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Mit naturnahen Produkten gesündere Hähnchen

02.01.2014

Die konventionell wirtschaftenden Hähnchenerzeuger haben sich zum Ziel gesetzt, den Antibiotikaeinsatz in der Aufzuchtperiode in den nächsten Jahren erheblich zu senken. Dabei gilt es, die vielzähligen Einflussfaktoren (keimarme Umwelt, bedarfsgerechte Fütterung, gute Wasserhygiene und Wasserqualität, Stallklima, Einstreumaterialien und Einstreupflege usw.) optimal zu gestalten, um den Tieren einen guten Lebensraum zu bieten.

Ein erfolgversprechender Ansatzpunkt ist, mit Hilfe naturnaher Produkte die eigenen Abwehrkräfte der Hähnchen zu mobilisieren, um Krankheitseinbrüche zu vermeiden oder abzumildern. Im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft, Haus Düsse wurden in einem Hähnchenmast-Versuch die Produkte der Firma Eilers, Effizient Antibac, Sina Gallus, herbaliq 100 und Effizient Acid als Tränkewasserzusatz eingesetzt.

In Stall 2 wurde das Komplettprogramm mit allen vier Produkten durchgeführt und in Stall 1, kam nur ein Teilprogramm mit den beiden Produkten Herbaliq 100 und Effizient Acid zum Einsatz.

Der Einsatzplan, die Zeiten und die Dosierung sind für einen 40 000 Hähnchenstall aus einer Tabelle ersichtlich. Für die geringeren Tierzahlen auf Haus Düsse wurden die benötigten Mengen der Produkte entsprechend berechnet. Bei einem Produkt wird besonders darauf hingewiesen, dass dies immer alleine gegeben werden soll, während die anderen Produkte auch gleichzeitig, gemischt über das Tränkwasser verabreicht werden können. Eine Tränkendesinfektion alle sieben Tage wird empfohlen.

Kurze Produktbeschreibung:
  • Effizient Antibac: Eine gebrauchsfertige Lösung mit einer Mischung von definierten Kräuterauszügen bestehend aus Oregano, Nelke, Zimt und Natruimchlorid. Es soll antibakterielle und fungizide Eigenschaften besitzen, das Immunsystem stärken, Atemwegsprobleme mildern und appetitanregend wirken.
  • Sina Gallus: Ein probiotisch wirkender Trinkwasserzusatz bestehend aus Senfölen, Milchsäure und Milchsäurekulturen. Soll Schutz vor Infektionen bieten, keimhemmend wirken, die Verdauung fördern, Stresssituationen besser überwinden helfen und die Immunabwehr unterstützen.
  • herbaliq 100: Eine Kombination verschiedener ätherischer Öle aus Anis, Basilikum, Kümmel, Kresse, Zimt und Salbei. Auch hier wird eine antibakterielle und verdauungsfördernde Wirkung erwartet, und überdies positive, schleimlösende Eigenschaften bezüglich der Atemwege beschrieben.
  • Effizient Acid: Eine hocheffektive Säurekombination aus Ameisensäure, Propionsäure, Milchsäure, Zitronensäure und Sorbinsäure mit Zusatz der Spurenelemente Zink und Kupfer, mit starker pH-Wert-Aktivität. Das Produkt soll eine positive Wirkung gegenüber pathogenen Bakterien, insbesondere E.coli und Salmonellen haben, Durchfallerkrankungen verringern, eine bessere Ausnutzung der Nährstoffe ermöglichen und dadurch Verbesserung der Futterverwertung und Eiweißverdauung erlauben.
Tabelle 1: Versuchsvarianten
  • V1: nur Standardfutter als Kontrolle in Stall 2 (6 Wiederholungen)
  • V2: Standardfutter und Antibac, Sina Gallus, herbaliq 100, Effizient Acid über Tränkewasser (6 Wiederholungen)

  • V3: nur Standardfutter als Kontrolle in Stall 1 (5 Wiederholungen)
  • V4: Standardfutter und herbaliq 100 und Effizient Acid über Tränkewasser (5 Wiederholungen)

Versuchsaufbau:

Für die Versuchsdurchführung standen zwei identische Mastställe mit je 12 Versuchsabteilen zur Verfügung. In Stall 2 wurde das Komplettprogramm mit Antibac, Sina Gallus, Herbaliq 100 und Effizient Acid in sechs Versuchsabteilen (Sechs Wiederholungen) geprüft und sechs Kontrollgruppen ohne jegliche Wasserzusätze gegenüber gestellt. In Stall 1 erhielten fünf Versuchsgruppen nur die Produkte Herbaliq 100 und Effizient Acid gemäß dem in Tabelle 7 aufgeführten Einsatzplan. Auch hier wurden fünf Kontrollgruppen ohne Wasserzusätze zum Vergleich eingerichtet.

Tabelle 6:  Versuchsaufbau als PDF

Je Versuchsabteil wurden 270 Masthähnchen im Geschlechtsverhältnis 1:1 eingestallt. In Stall 2 wurden insgesamt 1 620 Mastküken in der Kontrollvariante und 1 620 Tiere in der Versuchsvariante getestet. In Stall 1 standen 1 350 Hähnchen in den Versuchsgruppen und 1 350 Tiere in den Kontrollgruppen.

Der Stall ist als Dunkelstall mit halbautomatischer Unterdrucklüftung konzipiert. Als Einstreumaterial wurde Strohgranulat verwendet. Als Alleinfutter erhielten alle Broiler das Standard 4- Phasen-Futterprogramm der Firma Haneberg und Leusing.

Das Futter wurde den Broilern ad libitum zur Verfügung gestellt. Die Befüllung der Futtertröge erfolgte manuell. Die Besatzdichte je m² Stallgrundfläche betrug 16 Tiere. Der Stall verfügt über einen elektronischen Saalverdunkler, mit dessen Hilfe Sonnenaufgangs- und Sonnenuntergangsfunktionen simuliert werden können. Jedes Abteil war mit einem Propangasstrahler ausgestattet. Dabei erfolgt die Zufuhr der Verbrennungsluft über eine gesonderte Zuleitung.

Die Versuchsdauer betrug 35 Masttage (ohne Schlupf- und Schlachttag). Die Schlachtung erfolgte in der Schlachterei Borgmeier in Delbrück. Die Eintagsküken wurden von der Brüterei Lagerwey aus Lunteren bezogen. Es kam die Hähnchenherkunft Ross 308 zum Einsatz. Das Eintagskükengewicht betrug 39,9 g. Jedes Abteil war mit vier Rundtrögen und 20 Nippeltränken ausgestattet.

Das Impfprogramm ist aus Tabelle 2 ersichtlich, das Lichtprogramm ist der Tabelle 3 zu entnehmen. Das Lichtprogramm gewährte den Broilern zwei Dunkelphasen einmal mit sechs Stunden und einmal mit zwei Stunden. Die zweistündige Dunkelphase war als Mittagspause ausgerichtet, die durch eine behutsame Dämmerphase eingeleitet und nach zwei Stunden Dunkelheit wieder durch ein langsames Ansteigen der Lichtintensität aufgehoben wurde.

Diese Ruhepause soll einerseits als Erholungsphase dienen, um insbesondere die Darmgesundheit zu stabilisieren, als auch anschließend wieder die Bewegungsaktivitäten der Küken zu stimulieren, um so die Beinstabilität zu unterstützen und das Herz-Kreislauf-System anzuregen und zu stärken.

Nach den Impfungen erhielten alle Hähnchen eine Vitamin- und Mineralstoffgabe über das Tränkewasser.

Die Dosierung und Einsatzzeiten der Zusatzprodukte erfolgten gemäß der Empfehlung der Firma Eilers. Die Zudosierung und Verabreichung des Wassers erfolgte über einen Vorlaufbehälter.

Versuchsergebnisse Stall 2:

Die Zusammenfassung der wichtigsten Leistungen sind getrennt nach Stall 2 und Stall 1 auf geführt und den Tabellen 8 und 9 zu entnehmen. In Stall 2 wurde das Komplettprogramm bestehend aus den Tränkewasserzusätzen Antibac, Sina Gallus, herbaliq 100 und Effizient Acid gegenüber einer Kontrollvariante mit Standardfutterprogramm ohne Wasserzusätze, getestet. Die Kontrollgruppe hatte einen Futterverbrauch je Durchschnittstier von 3,467 kg und die Versuchsgruppe mit den kompletten Tränkwasserzusätzen einen Futterverzehr von 3,400 kg. Die Versuchsgruppe wies damit einen signifikant geringeren Futterverzehr von 67g je Tier auf.

In nur 35 Masttagen wurde ein durchschnittliches Mastgewicht von 2,288 kg pro Hähnchen erzielt, was das hervorragende Wachstumspotential und den guten Gesundheitsstatus dieses Durchganges widerspiegelt. Die Kontrollgruppe hatte ein Mastendgewicht von 2,300 kg und die Versuchsgruppe von 2,276 kg. Die Broiler der Versuchsgruppe waren statistisch absicherbar, um 24 g leichter, als die Tiere der Kontrolle.

Der Versuch in Stall 2 konnte mit einer sehr guten durchschnittlichen Futterverwertung von 1:1,527 abgeschlossen werden. Die Futterverwertung bei den Kontrolltieren betrug 1,534, und bei den Broilern der Versuchsgruppe 1,521 und war damit bei der Versuchsgruppe signifikant besser.

Die Tierverluste lagen im Durchschnitt bei 3,00 %. Bei der Kontrolle waren Tierverluste in Höhe von 3,27 % festzustellen. Die Verlustrate der Versuchsgruppe lag bei nur 2,72 %. Allerdings waren hier die Unterschiede innerhalb der Wiederholungen der Kontroll- bzw. Versuchsgruppen größer, als zwischen den beiden Varianten, sodass eine statistische Absicherung nicht möglich war. Bezüglich des Europäischen Effizienzfaktors erreichte die Kontrollgruppe mit 414 Punkten und die Versuchsgruppe 416 Punkten ein fast identisches Ergebnis.

Tabelle 8: Versuchsergebnisse Stall 2 (als PDF)

Versuchsergebnisse Stall 1:

In Stall 1 kamen nur die beiden Produkte herbaliq 100 und Effizient Acid über das Tränkwasser gegenüber der Kontrolle ohne Wasserzusätze, zum Einsatz. Tendenziell waren bei den Merkmalen Futterverbrauch je Tier, Lebendgewicht und Futterverwertung dieselbe Richtung zu beobachten wie in Stall 2, allerdings war eine statistische Absicherung nicht möglich. So war der Futterverzehr bei den Versuchsgruppen um 28 g je Tier geringer, das Mastgewicht um 8 g niedriger als bei der Kontrolle und die Futterverwertung um 0,008 Punke bei den Versuchstieren besser.

Tabelle 9: Versuchsergebnisse Stall 1 (als PDF)

Einstreubeurteilung:

Die Einstreumengen und das Einstreumanagement waren für alle Abteile identisch. Augenscheinlich konnte bezüglich der Einstreubeschaffenheit keine Unterschiede zwischen Kontroll- und Versuchsgruppen festgestellt werden. Die Einstreu war locker und trocken und spiegelte die gute Kotbeschaffenheit als Indiz für eine gute Darmgesundheit wider. Jedoch wurde direkt nach der Ausstallung sowohl aus den Kontrollgruppen, als auch aus den Versuchsgruppen 6 Mistproben gezogen und der Trockensubstanzgehalt ermittelt. Die Mistproben der Kontrollgruppen hatten einen durchschnittlichen TS-Gehalt von 45,5%, die Versuchsgruppen aus Stall 2 mit dem Komplettprogramm wiesen 46,6% TS auf und die Versuchsgruppen aus Stall 1 nahmen mit 45,8%, eine Mittelstellung ein.

Fußballenbeurteilung:

Die Fußballenbeurteilung wurde von der zuständigen Amtsveterinärin der Schlachterei Borgmeier in Delbrück vorgenommen. Zuvor waren die Container mit den Versuchs- und Kontrolltieren in Landwirtschaftszentrum Haus Düsse eindeutig gekennzeichnet und der Entladungsprozess überwacht worden. Je Kontrolle und Versuchsvarianten wurden 100 Füße auf ihren Gesundheitsstatus untersucht.

Dabei kam ein 3-stufiges Bewertungsschema zum Einsatz:

  • Einstufung 0: unversehrt/minimal verletzt
  • Einstufung 1: mittelgradig verletzt
  • Einstufung 2: hochgradig verletzt

Die Fußballengesundheit lag bei diesem Versuch insgesamt auf gutem Niveau. Jedoch ist festzustellen, dass die Fußballengesundheit bei den Versuchstieren des Komplettprogrammes am besten war. So wiesen 65 % der Fußballen keine Veränderungen auf und waren vollkommen gesund, 35 % der Fußballen waren mittelgradig verletzt und hochgradig verletzte Fußballen waren nicht zu verzeichnen.

Die Fußballeneinstufung der Versuchstiere aus Stall 1 nahmen mit 60 % guter Fußballengesundheit und 35 % mittleren Fußballenqualitäten und keinem hochgradig verletzten Fußballen eine Mittelstellung ein, während die Tiere der Kontrollgruppen 50 % gesunde Füße, 47 % mittelgradig verletzte Füße und 3 % hochgradig verletzte Fußballen aufwiesen.

Fazit:

Dieser Versuch verlief störungsfrei. Krankheitseinbrüche waren nicht zu beobachten und somit war ein Antibiotika-Einsatz nicht erforderlich. Mit Hilfe der naturnahen, sich ergänzenden Produkte Antibac, Sina Gallus, herbaliq 100 und Effizient Acid konnte eine signifikante Stabilisierung der biologischen Merkmale erzielt werden, was in einer effizienten Futteraufnahme und verbesserten Futterverwertung sichtbar wurde. Besonders herauszustellen war die beste Fußballengesundheit im Vergleich zu den Versuchsgruppen aus Stall 1 und den Kontrollgruppen

Quelle: Ingrid Simon und Josef Stegemann, Landwirtschaftskammer NRW, Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse

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