Aktueller Inhalt:

Interview mit Ute Rönnebeck

13.02.2015

"Mich interessieren besonders die Menschen auf den Betrieben"

- Interview mit Geschäftsführerin Ute Rönnebeck -

Seit dem 1.9.2006 sind Sie neue Geschäftsführerin des Demeter-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. Aus welchem Grund haben Sie sich für diese Tätigkeit entschieden?

Mein Vorgänger bei Demeter NRW, Sigmund Walbaum, hatte mir von seinem Stellenwechsel berichtet und gefragt, ob ich mir vorstellen könne, seine Nachfolge anzutreten. Für mich ist dies die einmalige Chance, im Netzwerk des Öko-Landbaus in NRW die Rahmenbedingungen für den Öko-Landbau gemeinsam mit den anderen Akteuren weiterzuentwickeln und mich insbesondere mit den Fragen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft stärker auseinanderzusetzen. Daher bin ich froh, dass der Vorstand mich eingestellt hat.

Was interessiert Sie besonders an dieser Tätigkeit?

Mich interessieren besonders die Menschen auf den Betrieben, die eine wertvolle, sinnstiftende und qualitativ hochwertige Arbeit machen. Eine Arbeit, die wichtig ist für die Weiterentwicklung einer wesensgemäßen Tierhaltung, für die Entstehung qualitativ hochwertiger Lebensmittel, für den Natur- und Umweltschutz sowie die Kulturlandschaftsentwicklung in NRW.

Was haben Sie bisher gemacht?

Ich hatte durch verschiedene befristete Stellen einige berufliche Wechsel nach meinem Agrarstudium und dem Referendariat in der hessischen Agrarverwaltung. Trotzdem gibt es einen roten Faden. Insbesondere die beiden letzten Arbeitsstellen haben mich immer näher an den Öko-Landbau herangebracht. Ich war von 2003 bis 2006 Referentin für Öko-Landbau im Landwirtschaftsministerium in Düsseldorf. Davor (1999-2003) war ich Agrarreferentin in der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen (Westerwald) und habe dort viele Weiterbildungsveranstaltungen zum Öko-Landbau durchgeführt.

Wann und wie sind Sie zum ersten Mal mit Demeter in Kontakt gekommen?

Zum ersten Mal während meines Studiums in Gießen. Zunächst durch eine Exkursion zur Baumschule Appel, zum Forschungsring und zum Demeter-Bund in Darmstadt. Außerdem war ich häufig auf dem Hofgut Friedelhausen in der Nähe von Gießen.

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der biologisch-dynamischen Landwirtschaft hatte ich bei der Entscheidung, den Kauf eines Gartenbaubetriebes durch einen Verein im Münsterland zu unterstützen. Der Betrieb hatte Flächen von der Ruhrkohle AG gepachtet, die Ruhrkohle wollte die Flächen verkaufen und dem Betrieb drohte damals das Aus. Über die GLS-Bank wurde ein Unterstützerkreis gesucht, dem ich mich angeschlossen habe. Das war auch das erste Mal, dass ich über andere Betriebsformen als den klassischen Familienbetrieb nachgedacht und meine Begeisterung dafür entwickelt habe.

Was werden die Schwerpunkte Ihrer Arbeit sein?

Dem Vorstand war es ein wichtiges Anliegen, dass die Wahrnehmung der Betriebe untereinander weiterhin gefördert wird. Ich sehe das als den wichtigsten Arbeitsauftrag für mich an. Das heißt, ich sorge durch unterschiedliche Instrumente dafür, dass der Austausch der Betriebe untereinander möglich bleibt und weiter entwickelt wird.

Selbstverständlich werde ich auch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für die Demeter-Betriebe in NRW machen.

Wo sehen Sie die Zukunft des Demeter-Landesverbandes NRW?

Der Demeter-Verband ist aus einer Bewegung heraus entstanden, der biologisch-dynamischen Bewegung, nicht aus Marktinteressen. In Zeiten des hohen Kostendrucks in der Landwirtschaft, niedrigen Preisen, Konkurrenz im Öko-Landbau usw. kann dieser Impuls schon mal aus dem Blickfeld geraten.

In der Zukunft sollten wir uns wieder mehr auf diesen Impuls besinnen und darauf aufbauend unsere Stärken betonen. Diese finden über die biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung, die Anwendung der biologisch-dynamischen Präparate, die wesensgemäße Tierhaltung in der besonderen Qualität der Produkte ihren Ausdruck.

Diese besonderen Qualitäten wollen wir über alle Verarbeitungsstufen bis zum Endkunden vermitteln. Einerseits können Verbraucherinnen und Verbraucher diese direkt am Produkt erleben, erschmecken. Anderseits sind soziale und ethische Aspekte, die ein Teil der hohen Prozessqualität ausmachen, nur über eine direkte Ansprache, sei es auf den Betrieben oder durch Informationsmaterialien, zu vermitteln. Hierbei kann der Verband seine Mitglieder unterstützen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Zurzeit arbeite ich mich noch in die Geschäftsstellenarbeit ein, bereite Betriebsbesuche vor und organisiere Gruppentreffen, Trägerkreissitzungen, Vorstandsbesprechungen und Termine zur Freien Ausbildung demeter NRW! Da im Herbst die Feld- und Kompostpräparate vorbereitet werden, war ich jetzt auf mehreren Präparatetreffen und habe gemeinsam mit den Betrieben Präparate hergestellt.

Mit Blick in den Kalender stelle ich fest: Ich glaube es gibt keinen Arbeits-"Alltag". Mein Tun ist sehr vielfältig und ändert sich stetig. Das ist das Dynamische an meiner Aufgabe.

Wie sieht Ihr Team aus?

In der Geschäftsstelle arbeitet zusammen mit mir Frau Heringhaus. Demeter NRW ist in 6 Regionen eingeteilt. In allen Regionen gibt es Vertrauenslandwirte, die Ansprechpartner in ihrer Region sind. Mit ihnen organisiere ich zusammen die Arbeit vor Ort, wir überlegen uns Themen für die Gruppenarbeiten, besuchen gemeinsam Betriebe, die gerade eine schwierige Phase haben oder Umstellungsinteressierte.

Wie bilden Sie sich fort?

Zurzeit bilde ich mich verbandsintern fort. Wir arbeiten bei Demeter NRW mit Datenbanken, die für mich völlig neu sind und ich nehme an Schulungen teil, um möglichst schnell die Systeme zu verstehen. Im Februar 2007 werde ich die landwirtschaftliche Tagung in Dornach in der Schweiz besuchen, was für mich eine Fortbildung ist, auf die ich mich sehr freue.
Ansonsten warte ich mal ab, wo sich Fortbildungsbedarf abzeichnet, da ich mich nicht auf Vorrat fortbilden möchte, sondern dann, wenn ich merke, dass ich einen Bedarf erkenne.

Ganz persönlich mache ich mich auf die Suche nach anthroposophischen Themen, weil ich mich selbst mit den Inhalten mehr beschäftigen möchte. Das ist allerdings keine Erwartung des Verbandes, sondern mein persönliches Interesse.

Das Interview führten Ute Günster und Eva Milz am 10.10.2006

Weitere Informationen

Demeter NRW

Ute Rönnebeck

Alfred-Herrhausen-Str. 44, 58455 Witten
Tel.: 02302 - 9152-18
Fax: 02302 - 9152 22
E-mail: info@demeter-nrw.de
Website: www.demeter-nrw.de

Aufgaben:
Geschäftsführung, Beratung

 

Vom Newsletter abmelden


Zurück...