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Körnerleguminosen im Ökolandbau – Sorten 2016

23.11.2016

Körnerleguminosen sind neben Kleegras und Zwischenfruchtleguminosen für den ökologischen Landbau in besonderer Weise wichtig, da sie Luftstickstoff binden können und für nachfolgende Kulturen eine gute Vorfrucht darstellen. Darüber hinaus sind die Körner als Eiweißquelle für die Tierernährung von wachsender Bedeutung.

Aufgrund der wieder steigenden Anfragen nach Sortenversuchen bei Körnerleguminosen und einigen neuen Sorten hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) seit 2013 wieder einen Öko-Ackerbohnen- und einen Öko-Körnererbsen-Sortenversuch angelegt. Die Lupinen kamen erst mit dem Projekt der Eiweißpflanzenstrategie der Bundesregierung im Jahr 2016 dazu. Ökologische Soja-Sortenversuche werden seit 2000 bei der LWK NRW durchgeführt.

In diesem Jahr standen die Ackerbohnen in Nordrhein-Westfalen nicht schlecht, hatten aber nur mittlere Erträge (32,1 dt/ha) bei guten Proteingehalten (31,4 dt/ha). Ein Nano-Virusbefall – wie in vielen konventionellen Beständen - war nicht zu beobachten, kann aber nicht ausgeschlossen werden.

Die Körnererbsensorten hingegen standen alle sehr schlecht (Ertrag: 25,4 dt/ha), da sie augenscheinlich sowohl an Fußkrankheiten als auch möglicherweise an Nano-Virusbefall litten. Diese Problematik soll für Biobetriebe im kommenden Jahr näher untersucht werden.

Die Blauen Lupinen kamen auf erfreuliche 26,2 dt/ha. Das Ertragsniveau der Lupine liegt zwischen 20–30 dt/ha.

Mit im Mittel 30,9 dt/ha lagen die Sojabohnen auf gutem Niveau bei hervorragenden Proteinwerten (44,2 %).

Empfohlene Ackerbohnensorten

Bewährte Sorten für den Ackerbohnenanbau sind Fuego (Ertrag) und Divine (Protein). Fanfare scheint ertragsstark und ertragstabil. Divine könnte Konkurrenz von Tiffany bekommen. Taifun (tanninarm) könnte interessant für die Schweinfütterung sein.

Fuego ist eine tanninhaltige, buntblühende Sorte mit sehr guten, stabilen Erträgen, was sie auch in 2016 sehr schön zeigte (111 % relativer Ertrag). Das relativ hohe Tausendkorngewicht (TKG) verursacht allerdings höhere Saatgutkosten und die Proteingehalte sind im Vergleich eher geringer (29,4 %). Positiv sind ihr kürzerer Wuchs, die Standfestigkeit und Blattgesundheit.

Fanfare ist eine tanninhaltige Sorte aus 2012. Sie bringt überdurchschnittlich gute Erträge von 104 % an den Standorten im Mittel von vier Jahren. Die Proteingehalte liegen im Durchschnitt (29,8 %). Ein Anbau kann in Erwägung gezogen werden.

Divine ist eine vicin- und convicinfreie, aber tanninhaltige Sorte. Sie ist für Geflügel geeignet und wird speziell nachgefragt. Sie weist eher geringere Erträge auf (90 % langjähriger, relativer Ertrag). Bei den Proteingehalten liegt sie normalerweise vorne, hat aber im Jahr 2016 im Sortenversuch deutlich abgebaut. Liegt aber im Mittel immer noch über dem Durchschnitt mit 30,1 % Protein.

Tiffany ist eine neue vicin- und convicinarme, aber tanninhaltige Sorte wie Divine. Ertraglich startet sie in den ersten zwei Prüfjahren mit sehr guten 110 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen mit 30,0 % über dem Durchschnitt. Damit ist diese Sorte sehr interessant, wenn sie in den kommenden Jahren diesen Ertrag halten kann.

Taifun ist eine neuere, tanninarme Sorte mit Zulassung in 2013. Ertraglich liegt sie bei 90 % Relativertrag, kann aber auch mehr. Die Proteingehalte sind eher unterdurchschnittlich (28,8%). Die Wüchsigkeit ist eher geringer. Interessant ist diese Sorte dennoch vor allem für die Schweinefütterung.

Empfohlene Körnererbsensorten

Bewährte Sorten für den Erbsenanbau sind Alvesta (Ertrag) und Salamanca (Ertrag). Astronaute (Ertrag und Protein) kann im Probeanbau getestet werden.

Alvesta weist in der Regel hohe Erträge auf (107 %). Hervorzuheben ist ihre relative Ertragsstabilität. Die Proteingehalte (23,9 %) liegen unter dem Durchschnitt. Die Sorte ist lang im Wuchs bei mittlerer Standfestigkeit.

Salamanca liegt ertraglich langjährig über dem Durchschnitt (104 %), war allerdings in 2014 und 2015 knapp unterdurchschnittlich. Die Proteingehalte liegen bei mittleren 25,0 %. Interessant sind ihr langer Wuchs, die gute Standfestigkeit und ihre gute Wüchsigkeit zur frühen Unkrautunterdrückung.

Astronaute ist dreijährig geprüft. Sie kommt im Mittel auf mittlere 103 % Relativertrag mit einem guten Proteinwert (25,1 %). Weitere Pluspunkte sind gute Standfestigkeit und Beerntbarkeit.

Empfohlene Blaue Lupinensorten

Verzweigungstypen sind für leichtere Standorte geeignet, aber Achtung, auf besseren Standorten ist die Abreife verzögert, daher dort endständige Sorten nutzen.

Boregine ist eine sehr ertragsstabile Sorte mit leichten Schwächen im Rohproteingehalt, einer guten Unkrautunterdrückung, einer etwas stärkeren Neigung zum Hülsenplatzen und einer verzögerten Strohabreife. Sie ist großkörnig.

Probor zeigt mittlere Kornerträge mit weit überdurchschnittlichen Rohproteingehalten. Sie ist kleinkörnig, eine endständige Sorte, die für bessere Standorte geeignet ist!

Boruta ist relativ ertragssicher mit höherem Rohproteingehalt, liegt aber ertraglich deutlich unter den Verzweigungssorten. Sie zeichnet sich durch eine gleichmäßige und sichere Abreife auch auf besseren Standorten aus.

Empfohlene Sojabohnensorten

Für Nordrhein-Westfalen kommen grundsätzlich nur sehr frühe Reifegruppen 0000 und 000 in Betracht. Innerhalb der Reifegruppe 000 unterscheidet die beschreibende Sortenliste aus Österreich schnellere Sorten (Reifegruppe 1) bis hin zu langsameren Sorten (Reifegruppe 4). Die Vierfach-Nullsorten erbringen in der Regel in unseren Breiten nicht den erwünschten Ertrag. Bei den Dreifach-Nullsorten ergeben sich folgende Empfehlungen für NRW:

1. Grenzstandorte wie z.B. das Münsterland (Reifegruppe 2): hier passen die Sorten mit einer schnellen Jugendentwicklung und sicherer Abreife gut. Weiterhin die Sorte der Wahl ist Merlin (Ertrag 98 dt/ha, Protein 38,9 %). Eine neue vielversprechende Sorte ist Abelina (Ertrag 106 dt/ha, Protein 41,2 %).

2. Bessere Lagen wie z.B. der Niederrhein (Reifegruppe3): Sultana (105 dt/ha, Protein 40,6 %) ist die Sorte der Wahl. Alle unter 'Grenzstandort' genannten Sorten lassen sich hier natürlich auch anbauen. Als Qualitätssorte könnte Protibus in Betracht gezogen werden (Proteingehalt 42,6 %), sollte aber in besten Lagen angebaut werden, um das genetische Potential auch ausschöpfen zu können und diese Qualitäten zu erreichen. Weitere Qualitätssorten ziehen nach: Regina, Herta PZO und Stamm Taifun.

3. Beste Lagen wie z.B. Köln- Aachener Bucht (Reifegruppe 4): Solena ist Sorte der Wahl (nicht mehr dargestellt), Tourmaline (Ertrag 114 %, Protein 39,9 %) ist ebenfalls anbauwürdig, wie auch alle oben genannten Sorten.

Ausführlich Darstellung der Landessortenversuche zu Körnerleguminosen inkl. Verrechnung mit weiteren Bundesländern finden sie ab Januar 2017 auf dieser Interseite.

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz , Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0221-5340-177, Handy: 0171-55 62 202, E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

Kontakt

Status-quo-Untersuchung: Nano-Virus bei Ackerbohnen oder Körnererbsen im Ökolandbau – ein Problem?

Wer in Hauptfruchtstellung Ackerbohnen und/oder Körnererbsen anbaut, Beobachtungen in den letzten Jahren hinsichtlich verdrehter Stängel gemacht hat sowie Interesse an einer Zusammenarbeit hat, melde sich gerne bei

Franz-Theo Lintzen (Öko-Ackerbauberater der LWK NRW):
franz-theo.lintzen@lwk.nrw.de
Tel: 02821 996-169 oder 0172 2040109

bzw. bei

Elisabeth Engels (Projektbetreuerin DemoNetErBo):
Elisabeth.Engels@lwk.nrw.de
Tel.: 02208 9988071 oder 0177 2604705

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