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Interview zum 20jährigen Bestehen der Ökoschule Haus Riswick

08.12.2016

Die Fachschule für Ökologischen Landbau Kleve wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Sie ist damit die zweitälteste Ökoschule in Deutschland. Gefeiert wurde das Jubiläum mit einer Fachtagung, zu der auch alle Schüler und Ehemaligen nach Riswick eingeladen waren. Über das, was das Besondere der Ökoschule ausmacht, sprach die LZ mit Christian Wucherpfennig, dem stellvertretenden Schulleiter.

 

LZ | Rheinland: Herr Wucherpfennig, 20 Jahre Ökoschule Kleve bieten Anlass zu einem Rückblick. Wie kam es zur Gründung dieses Schulangebotes?

Chr. Wucherpfennig: Als die damalige Landwirtschaftskammer Rheinland 1996 die Fachschule für Ökologischen Landbau, kurz Ökoschule, gründete, ging die Initiative dazu im Wesentlichen auf fünf Personen zurück. Das waren der Weezer Landwirt Johannes Büsch, Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn, Fachschullehrer Ralf Grigoleit, Dr. Wilhelm Wehren als Schulleiter und Kammerpräsident Wilhelm Lieven. Es war eine Aufbruchzeit und es war Konsens, dass es für die Entwicklung des ökologischen Landbaues darauf ankommt, dass die jungen Betriebsleiter bereits in der Schule die Möglichkeit haben, den Öko-Landbau kennenzulernen.

LZ | Rheinland: Was zeichnet die Ökoschule Kleve im Unterschied zu den Angeboten anderer Ökoschulen aus?

Chr. Wucherpfennig: Die Ökoschule Haus Riswick war nach der acht Jahre zuvor gegründeten Schule im bayerischen Landshut mit Schwerpunkt Ackerbau bundesweit der zweite Schulstandort für den Öko-Landbau. Mittlerweile hat Bayern mit Weilheim einen zweiten Öko-Schulstandort, dazu besteht mit Emmendingen in Baden-Württemberg eine weitere Schule mit dem Schwerpunkt Tierhaltung. Es gibt also vier etablierte Schulen für den ökologischen Landbau in Deutschland. Mit Ausnahme von Kleve bieten alle den Abschluss Landwirtschaftsmeister an, die Absolventen in Kleve schließen mit dem "Staatlich geprüften Agrarbetriebswirt, Schwerpunkt Ökologischer Landbau" ab. Dieser Abschluss hat den Vorteil, dass er auch international Anerkennung findet.

LZ | Rheinland: Unterscheidet sich das Schulkonzept der Riswicker Ökoschule von dem der anderen Schulen?

Chr. Wucherpfennig: Die Ökoschule Haus Riswick hat sich auf die Fahnen geschrieben, sehr praxisnah zu arbeiten. Dazu tragen zum einen der eigene Öko-Betrieb in Riswick genauso wie die umliegenden Bio-Betriebe und die Marktpartner im Bio-Bereich bei, die von Beginn an mit in den Lehrplan eingebaut wurden. Ein weiteres Kennzeichen unserer Schule ist nach dem Motto "Reisen bildet" das Angebot von Exkursionen und der Besuch von Veranstaltungen.

LZ | Rheinland: Anders als bei den Fachschulen für Agrarwirtschaft nehmen die Öko-Schüler weitere Wege auf sich. Aus welchem Einzugsbereich kommen Ihre Schüler?

Chr. Wucherpfennig: Die Öko-Schüler kommen vorwiegend aus Nordwest- Deutschland sowie aus den neuen Bundesländern, einige auch aus Hessen und Süddeutschland. Während bei unseren konventionellen Fachschulen bis zu 80 % der Schüler vom Hof stammen und nach dem Abschluss auf den eige-nen Betrieb zurückgehen, macht diese Gruppe bei den Öko-Schülern nur rund die Hälfte aus. Allerdings ist dieser Anteil im Laufe der Jahre größer geworden und es sind mittlerweile auch die ersten Hofnachfolger der Bio-Betriebe aus NRW, die nach Kleve zur Ökoschule kommen.

LZ | Rheinland: Und wie sieht die Mischung in den Öko-Klassen aus?

Chr. Wucherpfennig: Die Öko-Schüler sind in der Regel älter, was – wie die Lehrer sagen – für den Unterricht durchaus von Vorteil ist. Etliche haben schon Auslandserfahrung und es sind auch immer wieder Quereinsteiger dabei, die Erfahrung aus anderen Berufen mitbringen. Zum Beispiel haben wir in diesem Schuljahr eine Imkerin und eine Winzerin dabei. Und nicht zuletzt hat die Ökoschule mit 30 bis 40 % einen höheren Anteil an Frauen, was für die Zusammenarbeit in den Klassen vorteilhaft ist.

LZ | Rheinland: Die Bio-Branche boomt, so wird oft gemeldet. Trotzdem bleiben die Anmeldezahlen der Ökoschule überschaubar. Wo sehen Sie die Ursachen dafür?

Chr. Wucherpfennig: Das hat sicher mehrere Gründe. Nachdem neben den vier bestehenden Ökoschulen in diesem Jahr auch in Hannover noch eine Öko-Fachschulklasse an den Start gegangen ist, herrscht mehr Wettbewerb unter den Schulen. Für viele Bewerber ist die Nähe zu ihrem Schulstandort ein entscheidender praktischer Grund, da hat Kleve mit einer verkehrstechnisch ungünstigen Anbindung oft das Nachsehen. Viele entscheiden sich auch für ein Studium in Witzenhausen oder Neubrandenburg, immerhin verfügt rund ein Viertel unserer Öko-Schüler über die Hochschulreife. Dabei kommt es jedoch vor, dass Studienabbrecher zu uns nach Kleve kommen, wenn sie feststellen, dass ihnen eine praxisbezogene Ausbildung mehr liegt.

LZ | Rheinland: Welche Perspektiven stehen den Absolventen der Ökoschule Kleve nach ihrem erfolgreichen Abschluss offen?

Chr. Wucherpfennig: Fest steht, dass in der Öko-Branche Fachkräfte gebraucht werden und gesucht sind. Wir bekommen immer wieder Stellenanzeigen, die auf unsere Absolventen zugeschnitten sind und die wir über unser Netzwerk weitergeben. Neben der Übernahme des elterlichen Öko-Betriebes oder auch der Umstellung des elterlichen Betriebes bieten sich auch der Einstieg in eine Hofgemeinschaft an, was auch mit wenig Kapital möglich ist. Eine andere Möglichkeit ist die außerfamiliäre Hofnachfolge, die im Öko-Landbau deutlich häufiger ist als in der konventionellen Landwirtschaft. Bei Öko-Bauern ist das durchaus ein Weg, das eigene Lebenswerk weitergeführt zu sehen, auch wenn die eigenen Kinder die Hofnachfolge nicht antreten. Wie für die konventionellen Fachschulabsolventen gibt es auch für die Öko-Absolventen die Chance, als leitender Angestellter zu arbeiten oder in der Beratung eine Stelle im gehobenen Dienst anzutreten.

Quelle: LZ Rheinland Nr.49 -2016, Christiane Närmann-Bockholt, 08. Dezember 2016

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