Aktueller Inhalt:

3. Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln - Die Preise bleiben hoch

03.12.2018

Der Frische-Absatz von Bio-Gemüse im Lebensmittelhandel wächst seit Jahren. Dabei ist Regionalität gefragt, und die Importanteile sind hoch. Vor diesem Hintergrund diskutierten 200 Marktexperten, Bündler, Händler und Erzeuger über Anbau, Lagerung, Markt und Vermarktung. Sie kamen aus dem deutschsprachigen Raum und den Niederlanden nach Visselhövede zum "3. Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln" des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen GmbH (KÖN).

Bio-Möhren vor Bio-Erbsen vor Bio-Spargel

Die Bio-Gemüse-Anbaufläche in Deutschland ist von 2016 auf 2017 um 1050 ha auf 13.700 ha gewachsen. Die größten Bio-Anbauflächen in Deutschland belegen Möhren, 2.100 ha. Mit je 1.300 ha folgen Erbsen, Spargel, Kürbis, dann Zwiebeln mit 900 ha.

Niedersachsen auf Platz drei mit 1.870 Hektar

Die Reihenfolge der Top-Bio-Gemüsekulturen spiegelt sich auch in den niedersächsischen Anbauflächen 2018 wider: Bio-Möhren, 410 ha; Bio-Zwiebeln, 190 ha; Bio-Freiland-Fruchtgemüse 170 ha; Rote Bete 170 ha; Bio-Spargel 150 ha und 140 ha Bio-Kohl.

Bio-Möhren in der Gemüseabteilung

Die AMI berichtet: Die deutschen Verbraucher 2017 verzehrten 72.000 Tonnen Bio-Möhren. Bio-Möhren haben mit 20 Prozent den höchsten Bio-Anteil bei Frischgemüse. Mit 14 Prozent haben sie auch den höchsten Anteil am Öko-Gemüseumsatz. Knapp 60 Prozent der Bio-Möhren im Frischsortiment stammen aus Deutschland. Ein Fünftel aus Niedersachsen. Importe kommen aus den Niederlanden, Israel, Dänemark und Spanien.

Umstellung lohnt sich, wenn der Boden passt.

Johannes Blum vom Bündler "Brocker-Möhren": Die knappe Ernte und witterungsbedingt weniger gute Lagereigenschaften der Ernte 2018 lassen weiterhin feste Preise erwarten. Mit Blick auf den hohen Importanteil haben Landwirte gute Absatzchancen, wenn sie geeignete Böden haben. Bei Möhren spielt Verbandsware eine untergeordnete Rolle. Die Verbraucher kaufen Bio-Möhren im Discounter. Für den ist der Preis ausschlaggebend. Das kann sich durch die Pläne eines großen Discounters (Lidl), der mit einem Öko-Anbauverband (Bioland) kooperieren wird, möglicherweise ändern.

Deutsche Zwiebeln halten hohen Preis.

Reinhard Meyer vom ÖkoKontor Uelzen: Die Bio-Zwiebelernte 2018 ist annehmbar. Die großen Erzeuger in Niedersachsen haben Beregnungsanlagen. Man muss die Niederlande im Blick behalten. Wegen moderner Produktions- und Lagertechnik können sie günstig produzieren und Ware bis Juni anbieten. Dr. Hans-Christoph Behr: Der Preis für Bio-Zwiebeln wird hoch bleiben.

Rosenkohl schwierig im Anbau, aber gesucht.

Rainer Carstens, Erzeuger, Westhof, Friedrichsgabekoog: Rosenkohl ist eine sehr anspruchsvolle Kultur, eine Kohlart für Spezialisten. Es gibt wenige Erzeuger, die Rosenkohl - wegen des Pilzdrucks - auch optisch gut hinbekommen. Markus Kirschnick, Ökoservice, Berlin: Besonders in der Verarbeitung zu Tiefkühlgemüse wird Bio-Rosenkohl sehr gesucht.

Konserven haben großen Bio-Nachholbedarf.

AMI: Der umsatzbezogene Bio-Anteil bei Tiefkühl-Gemüse ist 8,3 Prozent. Zum Vergleich, der Bio-Anteil bei Frischgemüse ist 9,8 Prozent. Nachholbedarf haben Konserven mit einem Bio-Anteil von 2,7 Prozent.

Kartoffeln leiden unter dem Sommer.

Christine Rampold, AMI: Die Verbraucher-Nachfrage nach Bio-Kartoffeln wuchs in den ersten drei Quartalen 2018 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 2,8 Prozent. Mehr Bio-Kartoffeln wurden im Vollsortimenter und im Discounter gekauft. Mit 56 Euro pro Tonne franko Packbetrieb liegen die Erzeugerpreise in der 44. Kalenderwoche 2018 sieben Euro unter dem hohen Preis von 2016. Im Wirtschaftsjahr 2017/2018 wurden 16 Tausend Tonnen Bio-Kartoffeln sowie 29 Tausend Tonnen Bio-Frühkartoffeln importiert. Das ist rund ein Drittel der Speisekartoffeln. Bedeutende Importländer für Bio-Speisekartoffeln sind Österreich mit sechstausend Tonnen und die Niederlanden mit neuntausend Tonnen.

Niedersachsen: Bei Bio-Kartoffeln ganz vorne

Auf 3,6 Prozent der deutschen Kartoffelfläche wachsen Bio-Kartoffeln. Niedersachsen hat 2.400 Hektar. Jede vierte deutsche Bio-Kartoffel stammt aus Niedersachsen. Die Fläche vergrößert sich weiter, auch durch Umstellung. Von 2017 auf 2018 sind in Niedersachsen 65 ha Bio-Kartoffelfläche dazugekommen.

Lebensmitteleinzelhandel will hellschalige Kartoffeln.

Reinhard Meyer vom ÖkoKontor: Wegen der Trockenheit 2018 werden rund 30 Prozent der Kartoffeln aussortiert werden. Problem 2018 ist die schlechte Lagerfähigkeit der Kartoffeln wegen des erlittenen Hitzestresses. In den nächsten Jahren werden in Niedersachsen wegen Umstellung weitere Bio-Kartoffeln dazukommen. Der Markt wird sich wahrscheinlich weiter differenzieren in hellschalige Kartoffeln, die als Speiseware in den Lebensmittelhandel gelangen, während die dunklen Kartoffeln in die Verarbeitung gehen werden.

Drahtwurm, wirklich schwer zu fassen

Dr. Jörn Lehmhus, Julius-Kühn-Institut, Braunschweig und Lara Reinbacher, Agroscope, Zürich stellten ihre Forschungsergebnisse zur Drahtwurmbekämpfung mit insektenpathogenen Pilzen vor. Es gibt 15 Drahtwurmarten. Sie lassen sich optisch unterscheiden. Der Befall einer Fläche ist sehr schwierig zu quantifizieren, weil die Drahtwurmverteilung sehr ungleichmäßig ist. Gegen jede Drahtwurmart wirkt ein anderer Pilzstamm am besten. In den Versuchen werden die pathogenen Pilze über Hirse und Gerste zu verschiedenen Zeitpunkten in den Boden eingebracht. Die Laboruntersuchungen sind erfolgreich, Freilandversuche hingegen liefern noch keine oder noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse.
www.julius-kuehn.de/aktuelles/aktuell/news/neuer-ansatz-zur-biologischen-drahtwurm-bekaempfung

Geschichten erzählen und Preise hoch halten

Richard Kägi arbeitet für das schweizer Edel-Lebensmittelkaufhaus Globus als Trendscout: Was lieb und teuer ist, darf etwas kosten. Das gilt auch für Lebensmittel. Wenn man etwas verkaufen will, ist das wichtigste, eine Geschichte zu erzählen, das interessiert die Leute und schafft Vertrauen. Vertrauen ist im Lebensmittelbereich besonders wichtig. Und 100 Labels sind nicht gut für das Vertrauen. Trends zeichnen sich dadurch aus, dass sie kommen und wieder gehen. Bio ist kein Trend, sondern etabliert, es gibt einen breiten Konsens darüber, dass Bio gut für die Umwelt und gut für uns ist. Auf keinen Fall darf Bio auf die Preisschiene geraten, das wäre der größte Fehler, den Bio machen kann. www.globus.ch/delicatessa/delicuisine/foodscout

Vom Wochenmarkt lernen

Erich Margrander und Albert Fuhs, beide im Handel zu Hause, sprachen über Möglichkeiten des Lebensmittelhandels, mit Bio-Gemüse und Bio-Kartoffeln mehr Umsatz zu erzielen. Dabei verfolgen beide durchaus unterschiedliche Ansätze von Gemüse-Bedientheke über Angebotsvielfalt bis zum schrittweisen Ersatz von konventioneller Ware durch Bio-Ware. Albert Fuhs: Der Lebensmitteleinzelhandel kann vom Wochenmarkt lernen, wie man Gemüse verkauft.

Die Nützlinge sitzen im Blühstreifen.

Nützlinge anlocken und dann mit ihnen ein Schutzschild gegen Schädlinge aufbauen, das ist die Strategie von Anton Sartisohn von der Uni Hannover. Er stellte Ergebnisse aus Versuchen mit ganz speziellen Blühstreifenmischungen im Rosenkohl vor. Die maßgeschneiderte Blühmischung lockt Insekten an, die sich nicht für Kohl interessieren, aber Prädatoren wie den Marienkäfer anlocken, ernähren und dadurch vor Ort halten.
www.igps.uni-hannover.de/2661.html?&tx_tkforschungsberichte_pi1%5BshowUid%5D=245&tx_tkforschungsberichte_pi1%5Bbackpid%5D=2660&cHash=42a8e74ec390c67d69355df20273d024

Keime im Lagergemüse vernichten.

Dass Gemüse gute Lagertechnik braucht, damit heimische Ware dem Handel auch ganzjährig angeboten werden kann, wird in diesem Hitzesommer deutlich. Dr. Marcel Thieron, aquaagrar, Alsdorf stellt ein neu entwickeltes Verfahren vor. Es arbeitet mit elektrochemisch aktiviertem Wasser. Nach der Sprühbehandlung des Gemüses bleibt nur Kochsalz und Wasser zurück.
www.aquaagrar.com/produkte/lagerhygiene-im-zwiebel-und-gemuseanbau

Das nächste "Bio-Fachforum Gemüse und Kartoffeln" des KÖN ist voraussichtlich am 5. November 2019.

Quelle und weitere Informationen: Henning Niemann, h.niemann@oeko-komp.de, Tel. 04262/9593-63.

Weitere Informationen

Abonnieren Sie den Ökolandbau NRW-Newsletter



Die obenstehende Einwilligungserklärung kann jederzeit formlos gegenüber dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Schwannstraße 3, 40476 Düsseldorf, (E-Mail: Poststelle@mulnv.nrw.de) widerrufen werden: Die von Ihnen auf dieser Seite angegebenen personenbezogenen Daten (zum Beispiel Name, E-Mail-Adresse, Anschrift usw.) werden vertraulich und nur zur Versendung der von Ihnen abonnierten Newsletter des Ministeriums per E-Mail verwendet. Ihre Daten werden ausschließlich auf dem Server des Landesbetriebs Information und Technik NRW gespeichert. Das Abonnement kann von Ihnen auf dieser Seite jederzeit mit sofortiger Wirkung beendet werden. Ihre Daten werden dann unverzüglich gelöscht.