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Buch "Food Crash" erschienen
Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel hat sich auf der Pressekonferenz am 12. September in Berlin dafür ausgesprochen, bei der Bekämpfung des Hungers auf der Welt alle Möglichkeiten auszunutzen, inklusive des Ökolandbaus und der grünen Gentechnik. Anlässlich der Vorstellung eines Buches des Vorstandsvorsitzenden vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, erklärte der Minister, es sei ein Irrglaube anzunehmen, dass der Ökolandbau allein den Hunger auf der Welt bekämpfen könnte; dafür sei er zu teuer und zu inefzient. Vielmehr sei ein Maßnahmen-Mix gefragt. „Wir brauchen kein Entweder-oder, wir brauchen ein Sowohl-als-auch“, betonte Niebel.
Frühere Grabenkämpfe zwischen ökologischem und konventionellem Anbau seien überholt. Seiner Meinung nach gibt es kein „richtiges Agrosystem“. Der geeignete Weg sei abhängig von der Situation in den einzelnen Entwicklungsländern. Die Entwicklungspolitik müsse die Landwirtschaft und die ländlichen Räume verstärkt unterstützen und eine nachhaltige Kommerzialisierung ermöglichen, die das Ökogleichgewicht nicht auseinander bringe, unterstrich Niebel und verwies auf das neue Konzept seines Hauses zur stärkeren Förderung der ländlichen Räume innerhalb der Entwicklungspolitik. Landwirtschaft sollte nicht nur zur Selbstversorgung dienen, sondern auch für den Markt produzieren und somit ein Einkommen für die Landwirte generieren.
Echte Ernährungssouveränität
Prinz zu Löwenstein spricht sich in seinem Buch „FoodCrash“, für eine „ökologische Intensivierung der Landwirtschaft“ aus und stellt dies als Gegenentwurf dar zu der von anderen Agrarexperten geforderten Ertragssteigerung durch den erhöhten Einsatz von Dünger und Panzenschutzmitteln sowie der Verwendung gentechnisch veränderter Sorten. Seiner Meinung nach sollten die eingesetzten Betriebsmittel nicht erhöht, sondern verringert werden. Angesichts der schwindenden Ressourcen an Düngerrohstoffen wie Phosphor sei es dringend geboten, Bewirtschaftungsformen zu schaffen, die kaum Ressourcen verbrauchten. Projektbeispiele zeigten, dass mit Kompostwirtschaft und dem Einsatz alter Sorten die Erträge in den oft noch notleidenden Gebieten steigerbar seien. Die derzeitigen Agrarsysteme würden der gewollten Ernährungssouveränität dagegen mit ihrer hohen Inputabhängigkeit zuwider handeln, betonte Prinz zu Löwenstein. Aufgrund des hohen Inputbedarfs müssten zudem Ernten schnell am Markt verkauft werden, um Schulden zu zahlen und Betriebsmittel für die nächste Aussaat zu schaffen. Auf diese Weise könnten die Landwirte keine Reserven anlegen und sich auf Dürre-Ereignisse vorbereiten.
Globale Sichtweise gefordert
Nord- und Südhalbkugel könnten nicht unabhängig voneinander betrachtet werden, unterstrich Prinz zu Löwenstein. Die Politik der einen Hälfte bestimme die Situation auf der anderen. Politiker könnten zwar keine Dürre verhindern, aber Klimawandel und Wassermanagement hätten sehr wohl mit Politikentscheidung zu tun. Außerdem beeinussten die europäische Agrarpolitik und der Ernährungsstil die Anbaustrukturen weltweit, beispielsweise durch den hohen Futtermittelbedarf für die Tierproduktion. Des Weiteren wies der Autor auf den Flächenverbrauch und die Vernichtung von Böden durch Erosion und Versalzung hin. Beim Anbau von Energiepanzen müsse zudem ein vernünftiges Verhältnis zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energierohstoff geschaffen werden. Bei der Zweifachnutzung von Panzen für Nahrungsmittel und Energie dürfe aber nicht vergessen werden, dass auch die „Ernährung des Bodens“ von hoher Bedeutung sei.
| Titel: FOOD CRASH Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr Autor: Felix zu Löwenstein Verlag Pattloch Seitenzahl 320 Preis: EUR (D) 19,99 ISBN 3-629-02300-2 ISBN 978-3-629-02300-1 Erscheinungstermin: 12.09.2011 |
Quelle: Agra-Europe Länderberichte (AgE), 37/11, 12. September 2011


