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Heu statt Holz

25.08.2017

Nachhaltige Produkte stehen schon seit 20 Jahren bei Creapaper im Mittelpunkt. Das Unternehmen aus Hennef stellt Werbeartikel her, zum Beispiel Saatgutkarten für Danone und VW oder Kalender für Greenpeace. Geschäftsführer Uwe D´Agnone hatte schon länger die Idee, Papier nachhaltiger zu machen, denn die Papierherstellung aus Holz kostet viel Energie und vor allem Wasser. „Trotz der hohen Papier-Recyclingrate in Deutschland brauchen wir immer noch jährlich 4 Mio. Bäume zur Papierherstellung.“ Deshalb experimentierte er mit verschiedenen Fasern, bis er schließlich auf ein ganz einfaches Produkt stieß, nämlich Heu. Das war vor sechs Jahren und den ersten Papierbogen aus Gras hat er aufgehoben. Das Papier ist ein bisschen grünlich, man erkennt noch ganz kleine Grasstückchen und einige glänzende Punkte, die das Papier sehr interessant aussehen lassen.

Schnell war klar, dass das Papier mit einem Grasanteil von etwa 40 bis 50 % normalem Papier in Nichts nachsteht. Es lässt sich bedrucken und ist dann so strahlend weiß wie die Holzvariante. „Wir schätzen, dass etwa 90 % aller Papieranwendungen mit Graspapier möglich sind, lediglich bei transparentem Papier kommen wir an Grenzen“, erklärt Uwe D´Agnone nicht ohne Stolz. Da das Graspapier etwas mehr Volumen hat, ist es auch für Verpackungsmaterial und Wellpappe sehr gut geeignet.


Zum ersten Mal ein anderer Rohstoff

Die erste Papierfabrik, die Graspapier erstellte, war die Firma Renker & Söhne in Zerkall in der Eifel. Ein aufregender Moment für Uwe D´Agnone, aber auch für die Mitarbeiter der Fabrik, die ihr ganzes Leben Papier aus weißem Holzfaserschnitt hergestellt hatten und nun eine ziemlich unansehnliche „grüne“ Pampe verarbeiten sollten. Doch nach dem Trocknen geschah das Wunder: das Papier wurde im trockenen Zustand heller und erwies sich als stabil genug für die maschinelle Herstellung.

Doch gleich tat sich das nächste Problem auf, denn Papierfabriken brauchen große Mengen, um wirtschaftlich Papier herzustellen und zu vermarkten, aber für Graspapier gab es noch keinen Markt. Uwe D´Agnone nahm Kontakt zu großen Firmen auf, die viel Verpackungsmaterial brauchen und dabei vielleicht an einem nachhaltigen Produkt interessiert sind. Erster Kunde war der Otto-Versand, der einen Schuhkarton aus Graspappe einsetzte.


Fast unüberwindbare Hürden

„Der große Vorteil des Graspapiers ist der ökologische Vorteil.“ Deshalb war die Idee naheliegend, das Graspapier als Verpackung für Lebensmittel zu verwenden. Doch hierfür waren große Hürden zu nehmen und D´Agnone gibt ehrlich zu, dass er an diesem Punkt kurz gezweifelt hat, ob das Projekt zustande kommt. „Wir mussten Unbedenklichkeitsbescheinigungen für alles Mögliche erbringen, zum Beispiel dermatologische Tests, Untersuchungen auf Allergene, die Recycelbarkeit musste nachgewiesen werden und natürlich mussten wir alles zertifizieren. Das hat etwa ein Jahr gedauert.“ Der Aufwand hat sich gelohnt, denn das Graspapier bestand alle Prüfungen und ist heute bei Rewe zum Beispiel als Verpackungsschale für Bioäpfel im Einsatz.

Um diese hohen Anforderungen zu erfüllen, hat Creapaper beim Heu zwei Bedingungen. Grundsätzlich kann ganz normales Heu in Rund- oder Quaderballen gepresst verwendet werden, meist ist es Heu von Ausgleichsflächen, das sonst nicht genutzt würde. Um Verunreinigungen zum Beispiel mit Hundekot zu vermeiden, wird kein öffentliches Grün verwendet. Ebenso tabu ist Gras von Straßenrändern, da dort Schwermetalle nicht ausgeschlossen werden können.


Alle zusammen bringen

Das Konzept von Creapaper sieht vor, Heulieferanten und Papierfabrik zusammen zu bringen. „Wir machen einen mehrjährigen Vertrag mit der Papierfabrik und mit den Landwirten, die nicht weiter als 50 km von der Fabrik entfernt liegen dürfen, denn wir wollen die Transportwege möglich kurz halten.“ Zurzeit stellen sechs Fabriken in Deutschland Graspapier her. Das heißt konkret, dass Creapaper an der Papierfabrik eine Anlage zu Aufbereitung des Heus errichtet. Das gereinigte, geschnittene und gemahlene Heu wird zu Pellets gepresst und geht dann in der Papierfabrik in den ganz normalen Produktionsprozess, es muss dafür nichts verändert werden. „Wir erhoffen uns eine Win-Win-Situation für alle Seiten, in dem wir langfristige Verträge machen.“

Wenn in einer Region eine neue Papierfabrik gefunden wurde, wie zurzeit in Süddeutschland, nimmt Creapaper über die Bauernverbände oder Maschinenringe Kontakt zu den Landwirten auf.

Die Möglichkeiten mit Graspapier sind fast unbegrenzt. So verpackt Coca-Cola sechs Flaschen in einen Tragekarton aus Graspapier, Penny hat Apfelschalen aus Graspapier in der Auslage   und der WWF verwendet es für Prospekte und Kartonagen Mit weiteren Interessenten laufen zurzeit Gespräche. „Unser Vorteil ist, dass Graspapier 75 % weniger CO2 verbraucht und Gras nachwächst. Wir verbrauchen nur ein Zehntel der Energie, die für Papier aus Zellstoff nötig ist und sparen 8 000 l Wasser je t. Der Transport beträgt nicht 4 500 km, sondern 50 km. Außerdem liegt der Rohstoffpreis zwischen Altpapier und Frischfaser, dieser Preisvorteil ist für die Globalplayer, mit denen wir arbeiten, bares Geld.“


Preisgekröntes Papier

Zurzeit arbeiten bei Creapaper 15 feste Mitarbeiter. Alleine drei Mitarbeiter sind mit dem Graspapier-Projekt beschäftigt. "Wir müssen die Zeit nutzen, denn unser Patent läuft 20 Jahre." Der Erfolg scheint dem Projekt Recht zu geben, so hat das Graspapier schon mehrere Preise gewonnen, zum Beispiel den StartGreen Award im Bundesumweltministerium in Berlin im letzten Jahr und auch schon einen Preis in New York.

Quelle: LZ Rheinland, Ausgabe 32, 10. August 2017, Natascha Kreuzer

 

 

Weitere Informationen

Mehr Infos zu Creapaper und zum
Graspapier finden Sie im Internet
unter www.creapaper.de.

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