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Lehrfahrt nach Dänemark im September 2016

19.09.2016

Über 30 Landwirtinnen/Landwirte und Beraterinnen/Berater aus vier verschiedenen Nationen (Deutschland, Belgien, Luxemburg und Schweiz) besuchten vom 5. bis 9. September gemeinsam fünf Milchviehbetriebe und eine Bio-Molkerei in der Region Jütland in Dänemark. Ziel war es, die Produktionsmethoden, die besonderen Standortbedingungen und die finanzielle Situation von Bio-Milchviehbetrieben in dieser Region kennen zu lernen und sich mit Berufskollegen auszutauschen.

Der Erfahrungsaustausch unter Milchproduzenten in Form von Betriebsbesuchen ist eine Form der Weiterbildung, die effizient ist, denn Bilder bleiben im Gedächtnis haften. Das ist einer der Hauptgründe für die regelmässigen Fachreisen, die von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen organisiert werden.

Die Strukturen in der Milchproduktion in Dänemark haben sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Es gibt noch 3.200 Milchviehbetriebe. Die Herdengröße liegt bei durchschnittlich 175 Kühen, pro Jahr werden 5,1 Millionen Tonnen Milch produziert. Der Wert der exportierten Milch ist mit über 20 % aller Landwirtschaftsexporte ein wichtiges Exportstandbein. "Arla Foods" ist die größte Molkerei mit einem Marktanteil von 90 %.

Die finanzielle Situation der konventionell produzierenden Milchproduzenten ist zurzeit katastrophal: der Milchpreis liegt bei 20 bis 22 Cent/kg. Wesentlich besser stehen die Bio-Betriebe da: der aktuelle Milchpreis liegt zwischen 50 bis 55 Cent/kg.

Molkerei "Naturmaelk" in Tinglev

Die Molkerei "Naturmaelk" ist eine Kooperative, die im Besitz von 36 Bio-Milchproduzenten ist. In der Fabrik werden pro Tag 100.000 kg Bio-Milch von 70 Mitarbeitern zu einer breiten Palette von Produkten verarbeitet. Die verschiedenen Produkte werden mit viel Handarbeit hergestellt. Eine der Stärken dieser kleinen Molkerei liegt in ihrer Flexibilität. Neue Produkte können relativ rasch entwickelt und produziert werden. Der Absatz der Bio-Produkte erfolgt fast ausschließlich in den großen Städten Dänemarks über Supermarktketten und Restaurants. Der Milchpreis für die Genossenschafter wird jeden Monat neu festgelegt.

Demeter-Betriebe Henning und Günther Lorenzen, Logumkloster

Beide Betriebe bilden eine Betriebsgemeinschaft. Auf ökologische Produktion wurde 1987/88 umgestellt, auf Demeter 1995 (Betrieb 1) und 2009 (Betrieb 2). Die Betriebsgemeinschaft umfasst 700 ha, zu 75 % Sandboden, ansonsten Humos, Lehmboden oder Marsch. Angebaut werden 180 ha Getreide und Hackfrüchte, 340 ha Futterbau, der Rest ist Dauergrünland. Es werden 360 Kühe (HF mit verschiedenen Einkreuzungen) an zwei verschiedenen Standorten gehalten.

Eine Besonderheit des Betriebes

Vor einigen Jahren haben die Besitzer den Betrieb an eine Pensionskasse verkauft. Ziel ist es, eine landwirtschaftliche Bio-Pensionskasse aufzubauen. Die Betriebsleiter legen großen Wert auf eine Verbesserung der Böden - speziell auf deren Fruchtbarkeit. Dazu wird auf dem Betrieb selbst geforscht. Es wird z.B. Heu in Wasser eingelegt und einige Tage durch Erwärmung und Zugabe von Mikroorganismen inkubiert. Die entstehende Brühe wird dann im Ackerbau eingesetzt, indem die Flüssigkeit in den Boden eingespritzt oder auf den Kompost gesprüht sowie in die Mischration für die Kühe gegeben wird. Die Brühe wird auch auf das geerntete Futter gespritzt.

Eine weitere Spezialität auf diesem Betrieb ist das "holistic grazing". Dazu stehen 180 ha zur Verfügung. Das Prinzip dieses Weidesystems besteht darin, den Kühen jeden Tag eine neue Weidekoppel zur Verfügung zu stellen, auch wenn nach dem Weiden auf der zuletzt bestoßenen Fläche noch viel Futter stehen bleibt. Bis zur nächsten Beweidung nach 20 bis 40 Tagen wächst das abgeweidete und das stehen gebliebene Gras weiter. Mit der Zeit entstehen so Nester von überständigem Gras. Ziel ist, neben der Futterproduktion organische Substanz im Boden anzureichern. Aus diesem Grund soll zukünftig auch Futterfläche in Grünland umgewandelt werden. Bisher wurde, wie allgemein in Dänemark üblich, alle paar Jahre umgebrochen. Diese auch für Dänemark neue Weidemethode (Start: 2014) ist noch in der Versuchsphase und kann deshalb noch nicht abschließend beurteilt werden.

Eine weitere Besonderheit sind die beiden Heutrocknungsanlagen. So lassen sich Heumilch und Heukäse auch unter der hohen Luftfeuchtigkeit, wie sie zwischen den Meeren oft herrscht, erzeugen. Die Dimensionen für derart große Herden sind gewaltig und erfordern eine besondere Sorgfalt. Neben Heu werden auch Kräuter wie Kamille getrocknet. Für einige Teilnehmer war die Reise wegen der Heutrocknung ganz besonders interessant.

Das Fazit

Der Investitionsaufwand und die laufenden Kosten dürfen nicht unterschätzt werden. Heu wird im Winter, aber auch als Zufütterung im Sommer gegeben. Dazu kommen 4 bis 6 kg Kraftfutter. Die erzeugte Milchleistung liegt bei etwa 7.700 kg ECM/Kuh (ECM = energie-korrigierte Milch; korrigiert auf 4% Fett und 3.4% Eiweiss).

Konventioneller Milchviehbetrieb von Marije und Jan Jacobsen, Arre

Der Jersey-Betrieb der Familie Jacobsen umfasst 90 ha Land, teils Sand- teils Lehmboden. Zusätzlich wird noch Maissilage im Umfange von 15 ha von einem Nachbarbetrieb zugekauft. Es werden auf dem Betrieb 22 ha Weizen und 12 ha Maissilage angebaut, 45 ha werden maximal geweidet (nach dem ersten Schnitt 8 ha, nach dem zweiten Schnitt die volle Fläche; Flächenwechsel nach 3 bis 4 Tagen) und 5 ha sind Wald. Die Herde umfasst 130 Kühe, die im Durchschnitt 8.380 kg ECM/ha produzieren. Die Milchgehalte liegen im Jahresdurchschnitt bei 6,3% Fett und 4,2% Eiweiss. Der Milchpreis für Standardmilch liegt aktuell bei 21 Cents/kg (Euro). Die Ration besteht im Sommer aus Weide, Maissilage, 2 kg Getreide, Mineralstoffe, Na-Bicarbonat und Kraftfutter gemäss Milchleistung, das im Kraftfutterautomat angeboten wird. Während der Winterfütterung kommen die Kühe so auf rund 6 kg Kraftfutter pro Tag und während der Sommerfütterung auf 5 kg pro Tag.

Das Erstabkalbealter der Rinder liegt bei 24 Monaten und die Nutzungsdauer der Kühe beträgt 3,8 Jahre. Die erstlaktierenden Kühe werden ab dem 60. Tag nach dem Abkalben wieder belegt, bei den älteren Kühen, die viel Milch geben, wird mit der Besamung zugewartet, bis die Milchmenge etwas zurückgeht. Diese älteren Kühe kalben dann nur alle 14 bis 15 Monate. Ein Problem auf dem Betrieb ist das Geschlechterverhältnis der Kälber. 65 % der Kälber sind männlich, nur 35 % sind weiblich. Vor Kurzem wurde als Versuch gesexter Samen bei acht Kühen eingesetzt. Das daraus resultierende Geschlechterverhältnis der geborenen Kälber ergab ein Verhältnis von vier zu vier. Deshalb sind die Betriebsleiter nicht überzeugt, dass diese Methode ihnen weiterhilft, auch, da gesexter Samen 30 Euro mehr kostet. Die männlichen Kälber verlassen den Betrieb im Alter von einem Tag, werden geschlachtet und für die Fütterung von Nerzen eingesetzt. Alle weiblichen Tiere werden genetisch untersucht (Kosten 36 Euro), da viel Wert auf die Zucht gelegt wird. Zurzeit ist ein Stier aus der Herde für die Künstliche Besamung in Dänemark im Einsatz. Marije und Jan Jacobsen sind begeisterte Landwirte und Jersey Züchter, aber die aktuellen Milchpreise machen ihnen sehr zu schaffen. Sie stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Bio-Milchviehbetrieb von Tina und Martin Engmark, Give

Auf Öko wurde 1997 umgestellt. Die Familie Engmark bewirtschaftet ihren 300 ha großen Betrieb (zu 80 % Sandboden) mit 220 Jersey Kühen in Form einer Betriebsgemeinschaft von Vater und Schwiegersohn.

Besonderheit

Der Betrieb ist seit 1996 Teil einer grossen Betriebsgemeinschaft, bestehend aus acht Einzelbetrieben, die zusammen 1.200 ha Land nach den Richtlinien des biologischen Landbaus bewirtschaften. Auf vier dieser Betriebe werden zusammen 750 Kühe gehalten. Für die Fütterung wird ein Mischwagen eingesetzt, der von Betrieb zu Betrieb fährt. Die anderen vier Betriebe halten kein Milchvieh. Die acht Betriebsleiter bewirtschaften gemeinsam die gesamten 1.200 ha Nutzfläche. Alle Betriebsgebäude, Einrichtungen und Tiere sind im Besitz der Einzelbetriebe und die Betriebsleiter arbeiten dort auf eigene Rechnung.

Für die Bewirtschaftung der 1.200 ha werden die Produktionsmittel gemeinsam eingekauft und die Produkte gemeinsam vermarktet. Die Benutzung von Einrichtungen und Maschinen und die Verwendung der produzierten Futtermittel der einzelnen Betriebe werden intern gegenseitig in Rechnung gestellt. Die Grasmengen auf den Weideparzellen werden alle 14 Tage ermittelt und so die Kosten für das Weiden berechnet. Die Feldarbeit wird auf der Basis der Kosten für Lohnarbeit berechnet. Jeden Monat werden an einer Besprechung alle zu erledigenden Arbeiten für die kommende Periode diskutiert und nötige Entscheide gefällt. Diese große Betriebsgemeinschaft hat verschiedene Vorteile. Zum Beispiel kann jeder Betriebsleiter sich auf sein Spezialgebiet konzentrieren und sich in anderen Fachgebieten auf seine Kollegen verlassen. Weiter können sich die Betriebsleiter gegenseitig beraten und unterstützen und so zum Beispiel Fehler vermeiden.

Auf dem Einzelbetrieb der Familie Engmark werden die 220 Kühe mit drei Melkrobotern gemolken, die seit dem Jahre 2009 im Einsatz sind. Im Sommer lassen sich die Kühe durchschnittlich 2,5-mal und im Winter dreimal melken. Die Milchleistung betrug im vergangenen Jahr 9.800 kg Standardmilch (ECM). Die Milchgehalte lagen bei 5,8 % Fett und 4,2 % Eiweiss. Der aktuelle Bio-Milchpreis liegt bei 55 Cent/kg (Euro) für Standardmilch.

Die Futterration im Sommer besteht aus Weide, Maissilage und Kraftfutter (6,7 kg pro Tag). Es wird mit einem Trockenmasseverzehr von 20 kg pro Tier und Tag gerechnet. Es stehen 60 ha Weidefläche zur Verfügung. Die Kühe sind von 07:30 Uhr bis 11:30 Uhr und von 13:30 Uhr bis 17:30 Uhr auf der Weide. Bevor sie auf die Weide getrieben werden, bleiben sie vier Stunden im Stall ohne Futter, damit sie genügend Weidegras aufnehmen. Es sollten, so der Plan, 11 kg TM auf der Weide als Frischgras aufgenommen werden. Zumindest zum Zeitpunkt unseres Besuchs sah die Realität aber anders aus: Der Betriebsleiter schätzt, dass aktuell nur 5 bis 6 kg TM aus Weidegras pro Kuh und Tag aufgenommen werden. Viel Weiderest stand bei unserem Besuch und nur 8 von 190 melkenden Kühen weideten zur besten Weidezeit, trotz optimaler Temperaturen. Offensichtlich wird zu viel im Stall zugefüttert. Der Betriebsleiter Martin Engmark hat zur Zeit noch keine Lösung für das Problem.

Die Erstkalbinnen werden dreimal pro Tag in den Melkroboter getrieben. 40 Tage nach dem Abkalben wird bei allen Kühen mit der Besamung begonnen. Die Nutzungsdauer der Kühe beträgt 3,3 Jahre. Die männlichen Kälber werden auf dem Betrieb ausgemästet und mit 18 bis 20 Monaten geschlachtet. Es ist das Ziel, mittelfristig das Fleisch der Jersey-Bullen als Qualitätsfleisch zu vermarkten.

Ein zusätzliches Standbein

Familie Engmark hat auf dem Betrieb die Möglichkeit zur Herstellung von Speiseeis geschaffen. Mutter und Tochter produzieren das Speiseeis mit eigener Milch und weiteren betriebseigenen Grundstoffen. Zusätzlich verwenden sie Zutaten von Landwirten aus der Region. Der Großteil des Speiseeises wird im eigenen Hofladen neben anderen Produkten verkauft - ein neuer Camping-Platz ist in der Nähe. Ein kleiner Teil des Speiseeises wird in der Stadt verkauft. Im vergangen Jahr erzielten die beiden Frauen mit dem Bio-Speiseeis einen Umsatz von 67.000 Euro.

Bio-Mastbetrieb von Leif Rorbye, Hornsyld

Auf Ökolandbau wurde 1998 umgestellt. Leif Rorbye bewirtschaftet den 40 ha Betrieb als Angestellter nach den biologisch-dynamischen Richtlinien. Der Boden besteht vorwiegend aus schwerem Gley, der Wasser gut hält. Auf den Flächen werden Getreide angebaut und Ammenkühe mit Kälbern geweidet. Dabei ist das Kleegras mit den Ammenkühen in die Fruchtfolge integriert. Das Kleegras wird zu Getreide als Untersaat gesät und im folgenden Jahr als Weide genutzt. Dann folgen drei Jahre Getreide (z.B. Hafer, Gerste, Weizen, Triticale) und Raps. Als Ammenkühe werden Jersey-Kühe eingesetzt, die von Milchviehbetrieben ausgemerzt werden sollten. Jede Kuh erhält drei männliche, nicht kastrierte Jersey-Kälber. Die Kälber werden mit drei bis vier Wochen von Milchviehbetrieben gekauft und bleiben rund sechs Monate bei den Ammen auf der Weide. Anschließend werden sie weiter gemästet und mit 14 Monaten und einem Gewicht von rund 400 bis 450 kg geschlachtet. Es wird ein Schlachtgewicht von 200 kg angestrebt.

Diese Form der Mast ist neu in Dänemark. Ziel ist es, die männlichen Jersey-Kälber nicht wie bisher am ersten Lebenstag zu töten, sondern sie zur Fleischproduktion zu nutzen. Dies entspricht dem Wunsch der Bevölkerung, die immer weniger akzeptiert, dass männliche Jersey-Kälber sofort nach der Geburt getötet werden. Die Weiden werden in Koppeln eingeteilt, die Mutterkühe bleiben jeweils drei bis fünf Tage auf der gleichen Koppel, dann werden sie auf eine neue Weide getrieben, bevor alles Gras gefressen ist. Das führt dazu, dass viel Aufwuchs stehen bleibt und einzelne Pflanzen Samen produzieren können. Der Betriebsleiter hofft auf diese Weise, den Boden immer gut bedeckt zu haben und ihn über eine längere Zeitperiode in guten Zustand zu halten. Auch er nennt sein System "holistic grazing". Es gehört zur Philosophie des Betriebsleiters, dass nicht immer das Maximum aus dem Boden herausgeholt wird. Wenn das Graswachstum größer ist als der Verzehr der Tiere, werden einzelne Koppeln gemäht und das Gras wird für den Winter siliert.

Diese Form der Bewirtschaftung ist noch in der Erprobungsphase. Es wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob dies produktionstechnisch und ökonomisch eine Zukunft hat. Es geht letztlich darum, Wege zu finden, die Mast der männlichen Jersey-Kälber in ein Produktionssystem zu integrieren.

Bio-Milchviehbetrieb von Marie Pedersen, Sonder Felding

Auf Ökoanbau wurde 1989 umgestellt. Der Bio-Milchviehbetrieb von Marie Pedersen umfasst 170 ha landwirtschaftliche Nutzfläche mit 170 Jersey-Kühen. Weitere 20 ha Land werden dazu gepachtet. Der Betrieb wird von den zwei Eigentümern und zwei Angestellten bewirtschaftet. Neben der Milchproduktion werden auf dem Betrieb auch Schweine gehalten sowie Kartoffeln und Karotten angebaut. Die Kuhherde ist in zwei Gruppen aufgeteilt: eine große Gruppe (120 bis 130 Kühe) älterer Kühen und eine kleine Gruppe inklusive einer älteren Leitkuh (40 bis 50 Kühe) von erstlaktierenden und weiteren jungen Kühen. Die beiden Gruppen sind immer getrennt, sowohl auf der Weide wie auch im Stall.

Die Tiere werden nicht enthornt. Die Kühe kalben zwischen Mai und September. Da die Abkalbungen sich in dieser Zeit besser managen lassen als im Winterhalbjahr. Es wird das ganze Jahr gemolken, da ältere Kühe zum Teil zwei Jahre lang laktierend sind. Marie Pedersen setzt die Besamung so an, dass die Rinder mit 13 Monaten und die erstlaktierenden Kühe möglichst bald nach dem Abkalben trächtig werden. Das Erstabkalbealter liegt deshalb bei ca. 23 Monaten.

Im Melkstand werden 50 Kühe pro Stunde gemolken. Am Morgen wird um 05:00 Uhr und am Nachmittag um 15:30 Uhr mit dem Melken begonnen. Die Jahresmilchleistung der Durchschnittskuh beträgt 7.000 kg ECM.

Die Kälber bleiben nach der Geburt auf der Weide einen Tag bei der Mutterkuh. Anschließend kommen sie solange in den Stall, bis sie in der Lage sind, vier Liter Milch pro Mahlzeit aufzunehmen. Es wird einmal pro Tag getränkt. Sobald sie diese Milchmenge aufnehmen, werden sie in Iglus und Hütten im Freien gehalten. Dort steht ihnen neben der Milch auch Weidegras und Kraftfutter zur Verfügung. Ab der fünften Lebenswoche wird die Milchmenge pro Tag auf 5 kg beschränkt. Dank dieser Aufzuchtmethode sind die Kälberverluste stark zurückgegangen. Im Moment sterben nur ein bis zwei Kälber pro Jahr während der ersten Aufzuchtphase.

Die abgehenden Kühe werden auf einen anderen Betrieb verkauft, wo sie als Ammenkühe solange genutzt werden, bis sie keine Milch mehr geben. Die männlichen Kälber werden ebenfalls auf diesen Ammenkuhbetrieb verkauft.

Die Sommerfütterung setzt sich wie folgt zusammen: Weide, Kartoffeln, Karotten, 2 kg Rapsschrot, 4 kg Getreide und 0,3 kg Graswürfel. Während der Winterperiode wird das Weidegras durch Grassilage ersetzt und die Graswürfelmenge auf 2 bis 3 kg erhöht. Der grösste Teil des Getreides wird für 40 Euro/100 kg von einem anderen Bio-Betrieb zugekauft.

Die Weidefläche umfasst 120 ha. Im Jahre 2014 wurde bei den Aufzuchtrindern mit der Methode des "holistic grazing" begonnen. Jetzt wird diese Methode bei allen Weidetieren angewandt. In der Praxis sieht das so aus, dass die Kühe jeden Tag eine neue Weide erhalten, auch wenn die vorher bestoßene Weidefläche nicht abgeweidet wurde. Vor Beginn des Winters wird versucht, die Weideflächen vor allem mit Aufzuchtrindern möglichst tief abzuweiden. Da erst seit Kurzem so geweidet wird und daher noch kaum Erfahrungen mit dieser Methode vorliegen, kann die Betriebsleiterin keine Angaben zu den mittel- und langfristigen Auswirkungen auf die Weidebestände und die tierischen Leistungen machen.

Schlussbetrachtung

Für den Besucher aus Mitteleuropa wirken die Milchviehbetriebe riesig, sowohl bezogen auf Nutzfläche und Tierzahlen wie auch auf die großzügig gebauten Wirtschaftsgebäude. Obwohl die wirtschaftliche Situation in der Milchbranche sehr angespannt ist, hat keiner der besuchten Betriebsleiter/innen sich darüber beklagt. Im Gegenteil, die Landwirte sind offen für Neues und probieren Verfahren aus, wie z.B. das "holistic grazing", die völlig neben der Lehrmeinung liegen.

Auch das Bestreben, die Wünsche und Vorstellungen der Konsument/innen zu erfüllen, ist bemerkenswert. Man spürt, dass die Milchproduzenten nicht nur versuchen, ihre Produktionstechnik zu verbessern und ihr Einkommen zu erhöhen, sondern, dass auch dem Absatz der Produkte große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Diese offensive Art, die Probleme anzugehen, ist beeindruckend und hat uns zum Nachdenken angeregt. Schon damit ist das Ziel der Fachreise klar erreicht worden.

Quelle: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251-2376-594, E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de und Dr. Peter Kunz, Zollikofen

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