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2016 - Ein schwieriges Jahr für den Öko-Kartoffelanbau

11.01.2017

Als "Krautfäulejahr" wird die Saison 2016 bei vielen Kartoffelanbauern in Erinnerung bleiben. Die feuchte Witterung sorgte für einen enorm hohen Infektionsdruck mit dem Phytophthora-Pilz. Das Thema Krautfäule und Kupferreduzierung beherrschte den 18. Kartoffeltag, zu dem die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westafeln in der zweiten Januarwoche in das Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse eingeladen hatte.

Als "gefühlte Versicherung" gilt der Einsatz von Kupfer vielfach unter den Anbauern von Ökokartoffeln. In der abgelaufenen Saison war die Krautfäule in den Kartoffeln früh und heftig, so dass viele Landwirte mit den drei kg/ha Kupfer kaum zurechtkamen. Mahnende Worte richtete Dr. Karl Kempkens, Landwirtschaftskammer NRW, an die Ökolandwirte, die am Mittwoch letzter Woche zum 18. Kartoffeltag nach Haus Düsse gekommen waren. Er warnte vor der Gefahr des "Biolandbau-light". Anders als zu Beginn die Öko-Pioniere, sei man im Biolandbau heute auf dem Weg, nach einfachen Lösungen zu suchen und Mittel einzusetzen, die eine schnelle Wirkung zeigten. Hier sei ein Umdenken notwendig, forderte Kempkens zu offenen Diskussionen über den zukünftigen Weg des Bioanbaus auf.

Krautfäulebekämpfung im Fokus

Im Rückblick auf die Saison 2016 stand der hohe Infektionsdruck mit den pilzlichen Erregern im Mittelpunkt. Es sei deutlich geworden, so Franz-Theo Lintzen, Landwirtschaftskammer NRW, dass zahlreiche Faktoren Einfluss nehmen auf den Infektionsverlauf und es bestünden noch zahlreiche offene Fragen. "Die Richtlinien des Anbauverbandes Bioland erlauben den Einsatz von jährlich bis zu 3 000 g/ha Kupfer, während die EU-Öko-Verordnung 6 000 g/ha zulassen", fasste er zwei Strategien zusammen. Als eine Entscheidungshilfe für den Einsatz empfahl Lintzen das Frühwarnsystem ISIP. "Weil Kupfer als Kontaktmittel wirkt, kommt es entscheidend auf die richtige Spritztechnik an. Eine gute Benetzung der Blätter auch an der Unterseite ist mit dem Einsatz von Droplegdüsen zu erzielen", riet er.

Neben dem Phytophthora-Befall habe auch der Rhizoctonia-Pilz in 2016 Probleme bereitet. Hier komme es vor allem auf indirekte Maßnahmen zur Bekämpfung an, wobei das gesunde Pflanzgut im Vordergrund stehe. Außerdem sollte alles dran gesetzt werden, ein schnelles Auflaufen der Knollen zu fördern. Lintzen riet zu vorgekeimtem Pflanzgut und warnte vor zu früher Pflanzung in noch nicht ausreichend erwärmte Böden.

Einblick in die Forschung in Sachen Kupferreduzierung lieferte Dr. Andrea Scherf vom Julius-Kühn-Institut aus Darmstadt, das im Forschungsverbund mit Firmen, Feldversuchsstationen und internationalen Forschungsinstituten an dem EU-Projekt CO-FREE arbeitet. Ziel ist die Entwicklung von Strategien für Kupfer-freie Produktion, im Fokus stehen alternative Präparate, neue Prognosemodelle, veränderte Anbausysteme sowie auch der Blick auf resistente Sorten. "Vor allem robuste Sorten sind ein zentraler Ansatz für die weitere Reduktion von Kupfer", zeigte Scherf auf. Die Kartoffel könnte die erste Kultur sein, in der Kupferersatz möglich und technisch umsetzbar sei. In dem EU-Projekt seien 17 alternative Präparate untersucht worden, allerdings konnte bislang nur eine begrenzte Anzahl im Feld getestet werden und die Forschung ist in den meisten Fällen noch nicht abgeschlossen. "Ein sofortiger Ausstieg aus der Kupferanwendung birgt zu große Risiken und Kosten, der Schlüssel zur weiteren Reduktion liegt eher in angepassten Management-Strategien", fasste Scherf zusammen.

Die Kupferreduktion im biologischen Kartoffelanbau mit Hilfe des Pflanzenschutzsystems aqua.protect stellte Dr. Marcel Thieron von Argus Monitoring aus Alsdorf vor. Das Produkt aqua.protect basiert auf Wasser, das elektrochemisch aktiviert und gezielt auf Pflanzen aufgebracht wird. aqua.protect werde bereits in der Getränkeherstellung und Fleischindustrie eingesetzt und wirke gegen ein breites Pathogenspektrum, erläuterte Diplom-Biologe Thieron. „Mit aqua.protect lässt sich der Kupfereinsatz im biologischen Kartoffelanbau auf durchschnittlich 300 g/ha senken“, so Thieron. Der Einsatz werde in der frühen Phase einer Infektion empfohlen, zeige keine phytotoxischen Effekte und hinterlasse keine Rückstände. Die Spritzungen mit aqua.protect lasse sich in Anbaujahren mit hohem Risiko mit Kupferbehandlungen kombinieren und so den Aufwand an Kupfer reduzieren. In 2017 würden weitere Feldversuche durchgeführt und die Zulassung des Wirkstoffs als Pflanzenschutzmittel beantragt.

Mit oder ohne Kupfer?

Mit Dirk Liedmann aus Witten und Johannes Büsch aus Weeze stellten zwei erfahrene Biobauern ihre Strategien für den Bio-Kartoffelanbau vor. Während Büsch den Standpunkt "Es geht ohne Kupfereinsatz" vertritt, zeigte Liedmann auf, dass ein Verzicht aus ökonomischen Gründen für seinen Betrieb nicht machbar sei. Liedmann, der den 210 ha großen Ackerbaubetrieb Kornkammer Haus Holte in Dortmund und Witten führt und in einer sechsjährigen Fruchtfolge rund 25 ha Kartoffeln anbaut, hat in dieser Saison im Durchschnitt 30 t/ha geerntet. "Ohne Kupfereinsatz hätten wir das in diesem Jahr nicht erreicht", berichtete er mit Hinweis darauf, sechs Behandlungen mit jeweils 500 g/ha durchgeführt zu haben. Damit habe er rund 900 g/ha über dem Schnitt der letzten Jahre gelegen. Die Gefahr einer Kupferanreicherung im Boden hält er für ausgeschlossen, die Gehalte würden über regelmäßige Bodenuntersuchungen beobachtet. In Zukunft will Liedmann die Ausbringung weiter optimieren, indem Fahrgassen in den Beständen angelegt und Dropleg-Düsen eingesetzt werden.

Die Lebensgemeinschaft Boden stärker berücksichtigen, die Pflanzen stärken und den Schadpilzen die Lebensgrundlage entziehen, darauf beruht das Prinzip des kupferlosen Kartoffelanbaus für Johannes Büsch. "Der Kartoffelanbau beginnt mit der Anbau der Zwischenfrucht im Vorjahr, die den Boden intensiv durchwurzelt", erläuterte Büsch. Einen weiteren Schwerpunkt zur Phytophthora-Prophylaxe sieht er in der Wachstumsförderung durch Vorkeimen des Pflanzguts. Vor zwei Jahren habe er in die Bewässerung durch Tropfschläuche investiert, das trage zur Stressreduzierung der Bestände bei. Insgesamt habe er bei Erträgen von rund 30 t/ha gleichmäßige und gesunde Ware ernten können. Sein Fazit: "Nach Mitteln zu suchen gegen etwas, ist ein konventioneller Ansatz. Um unser Bio-System stabiler zu machen, müssen Betrieb und Boden im Mittelpunkt stehen."

Quelle: Christiane Närmann-Bockholt, LZ Rheinland, Ausgabe 3, 2017

Vorträge des 18. Kartoffeltages - Schwerpunkt Kupferreduzierung

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