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Bio-Kartoffeln sind gefragt

09.09.2019

Der Schwerpunkt des Bioland-Hofes Bolten in Niederkrüchten liegt beim Gemüseanbau, aber die Kartoffel als Ackerkultur hat hier ihren festen Platz. Die Knolle ist für die Direktvermarktung unverzichtbar und wird auch für den Lebensmittelhandel auf dem Hof abgepackt.

Warme Temperaturen und trockenes Wetter und damit eine Witterung, wie für die Kartoffelkäfer gemacht. "Das ist ein dramatisch zunehmendes Problem für den Bio-Kartoffelanbau", macht Willi Bolten deutlich. Der Landwirt aus Niederkrüchten im Kreis Viersen steht im Acker und zeigt auf die gestreiften Käfer, die sich in dem Agria-Bestand durch das Blattgrün fressen. Aber das ist es nicht, was den Biobauern, der mehr als 35 Jahre Erfahrung im Ökoanbau hat, beunruhigt. Die Schädlinge können dem Ertrag der Knollen in diesem Entwicklungsstadium nicht mehr entscheidend zusetzen.

Weder die Käfer noch die Eigelege lassen sich im Bioanbau direkt bekämpfen, die beiden zugelassenen Mittel sind wirksam gegen die geschlüpften Larven. "Wir setzen zuallererst auf Förderung der Nützlinge, aber wir greifen auch auf ein Mittel mit dem Wirkstoff Bacillus thuringensis zurück, das gut wirksam ist", erläutert Bolten. Allerdings sei dieses Mittel nur noch für diese Saison verfügbar. Und was dann? Das Problem grundsätzlicher angehen und neu über Landwirtschaft nachdenken. "Der Anteil an Durchwuchskartoffeln muss zurückgehen, denn damit leisten wir Problemen wie Krautfäule und Kartoffelkäfer Vorschub. Es dürfte keine Kartoffel mehr auf dem Acker liegenblieben", zeigt Bolten auf. Technisch sei das sicher möglich, aber damit würde die Schlagkraft bei der Ernte reduziert. "Und damit haben wir einen echten Zielkonflikt", fügt er an.

Hohe Schlagkraft

Schlagkraft ist gefragt auf dem Bio-Hof Bolten. Angefangen hat der heute 67jährige Betriebsleiter zusammen mit seiner Frau Gabi Leick in den 80er Jahren, als sie den 20 ha großen elterlichen Hof in Niederkrüchten auf Bio umstellten. Seit 1985 ist der Betrieb dem Bioland-Anbauverband angeschlossen und schon 1987 wurde ein Hofladen eingerichtet. Den gibt es heute immer noch, allerdings längst in einem neuen Gebäude auf mehr als 200 m² vergrößert und mit einem breiten Sortiment, das einem Bio-Supermarkt in nichts nachsteht. Hier bietet Tochter Rosa Bolten, die den Hofladen managt, nach wie vor die Kartoffeln sowie ein breites Gemüseangebot aus eigenem Anbau an, dazu aber auch Käse, Fleisch, Trockenprodukte, Wein und Kosmetik.

Gewachsen ist auch die Anbaufläche, mittlerweile werden rund 270 ha bewirtschaftet, darunter 40 ha Kartoffeln und 160 ha Gemüse, davon rund 100 ha Industriegemüse wie Kohl, Spinat, Erbsen und Kürbis, dazu Möhren und Zwiebeln für den Frischmarkt sowie Feingemüse für die eigene Direktvermarktung. Seit einigen Jahren mit im Boot ist Sohn Simon, der sich nach Abschluss seines Studiums – nicht Landwirtschaft, sondern Maschinenbau und Wirtschaft - für die Rückkehr auf den Hof entschieden hat. "Wir sind ein starkes Team auf dem Hof, die nächste Generation steht, auch mit ihren Partnern, längst in den Startlöchern", berichten Willi Bolten und Gabi Leick von der gerade laufenden Phase der Hofübertragung.

Hacken, striegeln, häufeln

Offen berichtet Bolten, mit welchen Schwierigkeiten sie im Bioanbau zu tun haben und wo es gut funktioniert. "Die Arbeit ohne Herbizide ist kein Problem. Die Kartoffelbestände frei von Beikraut zu halten, das funktioniert auch ohne Handarbeit gut mit der richtigen Strategie von Häufeln und Striegeln", berichtet der Biolandwirt. Für seinen Standort bedeutet das, dass mit extrem flachen unvollständigen Dämmen begonnen wird, die sich schneller erwärmen. Der Aufbau der Enddämme erfolgt erst dann, wenn die Kartoffeln durchstoßen. Bis kurz vor Reihenschluss wird mit "wenig aggressivem Striegeleinsatz" gearbeitet und dabei darauf geachtet, das Kartoffellaub möglichst zu schonen.

Nach wie vor eine große Herausforderung für den Bio-Kartoffelanbau sind die Pilzkrankheiten. "Die Phytophthora ist definitiv ein Problem für uns, dem wir mit dem Einsatz von Kupfer begegnen", räumt Bolten ein. Während nach den Bioland-Richtlinien Kupfergaben von bis zu 3 kg/ha und Jahr zulässig sind, sind im Betrieb Bolten im Schnitt der letzten Jahre 1,2 kg/ha eingesetzt worden. "Zu unserer Strategie gegen die Krautfäule gehört, mit gut vorgekeimtem Pflanzgut der Phytophthora davonzulaufen. Kombiniert mit dem Kupfereinsatz lässt sich so  Ertrag sichern", erläutert der Landwirt. Hinzu kommt, dass die Kartoffeln nicht enger als alle fünf Jahre auf einer Fläche stehen, dabei soll der Abstand möglichst auf sechs Jahre erweitert werden. "Die Fruchtfolge ist der halbe Pflanzenschutz", ist Boltens Devise. Eine feste Fruchtfolge sei jedoch hier schwierig, zum einen weil sich die Ansprüche des Marktes so schnell veränderten und zum anderen der Betrieb durch die Wachstumsschritte immer wieder herausgefordert sei.

Zurück zur Zwei-Phasen-Ernte

Bei der Nährstoffversorgung der anspruchsvollen Hackfrucht sieht Bolten dagegen heute kein Problem mehr. Die Stickstoff-Düngung erfolgt über Biogas-Gülle, in der Kleegras vergoren wird, das auf rund 30 ha als anderthalbjährige Kultur auf den Flächen wächst. Darüber hinaus werden als organische Stickstoffquelle zusätzlich Haarmehlpellets eingesetzt, wobei dieser Zukauf nach den Biolandbau-Richtlinien auf maximal 40 kg N/ha/Jahr begrenzt ist.

"Wir gehen heute mit dem Nährstoff Stickstoff viel vorsichtiger um, das zeigen auch die Rest-Nmin-Werte der letzten Jahre auf den Kartoffelflächen", zeigt Bolten auf. Sein Betrieb gehört zu den NRW-weit 31 Modellbetrieben, die im Rahmen der Wasserschutzberatung der Landwirtschaftskammer NRW unter die Lupe genommen werden und Daten für die Beratung liefern. Die in den zurückliegenden vier Jahren ermittelten Werte zeigen Nmin-Gehalte zwischen 43 und 61, jeweils im November als flächenbereinigte Durchschnittswerte gemessen. "Wir sehen das Potential, auch bei Kartoffeln deutlich unter die 50 mg-Grenze zu kommen. Entscheidend ist, dass die Höhe der Düngergaben zum angepeilten Ertrag passt", so Bolten, der die Erntemengen auf seinen Kartoffelschlägen mit 35 t/ha im Schnitt der Jahre angibt.

Zum Krautabtöten wird grundsätzlich geschlegelt, das Flämmen erfolgt nur bei Bedarf. "Eigentlich sollten wir mehr flämmen, weil damit auch das Aussamen von Unkraut verhindert wird", meint Bolten. Die Ernte erfolgt im zweigeteilten Verfahren, die Knollen werden gerodet und im Schwad abgelegt und nach einigen Stunden Trocknung im Schwad mit einem Grimme-Überlader aufgenommen. "Wir sind vor einigen Jahren zur Zwei-Phasen-Ernte zurückgekehrt, nachdem wir Probleme im Lager mit Knollenfäule durch Erwinia hatten", berichtet Willi Bolten. Vor dem Einlagern in das Kisten-Kühllager wird sortiert, die Knollen gehen "richtig trocken" ins Lager und werden direkt ohne eine Wundheilungsphase heruntergekühlt.

Bei der Auswahl der angebauten Sorten misst Bolten dem Kriterium Keimruhe hohe Bedeutung bei. Dabei ist es im Bioanbau nicht anders als im konventionellen Anbau, man ist immer auf der Suche nach den richtigen Sorten. Galt Nikola wegen ihrer Phytophthora-Resistenz vor 15 Jahren noch als Hauptsorte in dem Bioland-Betrieb, fällt sie heute durch die fehlende Keimruhe und auch wegen auftretender Nabelendfäule fast raus aus dem Anbau. Belana gelte zwar als hochempfindliche Sorte, sei aber wegen ihrer hohen Keimruhe und guten Lagerfähigkeit wichtig. Eine passende Keimruhe weist auch die allerdings schorfanfällige Allians auf. Neu im Sortenspektrum auf dem Bioland-Betrieb ist die Sorte Regina.

Bio-Ware knapp und gefragt

"Wir müssen bei der Sortenauswahl immer darauf achten, dass die Sorten mit der Vermarktung im Lebensmitteleinzelhandel kompatibel sind", erläutert Bolten. Seit drei Jahren ist der Betrieb Lieferant für das Edeka-Regionalprogramm und packt Kartoffeln in Zellulose-Netze ab. Im kommenden Jahr soll auch der Discounter Lidl, mit dem der Bioland-Anbauverband eine Kooperation vereinbart hat, beliefert werden. "Wir sind als Bio-Erzeuger noch in der komfortablen Situation, dass die Ware knapp ist und unsere Kartoffeln gefragt sind", kommentiert Bolten die derzeitige Marktlage. Die Verpackung und Vermarktung über den LEH in seinem Betrieb auszubauen, diese Entscheidung hat die Familie vor dem Hintergrund getroffen, dass Sohn Simon an den Niederrhein zurückkommt und die Hofnachfolge antritt. Jetzt kann es im starken Team weitergehen.  

Quelle: Christiane Närmann-Bockholt (LZ Rheinland / Praxis Kartoffeln, 22. August 2019)              

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