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Einblick in die Ökologische Beerenobstproduktion in NRW

31.08.2016

Einen Blick in die Ökologische Beerenobstproduktion in Nordrhein-Westfalen zu werfen, ermöglichte der erste Praktikertag, der vom neu gegründeten Arbeitskreis Beerenobst der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e. V. (föko) organisiert wurde. Interessierte Teilnehmer aus ganz Deutschland kamen nach NRW und informierten sich über den Erdbeeranbau, auch der Himbeer- und Heidelbeeranbau wurden vorgestellt.

Bioland-Hof Raimund Bäumer

Bioland-Hof Bäumer

Mit appetitlich belegten Broten und Kaffee begrüßte Raimund Bäumer die teilweise weit angereisten Teilnehmer auf seinem Bioland-Hof in Tecklenburg. Der Familienbetrieb Bäumer liegt im nördlichen Westfalen und bewirtschaftet auf den Flächen mit Bodenpunkten zwischen 15 und 25 neben der Viehhaltung mit Rindern und Schweinen ca. 13 Hektar Sonderkulturen. Alle Flächen am Hof können bewässert werden.

"Um das Ertragspotenzial auf den leichten Böden auf Dauer halten zu können, müssen wir schauen, dass wir ausreichend organische Masse in den Boden bekommen", erklärt Raimund Bäumer. Daher wird bei den Himbeeren und den Erdbeeren vor der Pflanzung ausreichend gut abgelagerter Rindermist eingearbeitet. Neben zwei Hektar Möhren und einem halben Hektar Spargel wird auf einem weiteren Betrieb reiner Ackerbau auf ca. 110 Hektar betrieben und so die eigene Versorgung der Tiere mit Futter gewährleistet.

Himbeersorte Tulameen überzeugt durch Fruchtqualität

Der erste Anlaufpunkt des Betriebsrundganges waren die Himbeeren. In Tunneln werden Himbeeren der Sorte Tulameen angebaut. "Der Großhandel möchte feste Himbeeren, die gut schmecken", erklärt der Betriebsleiter. Bisher hat sich die Sorte auf dem Betrieb Bäumer im Anbau bei einer Standzeit von drei bis vier Jahren gut präsentiert.

Neben der Vorratsdüngung vor dem Pflanzen findet keine weitere Düngung statt. Im geschützten Anbau wird der Tunnel im Februar aufgezogen, um eine gute Frühzeitigkeit zu erreichen. In einem anderen Quartier werden die Himbeeren bis nach der Ernte der Tunnelerdbeeren im Freiland kultiviert. Sind die Erdbeeren abgeerntet, wird der Tunnel zum Schutz vor Regen und Sonnenbrand auf die benachbarten Himbeeren umgestellt.

Mit diesem System hat der Betrieb gute Erfahrungen gemacht, da durch das späte Umstellen im Tunnel keinerlei Pflanzenschutz nötig ist. Im geschützten frühen Anbau werden gegen Läuse und Spinnmilben Nützlinge eingesetzt.

Erdbeeranbau

Auf ca. drei Hektar werden auf den sandigen Böden Erdbeeren angebaut. Im geschützten Anbau hat sich die Sorte Clery durchgesetzt. Da Clery stark remontiert, wird der Bestand nach der Ernte noch einmal komplett durchgeputzt, um ein zweites Mal ernten zu können. 

Im Freiland baut der Betrieb unter anderen auf die Sorten Sonata, Malling Centenary und im späten Bereich Malwina. Sonata und Malling Centenary werden durch Doppelabdeckung mit Vlies und Folie verfrüht. Bei der Verfrühung zeigt sich Malling Centenary zwar nicht früher als Sonata, aber dafür überzeugt die Sorte durch ihre Fruchtqualität wie Geschmack und Festigkeit. Die Früchte sind sehr homogen und steigern durch ihre Größe die Pflückleistung. In den letzten beiden Jahren waren die Erträge auf dem Betrieb Bäumer von Malwina eher mäßig, deshalb wurde Florence wieder mit in den Sortenspiegel aufgenommen.

Im Freiland haben die Erdbeeren eine Standzeit von drei Jahren. Viel Zeit wird im ersten Jahr in die Beikrautregulierung investiert. Da die Pflanzen noch sehr empfindlich sind, wird in der Reihe mit der Handhacke gearbeitet. Bereits im zweiten Jahr sind die Pflanzen so robust und die Reihen sind so gut zugewachsen, dass die Unkrautregulierung fast ausschließlich mechanisch erfolgen kann. Das Striegeln muss alle acht bis zehn Tage stattfinden.

Vermarktung

Bis zu 80 % des Beerenobstes wird über den Großhandel abgesetzt. 10 % der Ernte geht in Abo-Kisten und ein Teil geht in die Direktvermarktung bzw. an Berufskollegen. Erdbeeren und Himbeeren können auf dem Betrieb von Kunden auch selbst gepflückt werden.

Spargel- und Erdbeerbetrieb Lütke-Laxen

Betrieb Lüdke-Laxen

Auf dem Betrieb von Burkhard Lütke-Laxen in Münster wurden die Teilnehmer mit einem schmackhaften Spargelmenue begrüßt. Im Anschluss an die Betriebsvorstellung durch den Betriebsinhaber fuhren die Fachbesucher zu einer Fläche, auf der Verbraucher Heidelbeeren, rote Johannisbeeren und Erdbeeren selbst pflücken können. Johannisbeeren werden hier als Strauch angebaut.

Die auf dieser Fläche stehenden Heidelbeeren sind bereits älter als 20 Jahre und wurden damals von dem Vorbesitzer der Fläche auf den vorhandenen Eschboden gepflanzt. Der Boden ist für Heidelbeeren nicht geeignet und den Sträuchern fehlt es daher an Wuchskraft. "Heidelbeere ist für unseren Betrieb keine interessante Kultur, weil das Kulturverfahren Bio bei der Vermarktung nicht honoriert wird", erklärt Burkhard Lütke-Laxen. Er wird die Kultur auslaufen lassen.

Gute Preise mit früher Ware

Im Anbau befinden sich die Erdbeersorten Clery, Elsanta, Elegance und im späten Bereich Yamaska und Argentera. Die Erdbeeren werden im Juli als Topfgrünpflanzen auf Spargeldämmen mit Folie kultiviert. Auf dem Damm stehen versetzt zwei Reihen Erdbeeren, die unter Minitunnel angebaut werden. Über dem Minitunnel steht noch einmal ein Wandertunnel. Gedüngt werden die Erdbeeren mit Vinasse über die Fertigation. Durch das Anbauverfahren kann der Markt sehr früh bedient werden.

Die ersten Erdbeeren konnten dieses Jahr am 21. April geerntet werden. Allerdings muss für dieses Verfahren ausreichend Personal abrufbar sein, welches die Tunnel auf- und zudeckt. Läuft das Lüftungsmanagement nicht optimal, können die Pflanzen schnell in Stress geraten. Zwischen den Dämmen wird der Aufwuchs mit Freischneider und Rasenmäher niedrig gehalten.

Fruchtfolge

Auf dem Betrieb Lütke-Laxen stehen die Erdbeeren zwei Jahre. Danach wird Schnittlauch und Sandhafer angebaut. Der Sandhafer wird von einem Kollegen für die Saatgutvermehrung produziert. Die Kultur stellt für den Betrieb eine sehr gute Alternative zum nematodenreduzierenden Tagetesanbau dar. Nicht nur die Aussaat von Tagetes, sondern auch die Beikrautregulierung ist für die Anbauer immer wieder eine Herausforderung. Sandhafer wächst im Gegensatz zu Tagetes schnell auf, macht den Bestand schnell dicht und hat auch eine reduzierende Wirkung auf den Nematodensatz im Boden. Bestätigt die Bodenprobe niedrige Nematoden- und Verticilliumwerte, kommen im Anschluss wieder Erdbeeren auf die Fläche.

Neuer Eindringling: Erdmandelgras - auch Tigernuss genannt

Zurück auf dem Betrieb referierte Karl Schulze Welberg, Berater der Landwirtschaftskammer NRW,  über eine in NRW neue Pflanze. Ein invasiver Neophyt, der bei der EPPO (European and Mediterranean Plant Protection Organisation) auf der Liste steht: das Erdmandelgras. Diese anspruchslose Pflanze hat bereits in der Schweiz durch eine stärkere Verbreitung in den Kulturpflanzen für Aufmerksamkeit gesorgt. In seinem Vortrag ging Karl Schulze Welberg mit vielen Bildern aus der Praxis auf die Vermehrungsrate, Ausbreitung und die Bekämpfungsmöglichkeiten des neuen Eindringlings aus Ostafrika ein.

Arbeitskreis Beerenobst soll Wissenstransfer stärken

Reinhard Ortlieb stellte anschließend die Gründung des bundesweiten Arbeitskreises Beerenobst (Koordinator: Klaus Dillmann) vor. "Mit der bundesweiten Vernetzung im ökologischen Beerenobstanbau möchten wir die Entwicklung in diesem Bereich voranbringen“, begründet der Beerenobst-Koordinator der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e. V. (föko) sein Engagement.

Zu den zukünftigen Aufgaben des Arbeitskreises wird der intensive Austausch von Erkenntnissen und Informationen aus Beratung und Praxis gehören. Weiter sollen die Bedürfnisse und Notwendigkeiten der Anbauer, z. B. beim Pflanzenschutz ermittelt und gebündelt werden. Bei den Zuhörern stieß Reinhard Ortlieb mit seinen Worten auf großen Zuspruch.

Erdbeersorten im Test

Bei der abschließenden Sortenverkostung konnten die Teilnehmer sich einen optischen und geschmacklichen Eindruck verschiedener Erdbeersorten machen. Die Teilnehmer der Veranstaltung hatten Früchte aus ihrer Produktion mitgebracht und diese kurz vorgestellt. Das breite Sortenspektrum ging über geläufige Sorten wie Sonata, Vima Zanta bis hin zu neueren Sorten wie Dream, Jive und Malling Centenary.

Die Veranstalter bedanken sich bei den Betriebsleitern für die gute Versorgung und die interessanten Betriebsrundgänge. Die Teilnehmer konnten viele neue Eindrücke und Informationen vom ersten Praktikertag mit nach Hause nehmen.

Quelle: Andrea Sausmikat, Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW

Weitere Informationen

Kontakt

Andrea Sausmikat
Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW
Tel.: 02506 – 309 637
Handy: 0151 4610 1553
Email: andrea.sausmikat@lwk.nrw.de

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