Die Landwirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Steigende Energiepreise, ambitionierte Klimaziele und der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen zur krisensicheren Lebensmittelerzeugung treiben den Wandel zu alternativen Antrieben voran.
Drei Technologien rücken dabei besonders in den Fokus: Elektroantriebe, Methanantriebe und Pflanzenölkraftstoffe. Jede von ihnen bringt eigene Stärken, Herausforderungen und Einsatzgebiete mit - und alle können einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO₂‑Emissionen sowie autarker Versorgung leisten.
Förderung der Antriebe
Die Energiewende der Landwirtschaft findet nicht in Kraftwerken statt, sondern auf dem Hof, im Stall und auf dem Acker. 2026 ist ein Schlüsseljahr: Die in diesem und dem nächsten Jahr neu gekauften Ackerschlepper werden statistisch auch im Jahr 2040 noch im Betrieb sein. Laut Kraftfahrzeugbundesamt beträgt das Durchschnittsalter von Traktoren mit mehr als 120 PS etwa 12,1 Jahre. Folglich befinden sich neben Neumaschinen auch deutlich ältere Motoren in der Nutzung. Bei Fortführung der Statistik werden somit heute gekaufte Maschinen auch im Jahr 2040 auf dem Acker sein und die Treibhausgasziele von 88 % CO2-Reduktion erreichen müssen.
Gleichzeitig wurde die Agrardieselrückvergütung neu geordnet. Sie fasst im neuen Energiesteuergesetz seit dem 1. Januar 2026 ausdrücklich Diesel und klimafreundliche Treibstoffe, wie HVO (Hydrotreated Vegetable Oil), Biodiesel und Pflanzenölkraftstoff, zusammen. Für erfahrene Pflanzenölfahrer erhöht sich so die Planungssicherheit der Steuererstattung. Land‑ und forstwirtschaftliche Betriebe erhalten einheitlich 21,48 Cent/l für Kraftstoffe erstattet; klimafreundliche Kraftstoffe allerdings auch nicht mehr als Diesel. Mögliche Anpassungen der Rückerstattung zur Förderung klimafreundlicher Kraftstoffe werden noch diskutiert. Zur Verstetigung der Klimaziele sowie auch zur Verminderung der Abhängigkeit der Lebensmittelproduktion von Ölimporten wird eine Förderung des Kaufs erneuerbarer Antriebe sowie Investition in die notwendige Infrastruktur gefördert. Die Rentenbank legt derzeit ein Programm mit zinsgünstigen Darlehen und 100% Finanzierung auf, das zum Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht war.
Elektroantriebe: Sauber, effizient – und Wegbereiter für Robotik
Elektrische Antriebe haben ihre Vorzüge dort, wo kurze Wege, viele Start‑Stopp‑Zyklen und planbare Ladefenster die Arbeiten prägen. Hoflader, Radlader und Teleskoplader erledigen Futtervorlage, Einstreu, Misttransport und Reinigungsarbeiten leise und abgasfrei. Das verbessert nicht nur das Tierwohl, sondern maßgeblich auch Arbeitsbedingungen und Gesundheitsschutz. Insbesondere auf Betrieben mit Besucherverkehr, wie Pferdehaltungen, haben sich die leisen und geruchsneutralen Geräte etabliert. Auch technisch punkten elektrifizierte Maschinen vorrangig in der Innenwirtschaft als Futtermischwagen oder Reinigungsaggregate mit präzisem Ansprechverhalten und niedrigen Wartungskosten. In diesen Anwendungsfeldern sind elektrische Antriebe auch für Automatisierung und Robotik prädestiniert.
Im Ackerbau und der Grünlandwirtschaft ist Robotik in Form autonom agierender Geräte derzeit durch saisonal geprägte Tätigkeiten und dem Wechsel zwischen den Schläger weniger verbreitet. Reine elektro-Traktoren sind in Entwicklung oder als Prototypen im Einsatz. Die Entwickler stehen vor der Herausforderung einer vollständigen neuen Entwicklung von Elektro-Traktoren. Einfach den bisherigen Dieselmotor durch einen Elektromotor zu tauschen, würde die hohe Energieeffizienz von Elektroantrieben nicht nutzen. Sämtliche Antriebe, Pumpen und Übersetzungen im Traktor müssen auf Elektroantrieb umgestellt werden. Eine größere Herausforderung ist der Energietank. Die Speichersysteme/Tanks der Maschinen sind auf eine Energiemenge begrenzt. Ist die gespeicherte Energie durch lange Tätigkeitszeiten oder energieintensive Arbeiten genutzt, muss nachgetankt werden. So ist der Einsatz von Elektroantrieben zu langen Feldarbeiten und insbesondere bei Zugarbeiten derzeit bei relativ langen Aufladezeiten noch nicht sinnvoll.
Biomethan: Schlagkräftig in Transportketten und bei mittleren Feldarbeiten
Biomethan ist momentan besser für Traktoren nutzbar. Biomethan ist chemisch identisch mit Erdgas, hat allerdings eine erneuerbare Quelle, zumeist aus Biogas, und ist daher signifikant klimafreundlicher als Erdgas. Biomethan verbindet erneuerbare Energie mit Verbrennungsmotoren. Die Motoren werden dazu an den Gasbetrieb angepasst und auch das Tanksystem für spezielle Lagerbedingungen ausgetauscht. Unterschieden wird zwischen zwei Lagerbedingungen des Biomethans: CNG und LNG. CNG (Compressed Natural Gas) beschreibt auf ungefähr 200 bar verdichtetes Biomethan. Die Verdichtung ist zur Steigerung der Reichweite erforderlich. Unter Umgebungsbedingungen entspricht der Energiegehalt von 1 000 l Biomethan ungefähr 1 l Diesel. Mit Verdichtung auf 200 bar steigt die Energiedichte um den Faktor 250, wodurch praxistaugliche Reichweiten erst ermöglicht werden.
LNG (Liquified Natural Gas) wird hingegen durch Kühlung auf -164°C verflüssigt und so energetisch verdichtet. LNG wird vorrangig im Fernverkehr mit Dauerbetrieb eingesetzt. Für Landmaschinen ist CNG technisch sinnvoller. Erste CNG‑Traktoren sind inzwischen am Markt verfügbar. Für Transportketten, wie Feld–Silo–Biogasanlage, und mittlere Feldeinsätze sind sie praxistauglich, wenn die Tanklogistik stimmt und Ackerflächen arrondiert sind. Einsatzzeiten liegen beim Anbau von Zusatztanks bei rund fünf Stunden bis zur nächsten Tankung. Ökonomisch vorteilhaft ist die Integration bestehender Biogasanlagen in die Wertschöpfung: Gärreste und Reststoffe werden zu Kraftstoff, der regional verfügbar ist - mit Tankstelle vor Ort und hohem Klimanutzen. Biogasanlagen können zudem über den Verkauf der eingesparten Treibhausgase an quotenverpflichtete Unternehmen, wie Tankstellen oder Treibstoffproduzenten, ein Zusatzeinkommen erwirtschaften.
Pflanzenöle, Biodiesel und HVO: Sofortwirkung für die Bestandsflotte
Für viele Betriebe sind flüssige Biokraftstoffe der schnellste Hebel. Technik des Motors, der Betankung und vor allem Einsatzzeiten sind vergleichbar mit Dieselantrieben. Insbesondere ist das Einsatzspektrum für Arbeitsspitzen mit schwerer Bodenbearbeitung uneingeschränkt. Einige Umbauarbeiten sind an den Traktoren notwendig. Ihr großer Vorteil ist die Möglichkeit einer nachträglichen Umrüstung. Größte technische Herausforderung sind unterschiedliche Viskositäten von Pflanzenölkraftstoffen, zumeist Rapsöl, und klassischem Diesel. Mit sinkenden Temperaturen werden Pflanzenöle zähflüssiger. Dadurch bestehen neue Herausforderungen an die Pumpen, Filtersysteme und andere Bauteile. Diesen Schwierigkeiten wird mittels Austausch einiger Motorbauteile und Modifizierungen begegnet. Recht verbreitet sind Zweitank-Traktoren. In Kaltstart wird aus einem kleinen Dieseltank Treibstoff bis zur Motorerwärmung verwendet. Der warme Motor bringt die Viskosität des Rapsöls durch Vorwärmung auf ein gutes Niveau, so dass automatisch auf den größeren Rapsöltank umgeschaltet wird. Neben der Einfachheit der Treibstoffherstellung sind CO2-Einsparungen von 70% gegenüber Diesel zu realisieren.
Ob Pflanzenöl-, Elektro- oder Gasantrieb eine Option darstellt, stets müssen herstellerseitig oder durch Umbau die Motoren an den Treibstoff angepasst werden. Alternativ lässt sich aber auch der Treibstoff an den Motor anpassen. Dazu werden einfach andere Treibstoffe in den normalen Motor getankt. Bekannt aus der Praxis ist vor allem Biodiesel oder auch E10. Diese Option eignet sich vor allem für Einsatzgebiete, für die hinsichtlich Einsatzdauer und Energiebedarf noch keine Alternativen in der Praxis sinnvoll erscheinen. Insbesondere der Kraftstoff HVO hat ein großes Potenzial. Bis zu 90 % CO2-Einsparung lassen sich derzeit bereits durch die chemische Umwandlung von biogenen Abfällen und Reststoffen in eine dem Diesel ähnliche Molekülstruktur erreichen. Dadurch sind einige Verbrennungseigenschaften sogar besser als bei Diesel. Bei gleicher Energiedichte und ohne Wechsel des Motors ist dieser Treibstoff für viele Branchen mit Klimazielen sehr begehrt. Durch diese Nachfrage ist der Preis für die Landwirtschaft in der Regel noch unattraktiv.
Ob Umbau des Schleppers oder Verwendung alternativer Treibstoffe, vorab sollten der Hersteller kontaktiert oder das Handbuch studiert werden. Nur die Freigabe der Maschine für den gewählten Treibstoff sichert mögliche Gewährleistungsansprüche bei Neumaschinen.
Fazit: Welche Arbeit passt zu welchem Antrieb?
Im Hof‑ und Stallbereich mit kurzen Wegen, häufigen Lastwechseln und klaren Ladefenstern ist Elektro inzwischen oft die erste Wahl. Auch autonome Systeme und Robotik lassen sich hier am leichtesten effizient einsetzten. Biomethan kann mit höheren Reichweiten und schnellen Tankstopps eine kostensparende Alternative sein, wenn über die Nutzungsdauer eine zuverlässige Biomethan-Versorgung bestehen wird.
Für schwere Arbeiten, die meist in engen Arbeitsfenstern zu erledigen sind, ist die Bestandsflotte heute mit HVO und Biodiesel am schnellsten klimawirksam nutzbar. Pflanzenöle sind Optionen in freigegebenen oder umgerüsteten Maschinen.
Die Erreichung der Klimaziele kommt zeitlich näher und wird seit inzwischen sechs Jahren von Versorgungsrisiken überlagert. Fördermaßnahmen und Steuerinstrumente werden initiiert und geändert. Es lohnt sich, die Entwicklungen zur Planung im eigenen Betrieb zu verfolgen.
Dr. Michael Dickeduisberg, Landwirtschaftskammer NRW