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Zuckerrüben lassen sich striegeln

03.06.2021

Im ökologischen Zuckerrübenanbau trägt eine wirksame mechanische Beikrautregulierung im hohen Maß zum Anbauerfolg bei. Dieses Ziel lässt sich derzeit aber nur mit einer zusätzlichen kostenintensiven Handjäte erreichen. Flankierend stellt vor allem die Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften ein großes Problem dar. Aus diesem Grund muss mit vorbeugenden und mechanischen Maßnahmen ein hoher Regulierungserfolg realisiert werden.

Aus diesem Blickwinkel stellt sich die Frage, ob auch der Zinkenstriegel in Zuckerrüben eingesetzt werden kann, da dieser auf den meisten Biobetrieben in der Regel vorhanden ist. Der Fachbereich Ökolandbau der LWK Niedersachsen ist dieser Frage in vierjährigen Versuchen in Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzamt der LWK nachgegangen. Die Versuche wurden vom Land Niedersachsen finanziell unterstützt.

Beikräuter frühzeitig regulieren

Die Zuckerrübe ist während ihrer Jugendentwicklung vergleichsweise konkurrenzschwach. Damit die Rüben stets einen Wachstumsvorsprung behalten, müssen die Beikräuter bereits in den frühen Entwicklungsstadien der Zuckerrüben reguliert werden. Zudem muss der Striegel auch deshalb frühzeitig zum Einsatz kommen, da er die höchsten Regulierungsgrade nur in den frühen Beikrautstadien des Fädchen- und Keimblattstadiums erreicht.

Hier liegt auch die Herausforderung beim Einsatz des Striegels. Da seine Hauptwirkung das Verschütten ist und er ganzflächig und reihenunabhägig arbeitet, müssen dabei auch die Rübenverluste beachtet werden.

Versuchsbeschreibung

Die Durchführung der Versuche erfolgte von 2017 bis 2020. Untersucht wurde, wie sich das Striegeln in den frühen Entwicklungsstadien – ab dem Vorauflauf bis zum zweiten Laubblattpaar der Rüben - auf die Verträglichkeit auswirkt. Der Beikrautregulierungserfolg wurde nicht prioritär erfasst, wird aber derzeit in einem Folgeversuch untersucht. Zu den einzelnen vier Striegelterminen sind jeweils zwei unterschiedliche Striegelintensitäten mit optimaler und intensiver Einstellung und Arbeitsgeschwindigkeit durchgeführt worden.

In der intensiveren Variante wurde der Druck an den Zinken und die Arbeitsgeschwindigkeit erhöht. In den Jahren 2019 und 2020 ist zusätzlich das Striegeln quer zur Särichtung untersucht worden. Die Versuche wurden auf Lehmböden in randomisierten Großparzellen mit vierfacher Wiederholung angelegt. In den Versuchen kam ein Zinkenstriegel mit indirekter Aufhängung der Zinken des Herstellers Treffler zum Einsatz. Bei diesem Fabrikat sind die Zinken in einem starren Rahmen pendelnd montiert und können seitlich nicht ausweichen. Jeder Zinken ist einzeln mit einer Zugfeder verbunden. Die Zinkenaggressivität wird somit nicht primär über die Verstellung des Neigungswinkels des Zinkenträgers, sondern durch die Veränderung der Vorspannung der Federn eingestellt.

Ergebnisse Blindstriegeln im Vorauflauf

In Abhängigkeit von Witterung und Standort kann bereits wenige Tage nach der Saat ein Blindstriegeln im Vorauflauf erforderlich sein. Beim Blindstriegeln muss auf eine präzise Tiefenführung des Striegels geachtet werden. Besonders wichtig ist ein ebenes, gut rückverfestigtes Saatbett ohne tiefe Fahrspuren sowie eine gleichmäßige und auch tiefere Ablage der Saat. In den Versuchen wurden die Rüben auf etwa 3 bis 3,5 cm Tiefe abgelegt.

Im Jahr 2017 lagen die Verluste in der Variante mit optimaler Striegeleinstellung mit 2 Prozent und in der intensiven Variante mit 4 Prozent auf vergleichsweise niedrigem Niveau. In 2019 fielen die Rübenverluste in der intensiven Striegelvariante mit 29 Prozent sehr hoch aus. Mit optimaler Striegeleinstellung lagen die Verluste mit 7 Prozent dagegen auf einem noch akzeptablen Niveau. 2018 und 2020 war ein Blindstriegeln in den Versuchen witterungsbedingt nicht möglich.

Um den richtigen Termin zum Blindstriegeln abzupassen, sind regelmäßige Schlagkontrollen durchzuführen. Ist der Keimspross bereits deutlich aus der Rübenpille hervorgetreten, liegen die Rübenpillen zu flach, oder ist das Saatbett zu uneben, sollte das Striegeln unterbleiben, da die Gefahr der Schädigung zu groß ist.


Auswertung: Striegeln zur Beikrautregulierung in Zuckerrüben

(Diagramme als PDFs)

► Zuckerrübenverluste nach Blindstriegeln 2017 und 2019

Striegelversuche in Öko-Zuckerrüben 2017- 2020: Zuckerrübenverluste – optimale Striegeleinstellung (Striegeln in Särichtung)

Striegelversuche in Öko-Zuckerrüben 2017- 2020: Zuckerrübenverluste – intensive Striegeleinstellung (Striegeln in Särichtung)

Striegelversuche in Öko-Zuckerrüben 2017- 2020: Zuckerrübenverluste – optimale Striegeleinstellung (Striegeln quer zur Särichtung)

Striegelversuche in Öko-Zuckerrüben 2017- 2020: Zuckerrübenverluste – intensive Striegeleinstellung (Striegeln quer zur Särichtung)


Striegeln im Keimblatt der Rüben

Ein Striegeln im Keimblattstadium (BBCH 10) der Rüben führte in allen vier Versuchsjahren zu überwiegend hohen Verlusten. Sowohl mit der optimalen, als auch mit der intensiven Striegeleinstellung bewegten sich die Verluste häufig im Bereich von 20 Prozent. Vereinzelt gab es "Ausreißer" wo die Ausfälle auch deutlich darüber, aber auch auf einem sehr niedrigen Niveau lagen. Das starke Verschütten der kleinen Rübenpflanzen war die Hauptursache für die hohen Verluste. Hier haben neben der Arbeitsgeschwindigkeit und der Striegeleinstellung auch die verwendeten Zustreicher an den Säaggregaten einen großen Einfluss. In den Versuchen wurde die Fingerdruckrolle eingesetzt. Sie kann in Abhängigkeit der Bodenart eine leicht keilförmige offene Särille hinterlassen, in der die Rüben geschützt auflaufen. Es kann dadurch zu Schäden durch die Striegelzinken, vor allem aber zu einer zu starken Verschüttung der Rüben kommen. Vorteilhafter sind Farmflexrollen als Zustreicher da diese eine sichere Bodenbedeckung der Rübenpille und eine ebene Bodenoberfläche hinterlassen. Alternativ kann auch nach der Saat gewalzt werden um die keilförmige Särille der Fingerdruckrolle einzuebnen. In Abhängigkeit des Standortes kann durch das Walzen allerdings die Erosions- und Verschlämmungsgefahr steigen.

Unter optimalen Bodenbedingungen und präzise eingestellter Striegeltechnik kann aber auch im Keimblattstadium der Zuckerrüben ein Striegeln gelingen. Die Arbeitsgeschwindigkeiten in den Versuchen bewegten sich in Bereichen von etwa 2 bis 4 km/h.

Striegeln im ersten und zweiten Laubblattpaar der Rüben

Bei den Striegeleinsätzen im ersten Laubblattpaar (BBCH 12) der Rüben bewegten sich die Verluste in den vier Versuchsjahren mit der optimalen Striegeleinstellung zwischen null und sechs Prozent. Selbst mit der intensiven Striegeleinstellung erhöhten sich die Verluste nur geringfügig. Die Ergebnisse zeigen, dass sich ab dem ersten Laubblattpaar der Rüben die Striegelverträglichkeit deutlich verbessert. Die Rüben sind in diesem Stadium bereits gut bewurzelt und mit dem Boden verankert. Zudem wird ein Verschütten bereits gut vertragen, weil sie sich nach dem Striegeln aufgrund der größeren Blätter wieder zügig regenerieren können.

Im Stadium zweites Laubblattpaar (BBCH 14) traten in fast allen Versuchsjahren und mit beiden Striegelintensitäten kaum Rübenverluste auf. Ab diesem Stadium ist ein Striegeln bedenkenlos möglich. Die Verluste von acht Prozent im Jahr 2020 lassen sich durch einen sehr zeitverzögerten und heterogenen Aufgang der Rüben (sog. Terrassenrüben) begründen.

Quer zur Särichtung Striegeln

Mit dem Striegeln quer zur Särichtung sind in den Versuchsjahren 2019 und 2020 im Keimblattstadium (BBCH 10) der Rüben vergleichsweise hohe Verluste zwischen 14 und 27 Prozent verursacht worden. Die Verluste entstanden hauptsächlich durch Verschütten und wurden durch die bereits beschriebenen Särillen der Fingerdruckrolle noch verschärft. Im Stadium erstes Laubblattpaar (BBCH 12) sind dagegen mit optimaler Striegeleinstellung geringere Verluste von drei und neun Prozent gezählt worden. Mit der intensiveren Einstellung erhöhten sich die Ausfälle auf rund zehn Prozent in beiden Versuchsjahren.

Im Stadium zweites Laubblattpaar (BBCH 14) wurden mit beiden Striegelintensitäten nahezu keine Rübenverluste mehr durch das Querstriegeln verursacht.

Das Striegeln quer zur Särichtung bietet sich besonders nach dem Einsatz der Scharhacke an. Damit lassen sich die Beikräuter aus dem schmalen ungehackten Band innerhalb der Rübenreihen gut in den Zwischenraum der Rübenreihen ziehen und auch verschütten. Die Beikräuter sollten aber das erste bis zweite Laubblattpaar nicht überschritten haben, da sie sonst zu stark im Boden verwurzelt sind und sich somit nicht mehr ausreichend regulieren lassen. Das Querstriegeln kann mit breiter Schlepperbereifung und mit abgesenktem Luftdruck erfolgen. Aus der Praxis liegen dazu positive Erfahrungen vor.

Einstellung und Arbeitsgeschwindigkeiten

Zu den optimalen Arbeitsgeschwindigkeiten und Striegeleinstellungen können auf Grundlage der Versuche keine festen Vorgaben gegeben werden. Sie differenzierten in den einzelnen Versuchsjahren teilweise nicht unerheblich. Sie müssen in Abhängigkeit der Striegeltechnik, Bodenart und dem Bodenzustand stets standortbezogen gewählt werden.


Fazit
  • Das Striegeln von Zuckerrüben kann eine sinnvolle Ergänzung zur Beikrautregulierung sein.
  • Für ein Blindstriegeln im Vorauflauf besteht häufig nur ein enges Zeitfenster. Es kann aber sehr wirkungsvoll sein, bei zu später Terminierung aber auch zu Rübenverlusten führen.
  • Ein Striegeleinsatz im Keimblattstadium der Rüben ist riskant, da hohe Verluste drohen können, die von vielen Faktoren beeinflusst werden. Unter optimalen Bedingungen kann ein Striegeln im Keimblatt aber durchaus gelingen.
  • Das Striegeln ist ab dem 1. Laubblattpaar (BBCH 12) der Rüben sowohl längs oder auch quer zur Särichtung möglich. Ab dem 2. Laubblattpaar besitzen die Die Zuckerrüben eine sehr gute Striegelverträglichkeit.
  • Um Striegelverluste auszugleichen, ist eine Erhöhung der Aussaatstärken abzuwägen.
  • Zu den optimalen Arbeitsgeschwindigkeiten und Striegeleinstellungen können keine festen Vorgaben gegeben werden. Sie müssen stets standortbezogen gewählt werden.
  • Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie unter www.lwk-niedersachsen.de (Webcode: 01037485 und 01039205)
  • Außerdem hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen Videos zum Striegeleinsatz in Zuckerrüben gemacht. Über folgende Links gelangen Sie direkt zu den Videos:

    https://www.instagram.com/p/COxLlFMKxAY/?utm_medium=copy_link

    https://www.instagram.com/p/CPpyQtwKKIB/?utm_medium=copy_link


Ausblick – Striegelversuche werden fortgeführt

Die Striegelversuche werden weitergeführt und es wird auch der Beikrautregulierungserfolg erfasst. Das Land Niedersachsen unterstützt die Versuche finanziell.

►Versuchsbericht (als PDF, 8,2 MB)

Markus Mücke
Fachbereich Ökologischer Landbau, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
E-Mail: markus.muecke@lwk-niedersachsen.de

Weitere Informationen

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