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Forschungsreport Spezial 2013: Auf gesunden Füßen ab ins Grüne?

01.07.2014

Auch Öko-Puten leiden an Fußballenentzündungen

Im Überblick
  • Trotz strenger Vorgaben in der Ökologischen Putenmast treten Fußballenerkrankungen mit tiergesundheitlicher, tierschutzrechtlicher und wirtschaftlicher Relevanz auf.
  • Bereiche um die Futter- und Tränkeinrichtungen sind Areale mit tendenziell hoher Einstreufeuchte und begünstigen das Auftreten der Fußballenerkrankung.
  • Managementmaßnahmen, die zu einer Reduktion der Einstreufeuchte führen, tragen zur Verbesserung der Tiergesundheit bei.

Die Haltung von Mastputen nach Öko-Standards unterscheidet sich deutlich von der konventionellen Putenmast. Bei letzterer ist die Besatzdichte, angegeben in Lebendmasse pro Quadratmeter Stallfläche, mehr als doppelt so hoch wie im Ökolandbau. Hinsichtlich der Herdengröße sind bei dieser Haltung keine Obergrenzen vorgegeben. Öko-Puten unterliegen strengen Haltungsvorschriften. Dennoch finden sich auch hier häufig Veränderungen im Bereich der Fuß- und Zehenballen, die als Ballenentzündungen bezeichnet werden. Typisch sind abgestorbene Bereiche der Sohlenflächen, die sich bei fortschreitender Erkrankung zu tiefgreifenden Wunden und Ballenabszessen entwickeln können.

Die Ursachen für das Auftreten solcher Erkrankungen sind komplex. Interne Faktoren wie Genetik, Geschlecht, Tieralter, Lebendmasse und Gesundheitszustand spielen eine Rolle. Aber auch externe Einflüsse, insbesondere die Qualität der Einstreu, die Besatzdichte und die Futterzusammensetzung können diese Erkrankungen verursachen. Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass eine hohe Einstreufeuchtigkeit ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Ballenentzündungen ist. Hochgradige Läsionen der Sohlenflächen sind schmerzhaft und führen zu einer Beeinträchtigung der Lauffähigkeit. Darüber hinaus können sie aufgrund des Eindringens von Krankheitserregern mit nachfolgenden Sekundärinfektionen gesundheitlich von Bedeutung sein. Dies kann geringere Leistungen, eine unzureichende Schlachtkörperqualität und hohe Verwurfraten am Schlachthof nach sich ziehen.

Ballenentzündungen sind damit nicht nur aus Sicht der Tiergesundheit und des Tierschutzes, sondern auch unter wirtschaftlichen Aspekten ein nicht zu vernachlässigender Faktor in der Mastputenhaltung. Im Stall sind besonders die Areale um die Futter- und Tränkeeinrichtungen aufgrund der starken Nutzung durch die Tiere und des damit verbundenen erhöhten Kot- und Spritzwasseranfalles die Bereiche mit der tendenziell höchsten Einstreufeuchte. Sie stellen damit ein hohes Risikopotential für die Entstehung von Fußballenläsionen dar.

Ziel der vorliegenden Studie am Institut für Tierschutz und Tierhaltung in Celle war die Erhebung von Daten bezüglich der Aufenthaltszeiten in diesen Bereichen. Hierzu wurden Puten unterschiedlicher Zuchtlinien, die nach Ökologischen Richtlinien gehalten wurden, einbezogen.

Öko-Standards von Mastputen

Bei der Öko-Haltung werden konkrete Rahmenbedingungen gesetzt. Neben einem verpflichtenden Auslauf von mindestens 10 m² pro Pute darf die maximale Anzahl pro Stall nicht mehr als 2.500 Puten betragen. Zudem ist der Zukauf konventioneller Küken ausnahmegenehmigungspflichtig. Diese Küken dürfen zum Zeitpunkt der Einstallung auf dem Ökobetrieb nicht älter als drei Tage sein.

Untersuchung unter experimentellen Bedingungen

Für die Untersuchung wurden Tiere der Zuchtlinie British United Turkey 6 (B.U.T. 6) und der Zuchtlinie Grelier Bronzés 708 (Abb. 1) über einen Zeitraum von 18 bis 22 Wochen eingestallt. Im Gegensatz zur Putenlinie B.U.T. 6, einer schnell wachsenden, schweren Pute, handelt es sich bei der Grelier Bronzés-Pute um eine Zuchtlinie mit geringerem Mastendgewicht. Diese wird in Frankreich unter dem französischen Gütesiegel „Label Rouge“ vermarktet.

Die Tierhaltungsbedingungen entsprachen den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung. Als Einstreu wurden in der Aufzuchtphase handelsübliche Weichholzspäne verwendet. Ab der sechsten Lebenswoche ist mit gehäckseltem Stroh nachgestreut worden. In allen Abteilen wurden Strohballen als erhöhte Sitzmöglichkeiten und als Beschäftigungsmaterial angeboten. Die Erfassung der Verweilzeiten in der unmittelbaren Umgebung um die Futter- und Tränkeeinrichtungen erfolgte über Videoaufzeichnungen. Zusätzlich wurde das Aktivitäts- und Ruheverhalten in diesem Bereich ermittelt und die Feuchte des Bodenmaterials bestimmt. Die Beurteilung der Fußballen aller Tiere erfolgte mehrfach innerhalb der Mastperiode nach einem vereinfachten praxistauglichen Bewertungssystem (Abb. 2).

Feuchte Stellen im Stall müssen verhindert werden

Mit fortschreitendem Alter der Puten verlängerten sich bei beiden Zuchtlinien die Verweilzeiten in der feuchteren Futtertrog- und Tränkeumgebung. Zum Ende der Mast hielten sich die Hähne zwischen 11 und 12 Stunden pro Tag in diesen Bereichen auf. Unabhängig von der Zuchtlinie erhöhten sich altersabhängig die Häufigkeit von Ballenerkrankungen und der Anteil sitzender Tiere. Ballenentzündungen traten bei B.U.T. 6-Puten früher und mit größerer Häufigkeit in Erscheinung als bei Grelier Bronzés 708 (Abb. 3).

Die vorliegenden Erkenntnisse wurden zwar unter experimentellen Bedingungen an kleinen Tierzahlen gewonnen. Sie zeigen dennoch deutlich, dass die speziellen Haltungsbedingungen der ökologischen Mastputenhaltung nicht zwangsläufig dazu beitragen, Ballenentzündungen zu verhindern. Eine Fütterung nach Öko-Richtlinien kann unter Umständen sogar nachteilige Effekte bewirken. Öko-Futtermischungen mit hohen Nicht- Stärke-Polysaccharid-Anteilen können zu einer unbefriedigenden Kotkonsistenz und somit zu einer Erhöhung der Einstreufeuchtigkeit führen.

Durch ein Bündel von Maßnahmen können hohe Substratfeuchten im Stall verhindert und das Risiko von Ballenentzündungen verringert werden. Dazu gehören die Optimierung der Futterration und die Entfernung von durchfeuchteter Einstreu sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Tieraktivität und Selektion auf gute Beinstabilität und Lauffähigkeit. Welche der Maßnahmen Erfolg versprechend für die besonderen Bedingungen der Öko-Putenhaltung sind, sollte in weiteren Versuchen unter Praxisbedingungen untersucht werden.

Quelle: ForschungsReport spezial "Ökologischer Landbau 2013", Senat der Bundesforschungsinstitute im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Weitere Informationen

Autor/in und Ansprechpartner/in:

Jutta Berk und Thomas Bartels
Friedrich-Loeffler-Institut (FLI)
E-Mail: jutta.berk@fli.bund.de

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