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Ökolandbau in der beruflichen Bildung

10.08.2021

 

Laut Statistik (Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, BLE) wirtschaften über 35 000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland ökologisch, das sind 13,5 %. In der alljährlichen Umfrage des Deutschen Bauernverbandes gaben rund 20 % der befragten Betriebe an, eine Betriebsumstellung zu planen - 3 % sicher, 17% vielleicht. Damit ist in der Summe für etwa jeden dritten Betrieb Ökolandbau eine Alternative. Für die berufliche Bildung bedeutet das: Inhalte des Ökolandbaus sollten in jedem Fall fester Bestandteil von Aus-, Fort- und Weiterbildung sein.

Die Frage stellt sich also, ob dem so ist und was dafür getan werden kann und sollte. Laut Statistik (Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, BLE) wirtschaften über 35 000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland ökologisch, das sind 13,5 %. In der alljährlichen Umfrage des Deutschen Bauernverbandes gaben rund 20 % der befragten Betriebe an, eine Betriebsumstellung zu planen - 3 % sicher, 17% vielleicht. Damit ist in der Summe für etwa jeden dritten Betrieb Ökolandbau eine Alternative. Für die berufliche Bildung bedeutet das: Inhalte des Ökolandbaus sollten in jedem Fall fester Bestandteil von Aus-, Fort- und Weiterbildung sein. Die Frage stellt sich also, ob dem so ist und was dafür getan werden kann und sollte.

Bundesweites Projekt gibt Aufschluss

Im Rahmen eines bundesweiten Projektes im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) wurden in den letzten fünf Jahren genau diese Fragen bearbeitet. Verantwortlich ist das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), Kooperationspartner sind der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Verband der Landwirtschaftskammern (VLK). Ziel des Projektes ist es einerseits, herauszuarbeiten, wie das Thema Ökologischer Landbau in den verschiedenen Bundesländern bislang in der Aus- und Fortbildung in den Berufen Landwirt/-in, Gärtner/-in und Winzer/-in integriert ist. Andererseits soll Hilfestellung geleistet werden bei der Erarbeitung von Handlungsoptionen für eine stärkere Integration des Ökolandbaus in Aus- und Fortbildung. Dazu wurden in den beteiligten Bundesländern für den Beruf Landwirt /-in sowie für die Berufe Gärtner/in Gemüse und Obst und Winzer/in mittels Interviews mit Akteuren in Aus- und Weiterbildung, unter anderem zum Beispiel Ausbilder/innen, Ausbildungsberater/innen, Lehrer/innen, zuständige Stellen, der Status Quo erfasst. Im Rahmen von Dialogforen mit den Beteiligten wurden anschließend von den Akteuren Handlungsoptionen zur Verbesserung erarbeitet. Die folgenden Ausführungen basieren also auf der Basis der in der beruflichen Bildung tätigen Personen in den Bundesländern.

Veralteter Rahmenlehrplan

Grundlage ist immer noch der bundesweit geltende KMK-Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Landwirt/ -in aus dem Jahr 1994. Das Lerngebiet „Alternative Landwirtschaft“ ist hierin mit 80 Unterrichtsstunden vorgesehen. Die Status Quo-Analyse zeigt, dass die Hälfte der Bundesländer den Rahmenlehrplan direkt übernommen hat, die andere Hälfte setzt ihn in einem Landeslehrplan um. Denn die Länder können laut KMK-Rahmenlehrplan Lehrplaninhalte an regionale Bedingungen anpassen und die zeitliche Zuordnung der einschlägigen Schwerpunkte flexibel wählen.

Ganz unabhängig davon, dass der Begriff „alternative Landwirtschaft“ überholt und eine Überarbeitung längst überfällig ist, könnten die dort beschriebenen Inhalte durchaus eine gute Grundlage für mehr Ökolandbau im Unterricht sein. Soweit so gut, aber wie sieht es tatsächlich aus? Die Status Quo-Analyse zeigt, dass formal in keinem der untersuchten Bundesländer die vorgegeben 80 Unterrichtsstunden in allen Schulen erreicht wurden. Zwar erreichen einige ambitionierte Schulen diese Zielmarke, aber damit sind sie eher die Ausnahme. Die Gründe für diese Situation sind vielfältig, zwei Aspekte dürften eine größere Rolle spielen:

  • zum einen fehlt vielen Lehrkräften das Knowhow zum Ökolandbau und es fehlt häufig an Angeboten und Möglichkeiten, sich entsprechend fortzubilden.
  • zum anderen halten die (bislang meist konventionellen) Schüler Ökolandbau für nicht wirklich wichtig und oft gibt es kaum Schüler von Ökobetrieben in den Schulklassen.

Beides erschwert den Lehrern die Vermittlung.

Handlungsoptionen

Über die mangelnde Vermittlung in den Berufsschulen hinaus hat das Projekt weitere Defizite in den Bereichen der überbetrieblichen Ausbildung und Fachschulen aufgezeigt, aber eben auch Lösungsansätze erarbeitet. Einige werden im Folgenden dargestellt:

  • Vernetzung der Bildungsakteure: Die Dialogforen in den Bundesländern waren durchweg erfolgreich und haben die Vernetzung der Akteure angestoßen. Für die weitere Entwicklung ist es wichtig, dass die einzelnen Bundesländer diese Vernetzung eigenverantwortlich fortsetzen und dafür auch Ressourcen schaffen. Darüber hinaus ist aber auch eine bundesweite Vernetzung auf verschiedenen Ebenen hilfreich, damit die Akteure voneinander lernen können. Hierfür wird derzeit ein Konzept erarbeitet.
  • Weiterbildungsangebote für Lehrer/innen: Die bisherigen Projektergebnisse zeigen, dass es großen Bedarf an Weiterbildungsangeboten für Lehrer/innen an Berufs- und Fachschulen und an den Einrichtungen für die überbetriebliche Ausbildung gibt. Im Projekt wird eine Übersicht mit den Angeboten erstellt, die Lehrer/innen im Projekt genannt haben. Die Übersicht zeigt, wie klein das Angebot speziell für die Zielgruppe der Lehrer/innen bislang ist. Diese Übersicht wird auf zentralen Portalen allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Bereits jetzt bietet die bio-offensive bundesweit solche Fortbildungen in geringem Umfang an, zu finden unter www.bio-offensive.de.
  • Zusammenstellen und Veröffentlichung von Best-Practice-Beispielen: Den Lehrenden fehlt es oft an guten Unterrichtsmaterialien und Ansätzen, wie Inhalte des Ökolandbaus vermittelt werden können. Gleichzeitig gibt es bereits gute Best-Practice-Beispiele und Materialien in den Bundesländern. Damit diese Unterlagen für alle zugänglich werden und die Beispiele Schule machen und Lehrer von der Erfahrung ihrer Kolleginnen und Kollegen im gesamten Bundesgebiet profitieren können, werden Best-Practice-Beispiele zusammengetragen und veröffentlicht. Zur Veröffentlichung sollen unter anderem zentrale Internet-Plattformen, wie oekolandbau.de, berufsschule-agrar.bio.de, bildungsserveragrar.de und hortigate.de, genutzt werden.

Nicht Bestandteil des Projektes, aber dennoch wichtig ist darüber hinaus die Zusammenstellung guter Unterrichtsmaterialien zum Ökolandbau.

  • Prüfungsfragen zusammenstellen: Prüfungen sind der heimliche Lehrplan, heißt es immer wieder in der Branche. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich wichtig, dass Inhalte des Ökolandbaus nicht nur vermittelt, sondern auch geprüft werden. In diesem Punkt unterscheiden sich die einzelnen Bundesländer zum Teil sehr deutlich. Es werden daher alle öffentlich verfügbaren Prüfungsfragen zum Ökolandbau zusammengetragen und den zuständigen Stellen und Prüfungsausschüssen in den Ländern zugänglich gemacht.
  • Deutschlandkarte mit Öko-Betrieben im Umkreis der Schulen: Ökologische Landwirtschaft wird erlebbar und erfahrbar, wenn Exkursionen zu Ökobetrieben durchgeführt werden. Um die Organisation für Berufs- und Fachschulen zu erleichtern, ist eine Deutschlandkarte erstellt worden, in der Öko-Betriebe im Umkreis der Berufsschulen sichtbar werden. Sie findet sich unter https://www.oeko-komp.de/exkursionskarte/ sowie unter https://www.oekolandbau.de/bildung/exkursionen-auf-bio-hoefe/.
Fazit

In den letzten fünf Jahren wurde unter anderem durch das BÖLN-Projekt Vieles auf den Weg gebracht, der Ökolandbau findet in der beruflichen Bildung immer mehr Berücksichtigung. Nichtsdestotrotz werden häufig selbst die Mindestanforderungen nicht erfüllt. Gute Ansätze zur Verbesserung liegen vor, sie müssen aufgegriffen und umgesetzt werden. Dazu bedarf es der Unterstützung aller im Bildungsbereich aktiv Verantwortlichen. Bis die bundesweiten Vernetzungsstrukturen aufgebaut sind, stehen die Projektverantwortlichen beim KÖN (www.oeko-komp.de) sowie Dr. Karl Kempkens für Rückfragen zur Verfügung. Im September 2021 gibt es die Möglichkeit, sich unmittelbar über das Thema und das Projekt zu informieren, denn dann findet eine Fachtagung - auch online – statt, siehe den Kasten rechts.

Dr. Karl Kempkens,

Landwirtschaftskammer NRW

Weitere Informationen

Fachtagung Ökolandbau in der beruflichen Bildung

Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) veranstaltet am 16. und 17. September 2021 eine Fachtagung „Ökolandbau in der beruflichen Bildung von Landwirten, Gärtnern und Winzern“. Die Tagung wird in Hofgeismar bei Kassel (Präsenz und online) stattfinden und ist die zweite Fachtagung innerhalb eines fünfjährigen Projektes. Die Fachtagung ist offen für alle, die sich mit dem Thema berufliche Bildung befassen. Die Teilnahmegebühr für beide Tage beträgt 80,50 €, die Online-Teilnahme ist kostenfrei. Die Anmeldung ist hier möglich.  Anmeldeschluss ist der 12. August 2021.


Bildungsangebote zum Ökolandbau in Deutschland

Für diejenigen landwirtschaftlichen Berufs- und Fachschüler in Deutschland, die heute schon wissen, dass sie später einen ökologischen Betrieb leiten werden oder in solchen Betrieben arbeiten wollen, vermitteln die konventionellen Schulen oft nur unzureichend Kenntnisse zum Ökolandbau.

Deutschlandweit gibt es allerdings ein gutes, spezialisiertes Angebot! Hier finden Sie die Kontaktdaten zu den spezialisierten Angeboten im Berufs- und Fachschulspektrum

 

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