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Anlässlich der 5. Internationalen Tagung
zur ökologischen Schweinehaltung Anfang Februar 2006 in Seddin gab es im
und neben dem Plenum offene Diskussionen zur Entwicklung des Bio-Schweinefleisch-Marktes
in Deutschland. Nahezu alle maßgeblichen Vermarkter von Bio-Schweinefleisch
waren anwesend und schilderten ihre Sicht der Dinge.
Derzeit nur ein Problem für Vermarkter: Wo bekomme ich Bio-Schweine her!
Nahezu einhellig berichteten alle Vermarkter davon, dass derzeit dringend
Bioschweine gesucht werden. Die Frage, warum sich das nicht nachhaltiger auf
den Preis auswirkt d.h., warum die Preise nicht deutlicher steigen, beantworteten
die Vermarkter ebenfalls einhellig: Mehr ist am Markt nicht zu holen. Derzeit
wird nach Auskunft der Vermarkter bis zu 2,40 €/kg bezahlt und da ist
ihrer Meinung nach auch das Ende der Fahnenstange erreicht.
Marktwachstum von rund 25 % in 2006 erwartet
Nach einer vorab erfolgten Umfrage von Rainer Löser erwarten die Vermarkter in 2006 einen deutlichen gesteigerten Absatz von Bio-Schweinefleisch. Sind in 2005 noch schätzungsweise 130.000 Bioschweine verkauft worden, wird der Marktbedarf für das laufende Jahr auf rund 160.000 Bio-Schweine geschätzt.
Mit dem Ende der Ausnahmegenehmigungen in 2010 werden viele kleine Schweinehalter aussteigen
Landwirte, Berater und Vermarkter schätzten die Situation so ein, dass in vielen Betrieben der Aufwand für z. B. die Schaffung eines Auslaufes in 2010 zu groß sein wird und die Betriebe dann aus der Produktion aussteigen werden. Ob dies allerdings zu einer „Marktentlastung“ führen wird, ist unklar, da es sich vorrangig um kleine Betriebe handelt. Sollte es dadurch zu einer Konzentration der Bio-Schweinehaltung auf größere Bestände kommen, ist vermutlich damit zu rechnen, dass die Qualitäten einheitlicher und besser werden.
Qualitäten müssen besser werden!
Ein „heißes Eisen“ sprachen Prof. Sundrum, aber auch die Vermarkter an: Nach ihrer Einschätzung ist die Qualität von Bio-Schweinefleisch nicht ausreichend. Die Tatsache, dass nach wie vor nach Magerfleischanteilen bezahlt, gezüchtet und gefüttert wird, führt dazu, dass die wesentlichen Parameter zur Verbesserung des Geschmacks vernachlässigt werden. Sven Euen von der Firma tegut brachte es auf den Punkt: „Wir dürfen die Fehler der konventionellen Fleischvermarktung nicht wiederholen! Zu beobachten ist leider ein anderer Trend: Bio-Schweinefleisch wird mehr und mehr nach dem Kriterium der Fleischfülle bewertet, obwohl die Beteiligten an diesem Marktsegment den Antagonismus zwischen Fleischfülle und Fleischqualität kennen. Es ist noch nicht zu spät, den Verbraucher langfristig über gute Fleischqualitäten an die Bio-Fleischbranche zu binden!“
Intramuskulärer Fettanteil (IMF) im Fleisch wichtig
Die anwesenden Experten waren sich einig, dass Bio-Schweinefleisch langfristig
nur dann eine Marktchance hat, wenn es nachhaltig, d.h. regelmäßig
besser schmeckt als konventionelles Schweinefleisch. Es ist bekannt, dass Fleisch
mit einem höheren Anteil an IMF einen besseren Geschmack aufweist. Prof.
Sundrum zeigte eindrucksvoll, wie der IMF als Parameter über Zucht und
Fütterung gesteigert werden kann. Es ist ratsam, die vorgestellten Strategien
gemeinsam mit Schweinehaltern und Vermarktern zu erörtern und nach guten
Lösungsansätzen zu suchen.
Ansprechpartner: Dr. Karl Kempkens, Ökozentrum Köln-Auweiler,
Tel.: 0221/5340-177,
E-Mail:Karl.Kempkens@lwk.nrw.de
