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WRRL-Feldbegehung: Düngestrategien im ökologischen Gemüsebau

04.10.2016

In der letzten Septemberwoche fand auf dem ökologisch bewirtschafteten Modellbetrieb der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) Finke in Borken eine Feldbegehung zu dem Thema "Düngestrategien im ökologischen Gemüsebau" statt. Mehr als 40 Besucher folgten der Einladung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen auf den seit 1988 nach den Bioland-Richtlinien wirtschaftenden Gemüsebaubetrieb.

Wirtschaftsweise genau betrachten

Auf dem Betrieb werden auf 61 von 75 ha Ackerland über 22 Gemüsesorten angebaut, ein weiteres Standbein bilden Legehennen, Mastschweine und Damwild. Die Beweggründe an dem seit 2014 etablierten Projekt teilzunehmen, erläuterte der Betriebsleiter: Seit Beginn der Umstellung bereite ihm der hohe Nitratwert im Grundwasser Sorgen, ein Anlass, auch seine eigene Wirtschaftsweise genau zu beleuchten. Das Projekt klärt Fragestellungen des Betriebes in Demonstrationsflächen und durch begleitende Analysen.

Pascal Gerbaulet von der Landwirtschaftskammer NRW, der die fünf ökologischen Modellbetriebe in NRW betreut, stellte Arbeitsfelder des Projektes dar. Insgesamt wurden mit der Fortsetzung des Beratungsauftrages durch die Kammer 33 wasserwirtschaftliche Modellbetriebe eingerichtet, welche als Anlaufstelle in den Regionen dienen und gewässerschonende Maßnahmen in die Praxis tragen sollen.

"Wenn man sich heute hier umguckt, so ist es uns gelungen, viele Landwirte und Gemüse-Anbauer zu erreichen", so Gerbaulet.

Abfrierende Zwischenfrüchte

Ein Hauptthema, welches auch den Betrieb Finke beschäftigt, ist der Umgang mit abfrierenden Zwischenfrüchten. Als ökologischer Gemüsebaubetrieb ohne Kleegras-Anbau aufgrund der Nematoden-Problematik ist er auf die Zufuhr von Stickstoff (N) durch Leguminosen als Haupt- und Zwischenfrucht angewiesen, um nicht übermäßig hohe Mengen an Handelsdünger einführen zu müssen. Im Jahr 2015 wurden rund 40 % der N-Zufuhr zum Betrieb über Leguminosen bereit gestellt, lediglich 28 % über den Zukauf von Handelsdüngern. Diesen Anteil weiter zu verringern, ist ein Ziel des Betriebes.

Zur Fixierung von Stickstoff werden insgesamt 15 ha Erbsen als Hauptkultur und 20 ha Lupinen als Zwischenfrucht angebaut. Um überschüssigen Stickstoff zu halten, wachsen auf dem Betrieb 12 ha Sandhafer. Die Zwischenfrüchte, im August ausgesät, zeigten sich zur Feldbegehung weit entwickelt. Der früh gesäte Sandhafer schob bereits Rispen, so dass zum Abschluss der Veranstaltung das Herunterwalzen mit einer Dal-Bo Messerwalze demonstriert werden konnte. Im Winter 2014/2015 und 2015/2016 wurden die drei Kulturen, Ackerbohne, Lupine und Sandhafer, verschieden eingearbeitet und der oberirdische Stickstoff vor und nach dem folgenden Winter gemessen.

Genaue Werte im Versuchswesen ermitteln

"Genaue Werte lassen sich erst im Versuchswesen ermitteln, diese Demoanlagen helfen uns nur Tendenzen aufzuzeigen," so Gerbaulet.

Umso mehr freuen sich die Beteiligten, dass bereits Versuche auf dem Wiesengut der Universität Bonn und auf den ökologischen Leitbetrieben angelegt worden sind, die auch eine Aussage ermöglichen sollen, wie groß die Unbekannte "Gasförmige Verluste" ist. Bisher war die Mineralisierung der Zwischenfrucht nicht an der Bearbeitung (Mulcher, Walze, Messerwalze) festzumachen, sondern eher am C/N-Verhältnis der Kulturen. Je enger das Verhältnis, desto schneller die Mineralisierung: der Sandhafer verzeichnet kaum Verluste, die Lupine setzt am schnellsten den Stickstoff frei! Festzuhalten ist, dass die Ackerbohne im Schnitt 70 kg N/ha oberirdisch bereitgestellt hat, der Sandhafer im Vorjahr 100 kg, in diesem Jahr nur 40 kg N. Die Lupine zeigte auch in diesem Jahr hohe Werte von 130 kg N, im Jahr zuvor 155 kg N, die oberirdisch zur Verfügung standen. Dieser Stickstoff sollte möglichst verlustarm in das nächste Frühjahr transferiert werden, um die folgenden Gemüsekulturen zu ernähren. Die Aufgabenstellung zeigt, wie wichtig Versuche auch im ökologischen Landbau zum Wasserschutz sind. Denn neben hohen Kosten, die dem Betrieb entstehen, wenn bereit gestellter Stickstoff den Kreislauf verlässt (3-5 €/kg N Zukauf), trägt auch die Stickstoffverfügbarkeit für nachfolgende Kulturen zum aktiven Schutz unserer Grundwasserreserven bei.

Auch vorgestellt: Cut & Carry, PPL-Ausbringung, neue Rosenkohlsorten

Neben dem Hauptthema, wurden von Markus Puffert, Berater für ökologischen Gemüsebau der Landwirtschaftskammer NRW, die Cut & Carry-Versuche der Uni Bonn vorgestellt, die auch u.a. auf dem Betrieb Finke stattfanden. Es konnte gezeigt werden, dass durch den Transfer von Kleegrasschnitt zur Gemüsekultur gerade auf schwächeren Standorten ähnlich hohe Erträge und Qualitäten erzeugt werden können, wie in der mit Handelsdünger gedüngten Parzelle. Entscheidend ist hierbei ein enges C/N-Verhältnis, welches eine rasche Mineralisierung nach sich zieht.

Weitere Demoanlagen, die im Rahmen des WRRL-Projektes auf dem Betrieb angelegt und an diesem Tag vorgestellt wurden, war die Ausbringung von PPL (Kartoffelfruchtwasser-Konzentrat - entsteht bei der Stärkegewinnung aus Kartoffeln) mit Gülletechnik unter Fuß vor der Blumenkohlpflanzung und die Ausbringung per Gießwagen in den Rosenkohlbestand. Hiervon konnten sich die Besucher anschließend auf dem Feld ein Bild machen. Per Schleppschläuchen wurde das PPL mit einem Gießwagen der Fa. Beinlich in die Kultur ausgebracht. Von der Gabenteilung verspricht man sich eine effizientere Ausnutzung des Stickstoffs über die lange Wachstumszeit des Rosenkohls, was sich in einem Tastversuch im Jahr 2015 bereits zeigte.

Markus Saphörster von der Firma Bejo Samen präsentierte im Praxisschlag des Betriebes verschiedene Rosenkohlsorten, die auch ökologisch vermehrt werden und den Anbauern im Jahr 2017 zur Verfügung stehen werden.

Quelle: Pascal Gerbaulet, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02506 - 309-632, Handy: 0160 9053 6514, E-Mail: pascal.gerbaulet@lwk.nrw.de.

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