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Milchkühe
Wirtschaftliche Einordnung
Wiederkäuer sind im ökologischen Landbau von besonderer Bedeutung. Sie können die systembedingt notwendigen, humusmehrenden Futterbaukulturen mit Leguminosen für die Erzeugung hochwertiger tierischer Eiweiße nutzen. Ein ausgewogenes Verhältnis von Rinderhaltung und Pflanzenbau wird deswegen angestrebt.
Die Milchviehhaltung
ist die im Ökologischen Landbau mit Abstand bedeutendste Form der Tierhaltung
und hat in den vergangenen Jahren in Deutschland kontinuierlich zugenommen.
Nach dem Agrarbericht 2002 lag die Laktationsleistung auf den ökologischen
Betrieben bei 5.007 kg Milch. Die an Molkereien gelieferte
Bio-Milchmenge hat sich von 1991 bis 2000 vervierfacht. Im Jahre 2001 gab es
in Deutschland bundesweit mehr als 50 Molkereien, die Bio-Milch
verarbeiten. Praktisch alle Lebensmitteleinzelhandelsketten führen mittlerweile
ein Angebot an Öko-Molkereiprodukten. Der Milchabsatz erfolgt über
vertraglich gebundene Molkereien und hofeigene Verarbeitungseinrichtungen.
Haltung von Milchkühen
Weidehaltung während der Vegetationsperiode ist ein angestrebtes Ziel in der ökologischen Tierhaltung. Für Milchkühe sind mindestens sechs Quadratmeter Stallfläche pro Kuh vorgeschrieben. Die Bodenfläche der Stallungen darf höchstens zu 50 Prozent aus perforiertem Boden (z.B. Spaltenboden) oder Gitterstrukturen bestehen. Der planbefestigte Boden muss rutschsicher sein, Liegeboxen sind mit einer weichen Unterlage aus natürlicher Einstreu zu versehen. Jedem Tier müssen eine eingestreute Liegefläche und ein ungehinderter Zugang zu Futter und Wasser zur Verfügung stehen. Ökologisch gehaltenen Milchkühen muss Auslauf gewährt werden.
Um den gesetzlichen
Anforderungen für die ökologische Milchviehhaltung gerecht zu werden,
bieten sich Laufställe mit eingestreuten Liegeboxen, Tretmist-
oder Tieflaufställe an. Die ganzjährige Anbindehaltung ist im ökologischen
Landbau verboten. Moderne, artgerechte Stallbauten sind häufig als Außenklima-
oder Offenfrontstall ausgeführt. Systematische Enthornungen sowie Kuhtrainer
sind nicht erlaubt. Kälberhaltung in isolierten Kälberboxen ist verboten,
es muss Sozialkontakt möglich sein.
Fütterung von Milchkühen
Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Fütterung soll die Gesundheit der Tiere garantieren. Bei Milchkühen bestehen daher mindestens 60 Prozent der Trockenmasse der Tagesration aus frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter. Nur für hochleistende Milchkühe werden für eine begrenzte Zeit auch 50% erlaubt, damit es zu keiner Unterversorgung kommt. Kälber erhalten drei Monate natürliche Milch, vorzugsweise Muttermilch. Dieses bedeutet, dass Vollmilch getränkt oder Ammenkuhhaltung praktiziert werden muss.
Die Fütterung erfolgt auf der Basis von betriebseigenen Grund- und Kraftfuttermitteln. Übergangsweise (bis zum 24. August 2005) ist bis zu einem Anteil von zehn Prozent der Einsatz konventioneller Futtermittel bei Pflanzenfressern erlaubt. Nicht erlaubt sind chemisch-synthetische Futterzusätze zur Wachstumsförderung, Beeinflussung von Verdauungs- und Stoffwechselvorgängen oder vorbeugenden Behandlung von Krankheiten.
Gesundheit von Milchkühen
Im ökologischen Landbau ist das Ziel, Tiere gesund zu erhalten, statt Krankheiten zu kurieren. Hierbei sollen tiergerechte Lebensbedingungen, angemessene Leistungsansprüche und eine geeignete genetische Disposition inklusive Fitness der Tiere helfen. Die prophylaktische bzw. routinemäßige Gabe von Tierarzneimitteln (soweit nicht behördlich vorgeschrieben), hormonelle Behandlungen, synthetische Futterzusatzstoffe (außer Vitamine) oder Masthilfsmittel sind verboten. Impfungen sind erlaubt. Auch Entwurmungsmittel können eingesetzt werden, soweit Untersuchungen von Kotproben eine Behandlung als erforderlich erscheinen lassen.
Falls ein Tier trotzdem
krank wird, sind zunächst Naturheilverfahren (Homöopathie,
Phytotherapie etc.) einzusetzen. Wenn diese nicht die veterinärmedizinisch
gewünschte Wirkung zeigen, können auch im ökologischen Landbau
andere Tierarzneimittel eingesetzt werden, wenn sie vom Tierarzt
verschrieben werden. Ihre Anwendung ist jedoch strikten Regelungen unterworfen.
So sind doppelte Wartezeiten (mindestens 48 Stunden) einzuhalten. Wird ein Tier
mehr als dreimal pro Jahr mit chemisch-synthetisch hergestellten allopathischen
Tierarzneimitteln behandelt, dürfen die Produkte nicht mehr als ökologisch
vermarktet werden. Sämtliche Daten zur Tiergesundheit sowie der Gabe von
Medikamenten sind in einem Stallbuch zu vermerken und bei der
Betriebskontrolle vorzulegen.
Herkunft der Tiere
Tiere sind von anderen ökologischen Betrieben zu beziehen. Bei der Umstellung eines konventionellen Milchviehbetriebes auf die ökologische Produktionsweise kann der vorhandene Tierbestand mit Genehmigung der Kontrollstelle umgestellt werden. Bei gleichzeitiger Umstellung des Gesamtbetriebes beträgt die Umstellungszeit 24 Monate. Maximal 40% der Herde können nach vorheriger Genehmigung der Kontrollstelle für einen Bestandsaufbau oder nach unvorhersehbaren Ereignissen konventionell zugekauft werden - wenn Tiere aus ökologischem Landbau nicht in ausreichender Menge verfügbar sind.
Ansonsten dürfen zur Bestandsergänzung pro Jahr maximal 10% der Milchkuhherde konventionell als Färsen zugekauft werden. Kälber dürfen bei einem solchen Zukauf maximal 6 Monate alt sein. Für den Zukauf männlicher Zuchttiere bestehen keine Beschränkungen, soweit sie während ihres Einsatzes gemäß den Richtlinien gehalten werden.
Spezialinformationen zur Milchviehhaltung finden Sie in der Fachinfo unter
Tierhaltung-
Milchvieh>>
