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Öko-Winterweizenerträge 2017 auf gutem Niveau

25.09.2017
Einleitung

Auch in diesem Jahr wurde wieder weniger Gelbrost beobachtet, weil viele anfällige Sorten aus den Versuchen herausgenommen wurden. Dennoch dürfte das Thema nicht vom Tisch sein. Vermutet werden neue Gelbrostrassen, die Resistenzgene in den Sorten durchbrechen können. Expertenmeinungen zufolge wird sich dieser „Gelbrosttrend“ fortsetzen und es ist auch in den folgenden Jahren mit Gelbrost zu rechnen.

Wichtigste Gegenmaßnahmen sind die Beseitigung des Ausfallgetreides, eine intensive Stoppelbearbeitung und die richtige Sortenwahl inkl. des Anbaus von mindestens zwei als gelbrostgesund eingestufte Sorten zur Risikostreuung im Betrieb.

Bei den Sorten fällt auf, dass einzelne Gelbrostwerte an einigen Standorten sehr hoch sein können: z.B. 8,0 Sorte Manitou in Frankenhausen (Tab. 1). Gerade hier ist zu sehen, dass in den Jahren davor diese Sorte noch unauffällig ist und nun ausbricht. Im Mittel müssen Sorten wie Angelus (3,0) und Pionier (2,8) im Auge behalten werden.

Tab. 1: Gelbrostbefall (Boniturnote 1 = kein Befall bis 9 = sehr starker Befall) der Winterweizensorten
im LSV an den Standorten des AGB 3 "Lehmige Standorte West" 2015-2017


Seit einigen Jahren werden die Ergebnisse in einem Anbaugebiet 3 (ABG 3 "Lehmige Standorte West") mit den Bundesländern Niedersachsen und Hessen gemeinsam verrechnet. Ziel ist es, in den Anbaugebieten ausreichende Anzahlen an Versuchen mit zuvor abgesprochenen einheitlichen Sortimenten zu betreuen, Versuchsplanung und Durchführung effizienter zu gestalten und eine bessere statistische Absicherbarkeit zu erzielen. Außerdem können so weitere zusätzliche für den Ökolandbau wichtige Parameter wie z.B. Bodenbedeckungsgrad, Blattstellung oder Feuchtklebergehalte ermittelt werden.


Ertragsleistungen der Standorte und Sorten

In NRW erzielten alle Standorte in 2017 im Mittel aller Sorten einen guten Weizenertrag: Lichtenau 53,7 dt/ha, Warstein-Belecke 52,5 dt/ha und Wendlinghausen 48,7 dt/ha (Tab. 3).

Tab. 3: Kornerträge (relativ zum Standardmittel) der Winterweizensorten
im LSV an den Standorten des AGB 3 "Lehmige Standorte West" 2015-17

Auf den guten Ertragsstandorten in Hessen und Niedersachsen wurden mit zwischen 59,0 dt/ha (Gladbacherhof) und 69,8 dt/ha (Frankenhausen) im Mittel aller Sorten überragende Weizenerträge geerntet. Im Mittel aller Standorte (59,6 dt/ha) war das Jahr 2017 etwas besser als die Jahre davor (dreijähriges Mittel 57,6 dt/ha).
Bei den Sorten überzeugten in diesem Jahr hinsichtlich des Ertrages: die E-Weizensorten Angelus (106 %) und Moschus (106 %), die A-Weizensorte Pionier (108 %), die B-Weizensorten KWS Livius (108 %) und Bosporus (107 %) sowie die C-Weizensorten Elixer (111 %) und Rockefeller (110 %).

Darstellung der Sorten anhand der letzten drei Jahre im Öko-LSV des ABG

Qualitätszahlen liegen derzeit nur von einigen Standorten vor
Mehrjährig geprüfte E-Weizen-Sorten

Butaro E: Butaro ist eine Sorte aus der biologisch-dynamischen Züchtung. Laut Züchter ist sie besonders widerstandsfähig gegen Weizensteinbrand. Mit im Mittel 89 % weist sie einen etwas unterdurchschnittlichen Ertrag im Vergleich zu den anderen Sorten auf und lag auch in 2017 nur bei 92 %. Allerdings sind bei dieser Sorte sehr hohe Qualitäten zu erwarten: Proteingehalt 12,2 % bei besten Feuchtklebergehalte von 26,0 %. Weitere Eigenschaften sind gute Winterüberlebensfähigkeit, mittlere Bodenbedeckung, hohe Pflanzenlänge bei einhergehender hoher Lageranfälligkeit aber guter Unkrautunterdrückung sowie mittlere Blattgesundheit. Insbesondere aufgrund der guten Qualitäten ist diese Sorte für den Anbau im Ökolandbau grundsätzlich zu empfehlen, allerdings auch hier wegen der Lagergefahr nicht auf gut versorgen Standorten. Auf sandigeren Böden tut sie sich schwerer und erreicht keine ausreichenden Erträge, daher eher auf lehmigen Standorten, die nicht überversorgt sind.

Genius (E): Genius ist eine von den kürzeren Sorten und mehrjährig geprüft. Durch ihre Kürze ist sie zwar geringer in ihrer Lagerneigung, kann aber Unkraut nur in geringem Maße unterdrücken. Ertraglich kommt sie im Mittel auf gute 102 %. Sie ist in der Praxis auf gut versorten Standorten (z.B. nach Kleegras) aufgrund ihrer Standfestigkeit im Anbau. Bei den Qualitäten kommt sie auf gute Proteinwerte (12,1 %) bei etwas geringeren Klebergehalten (23,0 %). Sie weist eine mittlere bis bessere Winterüberlebensfähigkeit auf und ist recht blattgesund. Für einen Anbau auf gut versorgten Standorten ist diese Sorte zu empfehlen.
dreijährig geprüfte E-Weizen-Sorte.

Bernstein (E): Bernstein kommt auf gute 101 % Relativertrag. Die Proteingehalte sind im Durchschnitt (11,4 %) bei mäßigen Klebergehalten (22,2 %). Diese Sorte ist im Bestand später recht gleichmäßig, teilweise aber auch ungleich, mittellang, recht dicht und aufrecht. In früherem Entwicklungsstadium ist sie dünner, aufrechter und erectophiler und lässt daher eher mehr Licht für Unkräuter in den Bestand. Gerade auf Problemstandorten mit Fuchsschwanz lässt sie viel Unkraut durch. Sie scheint recht blattgesund zu sein. Sie ist durchaus interessant, aber in allen Parametern im Mittelfeld und sticht nirgends hervor.

Axioma (E): Ebenfalls dreijährig geprüft liegt Axioma bei mittleren 101 % Relativertrag. Dabei hat sie bessere Protein- und Kleberwerte (12,3 und 22,4 %). Sie scheint recht blattgesund zu sein. In 2016 und 2017 präsentierte sich Axioma im Bestand nicht sehr gut in NRW (ungleich, sehr kurz, dünn, kurze, kleine Ähren, teilweise blattkrank, sehr viel Unkraut), sodass diese Sorte für einen Anbau im Ökolandbau vorerst nicht empfohlen werden kann.

Angelus (E): Die Sorte Angelus ist begrannt. Sie erreicht gute 102 % Relativertrag im Mittel der Jahre. Die Proteingehalte sind unterdurchschnittlichen (11,2 %) und unterdurchschnittlichen Feuchtkleberwerten (21,7 %). In NRW stand sie gar nicht schlecht mit 107 % Relativertrag. Im Bestand präsentiert sie sich anfänglich dicht, mittellang und aufrecht mit breiteren Blättern. Später war sie dann gleichmäßig, mittelhoch, recht dicht mit etwas mehr Gelbrost (Note 3,0), sonst blattgesund. Interessant ist diese Sorte, da sie auch begrannt ist (Wildabwehr). Sie kann durchaus für den Anbau im Ökolandbau empfohlen werden, es sei denn der Gelbrost wird bei dieser Sorte stärker.

Neuere ein- bis zweijährig geprüfte E-Weizen-Sorte

Trebelir E: Treblier steht seit zwei Jahren bei uns in der Prüfung, kommt aber aus der Öko-WP. Diese Sorte ist als bundesweite Verrechnungssorte hierfür aufgestiegen. Im ersten Jahr kommt im Mittel auf 93 % Relativertrag mit guten 11,7 % Proteingehalt und guten 23,7 % Feuchtgluten. Auf die Fallzahl (231 s) muss geachtet werden. Im Bestand ist diese Sorte mittellang, teilweise länger, mit mittlerer bis dichter Bestandesdichte. Überdies mit planophiler Blatthaltung schafft sie eine mittlere bis gute Unkrautunterdrückung. Sie ist recht blattgesund, etwas Blattseptoria und Braunrost war zu beobachten. Diese Sorte ist in der Anbauempfehlung.

Govelino E: Ebenfalls zweijährig bei uns im Sortiment ist Govelino aus der biologisch-dynamischen Züchtung. Diese Sorte stand als Stamm in der Öko-WP und auch schon länger auf anderen Prüfstandorten. Govelino erreichte im Mittel nur unterdurchschnittliche Erträge von 92 %, da in Niedersachsen und Hessen Gelbrost (bis Boniturnote 6,8) auftrat. In NRW liegt diese Sorte bei 99 %. Die Proteingehalte liegen mit 12,7 % auf gutem Niveau, der Feuchtklebergehalt ist mit 28,4 % herausragend. Damit kann Govelino als eine der wenigen Sorten Ertrag & Qualität kombinieren. Leider sind die Fallzahlwerte sehr niedrig (201 s), was möglicherweise den unterschiedlichen Abreifezeitpunkten der Sorten geschuldet ist, frühreife Sorten stehen möglicherweise zu lange. Ansonsten präsentierte sich Govelino im Bestand sehr gut: sehr lang, gleichmäßig, dicht, keine Unkräuter. Diese Sorte kann auf mittleren Böden angebaut werden (nicht zu gut versorgt, aufgrund von Lagergefahr & Gelbrost).

Helmond E: Helmond steht auch zum zweiten Mal bei uns in der Prüfung. Diese Sorte startet mit 95 % Relativertrag, bei überdurchschnittlichen 12,4 % Proteingehalt und herausragenden 24,8 % Feuchtgluten. Im Bestand präsentiert sich Helmond gut: mittellang, mitteldicht, planophile Blattstellung mit etwas Unkrautaufkommen, gleichmäßig und recht blattgesund (kein Gelbrost, etwas Braunrost). Diese Sorte kann ausprobiert werden.

Royal (E): Zweijährig geprüft startet Royal mit einem durchschnittlichen Relativertrag von 97 %. Die Proteingehalte liegen im Mittel (11,1 %), bei mittleren Klebergehalten (21,9 %). Im Bestand steht Royal mittellang – lang (Lagergefahr), gleichmäßig, dicht bis sehr dicht bei planophiler Blatthaltung mit sehr wenigen Unkräutern. In langen dicken Ähren macht sie den Ertrag. Etwas mehr Blattseptoria und frühes Absterben war zu verzeichnen. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Ponticus E: Auch im zweiten Jahr steht bei uns im Sortiment die Sorte Ponticus. Im Mittel erreichte sie bisher 102 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen bei guten 12,0 %, die Feuchtglutengehalte ebenfalls bei guten 22,6 %. Ponticus sieht im Bestand sehr kurz aus, teilweise ungleichmäßig und dünner im Bestand mit erectophiler Blatthaltung und recht viel Unkraut. Die Sorte ist lange blattgesund. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Aristaro E: Aristaro ist neu bei uns im Sortiment, stand aber davor die Jahre auf den bundesweiten Standorten in der WP aus der Ökozüchtung. Diese Sorte ist laut Züchterangabe Steinbrand- und Zwergsteinbrand-resistent, hat eine geringe Flugbrand-Anfälligkeit und ist winterhart. Aristaro erreichte 94 % Relativertrag. Die Proteingehalte lagen bei sehr guten 12,6 % und auch die Feuchtglutengehalte sind mit 27,1 % hervorragend. Aristaro ist begrannt und daher auch zur Wildabwehr (Wildschweine) interessant. Im Bestand zeigte sie sich lang bis sehr lang bei mittlerer bis dichter Bestandesdichte und planophiler Blatthaltung. Daher war die Unkrautunterdrückung gut, teilweise kam aber auch Unkraut durch. Sie wird bundesweit geschätzt und als Vergleichsorte geführt, daher ist sie für einen Anbau im Ökolandbau zu empfehlen.

KWS Montana E: KWS Montana steht im ersten Jahr bei uns in der Prüfung. Sie kommt auf 95 % Relativertrag. Der Proteingehalt scheint im Mittel zu liegen (11,7 %), die Kleberwerte sind eher darunter (20,9 %). Im Bestand erscheint Montana mit kurzem Wuchs, geringer ungleicher Bestandesdichte, viel Unkraut aber blattgesund. Da der Züchter sie nicht weiter ökologisch vermehrt verfolgen möchte, haben wir diese Sorte wieder aus dem Sortiment herausgenommen.

Moschus E: Eine neue Sorte in unserem Sortiment ist Moschus. Sie kommt auf gute 106 % Relativertrag, überdurchschnittliche Proteingehalte (12,2 %) und gute Kleberwerte (23,7 %). Moschus erscheint im Bestand zunächst etwas dünner und ist auch kleiner im Wuchs, daher kommt sie auf Problemstandorten mit starkem Unkrautbesatz (z.B. Fuchsschwanz) nicht gut zurecht. Die Blattstellung ist auch aufrecht. Auf anderen Standorten kann sie mit mittlerer bis dichter Bestandesdichte gut aussehen. Auffällig war, dass das Blatt lange grün und gesund war wie bei Pionier. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.



Mehrjährig geprüfte A-/B- und C-Weizen-Sorten

Julius A: Die ältere Sorte Julius haben wir wieder mit aufgenommen, da sie im Anbau ist und als Verrechnungssorte mitgeführt wird. Diese ehemalige B-Sorte, weißt mit im Mittel 106 % gute Erträge aus. Die Proteingehalte sind gering (10,4 %) mit geringen Klebergehalten (21,3 %). Diese Sorte ist etwas später reif, mittellang, standfest und relativ blattgesund. Julius zeigte sich in den letzten Jahren im Bestand immer schlechter: sehr dünn, kürzer bis mittellang mit mittelbreiten Blättern, ungleich und hatte auch teilweise sehr viel Unkraut. Mit guten Erträgen ist Julius als Futterweizen aber immer noch anbauwürdig.

Pionier A: Pionier kommt im Mittel auf gute 109 % Relativertrag. Bei den Qualitätsuntersuchungen zeigt sie unterdurchschnittliche Werte auf: Rohproteingehalt 10,7 % und Kleber 19,7 %. Im Bestand zeigt sich die Sorte zunächst dünner, mittellang mit mittelbreiten Blättern, später dann relativ gleichmäßig, sehr kurz, teilweise lückig. Diese Sorte ist aber sehr blattgesund und standfest. In 2016 und 2017 viel vor allem die sehr gute Blattgesundheit positiv auf. Für bessere, gut versorgte Standorte könnte diese kurze Sorte interessant sein, sofern das Unkraut im Griff bleibt.

Elixer C: Ertragsstarke Futterweizensorten werden seitens der Praxis gesucht. Daher haben wir unser Sortiment um die Sorte Elixer erweitert. Im Mittel der Jahre kommt diese Sorte auf erfreulich 116 % Relativertrag. Bei den Qualitäten ist sie mit einem Rohproteinwert von 10,2 % und einem Feuchtglutenwert von 19,3 % erwartungsgemäß am unteren Ende des Prüfsortiments. Elixer ist sehr blattgesund, kürzer und relativ standfest. Auch diese interessante Sorte kann auf gut versorgten Standorten angebaut werden.

Manitou C: Eine weitere ertragsstarke Futterweizensorte könnte Manitou sein. In drei Prüfjahren kommt sie auf 102 % und ist damit ertraglich etwas zurück gegangen (Gelbrost?). Die Qualitäten sind ähnlich wie bei Elixer mit etwas besseren Klebergehalten (19,8 %). Im Bestand präsentiert sie sich anfänglich sehr dünn, mittellang und aufrecht. Später steht sie kurz, dicht mit erectophiler Blatthaltung, teilweise lückig mit viel Unkraut. In diesem Jahr scheint der Gelbrost dieser Sorte zu schaffen zu machen. Mit einer mittleren Boniturnote von 4,0 und negativen Spitzenwerten von bis zur Note 8, ist diese Sorte für einen Anbau nicht zu empfehlen.

Neue ein- zweijährig geprüfte A-/ B- und C-Weizen-Sorte (ohne Anbauempfehlung)

Turandot A: Turandot ist neu bei uns im Sortiment und wird als robuster Alleskönner beworben mit Winterhärte, Trockentoleranz und Spätsaateignung. Bei uns startet Turandor mit 102 % Relativertrag, geringeren Proteingehalten (10,5 %) und guten Klebergehalten (22,1 %). Etwas geringere Fallzahlwerte tauchten bei den ersten Messungen auf (214 s). Im Bestand präsentiert sich Turandot kurz, mit aufrechter Blatthaltung bei dünner bis mittlerer Bestandesdichte und teilweise viel Unkraut. Nur in Wendlinghausen stand sie sehr gut (weniger Unkrautdruck). Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Bosporus B: Als neue B-Weizensorte haben wir Bosporus im Sortiment. Diese Sorte steigt bei uns mit sehr guten 107 % Relativertrag ein. Die Qualitäten sind erwartungsgemäß niedriger (Proteingehalt 10,3 %, Feuchtglutengehalt 19,6 %). Im Bestand zeigte sich Bosporus an den gut versorgten Standorten mit höherem Unkrautaufkommen (Belecke, Lichtenau) kurz, lückig mit viel Unkraut. In Wendlinghausen stand die Sorte sehr gut, gleichmäßig und dicht. Sie war dort auch lange grün und blattgesund. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

KWS Livius B: KWS Livuis kommt im Mittel von zwei Prüfjahren auf sehr gute 110 % Relativertrag bei geringeren Protein- (10,8 %) und Klebergehalten (18,9 %). Im Bestand präsentierte sich diese Sorte recht gut: mittellang, gleichmäßig, mitteldicht, wenig Unkraut, sehr blattgesund (Lichtenau) bis blattkrank (Belecke). Diese interessante Sorte wird weiter geprüft und kann ausprobiert werden.

Graziaro B: Als B-Weizen neu 2016 zugelassen stand Graziaro in der Öko-WP. In zwei Jahren als Sorte kommt sie bei uns auf 95 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen bei mittleren 12,0 %, die Klebergehalte sind demgegenüber besser bei 24,7 %. Die Fallzahl ist mit nur 188 s unzureichend. Im Bestand zeigte sich Graziaro sehr lang und lageranfälliger (Belecke, Wendlinghausen) bis noch standfest (Lichtenau), gleichmäßig, dicht, keine Unkräuter, lange dunklere dicke Ähren aber eher nur mittelblattgesund. Diese Sorte würde eher auf weniger gut versorgte Standorte passen.

Rockefeller C: Als weitere Hochertragssorte aus dem C-Sortiment haben wir Rockefeller im zweiten Jahr im Prüfsortiment. Diese Sorte steigt mit erfreulichen 110 % Relativertrag ein. Proteingehalte (10,9 %) und Feuchtglutengehalte (19,6 %) sind erwartungsgemäß schlecht. Rockefeller präsentierte sich kürzer, gleichmäßig, mitteldicht, mit etwas teilweise sehr viel Unkraut v.a. am Anfang der Vegetation, später besser, mit kurzen-mittel dicken Ähren und relativ blattgesund. Daher kann auf gut versorgten Standorten ein Probeanbau in Erwägung gezogen werden.

Tab. 2: Beratungsempfehlung zu den Öko-Winterweizensorten 2017/18
Fazit 2017

Gelbrost war in diesem Jahr wieder zu sehen, aber durch den Wegfall stark anfälliger Sorten eher weniger auffällig als in den Jahren zuvor.

Langjährig geprüft und ausgewogen in Ertrag (102 % bzw. 101 %) und Qualität (12,1 % bzw. 11,2 % Protein) sind Genius bzw. Angelus. Genius als sehr kurzer Weizen passt auf gut versorgte Standorte. Angelus ist mittellang und begrannt gegen Wildverbiss. Hier könnten auch die kurzen Futterweizen Pionier (A) und Elixer (C) angebaut werden, die noch mehr Ertrag erbringen (109 bis 116 %), aber keine Qualitäten liefern. Julius ebenfalls Futterweizen passt eher auf mittlere Standorte (106 % Ertrag). Ausprobieren kann man als ertragsbetonte Sorten auch KWS Livius, eine B-Weizen (110 %) oder Rockefeller, einen C-Weizen (110 %).

Wer mehr Qualität haben will, ist mit dem langjährig geprüften Butaro auf der sicheren Seite (26,0 % Kleber). Aus der Öko-Züchtung kommen dann noch weitere qualitätsbetonte Sorten nach: Govelino (28,4 % Kleber), Trebelir (23,7 % Kleber), Aristaro (27,1 % Kleber) oder auch die nur als B-Weizensorte eingestufte Sorte Graziaro (24,7 % Kleber). Diese ist aber sehr lang, lageranfällig und fallzahlschwach. Allerdings im Bestand sehr schön hoch und dicht.

Saatgutbezug

Die Verwendung von ökologisch erzeugtem Saat- und Pflanzgut ist grundsätzlich gemäß EU-Bioverordnung vorgeschrieben. Der Saatgutbezug kann über die Ökosaatgutvermehrer aus NRW z.B. Bioland-Z-Saatgutliste erhältlich beim Bioland Landesverband NRW erfolgen. Die Verfügbarkeit einzelner Sorten finden Sie im Überblick unter: www.organicXseeds.de.

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0221 – 5340 177, Handy: 0171 55 62 202, E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

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