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Nutzhanf anbauen?

15.04.2022

Was es alles beim gewerblichen Anbau von Nutzhanf zu beachten gibt, welche Erfahrungen Landwirte aus der deutsch-niederländischen Grenzregion bereits damit gemacht haben und für welche Industrien Hanf ein wertvoller Rohstoff ist, all das konnten die zahlreichen Teilnehmer eines Online-Seminars von Agrobusiness Niederrhein e.V. Anfang März erfahren.

Der Anbau von Nutzhanf bietet einige Vorteile, und das bereits auf dem Feld. Nach der Ernte gibt es vielfältige Verwendungsmöglichkeiten für sämtliche Teile der Pflanze. Zu den Vorteilen des Hanfanbaus zählt allerdings nicht, dass sein Konsum glücklich macht - dafür gibt es andere Sorten. Der Anbau von Nutzhanf ist in Deutschland legal, er ist aber landwirtschaftlichen Betrieben vorbehalten.

Rechtlicher Rahmen

Beim Hanf - Gattung Cannabis -  werden verschiedene Sorten unterschieden, wie Dr. Michael Dickeduisberg, Zentrum für nachwachsende Rohstoffe NRW der Landwirtschaftskammer, erläuterte: Der Nutzhanf, auch als Industrie- oder Faserhanf bezeichnet, hat mit nur knapp 0,2 % THC (Tetrahydrocannabinol) keine berauschende Wirkung und enthält stattdessen meist 20 % oder mehr CBD (Cannabidiol), das für Entspannung und Wohlbefinden sorgen kann und in Wellnessprodukten verarbeitet wird. Im Unterschied dazu haben der Medizinalhanf und Marihuana Gehalte von 1 bis 22 % THC, das für seine berauschende Wirkung bekannt ist. Medizinalhanf wird in Deutschland bereits unter strengen Auflagen angebaut. Der legale Freizeitkonsum von Marihuana wird derzeit diskutiert, doch weder der Konsum noch der Anbau sind bislang erlaubt.

Der Anbau von Nutzhanf ist in Deutschland zwar gestattet, unterliegt aber, auch wenn die berauschende Wirkung fehlt, dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Demnach dürfen nur landwirtschaftliche Betriebe, keine Gartenbaubetriebe, Nutzhanf anbauen und auch nur mit zertifiziertem Saatgut zugelassener Sorten. Ein Nachweis der Mitgliedschaft in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung ist erforderlich. Darüber hinaus gibt es einige Regelungen zu beachten, Einsteigern sei daher die Beratung der Landwirtschaftskammer empfohlen.

Der Anbau von Medizinalhanf hingegen wird vom Bundesamt für Arzneimittel (BfAM), Abteilung Cannabisagentur, ausgeschrieben. „Allerdings ist das ein eigener Wirtschaftszweig mit komplizierten Voraussetzungen, die zu erfüllen sind, also eher nichts für „normale“ landwirtschaftliche Betriebe“, schränkte Dickeduisberg ein.

Anbau und Ernte

Der Anbau von Hanf erweitert die Fruchtfolge um eine gute Vorfrucht, die bis zu 1,3 m tief wurzelt. Hanf ist aber nicht tolerant gegenüber Bodenverdichtungen und zeigt diese zuverlässig an. „Ökologisch hat Hanf seinen Wert, da er mit seiner Blüte im Juli und August eine Trachtlücke schließt. Allerdings liefert er nur Pollen, keinen Honig.“ Wie Dr. Dickeduisberg weiter berichtete, führt das Zentrum für nachwachsende Rohstoffe NRW Versuche zum Hanfanbau und auch zur Erntetechnik durch. Dabei werden unter anderem an verschiedenen Standorten Versuche zur Düngung gemacht, um den Anbauern Grunddaten für eine Düngebedarfsermittlung zur Verfügung zu stellen. Hanf sei einfach in der Düngung und brauche in der Regel keine Pflanzenschutzmittel.

Zwar gebe es Spezialerntetechnik für Hanf, aber für Einsteiger sollte es mit leichter verfügbaren Maschinen gehen. Daher wurde Standardtechnik, wie Mähdrescher, für die Ernte der 1,5 bis 4 m hohen Körnerhanfpflanzen getestet. „Dies hat in Abhängigkeit von der Höhe der Pflanzen - je kleiner, desto besser - und vom Dreschermodell mehr oder weniger gut geklappt. Da die Körner relativ heterogen abreifen, sollten sie direkt nach der Ernte gut getrocknet werden!“, empfahl der Referent.


Erfahrungen eines Praktikers

Wilhelm Teklote, Landwirt aus Rhede mit Kälbermast und Biogas, suchte nach der Aufgabe der Bullenmast nach neuen Standbeinen und kam auf den Hanfanbau. Für die Teilnehmer des Online-Seminars schilderte er seine Erfahrungen. Zunächst erläuterte er den Unterschied zwischen Winter- und Sommerhanf. „Der Winterhanf wird nach der Hauptfrucht in der zweiten Julihälfte mit 25 kg/ha ausgesät. Er wird etwa Mitte Februar bis Mitte März geerntet und liefert nur Fasern und Schäben - die holzigen Teile des Stängels -  mit Erträgen von 1 bis 3 t/ha. Der Sommerhanf hingegen, der Mitte April bis Mitte Mai mit 50 kg/ha ausgesät wird, hat ein viel breiteres Nutzungsspektrum, da hier Körner, Blätter, Blüten, Fasern und Schäben sowie sogar die Wurzeln verarbeitet werden können. Die Ernte erfolgt dann an zwei Terminen: im September die Nüsse mit 0,8 bis 1,2 t/ha Ertrag und bis Februar die restliche Pflanze für Fasern und Schäben mit etwa 5 t/ha“, fasste der Landwirt zusammen.

Viele Vorteile

Der Anbau von Hanf hat viele Vorteile, wie Teklote aufzählte: In Nordrhein-Westfalen kann der Winterhanf als Zweitfrucht aufgenommen werden. Hanf könne dank seiner tiefen Durchwurzelung Nährstoffe auch aus tiefer gelegenen Schichten verwerten. Obwohl er geerntet wird, baue Hanf Humus auf und habe einen hohen Vorfruchtwert. Als „Riesenvorteil“ bezeichnete der Landwirt die Tatsache, dass bei Hanf kein Pflanzenschutz nötig sei. Außerdem habe er einen geringen Wasserbedarf und erfordere wenig Arbeitsaufwand. Ideal sei auch, dass Hanf Schwermetalle im Boden abbaue. Dank seines raschen Wachstums von bis zu 4 cm am Tag durchschnittlich habe Hanf überdies eine bessere CO2-Bilanz als Wald. Die vielfältige Nutzbarkeit von Hanf, zum Beispiel auch für Textilien, bedeute im Sinne der Nachhaltigkeit einen Imagegewinn. Dazu zählt auch, dass Hanf eine Deckung für viele Wildtiere bietet. Allerdings kann es durch Vögel zu gewissen Verlusten bei der Körnerernte kommen.

Enorme Produktvielfalt

Die Hanfpflanze hat den Vorteil, dass alle Teile von ihr genutzt werden können. Wer Wert auf die Samen zur Weiterverarbeitung legt, sollte allerdings entsprechende Sorten wählen. Aus Körnerhanf lassen sich Produkte wie Hanföl, Kosmetika, Hanfmehl sowie Kekse, Riegel oder auch Bier herstellen, das Hanf enthält. Die Körner/Nüsse enthalten auch Lysin und Omega 3-6-9-Fettsäuren für Nahrungs- und Futtermittel. Momentan ist der Markt für Lebensmittel allerdings stark von Bio-Ware dominiert, das heißt für Hanfsamen aus konventionellem Anbau werden deutlich geringere Preise erzielt.

Außerdem wurde am Rande des Seminars die Verwendung von Hanf als Kraftstoff diskutiert: Das sei zwar technisch möglich, aber Rapsöl habe beispielsweise eine deutlich höhere Ausbeute.

„Interessant ist der CBD-Gehalt der oberen Blätter und Blüten. Diese nicht psychoaktive Substanz ist ein zugelassenes Arzneimittel, dem vielfältige Wirkungen zugeschrieben werden. In den letzten Jahren herrschte eine Art Goldgräberstimmung, denn die kosmetischen Produkte und Nahrungsergänzungsmittel mit CBD-Hanf erzielen hohe Preise“, meinte Wilhelm Teklote. Die Hanffasern finden Verwendung als Garn in Textilien oder Vorhängen, als Fiberglasersatz, als Matratzenauflagen, als Dämm-Material oder als Alternativ-Holz. Die Blätter können zu Tierfutter und Lebensmitteln verarbeitet werden. Aus den Schäben lassen sich Einstreu, Baustoffe und sogar „Steine“ machen. „Damit ist die Produktpalette aber bei Weitem noch nicht zu Ende, ist sich Teklote sicher.

Dirand van Wijk von Compas-Agro B.V. berichtete von guten Erfahrungen mit Hanf als Mulchmaterial in Baumschulen zur Unkrautunterdrückung in den Baumreihen. Ebenso eignet sich Hanf als Mulchauflage in Topf- und Containerkulturen gegen Lebermoos und Unkräuter sowie zur Begrenzung der Verdunstung. Außerdem wird mit Hanf als Torfersatzstoff in Substraten experimentiert.


Verschiedene Verarbeitungsmöglichkeiten

Die Vermarktung von Hanf ist aufwändig und Einsteigern wird geraten, vor der ersten Aussaat die Frage der Abnehmer zu klären. Noch gibt es nicht genug hanfverarbeitende Betriebe im direkten Umfeld. Abnehmer für die Fasern von Winterhanf ist beispielsweise die Firma NFC GmbH, Dahlenburg. Eine weitere Firma, die Hanfstroh verarbeitet, ist die BaFa Neu GmbH aus dem baden-württembergischen Malsch. Bereits seit 1986 ist sie im Nutzhanf-Geschäft, wie Firmenvertreter Uwe Bührer erzählte. „Sie bietet alles vom Saatgut über die Anbauberatung und die Entwicklung von Erntetechnik bis hin zur Verarbeitung in Hanfaufschlussanlagen in einem Werk in Frankreich. Hier werden hauptsächlich Fasern für die Automobilindustrie gewonnen, aber beispielsweise auch für die Papierindustrie und für Vliesstoffe“, erläuterte er. Wenn das Stroh verarbeitet wird, fallen etwa 40 % Fasern an und 60 % Schäben. Die Kunst sei, beides zu vermarkten, denn die Verwendungsmöglichkeiten und damit die Abnehmer und die Nachfrage sind unterschiedlich. „Die Produkte, die man aus Hanf machen kann, werden täglich mehr. Nahezu alles, was man aus Kunststoff machen kann, kann man auch aus Hanf herstellen“, so Bührer. So werde beispielsweise gerade eine biokompostierbare Lebensmittelverpackung entwickelt.


Sabine Aldenhoff, LZ Rheinland

Weitere Informationen

Beratung zum Nutzhanfanbau

Dr. Michael Dickeduisberg

Landwirtschaftskammer NRW/ Zentrum für nachwachsende Rohstoffe

Telefon: 0 29 45 / 989 - 144; Email: michael.dicke-duisberg@lwk.nrw.de

Mehr Infos auf der Website: https://www.landwirtschaftskammer.de/duesse/znr/index.htm

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