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Hanföl aus Hamminkeln

10.04.2019

Für Bernhard und Niklas Groß-Weege hat die Kulturvielfalt auf dem Acker einen hohen Stellenwert. Für ihren biologischen Acker- und Gemüsebaubetrieb ist eine weite, vielgliedrige Fruchtfolge aus pflanzenbaulicher Sicht unerlässlich. Seit drei Jahren ist diese um den Anbau von Nutzhanf erweitert, aus der Sommerung wird feinstes Speiseöl gewonnen. Über ihre bislang guten wie spannenden Erfahrungen haben Vater und Sohn der LZ berichtet.

Die Flächen des Gemischtbetriebes in Hamminkeln im Kreis Wesel liegen auf leichten, humos-sandigen Böden mit Bodenpunkten zwischen 25 und 35. "Die Böden eignen sich sehr gut für den Frühgemüseanbau, weil sie leicht erwärmbar sind und bei ausreichender Wasserversorgung gute Erträge liefern können. Dazu mussten hohe Investitionen in Beregungstechnik getätigt werden", erläutert Betriebsleiter Bernhard Groß-Weege. Der Einsatz von Hack- und Striegeltechnik kommt dem Wasserschutz in den anliegenden Wassergewinnungsgebiet entgegen. "Das ist gut für die Bodenfruchtbarkeit und den Klimaschutz!", betont der Landwirt, der bei seiner Umstellung auf Biolandbau auch seine "konventionelle Denkweise" auf den Kopf und den Kreislaufgedanken, zu dem Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität eng dazugehören, seinem ackerbaulichen Handeln vorangestellt hat.

Seit acht Jahren wird ökologisches Feldgemüse auf den Flächen angebaut, unter anderem Möhren im Dammanbau, was sehr arbeits- und beregnungsintensiv sei. "Der Gemüsebau erfordert eine weite Fruchtfolge, die Kulturen stehen nur alle sechs bis sieben Jahre auf ein und demselben Feld", so Groß-Weege. Angebaut wird Dreijähriges Kleegras mit Luzerne, die super mit Kleegras zusammenpasst und Futter für die Rinder liefert. Danach Winterroggen, der eine gute Unkrautregulierung zulasse. Zusätzlich zum Klee wird noch eine zweite Leguminose angebaut, nämlich Gemüseerbse mit der darauffolgenden Buschbohne. "Nach diesen mehrenden kommen die zehrenden Gemüsekulturen, wie Möhren, Silomais, Kartoffeln, Kürbisse und Brokkoli. Und neuerdings auch der Hanf", schließt Groß-Weege die Aufzählung.

Wichtig sei, dass der Leguminosenanteil  bei  25 % liege. "Wir sähen auch Sandhafer als Zwischenfrucht ein, der die überschüssigen Nährstoffe - bei unseren Sommer-Gemüsekulturen ist das meistens der Stickstoff - aus dem Boden zieht. Den Sandhafer pressen wir in Ballen und verfüttern ihn an unsere Tiere. Der überschüssige Stickstoff wird so von den Zwischenfrüchten aufgenommen und kann nicht über den Winter ins Grundwasser gelangen. Der Mist der Tiere kommt dann im nächsten Jahr wieder zurück auf den Acker."


Seit 1999 ist der Familienbetrieb von Bernhard Groß-Weege auf ökologischen Anbau umgestellt. Auf dem ehemaligen Gemischtbetrieb wurden bis dahin Sauen und Mastschweine sowie Milchvieh und Fleischrinder gehalten. Da ein Großteil der Flächen in Naturschutz- und Wasserschutzgebieten, unter anderem der Dingdener Heide, liegt, stand die Mutterkuhhaltung mit Fleischrindern schon immer im Vordergrund. Auch deshalb lag die Umstellung auf Biolandbau nahe. 2008 hat Familie Groß-Weege die Bio-Milchkühe abgeschafft. Heute bewirtschaften Bernhard Groß-Weege und sein Sohn Niklas rund 110 ha, davon ein Drittel als Acker und zwei Drittel als extensives Grünland, teils unter Vertragsnaturschutz-Bedingungen. In dem Feuchtwiesen-Schutzgebiet weidet eine Herde Wasserbüffel. Die Tiere kommen deutlich besser mit dem Parasitendruck auf dem nassen Dauergrünland zurecht und haben eine positive Wirkung auf Flora und Fauna. Pro Jahr vermarkten Bernhard und Niklas Groß-Weege rund 60 Fleischrinder überwiegend regional, wie über Bioläden am Niederrhein bis Düsseldorf/Krefeld oder den Rewe-Markt in Hamminkeln. Die Eier der Legehennen aus den zwei Hühnermobilen stehen vor allem in Rewe-Märkten in der näheren Umgebung in den Verkaufsregalen. Die Schweine werden an die Biofleisch NRW in Unna verkauft. Da der Markt für Biofleisch ein Nachfragemarkt sei, habe die Familie wesentlich bessere Vermarktungsmöglichkeiten als vor der Umstellung. Grundsätzlich seien die Vermarktungschancen besser. "Man ist ganz nah am Kunden, das macht den Absatz der Produkte spannender und direkter", sind sich Vater und Sohn einig.

Nutzhanf aus Frankreich

Im dritten Jahr ergänzt nun auch Nutzhanf das Kultur-Portfolio auf den 40 ha Ackerland. "Der Anbau von Nutzhanf, sei es nun zur Faser- oder wie in unserem Fall zur Ölgewinnung, ist rechtlich sehr streng geregelt. So haben wir zum Beispiel in 2018 eine Abmahnung von der BLE bekommen, weil wir den Blühbeginn nicht rechtzeitig gemeldet hatten. Die saftige Strafe gibt es aber erst, wenn sich solch ein Versäumnis wiederholen sollte", meint Bernhard Groß-Weege. Mit dieser und diversen anderen Reglementierungen, wie genauen Angaben zur Anbaufläche, den Erntemengen und den verarbeitenden Abnehmern sowie dem Endprodukt aus der Ernte, wolle man zum Beispiel den eigenen Nachbau verhindern. (Details zur rechtlichen Grundlage und zu Meldepflichten des Nutzhanfanbaues erfahren sie unter BLE.de.)

Auch ein Rundschreiben vom Zoll an alle Hanfanbauer wurde versandt. "Die möchten wissen, welche Flächen wir mit Hanf bewirtschaften und ob das alles so genehmigt und legal zugeht", schmunzelt Groß-Weege. Da die Daten, die der Anbauer an die BLE als verantwortliche Meldebehörde geschickt hat, dem Datenschutz unterliegen und nicht an den Zoll weitergegeben werden, überfliege dieser die Anbauflächen und frage danach auf Grundlage der Luftbilder die tatsächlichen Anbaudaten beim Landwirt ab. "Der Hintergrund ist natürlich die Kontrolle des THC-Gehaltes (Rauschmittel Tetrahydrocannabinol) der Pflanzen, der bei Nutzhanf bei maximal 0,3 % liegen darf. Sonst fällt er unter den Medizinalhanfanbau, der Landwirten - wie allen anderen auch - untersagt ist."

Nur wenig Hanf in Deutschland

Hanf zur Ölgewinnung ist nicht nur in NRW eine Rarität, sondern steckt in ganz Deutschland noch ziemlich in den Kinderschuhen. "2 140 ha, auf 282 Nutzhanf-Anbauer verteilt, standen 2017 auf deutschen Flächen - in Frankeich steht auf 17 000 ha Nutzhanf!", weiß Groß-Weege. Dort erlebe der Hanf derzeit eine echte Renaissance. In Deutschland hingegen gebe es noch nicht viele Saatgutunternehmen, die Hanfsamen führen.

Eines davon ist die Wortmann Agraringenieur Gesellschaft GmbH in Korschenbroich. Inhaber Bernd Wortmann hatte Bernhard und Niklas Groß-Weege 2017 zum Anbau des Ölhanfes überredet - "nachdem wir eigentlich Soja anbauen wollten. Da war aber kein Saatgut verfügbar und so sind wir kurzerhand auf Hanf umgestiegen", lacht Niklas. Die Fläche für den Sojaanbau war ja schon bereitgestellt. Für Hanf gibt es kein Ökosaatgut. "Wir bekommen von Bernd Wortmann ungebeiztes konventionelles Saatgut, für das man keine Ausnahmegenehmigung braucht", bestätigt Bernhard Groß-Weege. Er und Sohn Niklas haben die kanadische Sorte Finola im Anbau. Je nach Ertrag lässt sich ein guter Deckungsbeitrag erzielen.

Gute Bodengare

Hanf hat einige sehr positive pflanzenbauliche Eigenschaften. "Nach seiner Aussaat Ende April/Anfang Mai zeigt der Hanf eine ziemlich schnelle Jugendentwicklung, so dass er aufkeimendes Unkraut bald überwächst und unterdrückt. Außerdem reichen seine Pfahlwurzeln sehr tief, die Pflanzen gelangen gut ans Wasser und lockern und durchlüften den Boden", nennen die beiden Ackerbauern zwei wichtige Aspekte. Als stark zehrende Frucht benötige der Hanf eine gute organische Düngung, im Falle des Biolandhofs Groß-Weege gelangen Rindermist und Hühnertrockenkot auf die Flächen. "Wir haben eine Mistkooperation mit einem benachbarten Biobetrieb, von dem wir organische Dünger tauschen", so Bernhard Groß-Weege.

Gesät wird der Hanf mit einem Reihenabstand von 25 cm. "Das ist optimal fürs Hacken und auch gut für die Rebhühner und andere Bodenbrüter, die sich sehr gut in den Gängen des Hanf-Irrgartens verstecken können. Insofern ist der Hanfanbau auch gut für den Artenschutz!", freut sich der Biolandwirt. Hätten er und sein Sohn im ersten Anbaujahr noch eine Aussaatstärke von 25 kg/ha gewählt, wüssten sie heute, dass das "zu dünn" war und nehmen nun 35 kg Hanfsamen für 1 ha. "Wenn man die Frucht bewässert, gut stickstoffversorgt - der Hanf verträgt bis zu 180 kg N - und auf einen hohen pH-Wert im Boden achtet, lassen sich gute Erträge von 15 dt/ha erzielen!"

Überzeugt sind Bernhard und Niklas Groß-Weege auch von der Qualität der Flächen nach der Hanfernte. "Wir konnten in beiden Jahren früh wieder auf die abgeerntete Fläche. Die Befahrbarkeit ist super, die Bodengare ist super - das sind zwei tolle Effekte!", sind die beiden zufrieden. Nachteilig seien jedoch die langen Stoppel, die die Maschinen zusetzen würden.

Eine Option sei es, die Stoppel in Zukunft länger stehen und über Winter abfrieren zu lassen. "Die Samen, die beim Drusch liegengeblieben sind, grünen wieder auf und das lässt sich sozusagen als Begrünungsmatte nutzen. Hanf wäre also eine schöne Vorfrucht, die aussieht wir Senf, aber nicht so ins Lager geht. Im Frühjahr kann man den Hanf mit der Scheibenegge wunderbar mulchen und einarbeiten."

Viel Logistik für edles Öl

Wenn der Hanf im August/September gedroschen wird, wird er zunächst zwei Wochen auf dem Hänger mit Unterbodenbelüftung getrocknet. Dann werden die Feinsämereien von Halmen, Stängeln und anderen Fremdkörpern gereinigt. "Und dann erst geht der Hanfsamen, in Bigbags verpackt, zu einer Bioölmühle, wo nochmals gereinigt und kalt gepresst wird. Dann wird das fertige Hanföl in Flaschen abgefüllt und gelangt in den Naturkosthandel und Drogeriemärkte." Der Betrieb denkt darüber nach, auf Dauer sein Hanföl teilweise selbst zu vermarkten. "In näherer Umgebung gibt es eine Ölmühle, die schon biozertifiziert ist. Das wäre meiner Meinung nach eine sinnvolle regionale Alternative!" Und dann könnte Familie Groß-Weege ihr Biohanföl in Zukunft auch mit eigenem Etikett regional vermarkten.

Quelle: Meike Siebel, LZ Rheinland Nr. 14/2019, 4. April 2019

Gesät wird der Hanf mit einem Reihenabstand von 25 cm. "Das ist optimal fürs Hacken und auch gut für die Rebhühner und andere Bodenbrüter, die sich sehr gut in den Gängen des Hanf-Irrgartens verstecken können. Insofern ist der Hanfanbau auch gut für den Artenschutz!", freut sich der Biolandwirt. Hätten er und sein Sohn im ersten Anbaujahr noch eine Aussaatstärke von 25 kg/ha gewählt, wüssten sie heute, dass das "zu dünn" war und nehmen nun 35 kg Hanfsamen für 1 ha. "Wenn man die Frucht bewässert, gut stickstoffversorgt - der Hanf verträgt bis zu 180 kg N - und auf einen hohen pH-Wert im Boden achtet, lassen sich gute Erträge von 15 dt/ha erzielen!"

Überzeugt sind Bernhard und Niklas Groß-Weege auch von der Qualität der Flächen nach der Hanfernte. "Wir konnten in beiden Jahren früh wieder auf die abgeerntete Fläche. Die Befahrbarkeit ist super, die Bodengare ist super - das sind zwei tolle Effekte!", sind die beiden zufrieden. Nachteilig seien jedoch die langen Stoppel, die die Maschinen zusetzen würden.

Eine Option sei es, die Stoppel in Zukunft länger stehen und über Winter abfrieren zu lassen. "Die Samen, die beim Drusch liegengeblieben sind, grünen wieder auf und das lässt sich sozusagen als Begrünungsmatte nutzen. Hanf wäre also eine schöne Vorfrucht, die aussieht wir Senf, aber nicht so ins Lager geht. Im Frühjahr kann man den Hanf mit der Scheibenegge wunderbar mulchen und einarbeiten."

Viel Logistik für edles Öl

Wenn der Hanf im August/September gedroschen wird, wird er zunächst zwei Wochen auf dem Hänger mit Unterbodenbelüftung getrocknet. Dann werden die Feinsämereien von Halmen, Stängeln und anderen Fremdkörpern gereinigt. "Und dann erst geht der Hanfsamen, in Bigbags verpackt, zu einer Bioölmühle, wo nochmals gereinigt und kalt gepresst wird. Dann wird das fertige Hanföl in Flaschen abgefüllt und gelangt in den Naturkosthandel und Drogeriemärkte." Der Betrieb denkt darüber nach, auf Dauer sein Hanföl teilweise selbst zu vermarkten. "In näherer Umgebung gibt es eine Ölmühle, die schon biozertifiziert ist. Das wäre meiner Meinung nach eine sinnvolle regionale Alternative!" Und dann könnte Familie Groß-Weege ihr Biohanföl in Zukunft auch mit eigenem Etikett regional vermarkten.

Quelle: Meike Siebel, LZ Rheinland Nr. 14/2019, 4. April 2019

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