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Sonnige Grüße aus Kervendonk

13.11.2013

Bernd Verhoeven ist Fachmann für regenerative Energien vom Hof. Weil Sonne und Wind hervorragend in das Konzept des Bioland-Betriebes „Rouenhof“ in Kevelaer-Kervendonk am Niederrhein passen, forciert er diese beiden Energieträger auf dem eigenen Betrieb. Der diplomierte Agrarwirt mit dem ausgeprägten Sendungsbewusstsein lässt auch Schulklassen und andere interessierte Gruppen an seinem Traum von der energetischen Unabhängigkeit teilhaben.

Familie Verhoeven bewirtschaftet einen 60 ha Bioland-Betrieb mit 40 Milchkühen, 200 Ziegen und einigen Schweinen und Hühnern. Neben Hofkäserei, Metzgerei und Direktvermarktung gilt das besondere Interesse des Betriebsleiters den Schulklassen und Besuchergruppen sowie der Energieerzeugung. Sechs Mitarbeiter helfen Anne und Bernd Verhoeven, die mitsamt ihren drei Kindern den Traditionsbetrieb im niederrheinischen Kevelear schon früh auf ökologischen Landbau umgestellt haben, bei der Arbeit. „Ein Drittel des betrieblichen Einkommens erwirtschaften wir über die Direktvermarktung und das Führen der Besuchergruppen, ein Drittel über den Lamm-, Rind- und Schweinefleischverkauf und das letzte Drittel über die Milch, wobei keiner der drei Sektoren losgelöst von den anderen zu betrachten ist: Früher oder später landet eine Freizeitgruppe auch an der Käse- und Fleischtheke“, weiß der Öko-Unternehmer.

Sonnenstrom fürs Alter

Auf die Idee der Erzeugung regenerativer Energien sei Bernd Verhoeven aus den Überlegungen heraus gekommen, die er und seine Frau zur Frage der  Altersabsicherung angestellt haben. „Was kann ein selbständiger Landwirt für die Altersvorsorge tun? Energie ist ein längerfristiges Geschäft und die Voraussetzungen hier am Standort waren und sind günstig für die Nutzung von Sonnenenergie“, erklärt der Landwirt den Einstieg ins PV-Geschäft. Dachneigungen und die Südausrichtung der damals schon vorhandenen Gebäude seien optimal gewesen. Und die durchschnittlich 900 Sonnenstunden, die dem Niederrhein jährlich vergönnt sind, wollten genutzt werden.

Drei Anlagen, drei Vergütungssätze

2007 bestückte Familie Verhoeven die erste Dachfläche mit Photovoltaik-Modulen. Das war eine 100-kW-Anlage, die Vergütung betrug damals 48 Cent/kWh, festgeschrieben für 20 Jahre. „Kostenpunkt: 3 600 €/kWpeak. Man kann sagen, dass 1 kWpeak in etwa 6 m² Dachfläche entspricht, in Abhängigkeit der Leistungsfähigkeit der Module“, schlüsselt Verhoeven die Kostenstruktur auf. 2009 sei die zweite Anlage hinzugekommen, eine 45 kW-Anlage auf dem Dach des Kuhstalls. Diese Anlage wurde in Süd-Richtung aufgekippt, nicht aufgeständert. „Inzwischen hatte es sowohl einen Innovationsschub, als auch neue Verordnungen gegeben“, so Verhoeven. Wichtig sei die Stichtagsvergütung. „35 Cent bekomme ich bei dieser zweiten Anlage aus 2009 pro kWh bei Einspeisung ins Netz, 8 Cent bei Eigenverbrauch.

Übrigens: Der Preis der Module passt sich sozusagen der sich ändernden Einspeisevergütung an - diese waren innerhalb der zwei Jahre schon deutlich günstiger geworden.“ Die Kosten der zweiten Anlage betrugen damals 2 400 €/kWpeak. Die dritte und bislang letzte Photovoltaik-Anlage ziert seit 2012 das Dach des in demselben Jahr errichteten Ziegenstalls. Auch hier habe es sich angeboten, die Dachflächen gen Süden auszurichten. 100 kW Leistung bringen die Module, mit 15 Cent wird eine kWh vergütet. „Dafür hat die Anlage aber auch nur noch 1 200 €/kWpeak gekostet. Es lohnt sich also immer noch, eine PV-Anlage zu bauen!“, bestätigt Bernd Verhoeven.

Vergütungssätze im Wandel der Zeit

Die Höhe der EEG-Vergütung wird maßgeblich durch das Inbetriebsetzungsdatum bestimmt und bleibt für 20 Jahre plus die verbleibenden Monate des Inbetriebnahmejahres fest. Weitere Kriterien zur Bestimmung der Vergütungshöhe sind der Montageort, die Anlagengröße sowie der Eigenverbrauch und dessen Anteil an der Gesamterzeugung. So betreffen die drei PV-Anlagen auf dem Rouenhof die EEG-Vergütungssätze bei 1. der Inbetriebnahme der Anlage ab 1. April 2012, 2. der Inbetriebnahme der Anlage vom 1. Januar 2010 bis 31. März 2012 und 3. der Inbetriebnahme der Anlage bis zum 31. Dezember 2009.

Gebaut haben die Anlagen hiesige Solarfirmen. „Nachdem wir allerdings mit dem Anlagenbauer der beiden ersten Anlagen ein Problem hatten - die Anlagen-Sicherung war unterdimensioniert und nach einem Kurzschluss konnten wir zehn Tage lang keinen Strom produzieren -, haben wir die Firma gewechselt. Jetzt arbeiten wir mit einem Anlagenbauer aus Bottrop zusammen, was auch die Wartung entsprechend einfach macht“, ist Bernd Verhoeven zufrieden mit seiner Wahl.
Ein weiterer großer Vorteil der gesamten PV-Anlagen auf dem Bioland-Betrieb bestehe darin, dass sich im Zuge des Anlagenbaus die Stromzufuhr deutlich verbessert habe. „Die gesamten externen Zuleitungen legt der Netzbetreiber. Der ländliche Raum ist durch diese Maßnahmen in den vergangenen Jahren stromzufuhrmäßig saniert worden“, erläutert der Energiewirt.

10 oder 30 % Eigenstromverbrauch?

Eine Wissenschaft für sich ist die Regelung über den Eigenstromverbrauch, der entweder bis zu 10 % oder aber bei 30 % liegen muss und dementsprechend vergütet wird. Dabei habe Verhoeven eine ganz simple Vorstellung: „Am liebsten würde ich 10 % meines Solarstroms in einen Batteriespeicher einspeisen, an den ich abends mein Solarzellen-betriebenes Auto andocken könnte, das sich dann über Nacht auflädt. Morgens könnte meine Frau dann mit dem Elektroauto zur Arbeit fahren.“ Klingt gut, ist aber nicht umsetzbar. Erstens ist die Technik der Speichermedien noch nicht ausgereift genug beziehungsweise zu teuer. Nach EEG-VO werden momentan 10 % der erzeugten Strommenge generell als Eigenverbrauch abgezogen. Vor diesem Hintergrund macht es natürlich Sinn, in ein Speichermedium zu investieren. Für Verhoeven kommen die für 2013 eingerichteten Zuschüsse der KfW-Bank zu spät, da die letzte Anlage 2012 ans Netz ging. Der Unternehmer spekuliert jedoch in Zukunft auf seine energetische Unabhängigkeit, da die Leistungsfähigkeit der Speichermedien steigt und die Preise sinken.

Das Verhoeven’sche Energieverbrauchskonzept ist jedoch relativ ausgereift: Bevor der Solarstrom von den Stalldächern ins Netz des Betreibers RWEPower geht, zweigt der so genannte Zwei-Richtungs-Zähler Strom für die eigenen Leitungen ab: „Wir verbrauchen die meiste Energie, wenn es draußen heiß ist. Die beiden Kühlhäuser sowie zwei Kühltanks und die Kühltheke sind Energiefresser. Lag unsere Stromrechnung ehedem bei 1 200 € monatlich, bezahlen wir heute noch 300 €“, resümiert Bernd Verhoeven. Für Bertriebe, die mit Kühltechnik arbeiten und die 60 000 kWh und mehr pro Jahr verbrauchen, würde sich die Solarenergie anbieten. „Ich kann für 15 Cent Strom produzieren - sonst würde ich 25 Cent bezahlen müssen“, meint er. Dennoch hält es der Land- und Energiewirt für primär interessant, den Eigenverbrauch in den Griff zu bekommen.

Energieverbrauch ganz ohne Öl

Nicht nur der Sparsamkeitsgedanke veranlasst Familie Verhoeven, die alternativen Energien zu fördern. „Ich möchte aktiv den Ölverbrauch einschränken. Dieses weltweit mit Produkten auf Mineralölbasis angereicherte System ist falsch - wir müssen weg vom Mineralölverbrauch! Deshalb machen wir zum Beispiel seit 20 Jahren Biolandbau mit Klee, ohne den Einsatz mineralischen Stickstoffs!“, betont Verhoeven. Aus diesem Grunde legt er sich auch mächtig ins Zeug, wenn es darum geht, Kindern und Schülern seine Energie-Themen nahe zu bringen. „Wir haben, zusammen mit und gefördert durch RWE, ein Baukastensystem entwickelt, mit Hilfe dessen sich die Kinder und Jugendlichen selber eine Energie-Anlage bauen können. Zum Beispiel Windräder oder Solarzellen, an die sie elektrische Kreisläufe anschließen und Lampen zum Glühen beziehungsweise Stromzähler zum Ausschlagen bringen. Das spornt die Jungs und Mädels an und weckt Interesse an selbst erzeugten Energieformen“, weiß Bernd Verhoeven, der als Vater dreier Kinder zwischen neun und 15 Jahren das gewisse pädagogische Gespür beweist.

Die interessierten Besucher lässt Verhoeven nicht nur selber frickeln. Er erläutert ihnen auch noch seine Idee von der energetischen Autarkie, deren Verwirklichung er mit der Solaranlage, einem kleinen Windrad, einem Holzvergaserkessel und einer Brauchwasseranlage schon sehr nahe kommt. Mit dem Holzvergaserkessel und der Solaranlage, die aus 90 Röhrenkollektoren mit Pufferspeicher besteht und 3 000 l heißes Wasser für Käserei, Metzgerei und den Haushalt liefert, benötigen Verhoevens keine Unterstützung durch eine Öl- oder Gasheizung. „Wir heizen auf diese Weise vier bis fünf Monate im Jahr mit Sonne, während der kühleren Jahreszeit arbeitet der Holzvergaserkessel sehr effizient.“

Wer mehr über Bernd Verhoeven und sein Energiekonzept auf dem Rouenhof lesen möchte, kann dies unter www.rouenhof.de unter dem Stichwort Umweltbildung tun.

Quelle: Meike Siebel, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

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