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Erster Öko-Beerenobsttag in Wolbeck

12.05.2014

Der Winter ist eine wichtige Zeit, sich in Ruhe über neue Entwicklungen zu informieren sowie Kollegen und Experten zu treffen. Im Februar diesen Jahres kamen interessierte Obstbauern der Einladung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nach und nahmen am ersten Öko-Beerenobsttag in Münster-Wolbeck teil. Im Focus der Veranstaltung stand der ökologische Erdbeeranbau. Die seit drei Jahren erfolgreich durchgeführten Beratungen und die Ausdehnung der Anbaufläche in Deutschland auf insgesamt über 1 000 Hektar bestätigen, dass Erdbeeren eine hohe wirtschaftliche Bedeutung im Öko-Beerenobstanbau haben.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch den Kammerpräsidenten Johannes Frizen und Gerd Flachmeier, dem Sprecher der Beerenobstanbauer des Bioland-Verbandes, stellte Detlef Licht, Mitarbeiter der Firma Beerenpflanzen Kraege aus Telgte, neue und interessante Entwicklungen im Erdbeersortiment vor.

Nur wenige Sorten schaffen es

Die Firma Kraege hat jährlich ca. 50 neue  Erdbeersorten im Test, von denen es vielleicht eine, selten jedoch zwei Sorten in die engere Auswahl der anbauwürdigen Empfehlungen schaffen. Zu den vorgestellten neueren Sorten aus dem breiten Sortiment gehören Flair und Malwina. Aufgrund der Frühzeitigkeit, immerhin vier Tage vor Clery und fünf Tage vor Honeoye schaffte die Sorte Flair es mit ihren festen und ansprechenden Früchten in den engeren Kreis.

Flair bringt mittlere Erträge und hat einen guten Geschmack. Seit 2011 wird die Sorte für den versuchsweisen Anbau empfohlen. Sie konnte sich jedoch wegen ihres schlechten Blatt-Frucht-Verhältnisses im Freiland als Normalkultur für den ökologischen Anbau nicht behaupten. Aufgrund des schlechten Wachstums ist der Beikrautaufwuchs nur mit hohem Arbeitsaufwand in den Griff zu bekommen.

Malwina, die derzeit späteste Sorte, wird vom Verbraucher aufgrund ihres hervorragenden Geschmacks in der Direktvermarktung stark nachgefragt. Die Pflanze ist robust mit sehr gesundem Laub und auch für den Nachbau auf erdbeermüden Flächen geeignet. Seit 2010 befindet sich die Sorte in der Empfehlung. Ein großes Problem von Malwina sind jedoch Thripse und Erdbeerblütenstecher.

Von den guten und weniger guten Erfahrungen im Anbau bei  den Sorten Daroyal, Elianny und  Asia konnte Detlef Licht anschließend berichten. Auch Clery und Salsa sind Sorten, die für den ökologischen Anbau sehr interessant sein könnten. „Die eine Sorte, die für den Öko-Anbau perfekt ist, gibt es nicht“, resümierte Andrea Sausmikat, Anbauberaterin der Landwirtschaftskammer. „Hier ist Vielfalt individuell nach den Zielen der Betriebe gefragt."

Tipps zum Nützlingseinsatz

Marion Ruisinger vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW gab anschließend praktische Tipps zum Nützlingseinsatz in Erdbeeren gegen Blattläuse, Spinnmilben, Thripse, Dickmausrüssler und diverse Raupen. Die offene Zucht mit Getreideblattläusen, die auf einkeimblättrige Pflanzen spezialisiert sind, ist eine kostengünstige Variante für den Erdbeeranbau im Tunnel.

Beim Aufbau der Zucht werden die Pflanzen geteilt, vorgezogen und die Getreideblattläuse werden durch Ausbringung beimpfter Weizenblätter auf Getreidepflanzen platziert. Aus den bereits parasitierten Blattläusen schlüpfen dann verschiedene Schlupfwespenarten und die Larven der räuberischen Gallmücken. Die Schlupfwespen legen je ein Ei in die Läuse, die sich im Erdbeerbestand befinden. Die Gallmückenlarve hingegen vertilgt den Schädling.

„Dieses Verfahren ist zwar zu Beginn arbeitsaufwendig, jedoch schaffe ich, falls keine Läuse mehr im Erdbeerstand sein sollten, mit den Getreidepflanzen ein Rückzugsgebiet für meine Nützlinge, wo sie sich weiterhin vermehren können. So spare ich Kosten, da ich nicht mehrmals neue Nützlinge nachlegen muss“, argumentierte die Beraterin für den ökologischen Pflanzenschutz.

Mit dem belgischen Produkt Fresa-protect der Firma öffnet eine externe Webseite in einem neuen FensterViridaxis, das über die deutschen Nützlingsfirmen zu beziehen ist, werden sechs verschiedene Schlupfwespenarten gegen Blattläuse in Erdbeeren eingesetzt. Die Schlupfwespen befinden sich in unterschiedlichen Altersstufen in Blattlausmumien, so dass innerhalb von zwei bis drei Wochen ca. 300 Tiere ihren Wirt verlassen.  

Die praktischen Röhrchen, in denen sich die Tiere befinden, können mit Hilfe eines dünnen Stäbchens gut in den Erdbeerbestand eingebracht werden. Viridaxis bietet zu diesem Produkt auch eine spezielle Halterung für bis zu drei Röhrchen an. Vorteil dieser Halterung ist der Schutz vor starker Sonneneinstrahlung und der Hinweis, wie viele Röhrchen bereits eingesetzt wurden, wenn alte Röhrchen im Bestand verbleiben.

Vorbeugender Einsatz empfohlen

Die Empfehlung für eine erfolgreiche Bekämpfung ist vorbeugend, d.h. der Einsatz findet ab März statt, wenn die Temperatur über 15°C steigt. Pro 200 m² wird ein Röhrchen benötigt, je nach Befallsstärke mit einer drei- bis fünffachen Wiederholung im Abstand von 14 Tagen. „Unter dem Gesichtspunkt der mehrmaligen Wiederholung, stellt sich dieses komfortable Verfahren kostenaufwendiger als die offene Zucht dar“, argumentierte Marion Ruisinger abschließend.

Pflanzenschutzmittelgesetz definiert Stärkungsmittel neu

Mit dem neuen Pflanzenschutzmittelgesetz wurde 2012 die Definition von Pflanzenstärkungsmitteln neu geregelt. Welche Auswirkungen diese Änderungen auf den ökologischen Erdbeeranbau haben, erläuterte Frank Lehnhof von der Firma Biofa in seinem Vortrag. Die Anzahl der Pflanzenstärkungsmittel sank aufgrund der Neuregelung von über 800 auf derzeit 145 Produkte.

Die aktuelle Liste kann auf der Internet-Seite der Bundesanstalt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingesehen werden. Zu lesen, welche Produkte sich mittlerweile auf dem Weg der Zulassung zum Pflanzenschutzmittel befinden und somit für den ökologischen Anbau nicht mehr zugelassen sind, hinterließ einen ernüchternden Eindruck.

Auswahl für den ökologischen Anbau als PDF

Zukünftig Sachkundenachweis erforderlich

Sandra Müller vom Pflanzenschutzdienst ging auf die Änderungen der Sachkundeverordnung zur Anwendung und Abgabe von Pflanzenschutzmitteln ein. In ihrem Vortrag stellte sie das Antragsverfahren und die für dieses Verfahren wichtigen Fristen  für den zukünftigen Sachkundeausweis vor. Für den Ökoanbau bietet die Landwirtschaftskammer am 20. November 2014 in Köln-Auweiler und am 19. Februar 2015 auf Haus Düsse eine anerkannte Fortbildung zur Erlangung dieser Sachkunde an.

Wirtschaftlicher Erfolg und Standortwahl

Ludger Rövekamp, Anbauberater, stellte ausführlich die Problematik zur Standortauswahl für den Erdbeeranbau vor. Für den wirtschaftlichen Erfolg sind Flächen mit Staunässe aufgrund der Gefahr von Wurzelfäulen zu meiden. Auch Flächen mit hohen Befallsraten von Verticillium sind für den Erdbeeranbau ungeeignet. Bodenuntersuchungen sollten fester Bestandteil der Anbauplanung sein. Bei der allgemein verschärften Flächensituation in der Landwirtschaft, mit den mittlerweile hohen Pachtpreisen, können schon kleine Fehler verantwortlich für den Misserfolg der Kultur sein.

In seinem Vortrag ging Ludger Rövekamp eindringlich auf die tierischen Schaderreger wie Nematoden, Dickmaulrüsslerlarven sowie andere Engerlinge, die sich im Boden befinden, ein. Bei den Bekämpfungsmöglichkeiten stellte er neue Ergebnisse zum Zwischenfruchtanbau speziell auch zum Tagetesanbau vor und gab wichtige praktische Tipps mit auf den Weg.

Öko-Erdbeeranbau aus Leidenschaft

Als besonderen Höhepunkt des Veranstaltungstages konnte das Organisationsteam Rennig Söffker gewinnen, der seinen Betrieb vorstellte. Der leidenschaftliche Obstbauer aus Niedersachsen hatte 2002 seinen Betrieb umgestellt und baute anfangs Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide und Spargel an. „Als ich umgestellt hatte, fing ich mit Erdbeeren an. Am Anfang war es ein Hektar, dann wurden es zwei, heute baue ich auf 20 Hektar Erdbeeren an“, schilderte  Rennig Söffker. Die Entscheidung umzustellen, fiel aufgrund der unbefriedigenden Preissituation auf dem konventionellen Markt und auch der Wunsch, sich von den anderen abzuheben, war ausschlaggebend für diesen Entschluss. Zur Fruchtfolge des Naturland-Betriebes gehören: Brache, Wickroggen, Möhren, Getreide und Leguminosen.

„Ich bin überzeugter Kompost-Nutzer und auch Hersteller. Mein Ziel ist es, nicht ausschließlich die Pflanzen zu düngen, sondern ich möchte dem Boden etwas Gutes zurückgeben“. berichtete Rennig Söffker. Er schilderte ausführlich seinen Umgang mit dem Boden und seine Erfahrungen mit Schwarzbrache und Biofumigation.„Unsere Erdbeeren werden heute als Frigos auf Dämmen im Minitunnel angebaut“, so der innovative Betriebsinhaber. In der Regel sind die ersten Bio-Erdbeeren bereits Anfang Mai reif. Mit diesem erfrischenden Vortrag aus der Praxis des ökologischen Erdbeeranbaus endete der abwechslungsreiche Vortragsteil.  

Zum Abschluss war die Jungpflanzenvermehrung Thema der Diskussion. Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Erdbeeranbau ist gesundes qualitativ hochwertiges Ausgangsmaterial. Die Firma De Kemp aus den Niederlanden produziert seit diesem Jahr ökologisches Pflanzgut. Mit diesem Schritt konnte die Branche einen echten Vollprofi gewinnen. Harold Knapen, Mitarbeiter des Vermehrungsbetriebes, nutzte die Gelegenheit, sich ein Bild von den Wünschen und Erwartungen speziell im Sortenspektrum der Erdbeeranbauer zu machen. Die Landwirtschaftskammer plant für September 2014 den Besuch des Betriebes in Kombination mit Betriebsbesichtigungen. Bei den Teilnehmern stieß das Vorhaben auf große Zustimmung.

Nach einem interessanten Seminartag war man sich einig, mit regelmäßigen gemeinsamen Veranstaltungen den Schritt in die richtige Richtung zu machen. 

Weitere Informationen

Quelle und Ansprechpartnerin:

Andrea Sausmikat
Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 02506-309-637
E-Mail: Andrea.Sausmikat@lwk.nrw.de

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