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Sechs Jahre Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne

03.11.2021

Dr. Burkhard Schmied, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, lobte in seinem Grußwort die positive Entwicklung des Leguminosenanbaus in den vergangenen sechs Jahren, betonte aber auch, dass noch viel zu tun sei. „Neben der Ertragssteigerung und dem Züchtungsfortschritt ist vor allem der Ausbau der Wertschöpfungsketten wichtig. Ab 2022 ist daher ein neues Projekt zu großkörnigen Leguminosen geplant, in dem die Arbeiten des Demonstrationsnetzwerks Erbse/Bohne, des Lupinen-Netzwerks und des Soja-Netzwerks gebündelt und fortgeführt werden soll“, so Dr. Schmied.

Entwicklung der Wertschöpfungsketten

Petra Zerhusen-Blecher, FH Südwestfalen, und Werner Vogt-Kaute, Naturland, stellten die Entwicklung der Wertschöpfungsketten im konventionellen und ökologischen Anbau dar. Seit 2016 steigt die Anbaufläche von Körnererbsen und Ackerbohnen kontinuierlich. War zu Projektbeginn die Vermarktung im konventionellen Bereich eher schwierig, habe sich vor allem in der Humanernährung ein großes Potenzial entwickelt. „Dabei spielten Regionalität und der steigende Trend zu vegetarischen Produkten eine große Rolle. Das spiegelt sich auch in der Preisentwicklung wieder, die einen klaren Aufwärtstrend in den letzten Jahren zeigt“, meinte Petra Zerhusen-Blecher. Dagegen funktioniert der Markt für Futtermittel im ökologischen Bereich seit Jahren konstant gut. „Der Selbstversorgungsgrad ist leicht gestiegen und liegt nun bei 50 bis 60 %“, so Werner Vogt-Kaute. „Auch die Preise liegen konstant auf einem akzeptablen Niveau.“

Körnererbsen und Ackerbohnen lassen sich gut in die Futterrationen von Schweinen, Geflügel und Milchvieh integrieren, wie wissenschaftliche Arbeiten belegen. Das ist vor allem mit Aussicht auf die Vorschrift, ab 2022 auch in der Schweine- und Geflügelfütterung 100 % Bio-Futter zu verwenden, ein wichtiger Aspekt. In der Humanernährung steige die Akzeptanz und das Interesse an heimischen und regionalen Lebensmitteln. Allerdings gebe es weiterhin einen hohen Bedarf an Aufklärung.

Kerstin Spory, Mitarbeiterin des Forschungsinstituts für ökologischen Landbau (FiBL) und Koordinatorin des Wissenstransfers, berichtete über das umfangreiche Infomaterial, das während des Projektes erstellt und auf der Homepage www.demoneterbo.agrarpraxisforschung.de in Form von Broschüren, Schulmaterial, Betriebsporträts und vielen weiteren Artikeln zur Verfügung gestellt wird. Die gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen wurden auf über 200 Veranstaltungen und in etwa 300 Pressebeiträgen vermittelt und werden auch nach Abschluss des Projektes zugänglich bleiben.

Anschließend berichteten Carina Bichler-Scherwitz, Bioland), Dennis Köpp, FH Südfestfalen, Jochen Buß, DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück, und Andreas Huhn, AbL, über die Ergebnisse der Demonstrationsanlagen auf den von ihnen betreuten Betrieben. Vor allem die Themen mechanische Unkrautbekämpfung, Sorten und Gemengeanbau weckten Interesse bei den Landwirten. Beatrice Kallenbach und Mirko Winkel stellten die Astaxa GmbH vor, die sich auf die Reinigung und Aufbereitung von pflanzlichen Produkten spezialisiert hat. Das Angebot umfasst neben Sieben und Trocknen auch das Rösten, Mahlen und Vorkochen von Leguminosen. Die Firma sitzt im Süden Thüringens und verarbeitet konventionelle und Bio-Ware. „Es gibt noch Kapazitäten für die Verarbeitung“, so Beatrice Kallenbach. „Die Nachfrage ist da.“



Am Nachmittag drehte sich alles um die Berichte aus der Praxis. Vier der fast 50 beteiligten Demonstrationsbetriebe präsentierten ihre Erfahrungen aus dem Leguminosenanbau.

Ackerbohnen in Direktsaat

Auf Gut Westerwald in Montabaur werden Ackerbohnen als festes Fruchtfolgeglied nach Winterweizen seit 2015 angebaut. In diesem Jahr betrug der Anbauumfang 25 ha. Der Betrieb hat sich dem Aufbau der Bodenfruchtbarkeit verschrieben und integriert Kompostdüngung, Mulch- und Direktsaat und den Zwischenfruchtanbau. Mit 26 bis 58 Bodenpunkten und einer Jahresniederschlagsmenge von 780 mm wurden in 2021 Erträge von 45 bis 55 dt/ha erzielt. Auf den Einsatz von Fungiziden und Insektiziden wurde verzichtet, da die entsprechenden Schadschwellen nicht überschritten wurden. Die Vermarktung der Ware erfolgt über einen Schweinemastbetrieb sowie den Landhandel. „Dies funktioniert immer besser und einfacher“, so der Betriebsleiter Paul Prassler. Als Motivation für den Anbau nannte er eine weite Fruchtfolge, den hohen Vorfruchtwert, eine gute Bodengare, einen positiven Deckungsbeitrag sowie die Entzerrung von Arbeitsspitzen. Sowohl die Ackerbohne als auch die Folgefrucht eignen sich für die Direktsaat. Dadurch verringere sich der Arbeitsaufwand. „Die Aussaat sollte möglichst früh stattfinden, aber unsere nassen und langen Winter verzögern die Befahrbarkeit der Flächen“, berichtete der Betriebsleiter über die Schwierigkeiten beim Anbau.

Bio-Saatgut aus Schleswig-Holstein

Der ökologisch wirtschaftende Betrieb Hansen aus Bentfeld in Schleswig-Holstein betreibt Ackerbohnenanbau zur Saatgutvermehrung und als Eiweißfutter in einer Futter-Mist-Kooperation. „Als Bio-Betrieb haben wir keine Möglichkeit, schnellverfügbaren Stickstoff einzusetzen. Die Ackerbohne ist in der Lage, sich selbst und die Folgefrucht mit Stickstoff zu versorgen“, erklärte Betriebsleiterin Astrid Hansen. Die Ackerbohne passe gut zum lehmigen und tiefgründigen Standort. Aufgrund des maritimen Klimas erleide die Pflanze keinen Stress in der Blüte und durch die ständige Brise sei der Pilzdruck sehr gering, da die Blätter schnell abtrocknen. Schwierigkeiten bereiteten eher Schädlinge, wie die schwarze Bohnenlaus, die auch Viren überträgt, der Blattrandkäfer sowie der Ackerbohnenkäfer, der die Keimfähigkeit des Saatgutes einschränken kann. Die Aussaat erfolgt pfluglos bei trockenem und warmem Boden in 10 cm Ablagetiefe. Gleichzeitig wird eine Untersaat aus Weidelgras, Weißklee und Leindotter ausgebracht, die als Bodenbedeckung und Habitat für Insekten dient. So wird auch die mechanische Beikrautregulierung hinfällig. Besonders wichtig bei der Saatgutproduktion ist nach Erfahrungen der Betriebsleiterin eine sehr schonende Ernte, um die Körner nicht zu beschädigen.

Ackerbohnen mit innerbetrieblicher Verwertung

Der Landwirtschaftsbetrieb Claus im niedersächsischen Verden hat in den letzten Jahren verschiedene Saattechniken für Ackerbohnen getestet. „Die Aussaat im Dreiecksverband ist im Moment meine Lieblingsvariante“, so Landwirt Wilke Claus. „Sie bietet einen optimalen Standraum und gute Wuchsbedingungen für die Einzelpflanze.“ Das Jahr 2021 brachte einen guten Hülsenansatz, eine Wuchshöhe der Pflanzen von 1,50 m und einen Ertrag von 70 dt/ha. Das sah 2018 ganz anders aus: Bedingt durch die Trockenheit und eine starke Spätverunkrautung konnte nur ein Ertrag von 20 dt/ha erreicht werden. Wilke Claus setzt die Ackerbohnen in der Fütterung seiner Mastschweine ein. Nach der Lagerung im belüfteten Blechsilo gelangen die Körner zu Mühle. „Das Mehl hat eine sehr gute Rieselfähigkeit und Struktur. Der Rohproteingehalt liegt immer zwischen 26 und 27 %“, beschreibt der Betriebsleiter die Vorteile. Der optimale Anteil an Ackerbohnen in der Ration ließe sich von 2 % in der Vormast bis 12 % in der Endmast erhöhen. Wichtig sei dabei die individuelle Anpassung des Aminosäurengehaltes in der Futtermischung.

Erbsenanbau für eine Erzeugergemeinschaft

Wolfgang Vogel bewirtschaftet 450 ha Ackerfläche in Sachsen. Seit 2014 baut er neben Wintergetreide, Zuckerrüben, Mais und Raps auch Erbsen an. Da 99 % der Betriebsfläche in nitratbelasteten roten Gebieten liegen, bietet die Erbse hier als stickstoffbindende Kultur einen besonderen Vorteil. Vermarktet werden die Erbsen über die Erzeugergemeinschaft an die Emsland Group. Zuständig hierfür ist Diana Lehmitz. Sie bündelt die Erzeugnisse von 75 Betrieben. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Qualität: Für die Erzeugung hochwertiger Produkte für die Lebensmittelproduktion und Industrie sind die Ansprüche hoch.

Sarina Hertel,

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

 

Weitere Informationen

11. NRW-Leguminosentag

Wer sich für den Anbau von Körnerleguminosen interessiert, sollte zum 11. Leguminosentag NRW kommen. Dieser wird am 8. Dezember von 9:30 bis 16:00 Uhr auf Haus Düsse stattfinden. 

Das Programm umfasst eine vielfältige Mischung an Vorträgen aus Sicht der Beratung, der Forschung und der Praxis. Zusätzlich wird eine Infobörse mit relevanten Marktpartnern stattfinden. Die Veranstaltung ist als Hybridveranstaltung mit maximal 40 Teilnehmern in Präsenz und maximal 100 Teilnehmern bei der Online-Veranstaltung geplant. Der Teilnahmebeitrag beträgt für die Präsenzveranstaltung 40 €, für Schüler & Studenten 20 € und für die Onlineveranstaltung 20 €.

Eine Anmeldung ist unter dem folgenden Link möglich: https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/weiterbildung/2021-12-08-leguminosentag.htm

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