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Ziegenhaltung
Wirtschaftliche Einordnung
Die Ziegenhaltung hat heute im Vergleich zu früher, als die Ziege als “Kuh des armen Mannes” galt und weit verbreitet war, nur noch geringe Bedeutung. Insgesamt werden im Bundesgebiet ca. 150.000 Ziegen gehalten und davon ca. 10% im ökologischen Landbau. Ziegen werden in Öko-Betrieben vor allem zur Erzeugung von Ziegenmilch und Ziegenkäsespezialitäten gehalten. Eine spezialisierte Fleischziegenhaltung ist dagegen wenig verbreitet. Darüber hinaus eignen sich Ziegen sehr gut zur Landschaftspflege, gerade auf Flächen, die nicht verbuschen sollen.
Ziegen sind neugierig
und lieben Abwechslung. Sie bilden stabile Herdenverbände und kümmern
sich intensiv um ihre Jungen. Jedoch sind sie empfindlich für schlechte
Witterung, verdorbenes Futter und mangelhafte Pflege oder Hygiene. Kranke Ziegen
sind oftmals nur schwer gesund zu bekommen. Bei artgerechter Haltung und aufmerksamer
Betreuung sind Ziegen jedoch leistungsfähig und genügsam.
Die Laktationsleistungen (285 Tage) der Ziegen liegen durchschnittlich bei 500-800
kg Milch, Leistungen über 1000 kg Milch darüber sind jedoch
keine Seltenheit.
Ziegenmilch mit ihrer gesundheitsfördernden Wirkung von einigen Konsumenten sehr geschätzt, Kuhmilchallergiker greifen gerne auf Ziegenmilch zurück und vor allem Ziegenkäse hat einen festen Platz im Sortiment der Spezialitäten. Der Markt für Ziegenprodukte ist noch relativ klein und ohne Weiterverarbeitung und funktionierende Selbstvermarktung (Stadtnähe) ist eine Ziegenhaltung kaum rentabel durchzuführen. Wo die betrieblichen und fachlichen Voraussetzungen gegeben sind, kann die Haltung von Ziegen und die Veredlung von Ziegenmilch einen erheblichen Beitrag zum Betriebseinkommen leisten.
Haltung von Ziegen
Ziegenhaltung ist ein kapitalextensiver Betriebszweig, sie stellt keine hohen Anforderungen an das Haltungssystem. Ein einfacher Kaltstall mit Tiefstreu reicht völlig aus. Die Ziegenhaltung eignet sich daher gerade zur Nutzung von Altgebäuden. Stallhaltung kombiniert mit Weidegang von Frühjahr bis Herbst ist sehr gut geeignet für die Milchziegenhaltung; in diesem Fall ist ein Winterauslauf nicht zwingend vorgeschrieben. Bei ganzjähriger Stallhaltung muss den Tieren, wann immer es die Bedingungen zulassen, Zugang zu einem Auslauf im Freien gewährt werden.
Die Stallfläche
je Ziege beträgt mindestens 1,5 m2, pro Zicklein 0,35 m2 und im Auslauf
müssen ihnen mindesten 2,5 bzw. 0,5 m2 Fläche zur Verfügung stehen.
Wird den Tieren ausreichend Platz, ein trockenes (60 –
80% LF) und zugluftfreies Stallklima mit genügend frischer, schadgas- und
staubarmer Luft geboten, ist die Stalltemperatur eher nebensächlich. Den
jungen Kitzen wird in kleinräumigen wärmeisolierten Schutzzonen ggf.
mit zusätzlichen Infrarotlampen die notwendige Temperatur angeboten. Lammenden
Tieren, vor allem Mehrlingsmuttern sollten für einige Tage Einzelstallplätze
geboten werden. Es ist genügend Fressplatz je Tier (bei erwachsenen Tieren
mind. 45 cm) vorzusehen, da es zu Auseinandersetzungen und Verletzungen durch
Rangordnungskämpfe kommen kann.
Der natürliche Lebensraum der Ziegen sind die Bergregionen. Deshalb klettern Ziegen gerne und schätzen einen erhöhten Ruheplatz. Entsprechende Holzkonstruktionen in mehreren Etagen sind ohne großen Aufwand in Selbstbauweise in den Stall zu integrieren und ermöglichen den Ziegen ein artgemäßes Verhalten.
Fütterung von Ziegen
Die Lämmer bleiben 45 Tage bei den Müttern. Den Jungtieren sollte möglichst schon ab der dritten Lebenswoche Heu und Trinkwasser zur freien Verfügung geboten werden. Grundsätzliche ist für die Ziegen als Wiederkäuer Weide in Verbindung mit Stroh- oder Heuangebot zur freien Verfügung vorzusehen, je nach Leistung ggf. auch etwas Silage oder Trockenschnitzel. Das Futter muss sauber und darf nicht verdorben sein, denn Ziegen reagieren darauf empfindlich. Bei Silagefütterung heißt das, dass nur einwandfreie, beste Silage verfüttert werden darf.
Der tägliche
Trinkwasserbedarf liegt gewöhnlich bei zwei Litern je Kilogramm aufgenommene
Trockenmasse, steigt aber während der Laktation oder bei Hitze deutlich
(ca. 6 – 7l) an. Die Tiere sollten deshalb ständig Zugang
zu frischem, sauberen Wasser haben. Der Mineralstoffbedarf der Tiere
(vor allem bei wachsenden und hochträchtigen Tieren) wird durch im Handel
erhältliche für den Ökologischen Landbau zulässige Mineralfuttermittel
abgedeckt. Lecksteine sollen den Tieren im Stall und auf der Weide standardmäßig
angeboten werden.
Gesundheit
Generelle Voraussetzung für einen gesunden Ziegenbestand sind hohe Hygienestandards bei Haltung und Fütterung, eine artgerechte, angemessene Fütterung, tiergerechte Haltung sowie eine optimale Tierbetreuung zu nennen. Ziegen sind auf der Weide vielen Parasiten und Infektionskrankheiten ausgesetzt. Deshalb ist bei der Weidehygiene besondere Sorgfalt anzulegen. Es gibt Schutzimpfungen gegen eine ganze Reihe von Infektionskrankheiten. Ggf. kann es angezeigt sein, nach tierärztlicher Diagnosestellung den gesamten Bestand zu impfen.
Rassenwahl
Am weitesten verbreitet in der Milchziegenhaltung sind vor allem bunte und
weiße deutsche Edelziege. Daneben haben auch Toggenburger und verschiedene
Kreuzungen eine nennenswerte Bedeutung.
