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Ökoschule in Riswick feiert Geburtstag

09.12.2016

Die Fachschule für ökologischen Landbau in Riswick ist 20 Jahre alt. Anfang Dezember wurde gefeiert.

Lehrer der ersten Stunde: Der erste Schultag an der Fachschule für Ökolandbau von Christian Wucherpfennig datiert auf den 19. August 1996. Seitdem begleitet der Lehrer, der unterdessen auch stellvertretender Schulleiter ist, die Ökoschulklassen. Wucherpfennig berichtete in einem Diavortrag von den Schulklassen, Lehrfahrten und Projekten aus den letzten 20 Jahren - zur großen Belustigung des Publikums, das kaum glauben konnte, was sich seit 1996 alles getan hat. "Fachschulen können diese praxisnahe Ausbildung am besten umsetzen und den Schülern in engem Kontakt mit den Akteuren im Ökolandbau unternehmerische Perspektiven bieten!"

"Ich bin stolz auf die Ökoschule in Kleve und hoffe, dass sie noch lange erfolgreich wirken kann!" Johannes Frizen, Präsident der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, gratulierte anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Fachschule für ökologischen Landbau allen Lehrern, Schülern und Mitarbeitern zu diesem runden Geburtstag. Die Aula in Haus Riswick war gut gefüllt. Ehemalige, Schüler und Lehrer sowie jede Menge Ehrengäste aus der Landespolitik und den Ökoverbänden waren zum Feiern versammelt.

Frizen erinnerte an die vier Persönlichkeiten, die die Idee zur Etablierung einer Schule hatten, die sich auf die Ausbildung zum ökologischen Landwirt spezialisiert. "Bei einem Besuch der damaligen NRW-Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn auf dem Biobetrieb von Johannes und Barbara Büsch in Weeze haben die Ministerin, der Biolandwirt - damals noch Pionier seiner Zunft -, und Ralf Grigoleit, Fachschullehrer in Kleve, das Thema Ökoschule diskutiert. Mit von der Partie war auch Wilhelm Lieven, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland, unter deren Dach die Ökoschule entstehen sollte. Die vier haben beschlossen, die Gründung einer solchen Schule zu prüfen und sie, wenn möglich, einzurichten", erinnerte der Kammerpräsident an die Stunde Null. 1996 sei die Schule dann gegründet worden. "Damals ein mutiger Schritt, da der Ökolandbau Mitte der 1990-er Jahre noch ein echtes Nischendasein fristete und von einigen Mitstreitern als Spinnerei belächelt und kritisiert wurde."

Dass die Gründung nicht nur mutig, sondern auch weitsichtig gewesen sei, habe sich ziemlich schnell gezeigt: Über viele Jahre als einzige Ökoschule neben einer ähnlichen Einrichtung im bayerischen Landshut sollte sie jungen Menschen, die im ökologischen Landbau arbeiten wollten, die Möglichkeit einer darauf ausgerichteten Weiterbildung bieten. Dass die Fachschule in Kleve schnell auch auf Bundesebene einen sehr guten Ruf hatte, lag wohl auch an dem ausgefeilten und sehr abwechslungsreichen Unterrichtsplan: "Das Konzept, nah an der Praxis zu arbeiten und die umliegenden Biobetriebe sowie auch die Marktpartner mit ins Boot zu holen, ging bestens auf!", lobte Frizen diese Strategie, die Schüler aus ganz Deutschland in die Schule am Niederrhein lockte – und auch heute noch anspricht.

Harte Zeiten überstanden

Dass die Schule seit ihrer Gründung nicht nur rosige Zeiten durchlaufen hat, müsse man an einem solchen Jubeltag leider ebenfalls erwähnen. "Es gab immer wieder Jahre, in denen wir Probleme hatten, genügend Schüler für einen Jahrgang zu bekommen. Und mit zunehmend knappen Finanzmitteln konnte die Landwirtschaftskammer zu kleine Klassen nicht weiter tragen, so dass wir zeitweise auf einen zweijährigen Turnus ausweichen mussten", bedauerte Johannes Frizen diese Entwicklung.  Das habe sich zwar wieder eingerenkt.

Nichtsdestotrotz sei er auch heute nicht ganz sorgenfrei: Bayern habe eine zweite und Baden-Württemberg eine eigene Ökoschule eröffnet. Auch Niedersachsen wolle nachziehen. "Es gibt zwar 20 000 Ökobetriebe in Deutschland, aber nicht alle Hofnachfolger besuchen eine Ökoschule. Der Bedarf für fünf Schulen bundesweit ist nicht da!", betonte der Präsident und bat Minister Johannes Remmel, der ebenfalls unter den Gästen war, um eine besonnenere Absprache unter den zuständigen Ministerien. "Ökoschule light macht meiner Meinung nach nämlich keinen Sinn", so Frizen. Er rief alle Beteiligten zur Unterstützung der Ökoschulen auf. "Die konventionellen Schulen werden es in absehbarer Zeit nicht leisten können, den Hofnachfolgern von Ökobetrieben die Inhalte des biologischen Landbaus in der Intensität zu vermitteln, wie es nötig ist. Deshalb brauchen wir auch weiterhin Ökoschulen!"

Fröhliche und engagierte Schüler

Auch NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel gratulierte. "Die Schule bietet ein tolles Spektrum, das macht Lust auf mehr! Wenn ich es mir recht überlege, würde mir diese Weiterbildung auch noch Spaß machen!" Als Minister möchte er dafür sorgen, dass die Ökoschule in Riswick in der Konkurrenz zu anderen Angeboten dieser Art bestehen kann und der Fachschule auch für weitere 20 Jahre eine sichere Perspektive bieten.

Remmel betonte den Erfolg der Schule und ihrer Absolventen im Berufsleben. "300 Schülerinnen und Schüler haben die Schule seit ihrer Gründung mit guten Abschlüssen verlassen und eigene zukunftsfähige Unternehmen aufgebaut oder weitergeführt. Ich freue mich sehr über diese positive Entwicklung", meinte der Minister und zitierte die Aussagen einiger Absolventen der Fachschule auf der Internetseite der Schule. "Sätze wie "Ja, ich bin begeistert. Mir macht die Schule total Spaß", oder "Eigentlich sind meine Erwartungen noch übertroffen worden. Gut finde ich vor allen Dingen den starken Praxisbezug der Schule. Dabei profitieren wir davon, dass unsere Lehrer nicht nur unterrichten, sondern auch Berater sind", zeigen mir, wie erfolgreich das Konzept in Riswick umgesetzt und wie konstruktiv und engagiert dort gearbeitet wird", lobte er. So würden am Ende motivierte und überzeugte junge Menschen in die Ökobranche entlassen und Betriebsleiter ausgebildet, die neben Fachwissen und Organisationsgeschick auch jede Menge soziale Kompetenz mitbrächten. "Solche Menschen braucht die Ökolandwirtschaft!"

Damit die Öko-Branche ebenfalls eine Zukunft habe, wolle sein Ministerium den Ökolandbau und die Marktakteure weiter unterstützen. "Wir werden das Pilotprojekt regionale Vermarktung auf ganz NRW ausweiten. Außerdem wünsche ich mir, dass die Marktpotenziale in Deutschland - ähnlich wie in Österreich - von den Erzeugern genutzt werden können. Dazu müssen unter anderem die Verträge zwischen Handel und Produzent länger als nur fünf Jahre halten, damit die Erzeuger Planungssicherheit haben!", so Remmel mit Blick auf die Marktpartner.

Landwirtschaftsminister Remmel betonte das Engagement seines Ministeriums für den Ökolandbau über die Forschung und das Versuchswesen, so an der Uni Bonn und der FH in Soest oder in den Leitbetrieben Ökolandbau NRW. "Bis 2020 werden 133 Mio. Euro  für Investitionen im ländlichen Raum bereitgestellt. Zusätzlich möchten wir mehr finanzielle Mittel für die Beratung durch die Ökoverbände freigeben", bezifferte Remmel das finanzielle Engagement über EU- und Landesmittel. Sein Haus unterstütze eine engagierte Öffentlichkeitsarbeit für den Ökolandbau, wie die Biofach oder die Aktionstage Ökolandbau. "Die Entwicklung im Ökolandbau ist positiv. Deshalb wird auch eine Fachschule Bestand haben. Wichtig ist: Erzählen sie von der Schule, berichten Sie von ihrem Nutzen!", spornte Johannes Remmel alle Beteiligten an, sich auch weiterhin für die Riswicker Schule zu engagieren.

Quelle: LZ Rheinland Nr.50 -2016, Meike Siebel, 15. Dezember 2016

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