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Öko-Kartoffelsortenversuche 2017

09.01.2018

In diesem Jahr wurden zwei Kartoffelsortenversuche auf ökologisch wirtschaftenden Betrieben durchgeführt. Seit nunmehr über 19 Jahren führt die Landwirtschaftskammer NRW Öko-Kartoffelsortenversuche durch. Anfänglich wurden ca. 9 Sorten jährlich geprüft, später bis zu 50 Sorten, während derzeit 34 Sorten in den Versuchen stehen.

Standorte und Sorten

Auf zwei Standorten (Viersen/Willich-Anrath und Gütersloh/Rheda-Wiedenbrück) wurden weitestgehend sehr frühe bis mittelfrühe Sorten mit überwiegend festkochenden bzw. vorwiegend festkochenden Kocheigenschaften getestet. Auf beiden Standorten handelt es sich um einen sandigen Lehm.

Jahresverlauf 2017

Das Pflanzgut aus 2016 wies unterschiedliches physiologisches Alter auf. Der trockene Herbst und die frostige Witterung führten zu sehr gutem Bodenzustand. Es galt die Frostgare zu wahren - ohne viel Bodenbearbeitung. Im März waren die Flächen wassergesättigt, man konnte die Flächen lange nicht bearbeiten. Pflanzgut war knapp und teuer. Bis weit in den Mai hinein war es kalt und trocken. Dennoch liefen die Bestände zügig und gleichmäßig auf. Bei vereinzelten Niederschlägen und einigen Wärmetagen (Anfang Mai) lief viel Unkraut auf.

Die ersten Beregnungen fanden schon Anfang Juni statt. Der Krautfäuledruck war zu dieser Zeit noch sehr gering, aber erste Kartoffelkäfer wurden gesehen. Auch weiterhin zeigte sich keine Krautfäule, aber Ende Juni gab es Hitzeschäden (Nekrosen durch Trockenheitsverbrennungen, teilweise auch Mangelsymptome). Die Krautfäule kam erst spät, da erst Mitte Juli wieder wechselhaftes Wetter einsetzte. Sie hatte keine Ertragsrelevanz, da der Knollenansatz schon erfolgt war. Insgesamt gab es eine gute Sortierung, teilweise aber war - bei geringem Knollenansatz - die Tendenz zu Übergrößen gegeben.

Ab Ende Juli trat in NRW vermehrt Durchwuchs mit Gemeiner Hühnerhirse in den abreifenden Beständen auf (Spätverunkrautung). Durch die vielen Niederschläge ab Ende Juli stieg die Gefahr von Braunfäule und Durchwuchs. Nass- und Braunfäule musste auch weiterhin beobachtet werden und ist auch im Lager 2017/18 ein Thema. Am Frühkartoffelmarkt lagen die Preise unter dem Vorjahresniveau, obwohl 2017 ein zweites Ausnahmejahr war. Für Anfang Dezember 2017 wurde eine Preissteigerung erwartet.


Beschreibung der Kartoffelsorten

Genaue Beschreibung der einzelnen Kartoffelsorten mit den individuellen Eigenschaften und Eignung nach Reifegruppe getrennt.

Zeiternten 2017

Aufgrund der Erfahrungen aus dem BÖLN-Projekt 2009-2012 am Standort Gütersloh wurde auch in diesem Jahr wieder an zwei Standorten (VIE/GT) eine Zeiternte durchgeführt, um zu schauen, wie schnell die einzelnen Sorten vor einem möglichen Krautfäulebefall ihren Ertrag machen.

Die Zeiternten sollten ca. 70 Tage nach dem Legen erfolgen, da dies der Zeitpunkt der ersten Krautfäuleinfektionen in NRW zu sein scheint. In Viersen konnte aus arbeitstechnischen Gründen erst später geerntet werden (79 Tag, 29.06.2017); Gütersloh war etwas früher (67 Tag, 26.06.2017). Am Standort Viersen hatten zu diesem Zeitpunkt die Sorten Avanti (192 %), Glorietta (159 %), Solo (155 %), Liliana (157 %), Julinka (146 %), Lisana (153 %), Ranomi (136 %), Loreley (154 %), Otolia (136 % und Alberta (172 %) deutlich überdurchschnittliche Markterträge erzielt. Dies bezieht sich auf das Mittel der Standardsorten (Wega, Allians, Ditta), die zu diesem Zeitpunkt 185 dt/ha Marktertrag im Mittel hatten.

Deutlich unterdurchschnittliche Markterträge wiesen die Sorten Goldmarie (57 %), Bernina (77 %) und Carulus (47 %) auf. Diese Sorten waren 2017 eher langsam in der Ertragsbildung.

Übergrößen hatten zur Zeiternte bereits die Sorten Avanti, Liliana, Julinka, Lisana, Ranomi, Damaris, Loreen, Otolia, Alberta und Loreley. Mehr Untergrößen wiesen v.a. die Sorten Goldmarie, Nixe, Allians, Bernina, Regina, Swing und Carulus auf. In Gütersloh lag das Mittel der Standardsorten (Wega, Allians und Ditta) zur Zeiternte mit 123 dt/ha sehr niedrig. Daher lagen fast alle anderen Sorten darüber.

Das Gesamtmittel des Marktertrages an dem Standort lag zur Zeiternte bei 168 dt/ha. Deutlich unterdurchschnittlich waren nur die Sorten: Malika (74 %), Wega (87 %), Allians (79 %), Montana (34 %) und Otolia (78 %). Übergrößen gab es zu diesem Zeitpunkt in Gütersloh keine, Untergrößen umso mehr, v.a. bei den Sorten Allians, Wega, Almonda, Malika, Julinka, Sunshine, Montana, Loreen, Madeira. Die Mittelwerte über die Jahre zeigen, welche Sorten eher schneller und welche eher langsamer in ihrer Ertragsbildung sind.

Krautfäule

Die Krautfäule trat in diesem Jahr recht spät auf. In Viersen konnten erste Symptome erst Anfang Juli beobachtet werden. Die sehr frühen Sorten (Avanti, Glorietta, Solo und Liliana) waren dabei eher befallen, reiften aber auch schon ab. Goldmarie, Julinka, Lisana, Nixe, Alberta und Loreley waren auch schneller und bis zum Ende stärker befallen. Krautfäule-stabil zeigten sich Carulus, Alouette, Otolie und Almonda.

Auch in Gütersloh kam die Krautfäule Anfang Juli. Dabei war bei vielen Sorten zwischen 03.07. und 10.07. sehr schnell ein Totalzusammenbruch zu verzeichnen (Monique, Twinner, Ranomi und Valdivia). Sehr gut hielten sich nur Otolia und Carulus (Boniturnote 1-2).

Speisewertprüfung 2015 bis 2017

In der Speisewertprüfung werden Fleischfarbe, Farbreinheit, Festigkeit, Geruch und Geschmack bewertet und anschließend wird eine Gesamtnote zwischen 1 (sehr gut) und 5 (schlecht) vergeben. Alle Werte sind mit Vorsicht zu interpretieren, da wir nicht mit geschulten Testessern arbeiten. Allerdings soll ja der Geschmack des Verbrauchers getroffen werden. Über eine Vielzahl an Testern und Jahren kann man einen ganz guten Eindruck der Sorten bekommen.

Vorliegende Ergebnisse der vielen neueren Sorten sind aber überwiegend einjährig! Besonders gut schmecken die Sorten: Stefanie (2,1), Christel (2,1), Allians (2,2), Caprice (2,1) und Madeira (1,9). Bisher eher schlechter abgeschnitten haben die Sorten: Avanti (4,0), Paroli (3,7), Sunshine (3,7), Loreley (4,0) und Carulus (4,3).

Ertragsleistungen zur Haupternte

An den Versuchsstandorten konnte z.T. beregnet werden (Viersen) oder der Grundwasserspiegel ist relativ hoch (Gütersloh). Für alle Standorte wurden die Kartoffeln für die Sortenversuche zentral in Auweiler vorgekeimt. Die Erträge fielen in diesem Jahr wieder besser als in 2016 aus, da die Krautfäule in 2017 später auftrat.

Im Mittel der Standardsorten Wega, Allians und Ditta wurde ein Rohertrag von 384 dt/ha in Viersen erreicht. Das waren 98 dt/ha mehr als im Jahr 2015 (+34 %). In Gütersloh erreichten die Standardsorten ein Mittel von 524 dt/ha, das waren 106 dt/ha mehr als in 2016 (+25 %).

Die Untergrößen lagen im Mittel mit 0,4 % in Viersen sehr gering und mit 5,3 % in Gütersloh etwas höher. Übergrößen gab es dafür in Viersen deutlich mehr in 2017 (36,7 %). In Gütersloh war der Anteil Übergrößen im normalen Rahmen (7,0 %). Die Stärkegehalte waren mit 10,5 % (VIE) und 11,8 % (GT) an den Standorten ähnlich wie die Jahre zuvor.

Die Roherträge der Kartoffelsorten lagen zwischen 270 dt/ha (Sorte Liliana in VIE) und 660 dt/ha (Sorte Otolia in GT) bei der Endernte. Über 100 % Marktertrag erzielten die Sorten an den Standorten VIE/GT Corinna (-/117 %), Paroli (-/106 %), Nixe (105 %/-), Wega (112/110 %), Damaris (113/- %), Madera (-/102 %) und Otolia (136/131 %). Deutlich unter dem Durchschnitt lagen an den Standorten VIE/GT von den sehr frühen Sorten nur Liliana (69/- %). Damit zeigte sich, dass die sehr frühen Sorten in guten Jahre in diesem gemischten Versuch möglicherweise doch nicht unterbewertet werden.

Bei den frühen und mittelfrühen lagen die Sorten Alouette (91/- %), Goldmarie (81/97 %), Monique (-/83 %), Twinner (-/94 %), Lisana (97/- %), Sunshine (-/85 %), Valdivia (-/62 %), Allians (99/95 %), Bernina (80/- %), Ditta (89/94 %), Loreley (90/- %), Montana (-/96 %), Odett (-/83 %), Swing (96/- %), Carulus (98/98 %) und Filou (-/83 %) im Marktertrag unter dem Durchschnitt. Einige Sorten lagen an einem der beiden Standorte unter und am anderen Standort über dem bzw. im Durchschnitt: Glorietta (100/94 %), Julinka (94/100 %), Malika (94/100 %), Ranomi (104/86 %) Regina (92/107 %), Almonda (107/98 %), Loreen (104/97 %) und Alberta (119/90 %).

Knollenbonituren

Bei den Knollenqualitäten fiel am Standort Viersen v.a. der Befall mit Rizoctonia auf. Insbesondere die Sorten Glorietta (93 %), Solo (73 %), Nixe (70 %), Allians (61 %), Otolia (53 %), Loreen (68 %), Swing (57 %), Carulus (57 %) und Alberta (70 %) waren mit über 50 % Befall betroffen. Auch die Rhizoctonia-Indices waren teilweise erhöht, d.h. der Befall war stärker (Glorietta 3,42; Solo 2,66; Otolia 2,32; Loreen 2,38; Swing 2,20). Außerdem traten noch Drycore/Drahtwurm-Befall (Solo 28/19 %, Liliana 17/14 %, Wega 19/14 %, Bernina 24/16 %, Otolia 21/13 % und Alberta 21/9 %) sowie Schorf (Lisana 48 %) auf. Beim Schorf wurde nicht zwischen Kartoffelschorf, Colletotrichum und Silberschorf unterschieden, da gerade die letzten beiden Krankheiten sehr schwer (nur unter dem Mikroskop) auseinanderzuhalten sind.

Auch in Gütersloh wurde in diesem Jahr v.a. Rhizoctonia bonitiert (Indices: Glorietta 2,38; Malika 3,20; Monique 2,46; Julinka 2,38; Valdivia 3,12; Montana 3,48; Loreen 2,56 und Filou 4,06). Drycore lag bei folgenden Sorten über 20 %: Glorietta, Corinna, Paroli, Goldmarie, Malika, Monique, Valdivia, Montana, Regina, Loreen und Alberta. Beim Drahtwurmbefall gab es ebenfalls einige Sorten über 20 %: Corinna, Paroli, Goldmarie, Malika, Twinner, Ranomi, Sunshine, Ditta, Madeira, Odett und Alberta.

Relativ gesunde Knollen konnten bei den Sorten Avanti, Alouette, Ranomi, Wega und Damaris erzeugt werden. Eisenflecken trat am Standort Gütersloh in diesem Jahr nicht auf.

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz, Ökoteam LWK NRW

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Claudia Hof-Kautz
Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0221 – 5340 177
Handy: 0171 55 62 202
E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

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