferkel der Futtergruppe AFe1 25,0 kg.
Aus der Differenz der Anfangs- und Endgewichte sowie der Aufzuchtdauer und unter Berücksichtigung einheitlicher Säugezeiten und Geburtsgewichte, errechnen sich tägliche Zunahmen von 519 g für die Futtergruppe AFg3, 474 g für die Futtergruppe AFe2, 482 g für die Futtergruppe AFg4 und 462 g für die Futtergruppe AFe1. Vor dem Hintergrund der wiederholten Aufstallungen und der dennoch nicht ausgeglichenen Anfangsgewichte in den Gruppen kann festgestellt werden, dass die Futtergruppe AFg3 auch unter Einbeziehung des um 1 kg niedrigeren Absetzgewichtes, gegenüber der Futtergruppen AFe2, ein um etwa 45 g signifikant höher liegendes Zunahmeniveau erzielte.
Tabelle 3: Ferkelleistungen in der Aufzuchtphase in Abhängigkeit der Futtervarianten
Fütterungsstrategien |
Extrudierte AB |
Getoastete AB |
||
|
ohne Inulin |
mit Inulin |
ohne Inulin |
mit Inulin |
|
AFe1 |
AFe2 |
AFg3 |
AFg4 |
aufgestallte Ferkel |
377 |
362 |
366 |
336 |
ausgewertete Ferkel |
374 |
356 |
363 |
336 |
Absetzgewicht, kg |
12,0 |
13,8 |
12,8 |
12,2 |
Endgewicht Ende 10. Woche, |
25,0 |
28,6 |
27,9 |
26,0 |
Aufzuchtdauer, Tage |
29 |
30 |
29 |
29 |
Futteraufnahme je Tier/Tag, |
860 |
880 |
900 |
840 |
tägliche Zunahme, g |
461 b |
474 b |
519a |
482 b |
| Futterverbrauch je kg Zuwachs, kg | 1,91 |
1,77 |
1,74 |
1,77 |
|
|
|
|
|

Die tägliche Futteraufnahme in den Futtergruppen schwankte zwischen dem höchsten Futterverbrauch von 900 g Futter je Ferkel und Tag in der Futtergruppen AFg3 und der niedrigsten Futteraufnahme von 840 g Futter je Ferkel und Tag in der Futtergruppen AFg4. Aus dem gemessenen Futterverbrauch und dem erzielten Zuwachs errechneten sich die aufgeführten Futterverwertungen.
Mit 1,74 kg Futter je kg Zuwachs erzielten die Ferkel der Futtergruppen AFg3 den günstigsten Futterverbrauch, gefolgt von den Ferkeln der Futtergruppe AFg4 und AFe2 mit je 1,77 kg Futter je kg Zuwachs. Mit 1,91 kg Futter je kg Zuwachs in der Futtergruppe AFe1 wurde eine deutlich schlechtere Futterverwertung erzielt (siehe Tabelle 3).
Keine Tierverluste
Bei einem Vergleich aller vier Futtervarianten - extrudierte Ackerbohnen mit und ohne Inulin-Zulage sowie getoastete Ackerbohnen mit und ohne Inulin-Zulage - wird insgesamt ersichtlich, dass während der Aufzuchtphase des Projektzeitraumes sehr geringe Tierverluste vorlagen. Hervorzuheben ist, dass in der Futtergruppe getoasteter Ackerbohnen mit Inulin-Zulage kein Tier verendete.
Während der gesamten Aufzucht fielen von den 1.441 beprobten Ferkeln insgesamt nur zwölf Tiere aus. Daraus kann geschlossen werden, dass bei gleichzeitigem Einsatz von aufgeschlossenen Ackerbohnen und behandelten Weizenflocken das Angebot besser verdaulicher Kohlenhydrate zu einer positiven Beeinflussung der Verdauungsvorgänge bei den abgesetzten Ferkeln geführt hat und damit fütterungsbedingten Verdauungsstörungen mit Durchfallerkrankungen bis hin zu Totalverlusten vorgebeugt hat.
Quelle: LZ Rheinland Ausgabe 50, 15. Dezember 2011
AnsprechpartnerIn: Dr. Gerhard Stalljohann und Sybille Patzelt, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
