Aktueller Inhalt:

Körnerleguminosen im Ökolandbau – Sorten 2017

24.11.2017

Körnerleguminosen sind neben Kleegras oder Zwischenfruchtleguminosen für den Ökolandbau in besondere Weise wichtig, da sie Luftstickstoff binden können und für nachfolgende Kulturen eine gute Vorfrucht darstellen. Darüber hinaus sind die Körner als Eiweißquelle für die Tierernährung von Bedeutung.

Aufgrund der wieder steigenden Anfragen nach Sortenversuchen bei Körnerleguminosen und einigen neueren Sorten hat die LWK NRW seit 2013 wieder einen Öko- Ackerbohnen-, einen Öko-Körnererbsen- und seit 2016 einen Öko-Lupinen-Sortenversuch angelegt. Öko-Sojasortenversuche werden seit 2000 bei der LWK NRW durchgeführt.

In diesem Jahr standen die Ackerbohnen in NRW schlechter und hatten nur geringe Erträge (22,7 dt/ha) bei guten Proteingehalten (34,3 dt/ha). Auch die Körnererbsensorten standen alle sehr schlecht (Ertrag: 23,9 dt/ha), da sie augenscheinlich an Fußkrankheiten litten. Nano-Viren konnten bei beiden Arten nicht festgestellt werden. Die Blauen Lupinen kamen auf 21,2 dt/ha. Das Ertragsniveau der Lupine liegt zwischen 20–30 dt/ha. Mit im Mittel 39,2 dt/ha lagen die Sojabohnen auf gutem Niveau bei guten Proteinwerten (41,0 %).

Empfohlene Ackerbohnensorten

Bewährt Sorten für den Ackerbohnenanbau sind Fuego (Ertrag) und Divine (Protein). Fanfare scheint ertragsstark und ertragstabil. Divine könnte Konkurrenz von Tiffany bekommen. Taifun (tanninarm) ist interessant für die Schweinfütterung.

  • Fuego ist eine tanninhaltige, buntblühende Sorte mit sehr guten, stabilen Erträgen, was sie auch in 2017 sehr schön zeigte (107 % relativer Ertrag). Das relativ hohe TKG verursacht allerdings höhere Saatgutkosten und die Proteingehalte sind im Vergleich eher geringer (30,3 %). Positiv sind ihr kürzerer Wuchs, die Standfestigkeit und Blattgesundheit.
  • Fanfare ist eine tanninhaltige Sorte aus 2012. Sie bringt überdurchschnittlich gute Erträge von 106 % in NRW im Mittel von vier Jahren. Die Proteingehalte liegen im Durchschnitt (30,4 %). Für einen Anbau dieser Sorte spricht ihre Ertragsstärke und Ertragsstabilität.
  • Divine ist eine vicin- und convicinfreie, aber tanninhaltige Sorte. Sie ist für Geflügel geeignet und wird speziell nachgefragt. Sie weist eher geringere Erträge auf (91 % langjähriger, relativer Ertrag). Bei den Proteingehalten liegt sie im Durchschnitt bei 30,4 %.
  • Tiffany ist eine neue vicin- und convicinarme (aber tanninhaltige) Sorte und konkurriert damit mit Divine. Ertraglich liegt sie deutlich besser, bei sehr guten 106 % Relativertrag. Die Proteingehalte liegen mit 30,8 % über dem Durchschnitt. Damit ist diese Sorte sehr interessant und bisher auch ertragsstabil.
  • Taifun ist eine neuere, tanninarme Sorte mit Zulassung in 2013. Ertraglich liegt sie nur bei 89 % Relativertrag, kann aber auch mehr. Die Proteingehalte sind etwas über dem Durchschnitt (31,0 %). Die Wüchsigkeit ist eher geringer. Interessant ist diese Sorte v.a. für die Schweinefütterung.
Tabelle 2: Kornerträge und Proteingehalte (%) der Ackerbohnensorten im Landessortenversuch in Stommeln (Rhein-Erft-Kreis, lehmiger Schluff, AZ 70)
Erträge
relativ zum Standardmittel
MittelProteingehalte (% TM)Mittel
Nr.Sorte20142015201620172014201520162017
1Fuego*11110311410210730,026,531,233,730,3
2Divine969882889130,925,530,934,430,4
3Isabell*9199100999730,827,230,734,530,8
4Fanfare*10510211110410630,426,331,633,430,4
5Taifun978494798930,027,631,834,331,0
6Tiffany*-10111899106-25,931,834,830,8
7Boxer-92103112102-26,331,334,630,7
8Birgit*---9696-28,932,235,032,0
Mittel der Standardsorten (Erträge dt/ha)*
bzw. Versuchsmittel (Proteingehalte %)
42,023,532,122,730,130,526,831,434,330,8
GD 5 % (relativ)13,713,310,79,7

Sorten des Standardmittel 2014: Fuego, Isabell, Fanfare, Taifun, Pyramid
Sorten des Standardmittel 2015: Fuego, Divine, Isabell, Fanfare, Taifun, Pyramid, Bioro, Tiffany
Sorten des Standardmittel 2016: Fuego, Divine, Isabell, Fanfare, Taifun, Pyramid, Boxer, Albus
Sorten des Standardmittel 2017: Fuego, Isabell, Fanfare, Tiffany, Birgit

Empfohlene Körnererbsensorten

Bewährte Sorten für den Erbsenanbau sind Alvesta (Ertrag), Salamanca (Ertrag) und Astronaute (Ertrag und Protein). Tip kann im Probeanbau ausprobiert werden.

  • Alvesta weist i.d.R. hohe Erträge auf (105 %). Hervorzuheben ist ihre relative Ertragsstabilität. Die Proteingehalte (24,0 %) liegen unter dem Durchschnitt. Die Sorte ist lang im Wuchs bei mittlere Standfestigkeit.
  • Salamanca liegt ertraglich langjährig über dem Durchschnitt (102 %), war allerdings in 2014 und 2015 knapp unterdurchschnittlich. Die Proteingehalte liegen bei mittleren 25,1 %. Interessant sind ihr langer Wuchs, die gute Standfestigkeit und ihre gute Wüchsigkeit zur frühen Unkrautunterdrückung.
  • Astronaute kommt im Mittel auf mittlere 104 % Relativertrag mit einem guten Proteinwert (25,1 %). Weitere Pluspunkte sind gute Standfestigkeit und Beerntbarkeit.
  • Tip ist dreijährig geprüft. Sie kommt im Mittel auf mittlere 104 % Relativertrag mit einem sehr guten Proteinwert (27,2 %).
Tabelle 1: Kornerträge und Proteingehalte (%) der Erbsensorten im Landessortenversuch in Stommeln (Rhein-Erft-Kreis, lehmiger Schluff, AZ 70)
Erträge
relativ zum Standardmittel
MittelProteingehalte (% TM)Mittel
Nr.Sorte20142015201620172014201520162017
1Alvesta*101981229910522,423,725,724,324,0
2Salamanca*999511010210223,624,227,425,125,1
3Astronaute*10110610210510423,524,827,125,125,1
4Tip*-99108104104-26,827,926,927,2
5Gambit*-96101104100-25,426,125,325,6
6Angelus*--899090--27,125,626,4
7Eso*--9810199--24,925,725,3
8LG Amigo*---9595---25,025,0
Mittel der Standardsorten (Erträge dt/ha)*
bzw. Versuchsmittel (Proteingehalte %)
43,650,125,423,935,723,225,126,725,425,5
GD 5 % (relativ)10,37,722,27,7
Sorten des Standardmittel 2014: Alvesta, Salamanca, Navarro, Mythic, Astronaute
Sorten des Standardmittel 2015: Alvesta, Salamanca, Navarro, Mythic, Astronaute, Tip
Sorten des Standardmittel 2016: Alvesta, Salamanca, Mythic, Astronaute, Tip, Gambit, Angelus, Eso
Sorten des Standardmittel 2017: Alvesta, Salamanca, Astronaute, Tip, Gambit, Angelus, Eso, LG Amigo

Empfohlene Blaue Lupinensorten

Bewährte Sorten für den Anbau von Blauer Lupine sind Boruta (bessere Standorte, ertragsstabil, Protein), Boregine (Ertrag, leichtere Standorte) und Probor (Ertrag & Protein, leichtere Standorte).

• Verzweigungstypen (leichtere Standorte; Achtung! auf besseren Standorten Abreife verzögert, daher dort endständige Sorten nutzen)

  • Boregine: sehr ertragsstabile Sorte (106 % Relativertrag) mit leichten Schwächen im Rohproteingehalt (31,9 % im Mittel), gute Unkrautunterdrückung, etwas stärkere Neigung zum Hülsenplatzen, verzögerte Strohabreife, großkörnig
  • Probor: mittlere Kornerträge, bei uns bisher in zwei Jahren mit 119 % die höchsten Erträge des Sortiments, überdurchschnittliche Rohproteingehalte (33,2 %), kleinkörnig

• Endständige Sorte (bessere Standorte!)

  • Boruta: relativ ertragssicher mit höherem Rohproteingehalt (33,4 %), liegt aber ertraglich deutlich unter den Verzweigungssorten (87 % Relativertrag), gleichmäßige und sichere Abreife auch auf besseren Standorten
Tabelle 3: Kornerträge Blaue Lupinensorten im Landessortenversuch in Stommeln (Rhein-Erft-Kreis, lehmiger Schluff, AZ 70)
Erträge
relativ zum Standardmittel
MittelProteingehalte (% TM)Mittel
Nr.Sorte2016201720162017
1Boruta*93818736,130,733,4
2Boregine*10810410635,328,431,9
3Probor*10912911936,629,933,2
4Mirabor*1049910134,128,631,3
5Lila Baer*861019433,629,431,5
6Regent*83868433,729,531,6
7Tango-9696-29,531,5
Mittel der Standardsorten (Erträge dt/ha)*26,221,229,8
GD 5 % (relativ)40,7
Sorten des Standardmittel 2015 und 2016: gesamtes Sortiment
Sorten des Standardmittel 2017: Boruta, Boregine, Probor, Mirabor, Lila Bear, Regent

Empfohlene Sojabohnensorten

Für NRW kommen grundsätzlich nur sehr frühe Reifegruppen 0000 und 000 in Betracht. Innerhalb der Reifegruppe 000 unterscheidet die beschreibende Sortenliste aus Österreich schnellere Sorten (Reifegruppe 1) bis hin zu langsameren Sorten (Reifegruppe 4). Die Vierfach-Nullsorten erbringen i.d.R. in unseren Breiten nicht den erwünschten Ertrag. Bei den Dreifach-Nullsorten ergeben sich folgende Empfehlungen für NRW:

  1. Grenzstandorte wie z.B. das Münsterland (Reifegruppe 2): hier passen die Sorten mit einer schnellen Jugendentwicklung und sicherer Abreife gut. Weiterhin die Sorte der Wahl ist Merlin (Ertrag 96 dt/ha, Protein 39,7 %). Außerdem anbauwürdig ist Obelix (103 % Relativertrag, 40,8 % Protein). Eine neue vielversprechende Sorte ist Abelina (Ertrag 103 dt/ha, Protein 40,9 %).
  2. Bessere Lagen wie z.B. der Niederrhein (Reifegruppe3): Sultana (105 dt/ha, Protein 41,5 %) ist die Sorte der Wahl. Alle ein Grenzstandort 1 genannten Sorten gehen hier natürlich auch. Neben Protibus aus ziehen weiter Qualitätssorten mit höheren Proteingehalten nach: Regina, Herta PZO und Stamm Taifun 3.
  3. Beste Lagen wie z.B. Köln- Aachener Bucht (Reifegruppe 4): Solena Sorte der Wahl (nicht mehr dargestellt), Tourmaline (Ertrag 112 %, Protein 39,8 %) ist ebenfalls anbauwürdig, wie auch alle oben genannten Sorten.

Tabelle 4: Kornerträge und Proteingehalte (%) der Sojabohnensorten im Landessortenversuch in Stommeln (Rhein-Erft-Kreis, lehmiger Schluff, AZ 70)



Erträge
relativ zum Standardmittel
MittelProteingehalte (% TM)Mittel
Nr.SorteReifegruppe20142015201620172014201520162017
1Merlin*000/29410294959638,938,542,339,139,7
2Abelina*000/2-10810497103-39,343,040,440,9
3Obelix*000/2959811110910340,539,242,840,740,8
4Alexa000/2---10710741,241,2
5Amarok*4-10697104102-40,144,042,042,0
6Sultana*000/31101081039610540,740,544,140,641,5
7Amandine*000/310310393969940,239,644,841,941,6
8Regina--118107112--43,641,942,8
9Stamm Taifun 3*000-105989399-39,946,144,143,4
10Amadea--118102110--42,838,640,7
11Tourmaline000/412710810810411238,837,543,339,539,8
12Herta PZO6-10411996106-40,645,942,443,0
13Viola000---10210240,640,6
Mittel der Standardsorten (Erträge dt/ha)*
bzw. Versuchsmittel (Proteingehalte %)
41,433,030,939,236,140,139,244,241,041,4
GD 5 % (relativ)10,015,56,7

Sorten des Standardmittel 2016: Merlin, Abelina, Obelix, Sultana, Amandine, Amarok, Taifun 3
Sorten des Standardmittel 2017: Merlin, Obelix, Amandine

Ausführlich Darstellung der Landessortenversuche zu Körnerleguminosen inkl. Verrechnung mit weiteren Bundesländern finden sich ab Januar 2017 auf dieser Interseite: www.oekolandbau.nrw.de

Quelle: Dr. Claudia Hof-Kautz, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW

Weitere Informationen

Versuchsleitung Acker- und Feldgemüse

Kontakt

Dr. Claudia Hof-Kautz
Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0221 – 5340 177
Handy: 0171 55 62 202
E-Mail: Claudia.Hof-Kautz@lwk.nrw.de

Projektbetreuung Demonetzwerk Lupine
Projektbetreuung Demonetzwerk Erbse und Bohne
Elisabeth Engels, Ökologischer Eiweißpflanzen-Anbau

Kontakt

Elisabeth Engels
Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0221 - 5340 209
Handy: 0177 26 04 705
E-Mail: elisabeth.engels@lwk.nrw.de

Betreuung Soja-Netzwerk
Beratung zum ökologischen Sojaanbau
Jan-Malte Wichern, Soja-Netzwerk

Kontakt

Jan-Malte Wichern
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 0221 – 5340 212
E-Mail: jan-malte.wichern@lwk.nrw.de

Vom Newsletter abmelden


Zurück...