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Regionaler Biomarkt NRW - Übersicht

Langfristig stabiles einstelliges Wachstum zu erwarten

In den ersten zehn Jahren der Einführungsphase von Bio im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) waren die Wachstumsraten, ausgehend von einem recht geringen Niveau, beachtlich und lange Zeit zweistellig. Inzwischen – nach einer kurzen Konsolidierungsphase in 2009 und 2010 – ist ein solides einstelliges Wachstum der Umsätze auch im LEH zu beobachten. Der Trend zu Bio ist ungebrochen. Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wird inzwischen in fast jeder Einkaufsstätte mehr oder weniger umfangreich angeboten. Das ehemals stark durch die Ausweitung der Distributionsdichte bedingte Wachstum (angebotsinduziert) wird nun durch eine steigende Nachfrage der Verbraucher hervorgerufen. Das ist eine gute und gesunde Entwicklung und bestätigt die Langfristprognose, dass Bio-Lebensmittel an Bedeutung gewinnen und ein stabiler Wachstumstrend auch in den nächsten Jahren zu erwarten ist. Mittlerweile ist es der Naturkostfachhandel, der zwar einstellig, aber stärker wächst als der LEH. Neue Bio-Interessierte, die über den LEH Bio erst einmal kennen gelernt haben, wollen mehr Vielfalt und werden so zu Fachhandelskunden. Das Interesse an dem qualitativ hochwertigem Bio-Angebot wächst trotz eines durchaus gerechtfertigten, aber dennoch hohen Preisniveaus. Was erneut beweist, dass eine wachsende Anzahl an Verbrauchern nicht nur auf den Preis, sondern auf das Preis-Leistungs-Verhältnis schaut und für gute Qualität auch bereit ist, höhere Preise zu zahlen.

Fachhandel wächst im Milliardenmarkt am schnellsten

Um fast 400 Mio. Euro oder knapp 5 Prozent wuchs der Bio-Lebensmittelumsatz in Deutschland in 2014 auf 7,91 Mrd. Euro. Insbesondere Drogeriemärkte (DM, Müller, Rossmann), der Naturkostfachhandel wie auch die Vollsortimenter (Edeka, Rewe, Tengelmann) trugen wie schon im Vorjahr überdurchschnittlich zu diesem Wachstum bei. Vor allem auch Preissteigerungen bei Milch- und Molkereiprodukten und Absatzsteigerungen im Trockensortiment verhalfen dem Biomarkt in 2014 zu diesem Umsatzzuwachs. Mit einem Umsatzzuwachs von 9 Prozent lagen die Naturkostfachgeschäfte an der Spitze, gefolgt von den Vollsortimentern, die mit einem Zuwachs von 6 Prozent den zweiten Platz besetzten, gefolgt von den Drogeriemärkten mit 5 Prozent Umsatzzuwachs.

Frischeprodukte nach wie vor die Renner am Markt

Nach den Preissteigerungen der vergangenen Jahre in den Bereichen Obst, Gemüse und Kartoffeln gaben die Preise 2014 nach. Bei guten Ernten hatten Obst und Kartoffeln deshalb Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Die Fleisch- und Wurstwarenverkäufe lagen unter dem Vorjahresniveau, weil weniger Schweinefleisch zur Verfügung stand. Trotzdem konnten die Gesamtumsätze mit Bio-Fleisch insgesamt gesteigert werden, wobei sowohl das Rinderangebot begrenzt und auch das Schweineangebot zum Jahresende knapp waren. Die Milch- und Molkereiprodukte gehörten zu den Umsatztreibern 2014. Nachdem im November 2013 Preissteigerungen für alle Milch- und Molkereiprodukte durchgesetzt werden konnten, lagen die Verbraucherpreise das gesamte Jahr 2014 stabil deutlich höher als 2013. Auch der Umsatz mit Bio-Eiern 2014 stieg nach dem Rückgang in 2013 von 5 Prozent wieder um 9 Prozent an. Durch massive Preissenkungen zum Jahresanfang bei Bio-Eiern in den Discountern lag dieses Umsatzplus allerdings deutlich unter dem Absatzplus (+ 13 Prozent).

Wie im vergangenen Jahr war außerdem das Trockensortiment besonders erfolgreich – im Naturkosthandel ebenso wie in den Vollsortimentern und Drogeriemärkten. Mit Müsli/Cerealien, Brotaufstrichen, Fetten/Ölen, Konserven und Fleischersatzprodukten konnten Umsatzzuwächse von jeweils über 10 Prozent erzielt werden, wie der BÖLW berichtet.

Vegetarische und vegane Lebensmittel standen 2013 und 2014 besonders im Fokus. Ihr Umsatz hatte sich im Bio- Fachhandel nach Angaben von BioVista von 2011 bis 2013 von 461 Mio. Euro auf 630 Mio. Euro um über 35 Prozent erhöht. Der Naturkosthandel sprach von doppelt so hohen Wachstumsraten wie in dem übrigen Sortiment. Nach dem anfänglichen Boom mussten einige Produktkategorien im ersten Quartal 2015 allerdings Rückschläge hinnehmen. Bei den typisch veganen Kategorien Tofu (− 2,6 Prozent), veganem Brotaufstrich und -belag (− 4,6 Prozent) sowie veganer Frischconvenience (− 6,6 Prozent) gingen die Umsätze im Naturkostfachhandel zurück.

Während Soja-, Reis-, Hafermilch als Milchalternativen weiterhin satte Umsatzsteigerung von 20,4 Prozent pro Händler verzeichnen, haben die Fleischersatzkategorien nach monatelangem Vegan-Boom nun erstmals das starke Wachstum nicht fortsetzen können. Einige Unternehmen der Branche melden allerdings keine Rückgänge, sondern leichte Zunahmen. Es scheint, dass dieses Marktsegment sich derzeit uneinheitlich entwickelt, die Reifestufe also noch nicht erreicht hat.

Bio-Discountstrategie geht an den Wünschen der Kunden vorbei

Die ehemals rasant wachsenden Discounter haben ihren Glanz verloren. Billig-Bio – wie bei Bio-Eiern festzustellen war – ist langfristig keine sinnvolle Bio-Strategie. Die Verbraucher erkennen zunehmend, dass für hochwertige Bio-Produkte auch faire Preise gezahlt werden müssen, damit die Erzeuger für ihre besonderen Anstrengungen auch entsprechend entlohnt werden.

Regionalprodukte sind mehr denn je begehrt

Nicht erst seitdem Bio-Eier aus industriellen Massenerzeugungsanlagen nachweislich unzumutbare Haltungsbedingungen für die Tiere zur Folge haben können, greifen immer mehr Verbraucher zu Bio-Produkten, die von kleineren Familienbetrieben aus der näheren Umgebung erzeugt worden sind. Wenn gewünscht, hat der Kunde hier die Chance, sich von den Produktionsverhältnissen ein eigenes Bild zu machen. Raus aus der Anonymität der Lebensmittelerzeugung, eine transparente Darstellung der Herkunft der Lebensmittel und der Erzeugungsweise ist das Erfolgsrezept. Immer mehr kritische und informierte Verbraucher möchten hinter die Erzeugungskulissen schauen und geben sich nicht mehr mit allgemeinen – nicht nachprüfbaren – Werbeversprechen zufrieden. Das uneingeschränkte Vertrauen in die Versprechen von Industrie, Markenherstellern, Lebensmittelhändlern etc. ist in den letzten Jahren verspielt worden und so gehen die Kunden nun auf eigene Faust auf Erkundungsgang.

Das wiederum eröffnet aber der transparenten und au thentischen Lebensmittelproduktion, wo auch Kamerateams ohne weiteres hinter den Kulissen filmen dürfen, großartige Chancen. Wer nachweislich sauber produziert, Tiere artgerecht hält und mit Sorgfalt be - handelt und dabei auch soziale Aspekte berücksichtigt und die Umwelt schont, kann für seine besonderen Leistungen auch einen entsprechend hohen und fairen Preis verlangen. Inzwischen wird immer mehr Verbrauchern klar, dass nur solch eine verantwortungsvolle Produk tionsweise langfristig nachhaltig und sinnvoll sein kann, und dafür ist man bereit, auch einen höheren Preis zu akzeptieren.

Nachhaltige Werte vermitteln

Nach einer Studie der Universität Kassel sind überzeugte Bio-Käufer durchaus bereit, für Bio auch tiefer in die Tasche zu greifen. Allerdings müssen die Produkte dann entsprechende Mehrwerte glaubwürdig vermitteln. „Sogar bei einem hohen Preisabstand zwischen biologisch und konventionell erzeugter Milch sind viele Verbraucher bereit, für das Bio-Produkt mehr zu bezahlen“, so das Studienergebnis. Auch eine Wirtschaftskrise werde nichts daran ändern. Obwohl in den vergangenen Jahren die Kaufkraft nicht stieg, boomten Bio-Produkte. Für die aktuelle Studie wurden 642 Bio-Kunden vor ihrem Einkauf im Naturkostfachhandel und konventionellen LEH befragt. Im Ergebnis zeigte sich eine hohe Preisunkenntnis. Daher fragt sich die Wissenschaft mittlerweile, ob die viel diskutierte Kaufbarriere eher auf dem früheren Hochpreis-Image beruht als auf den tatsächlichen aktuellen Preisen.

Wenn der Verbraucher ein bestimmtes Lebensmittel schätzen gelernt habe, verzichte er nicht so schnell darauf, selbst wenn der Preis steige, lautet ein Fazit der Studie. Für die Gewinnung von Neukunden gelte dies jedoch nicht. In dieser Zielgruppe erschwerte ein zu hoher Preisunterschied zum konventionellen Produkt die Entscheidung für Bio. Der Handel steckte daher in einem Dilemma. Die Wissenschaft rät den Produzenten daher, sich über besondere Qualitäten oder ethische Werte zu differenzieren. Voraussetzung für deren Erfolg seien jedoch starke und nachhaltige Kommunikationskonzepte.

Starke Nachfrage – schwache Produktion

Dem Umsatzzuwachs von über 7 Prozent stand auch in 2013 nur ein Flächenwachstum von einem Prozent gegenüber. Diese Diskrepanz zwischen Nachfrage- und Angebotswachstum ist schon seit einigen Jahren zu beobachten. Das wachsende Interesse sowohl des Handels wie auch der Verbraucher an Bio-Produkten aus der eigenen Region führt bislang nicht dazu, dass die Bio-Landwirteihre Produktion entsprechend stark ausweiten oder konventionelle Betriebe auf Bio umstellen. Im Gegenteil, es gibt Bio-Betriebe, die Flächen abgeben oder ganz auf - hören. Die nachstehende Abbildung zeigt, dass Deutschland im EU-28-Vergleich beim Öko-Flächenanteil nur auf Platz 14 liegt, aber den weitaus größten Umsatz mit Bio-Lebensmitteln erzielt.

Das liegt zum einen daran, dass die Pachtpreise im Zuge der äußerst profitablen Förderung von Bio-Gasanlagen rasant angestiegen sind, zum anderen aber auch daran, dass die Auszahlungspreise für Bio-Erzeugnisse oftmals die großen Anstrengungen, um ökologisch, sozial, tier - ge recht und umweltschonend zu wirtschaften, nicht ausreichend honorieren. Langfristig kann eine rentable Bio- Erzeugung nur dann gewährleistet werden, wenn die hohen Anforderungen an die Produktion auch entsprechend honoriert werden.

Ein Lösungsansatz liegt in dem forcierten Aufbau regionaler Vermarktungskonzepte. Denn die Erfahrung zeigt, dass es möglich, ist für qualitativ hochwertige Bio-Produkte aus der eigenen Region höhere Preise zu erzielen, wenn die Herkunft transparent und glaubwürdig kommuniziert wird. Mit solchen Konzepten, eingebunden in eine langfristige und vertrauensvolle Partnerschaft mit dem Handel, kann für Bio-Erzeuger die Absatzsicherheit gesteigert und das Risiko verringert werden. Unter solchen Rahmenbedingungen sind Bio-Erzeuger auch eher bereit, in eine Produktionsausweitung zu investieren, oder konventionelle Betriebe bereit, auf den öko logischen Anbau umzustellen, wie erste Erfolge in einem Bio-Regionalvermarktungsprojekt in Ostwestfalen-Lippe (siehe Seite 121) zeigen.

Biomarkt-Broschüre gibt Hilfestellungen

Die Marktausweitung zwingt die Unternehmen zu einer umfassenden Professionalisierung. Bio-Produkte müssen gezielt gebündelt, vereinbarte Qualitäten kontinuierlich geliefert, neue Absatzwege effizient erschlossen und individuelle Marktstrategien entwickelt werden. Wie dies gelingen kann, zeigen ausgewählte Beispielbetriebe in dieser Broschüre in den Marktstufen Erzeugung, Verarbeitung und Handel. Jedes Unternehmen hat seinen eigenen erfolgreichen Weg gefunden, um im Biomarkt zu agieren. Für jeden interessierten Unternehmer ist es sinnvoll, sich über die aktuellen Marktchancen gründlich zu informieren. Gemeinsam mit der Beratung der Landwirtschaftskammer und der Öko-Verbände sollten nüchtern die Chancen und Risiken einer Umstellung abgewogen werden.

Zielgruppen

Die Broschüre richtet sich in erster Linie an Fachleute aus den Marktstufen Erzeugung, Verarbeitung und Handel.

  1. Einsteigern in das Bio-Segment will die vorliegende Broschüre mit Marktüberblicken, Prognosen der Marktbeteiligten und Fallbeispielen eine Entscheidungshilfe geben:
    • In welchen Bereichen lohnt sich eine Umstellung?
    • Welche Produkte werden am Markt gebraucht?
    • Wie sieht die Wettbewerbssituation in den Segmenten aus?
    • Über welche Vertriebsschienen werden Bio-Produkte verkauft?
  2. Profis will die Broschüre einen Überblick verschaffen und Anregungen geben.


Quelle:
Broschüre: Regionaler Biomarkt NRW, Stand: Dezember 2015, Auszug

 

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