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Körnerleguminosen im Ökolandbau – Sorten 2019

20.11.2019

Körnerleguminosen sind neben Kleegras oder Zwischenfruchtleguminosen für den Ökolandbau in besondere Weise wichtig, da sie Luftstickstoff binden können und für nachfolgende Kulturen eine gute Vorfrucht darstellen. Darüber hinaus sind die Körner als Eiweißquelle für die Tierernährung von Bedeutung.

Aufgrund der wieder steigenden Anfragen nach Sortenversuchen bei Körnerleguminosen und einigen neueren Sorten hat die Landwirtschaftskammer NRW jeweils seit 2013 wieder einen Öko-Ackerbohnen- und einen Öko-Körnererbsen-Sortenversuch, seit 2016 einen Öko-Blaue-Lupinen- und seit 2018 einen Öko-Weiße-Lupine-Sortenversuch angelegt. Öko-Sojasortenversuche werden seit 2000 bei der LWK NRW durchgeführt.

In diesem Jahr standen die Ackerbohnen in NRW wieder sehr schlecht und hatten nur geringe Erträge (17,6 dt/ha) bei guten Proteingehalten (31,7 %). Die Körnererbsensorten standen in 2019 wie in 2018 etwas besser in NRW als die Jahre davor, da ein Standortwechsel vorgenommen wurde. Im Mittel der Standardsorten wurden in diesem Jahr 35,9 dt/ha erzielt. Die Blauen Lupinen kamen nur auf 16,1 dt/ha, da hier technische Probleme bei der Ernte auftraten. Das Ertragsniveau der Blauen Lupine liegt eher zwischen 20–30 dt/ha. Auch die Weiße Lupine erreicht in 2019 im Mittel nur 27,0 dt/ha und könnte an diesem Standort mehr bringen, wie in 2018 mit 40,5 dt/ha gezeigt. Mit im Mittel 24,3 dt/ha lagen die Sojabohnen in 2019 eher unter dem Durchschnitt bei guten Proteinwerten (39,4 %).

Empfohlene Ackerbohnensorten

Bewährte Sorte für den Ackerbohnenanbau ist Fuego (ertragsstark). Fanfare scheint ebenfalls ertragsstark und ertragsstabil. Tiffany ist interessant für die Geflügelfütterung und deutlich ertragsstärker als Divine. Taifun (tanninarm) wäre interessant für die Schweinfütterung.

Fuego ist eine tanninhaltige, buntblühende Sorte mit sehr guten, stabilen Erträgen. Das relativ hohe Tausendkorngewicht (TKG) verursacht allerdings höhere Saatgutkosten und die Proteingehalte sind im Vergleich tendenziell geringer. Positiv sind ihr kürzerer Wuchs, die Standfestigkeit und Blattgesundheit.

Fanfare ist eine tanninhaltige Sorte aus 2012. Sie bringt überdurchschnittlich gute Erträge von 105 % in NRW im Mittel von vier Jahren. Die Proteingehalte liegen im Durchschnitt (30,6 %). Für einen Anbau dieser Sorte spricht ihre Ertragsstärke und Ertragsstabilität.

Divine ist eine vicin- und convicinfreie, aber tanninhaltige Sorte. Sie ist für Geflügel geeignet und wird speziell nachgefragt. Sie weist eher geringere Erträge auf. Bei den Proteingehalten liegt sie im Durchschnitt.

Tiffany ist eine neue vicin- und convicinarme (aber tanninhaltige) Sorte und konkurriert damit mit Divine. Ertraglich liegt sie deutlich besser bei sehr guten 103 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen mit 31,5 % über dem Durchschnitt. Damit ist diese Sorte sehr interessant und auch relativ ertragsstabil.

Taifun ist eine neuere, tanninarme Sorte mit Zulassung in 2013. Ertraglich liegt sie unter dem Durchschnitt. Die Proteingehalte sind etwas über dem Durchschnitt. Die Wüchsigkeit ist eher geringer. Interessant ist diese Sorte v.a. für die Schweinefütterung.

Neuere ertragsstarke Sorten in der Prüfung sind Trumpet (105 %), Daisy (108 %) und Stella (105 %). Bei den erst einjährig geprüften Sorten bleiben weitere Ergebnisse aus den anderen Bundesländern und weiterer Jahre abzuwarten!

►Tabelle: Ackerbohne - Erträge und Proteingehalte (PDF)
 

Empfohlene Körnererbsensorten

Bewährte Sorten für den Erbsenanbau sind Alvesta (Ertrag), Salamanca (Ertrag) oder auch Astronaute (Ertrag & Protein). Gambit kann im Gemenge angebaut werden.

Alvesta weist i.d.R. hohe Erträge auf (108 %). Hervorzuheben ist ihre relative Ertragsstabilität. Die Proteingehalte (23,1 %) liegen etwas unter dem Durchschnitt. Die Sorte ist lang im Wuchs bei mittlerer Standfestigkeit.

Salamanca liegt ertraglich langjährig über dem Durchschnitt (105 %). Die Proteingehalte liegen bei mittleren 24,3 %. Interessant sind ihr langer Wuchs, die gute Standfestigkeit und ihre gute Wüchsigkeit zur frühen Unkrautunterdrückung.

Astronaute kommt im Mittel auf mittlere 101 % Relativertrag mit einem guten Proteinwert (24,5 %). Weitere Pluspunkte sind gute Standfestigkeit und Beerntbarkeit.

Gambit schaffte es im Mittel der Jahre auf 99 % Relativertrag. Der Proteingehalt liegt bei guten 24,8 %. Diese Sorte ist frohwüchsig, allerdings wurde teilweise Lager beobachtet. Ein Anbau im Gemenge zur Stabilisierung der Standfestigkeit ist überlegenswert. 

Eine neue ertragsstarke Sorte scheint LG Ajax zu sein (105 %).

►Tabelle: Erbse - Erträge und Proteingehalte (PDF)

Empfohlene Blaue Lupinensorten

Bewährte Sorten für den Anbau von Blauer Lupine sind Boruta (bessere Standorte, ertragsstabil, Protein), Boregine (Ertrag, leichtere Standorte) und Probor (Ertrag & Protein, leichtere Standorte). Neuere Sorten durch Schwankungen in 2019 (hohe Verluste durch Ausfall beim Drusch) kaum darstellbar.

Verzweigungstypen (leichtere Standorte; Achtung! auf besseren Standorten Abreife verzögert, daher dort endständige Sorten nutzen)

Boregine ist eine i.d.R. sehr ertragsstabile Sorte über 100 % Relativertrag (Abfall 2019 aufgrund von Druschproblemen) mit leichten Schwächen im Rohproteingehalt (32,1 % im Mittel), gute Unkrautunterdrückung, etwas stärkere Neigung zum Hülsenplatzen, verzögerte Strohabreife, großkörnig

Probor  weist mittlere Kornerträge auf, bei uns bisher in zwei Jahren mit 113 %, mit die höchsten und stabilsten Erträge des Sortiments, überdurchschnittliche Rohproteingehalte (34,3 %), kleinkörnig

Endständige Sorte (bessere Standorte!)

Boruta  ist relativ ertragssicher mit höherem Rohproteingehalt (33,4 %), liegt aber ertraglich i.d.R. unter den Verzweigungssorten (91 % Relativertrag), gleichmäßige und sichere Abreife auch auf besseren Standorten

►Tabelle: Blaue Lupine - Erträge und Proteingehalte (PDF)
 

Empfohlene Weiße Lupinensorten

Weiße Lupinen sind derzeit im Anbau schwierig aufgrund der Gefahr der Anthraknose. Ältere Sorten sind Energy und Feodora, Saatgut der neuere Sorte Boros ist derzeit unter organicXseeds zu bekommen. Neu zugelassene anthraknosetolerante Sorten sind Frieda und Celina.

Energy ist verzweigt, mit gutem Ertrag (102 %), geringerem Proteinwert (37,3 %), lang,sehr dicht mit guter Unkrautunterdrückung, für bessere, lehmige und mittelschwere Böden (AZ > 35), hoher Wasserbedarf, sehr standfest, ertragreich, mittleres TKG

Feodora ist verzweigt, mit mittlerem Ertrag (94 %), hohem Proteingehalt (39,8 %), eher mittellang, sehr dicht und mit guter Unkrautunterdrückung

Boros ist eine neuere Sorte, endständig, geringere Erträge (86 %), bessere Proteingehalte (39,3 %), sehr kurz, vielen dicken Hülsen im Ansatz

Frieda  ist anthracnose-resistent, mit gutem Ertrag (106 %), geringere Proteingehalte (38,0 %), mittellang, sehr dicht mit hoher Unkrautunterdrückung, guter Standfestigkeit und Eignung für die Humanernährung

Celina  ist anthracnose-resistent, guter Ertrag (107 %), hohe Proteingehalte (39,5 %), mittellang, sehr dicht, gute Unkrautunterdrückung, vorzugsweise zur Verfütterung

►Tabelle: Weiße Lupine - Erträge und Proteingehalte (PDF)

Empfohlene Sojabohnensorten

Für NRW kommen grundsätzlich nur sehr frühe Reifegruppen 0000 und 000 in Betracht. Innerhalb der Reifegruppe 000 unterscheidet die beschreibende Sortenliste aus Österreich schnellere Sorten (Reifegruppe 1) bis hin zu langsameren Sorten (Reifegruppe 4). Die Vierfach-Nullsorten erbringen i.d.R. in unseren Breiten nicht den erwünschten Ertrag. Bei den Dreifach-Nullsorten ergeben sich folgende Empfehlungen für NRW:

1. Grenzstandorte wie z.B. das Münsterland (Reifegruppe 2): hier passen die Sorten mit einer schnellen Jugendentwicklung und sicherer Abreife gut. Weiterhin die Sorte der Wahl ist Merlin (mittlerer Ertrag, mittlere Proteingehalte). Außerdem anbauwürdig ist Obelix (bessere Ertrag, höhere Proteingehalte). Eine neue vielversprechende Sorte ist GL Melanie (Relativertrag 107 dt/ha, Proteingehalt 39,3 %).

2. Bessere Lagen wie z.B. der Niederrhein (Reifegruppe3): Sultana (bessere Ertrag, höhere Proteingehalte) ist die Sorte der Wahl. Alle ein Grenzstandort 1 genannten Sorten gehen hier natürlich auch. Neben Protibus aus ziehen weiter Qualitätssorten mit höheren Proteingehalten nach: Viola ist interessant (108 % Relativertrag, 40,8 % Proteingehalt). Stamm Taifun 8, eine Züchtung aus Bayern für nördliche Standorte, hat sehr hohe Proteingehalte mit 44,0 % im ersten Jahr, liegt ertraglich aber zurück (95 %).

3. Beste Lagen wie z.B. Köln- Aachener Bucht (Reifegruppe 4): hier könne Sorten wie Tourmaline (hohe Ertrag, gute Proteingehalte), Herta PZO (gute Erträge und sehr hohe Proteingehalte), Amadea (sehr hohe Erträge, mittlere Proteingehalte) und Amarok (gute Relativertrag 101 %, höhere Proteingehalte von 41,1 %) anbauwürdig sein, wie auch alle oben genannten Sorten. Neue Sorten wie Coraline und Arcardia haben zunächst gute Erträge (105 & 106 %) aber weniger Proteingehalte.

►Tabelle: Sojabohne - Erträge und Proteingehalte (PDF)

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, 11. November 2019

Weitere Informationen

Kontakt

Dr. Claudia Hof-Kautz
Fachbereich 53 — Ökologischer Land- und Gartenbau
Versuchszentrum Gartenbau in Köln-Auweiler
Tel.: 0221 5340 177
Mobil: 0171 55 62 202
E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de


Körnerleguminosen im Ökolandbau – Sorten 2019

Tabellen: Erträge und Proteingehalte (PDF)

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