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Biosauen: Stroh und Familienstall inklusive

Ulla und Manfred von den Driesch mit ihren Söhnen, Foto: M. MaßfellerIn den letzen Winkel von Nordrhein-Westfalen, nach Hopsten-Halverde, hat es die Ex-Rheinländer auf der Suche nach einem geeigneten Hof verschlagen. Da auf dem Betrieb mit 14 ha Ackerland bereits früher Sauen gehalten wurden, konnte Vieles von der vorhandenen Stalleinrichtung übernommen werden.

„Die Gebäudesubstanz war gut und die einzelnen Produktionsbereiche ließen sich so umbauen, dass wir die Richtlinien von Bioland erfüllen konnten“, erzählt Manfred von den Driesch. Er stammt von einem Milchviehbetrieb aus Heinsberg und ist erst während seiner Ausbildung zum staatlich geprüften Landwirt „auf das Schwein gekommen“. Dass nach ökologischen Gesichtspunkten produziert wird, stand für die 35 und 40-jährigen Betriebsleiter außer Frage.

Durchdachtes Management, viele Detaillösungen

Mit 70 Sauen bewegen sich von den Driesch in der oberen Liga der Biosauenhalter. Und das nicht nur der Bestandsgröße wegen, sondern vor allen Dingen aufgrund der sehr guten Leistungen. Die aktuellen Daten aus dem Sauenplaner weisen 21,91 abgesetzte Ferkel/Sau/Jahr bei 2,1 Würfen aus. „Das ist in der Biobranche Spitze und das Ergebnis einer sehr strukturierten Arbeit“, freut sich neben den Eheleuten auch Christian Wucherpfennig, der den Betrieb als Kammerberater betreut. „Ein durchdachtes Management, viele Detaillösungen, ein hoher persönlicher Einsatz und die Freude an der täglichen Arbeit mit den Tieren sind die tragenden Säulen des Erfolges“, bringt es der Experte für ökologische Schweinehaltung auf den Punkt.

Keine Zeit für Langeweile

In den ersten tagen erhalten die Ferkel ein hochwertiges Aufzuchtfutter, Foto: M. MaßfellerBei mehr als 25 AKh je Sau und Jahr steht fest, dass Langeweile bei Familie von den Driesch ein Fremdwort ist, zumal sie den Bestand auf 80 Sauen erweitern wollen. Neben Manfred von den Driesch arbeitet auch seine Frau im Sauenstall mit – dennoch heißt es haushalten mit der Arbeitszeit. Da Stroheinstreu und Auslauf ein Muss im organischen Landbau sind, werden alleine schon hier viele Arbeitsstunden gebunden. Gefüttert und entmistet wird bei von den Drieschs vorwiegend von Hand; lediglich im Auslauf des Wartestalles und im Deckzentrum kommt der Hoftrac zum Einsatz. Aus Platzgründen bleibt die Schubkarre in den Altgebäuden treuer Begleiter bei der täglichen Arbeit.

Futter-Mist-Kooperation

Am Stroh wird auf dem Hof nicht gespart. Pro Jahr finden insgesamt 2100 kleine Hochdruckballen ihren Weg in Abferkelabteile, Familienstall, Deckzentrum, Wartestall und Flatdeck –weitere 900 Ballen Heu landen in den Mägen der Tiere. Da der Futterbedarf auf den eigenen Flächen nicht gedeckt werden kann, arbeitet man mit einem in der Nähe liegenden Biobetrieb in Form einer zusammen. Laut Bio-Richtlinie müssen mindestens 50 % des Futterbedarfs auf den eigenen Flächen erzeugt werden. Probleme mit Mykotoxinen oder Spulwürmern gibt es bei guter Strohqualität kaum. Zweimal im Jahr wird jede Sau beim Wechsel in die Abferkelbucht entwurmt.

Vorhandene Einrichtungen mit neuer Funktion

Der stets geöffnete Kastenstand dient als Abgrenzung zum Schutz der Ferkel im Ferkelnest, Foto: M. MaßfellerMit viel Geschick hat Manfred von den Driesch den vorhandenen Abferkelstall in Eigenleistung so umgebaut, dass trotz der vorhandenen Stützpfeiler elf Abferkelplätze mit mindestens 7,5 m² je Bucht entstanden. Die Kastenstände sind erhalten geblieben, haben aber nun – in stets geöffnetem Zustand – eine neue Funktion: Sie dienen als Abgrenzung zum Ferkelnest und bieten zusätzlich in altbewährter Form Fluchtmöglichkeit für die Ferkel.

Der hintere Teil der mit Stroh eingestreuten Bucht ist mit Spalten ausgelegt, damit die Jauche abfließen kann, ohne dass die Ferkel mit ihr in Kontakt kommen. Das aufgekantete Brett, das Stroh und Spaltenboden abtrennen sollte, hat der Sauenhalter nach dem ersten Wurf wieder entfernt; es wurde für einige Ferkel beim plötzlichen Abliegen der Muttersau zur tödlichen Falle.

Drei-Wochen-Rhythmus durch gute Planung

Als Sauenhalter schwört der Landwirt auf den Drei-Wochen-Rhythmus und profitiert von den arbeitswirtschaftlichen Vorteilen des Systems: „Der Drei-Wochen-Rhythmus ermöglicht eine gute Planung und kappt Arbeitsspitzen. Die Sauen ferkeln gebündelt ab, so dass auch nur alle drei Wochen eine  Ferkelwache notwendig ist.“ Auch Ulla von den Driesch schätzt den festen Arbeitsrhythmus. Als ausgebildete Krankenschwester sorgt sie im Abferkelstall mit gekonnter Hand für einen guten Start der Ferkel. „Hier liegt das Geheimnis unseres Erfolges“, weiß ihr Mann ihre Arbeit zu schätzen. Dennoch ist außer Frage, dass der sechsjährige Hendrik und sein drei Jahre jüngerer Bruder auf Platz 1 stehen. „Alle drei Wochen spielt sich unser Wochenende zu großen Teilen im Sauenstall ab“, lacht Ulla von den Driesch. „ Zum Glück ferkeln die meisten Sauen tagsüber und vorwiegend freitags oder samstags. Der Sonntag verläuft dann schon ruhiger.“ Das medikamentelle Einleiten der Geburt ist nach den Richtlinien von Bioland nicht erlaubt.

Abferkelstall: Erst duschen, dann aufstallen

Auch im Familienstall sorgt das Gitter am Ferkelnest für Schutz, Foto: M. MaßfellerHygiene wird auf dem Betrieb groß geschrieben. Bevor die bereits entwurmte Gruppe mit jeweils acht Sauen den Abferkelstall betritt, ist „Waschtag“. Das reduziert nicht nur die Keime, die Sauen genießen den Waschvorgang mit Bürstenmassage und Behandlung gegen Außenparasiten sichtlich. Aufgestallt werden die Sauen rund drei Tage vor dem Abferkeltermin. Neben Kraftfutter ist Heu das Futtermittel der Wahl. Erst wenn sich nach der Geburt am Kot zeigt, dass die Verdauung der Sau in Ordnung ist, wird die Heuration zugunsten des Kraftfutters zurückgefahren. Zum Geburtsmanagement gehört neben dem Trockenreiben und Ansetzen der Ferkel auch das Füllen des Troges mit Wasser. Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Sauen einfach zu erschöpft sind, um die Tränke zu bedienen und das Wasser im Trog begierig aufnehmen, berichtet Ulla von den Driesch.

Viele große Würfe, Erdrückungsverluste vermeiden

Bei einer durchschnittlichen Wurfgröße von 12,34 lebend geborenen Ferkeln gehört der Wurfausgleich zur gängigen Praxis. Würfe mit 18 oder mehr Ferkeln sind keine Seltenheit, aber auch kein Grund zu übermäßiger Freude. „Große Würfe gehen mit niedrigeren Geburtsgewichten einher. Das erschwert den Ferkeln den Start ins Leben und verlangt von uns eine intensive Betreuung der Würfe. Auch wenn wir sonst sehr wenig erdrückte Ferkel zu beklagen haben – in großen Würfen mit schwachen Ferkeln steigt die Erdrückungsrate“, zählt der Landwirt die Nachteile des vermeintlichen Ferkelsegens auf.
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Individuelle Fütterung mit deutlichen Vorteilen

Von der Genetik her - DL x DE - unterscheiden sich die Sauen im ökologischen Landbau nicht von ihren Artgenossinnen aus klassischer Haltung. Vielmehr wird vermutet, dass Bewegung und Auslauf die Anzahl der sich in die Gebärmutter eingenisteten Eizellen erhöhen. Hinzu kommt, dass sich die meisten Sauen auf dem Betrieb im dritten Wurf befinden und zwischen dem dritten und fünften Wurf ihre höchste Fruchtbarkeit erreichen. Sauen mit großen Würfen benötigen viel Energie, um ohne allzu großen Gewichtsverlust ausreichend Milch produzieren zu können. Hier hat das Füttern von Hand seinen Vorteil, denn alle Sauen erhalten zweimal täglich ihre individuelle Rationsmenge und wenn nötig, auch ein drittes Mal.

Familienstall: Vier Sauen und 40 Ferkel

Jeweils 3 bis4 ferkelführende Sauen teilen sich eine Familienbucht, Foto: M. MaßfellerFüttern und Entmisten gehen mit einer intensiven Tierkontrolle einher. Das macht sich besonders im Familienstall bezahlt, in welchen die Sauen samt ihrer Ferkel zehn bis 14 Tage nach der Geburt umgestallt werden. Je drei bis vier ferkelführende Sauen teilen sich eine Bucht, die sich in Auslauf, eingestreute Liegefläche, Ferkelnest und Kastenstände gliedert. Der Familienstall bietet mit seinen drei Buchten genügend Platz für insgesamt zehn bis zwölf Sauen, so dass eine Aufstockung des Bestandes auf 80 Sauen problemlos möglich ist. Rund 4,5 Wochen bleibt die kleine „Rotte“ im Familienstall beieinander, so dass die Säugezeit bei insgesamt 6,5 Wochen liegt. Der enge Kontakt zum Tier, der beim Entmisten und Füttern entsteht, erleichtert den Umgang mit Sauen und Ferkeln sehr; die Tiere sind ruhig, lassen sich gut umtreiben und nehmen auch die Impfung gegen Rotlauf und Parvo gelassen hin. Seit einiger Zeit impfen von den Drieschs die Ferkel gegen Mykoplasmen, und das mit gutem Erfolg. „Die Ferkel haben einen besseren Gesundheitsstatus. Das freut nicht nur uns, sondern auch die Mäster“, berücksichtigt der Landwirt die Belange seiner Käufer.

Natürlichen Bedürfnissen Rechnung tragen

Wie in den übrigen Produktionsbereichen, ist auch der Auslauf im Familienstall ganzjährig zugänglich. „Der Familienstall erfüllt zum einen das natürliche Bedürfnis der ferkelführenden Sauen nach Kontakt untereinander. Zum anderen bauen die Sauen hier ohne große Rangeleien eine stabile Rangordnung auf. Das macht sich im Deckzentrum und im Wartestall bezahlt“, zählt Ulla von den Driesch weitere Pluspunkte auf. Nach gut eineinhalb Monaten trennen sich die Wege von Sau und Ferkel endgültig.

Der Auslauf ist teiweise überdacht. Das schützt vor Regen und Sonnenbrand. Foto: M. MaßfellerUm den rund 8 bis 10 kg schweren Ferkeln die ersten Tage im Aufzuchtstall zu erleichtern, erhalten sie ein hochwertiges Aufzuchtfutter, das Magermilchpulver enthält. Außerdem setzen von den Drieschs dem Futter zehn Tage lang etwas Obstessig zu, um Durchfälle schon im Keim zu ersticken.

Deckzentrum mit Auslauf

Während die Ferkel im Aufzuchtstall und Auslauf ihrem Verkaufsgewicht von durchschnittlich 28 kg entgegenwachsen, gelangen die Sauen nach dem Absetzen ins Deckzentrum.
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Feste Abnehmer in NRW

Die Ferkel aus Hopsten haben einen guten Ruf unter den ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Kein Wunder, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Manfred und Ulla von den Driesch arbeiten mit zwei festen Abnehmern im Rhein- und Münsterland zusammen, die ihre Ferkel selbst abholen. Beide Seiten wissen den engen Kontakt untereinander zu schätzen. Von den Drieschs erhalten eine Rückmeldung über die Mastleistung ihrer Tiere und die Käufer erfahren, wie sich die Gruppe bisher entwickelt hat. „Unsere Geschäftsbeziehung ist längst in ein freundschaftliches Verhältnis übergegangen“, freuen sich die Ferkelerzeuger über die konstruktive Zusammenarbeit.

Für ein Ferkel aus ökologischer Herkunft zahlt der Mäster zwischen 90 und 100 €. Damit ist der Preis bedeutend höher als derzeit auf dem klassischen Ferkelmarkt erzielbar. Auch die Jungsauen lassen die Biobauern tiefer in die Tasche greifen: Hier wechseln je Jungsau 420 € den Besitzer. Diesen Preisen stehen höhere Arbeits- und Futterkosten gegenüber. Auch der Platzbedarf ist größer. Dennoch wird der Markt für Bioferkel auch in absehbarer Zukunft ein Nachfragemarkt bleiben, sind Manfred und Ulla von den Driesch überzeugt. Und da die beiden mit Begeisterung bei der Sache sind, schmieden sie bereits neue Pläne. Neben der Aufstockung des Bestandes, die in Kürze erfolgen soll, überlegen sie, in die Reinzucht von Elterntieren einzusteigen.


Quelle:
Maria Maßfeller

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Stand: 08.11.2007 00:00