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Jetzt auf Öko-Putenhaltung umstellen?

01.03.2016

Im Januar fand die Generalversammlung der Putenerzeugergemeinschaft Münsterland statt. Diese Veranstaltung nutzten die Mitglieder, um sich eingehend über die Grundlagen der Bio-Putenhaltung zu informieren. Was dabei zu beachten ist, erläuterten Annette Alpers, Naturland Fachberatung, und Jutta van der Linde, Landwirtschaftskammer NRW den anwesenden Putenhaltern.

Zeit ist reif für Öko-Puten

Zu Beginn trafen sich die Mitglieder der Putenerzeugergemeinschaft Münsterland w.V. Sie besteht aus ca. 20 Betrieben im Rheinischen, Westfalen und im Oldenburgischen Münsterland. Diese ziehen im Jahr etwa  1,4 Millionen konventionelle Puten – überwiegend Hähne – auf und vermarkten die Puten an verschiedene  Abnehmer.

Die Erzeugergemeinschaft (EZG) unter der Leitung des Vorstandes, gewählt aus den Betrieben Kolmans, Rensing, Schulte-Spechtel und Wienhofen, ist professionell aufgestellt, so wird beispielsweise zusammen mit anderen Erzeugergemeinschaften der gemeinsame Futtereinkauf organisiert, einheitliche Qualitätsstandards (QS, Salmonellen usw.) erarbeitet und umgesetzt. Öko-Puten fehlen derzeit noch in ihrem Sortiment. Die Zeit ist reif, das zu ändern, das zeigt die anhaltende Nachfrage des Marktes nach Öko-Puten.

Die im Anschluss an die Versammlung stattgefundene Besichtigung der Firma Biofino in Emstek, dem Marktführer in der Vermarktung von Bio-Puten- und Bio-Hähnchenfleisch, war ebenfalls überzeugend.

Bei der kontinuierlich steigenden Nachfrage nach Ökoputenfleisch stellt sich dem ein oder anderen Landwirt bei der Suche nach alternativen Einkommensmöglichkeiten automatisch die Frage: Wäre ein Einstieg in die Öko-Putenhaltung der richtige Schritt für mich und meinen Betrieb?

Grundlagen der Öko-Putenhaltung

Nach EU-Öko-Verordnung dürfen in einem Stall maximal 2 500 Puten-Tiere untergebracht sein. Damit sich die Abholung zum Schlachten lohnt und das Transportfahrzeug ausgelastet ist, wären Herdengrößen von 1000 bis 1300 schlachtreife Tiere optimal. Pro m² Stallfläche dürfen maximal 21 kg Lebendgewicht gehalten werden. Folglich sind Gebäudegrößen zwischen 500 bis 1 250 m² passend. Dabei eignen sich alte Rinderställe und Scheunen gut, zumindest wenn sie eine ausreichende Luftführung zulassen, also eine ausreichende Deckenhöhe haben.

Die Verbandsrichtlinien fordern einen zweiten Klimazonenbereich. Während die älteren Masttiere relativ robust sind, gehört die Putenaufzucht hingegen zur Königsdisziplin in der ökologischen Geflügelhaltung, da die Küken sehr anspruchsvoll sind. Gutes Futter, gute Luft, eine regulierbare Lufttemperatur und Luftfeuchte sowie stets trockene Einstreu sind hier sehr wichtig. Das stellt die Haltung in einem Altbau vor Herausforderungen, die nur mit einem guten Management zu realisieren sind.

Sind die Tiere nach der Aufzuchtphase voll befiedert und lässt die Witterung es zu, müssen die Puten in den Grünauslauf, 10 m² pro Tier sind die gesetzliche Vorgabe. Handelt es sich ursprünglich um eine Ackerfläche, muss diese Fläche (in NRW) mindenstens ein Jahr umgestellt sein, bevor sie von den Bio-Puten genutzt werden kann. Bei Grünland kann oft die Umstellungszeit verkürzt werden. Ist das Grünland im Extensivierungsprogramm, kann die Fläche meist sofort anerkannt werden. Die Umstellung einer Fläche beginnt mit der Meldung der Fläche bei einer zertifizierten Öko-Kontrollstelle. Davon gibt es mehrere in Nordrhein-Westfalen zugelassene, diese sind  dem Landesamt für Natur-, Umwelt-  und Verbraucherschutz (LANUV) unterstellt.

Die Pute ist ein Laufvogel, sie kann laufen und nutzt daher problemlos Flächen, die 150 m und mehr von Stall entfernt liegen. Sie benötigt aber auch Schutz und Unterstellmöglichkeiten. Darüber hinaus ist der Auslauf die Visitenkarte des Betriebes für den Kunden. In der Gestaltung und Strukturierung des Auslaufs sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Robuste Genetik wichtig

Sind Stall und Auslauf fertig, müssen Tiere gekauft werden. Wer sich die Aufzucht zutraut, kauft Küken, wer sich langsam an diese Tierart gewöhnen möchte, kauft vorgezogene Bio- Puten, in der Regel im Alter von fünf Wochen. Lange Zeit wurden im Biobereich hauptsächlich BUT 6 Hennen gemästet und einige BBB Kelly Puten. In letzter Zeit werden vermehrt alternative Linien aufgestallt, hier seien zum Beispiel Herkünfte wie die Orloff-Pute, die BZ 705, die Hockenhull oder Auburn-Pute genannt. Sie wachsen langsamer, sind robuster, haben aber dennoch einen großen Brustanteil, denn auch im Biobereich ist die Brust am meisten gefragt.

Vergleich verschiedener Putenrassen nach Züchterangaben und eigener Erfahrung
Gewicht in der 16. LWGewicht in der 20. LWZunahme, g/Tag zum Mastende

BUT Big 6 Henne, konv.

10,9312,3895,9

BUT Big 6 Henne, öko

10,373,6

Hockenhull  Large Black, Henne

7,699,4467,4

Hockenhull Large Black, Hahn

10,0614,27101,9

BZ 708, Henne, Label Rouge Futter

8,169,6568,9

BZ 708, Hahn Label Rouge Futter

11,9315,75112,5

Bronze, Kelly BBB, Henne

7,89,165,0

Bronze, Kelly BBB, Hahn

11,115,4110,0

Quelle: Angaben Zuchtunternehmen & Annette Alpers

Da in der Biohaltung das Schnabel touchieren oder gar kupieren untersagt ist, wird darauf schon lange verzichtet. Die oftmals aus der konventionellen Haltung beschriebenen Pickprobleme mit unkupierten Puten sind in der Biohaltung eher nicht die Regel. Dies mag zum einen großen Teil daran liegen, dass in der biologischen Putenfleischproduktion mit weiblichen Tieren gearbeitet wird, während in der konventionellen Produktion überwiegend Hähne gemästet werden.

Keine Öko-Tierhaltung ohne Ökofläche

Zur Ökotierhaltung gehört immer eine Ökofläche, sonst ist die Tierhaltung nicht nach EU-Bio-Verordnung zertifizierbar. Hat ein Landwirt zu wenig eigene Fläche, kann er mit einem Pflanzenbau-Partner in Form einer Kooperation zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit ist vertraglich geregelt und wird streng geprüft. Für 140 Putenplätze benötigt der Halter ein Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.

Nach Verbandsrichtlinien müssen 50 % des benötigten Futters (Grundlage ist der landwirtschaftliche Anteil des Futters) selbst (bzw. mit Hilfe des Kooperationspartners) erzeugt werden. Die Ernteerzeugnisse, Getreide und Leguminosen, werden meist an die Mühle geliefert, von der der Tierhalter das Futter bezieht. Verschiedene Futtermühlen sind im Bereich Nord-West bio-zertifiziert und kommen somit als Lieferanten in Frage.

Mit oder ohne Verband

Wer Produkte mit "Bio" oder "Öko" kennzeichnen möchte, muss die EU-Bio-Verordnung einhalten und sich daraufhin kontrollieren lassen. Darüber hinaus gibt es privatrechtlich organisierte Öko-Verbände, die meist strengere Richtlinien haben. Im Putenbereich ist eine Verbandsmitgliedschaft erforderlich, sonst kann die Vermarktung schwierig werden. Hauptakteur und Ansprechpartner für Puten im Nord-Westen ist der Naturland Verband. Ein Verband erhöht nicht nur die Vermarktungschancen, er bietet auch Begleitung des Betriebes bei der Umstellung und danach, sowie politische Vertretung und Öffentlichkeitsarbeit. Hier sei auf den Umstellertag in Haus Düsse und die Öko-Aktionstage hingewiesen, die auch in 2016 wieder stattfinden.

Betriebswirtschaft und Markt

Am Ende muss sich die Bio-Putenhaltung rechnen. 3,10 bis 3,40 Euro gibt es pro kg Lebendgewicht. Das Öko-Futter (Starter-, Mittelmast- und Endmastfutter) liegt preislich ca. doppelt so hoch wie konventionelles Futter. Je nach Rasse hat das Küken ebenfalls einen höheren Preis. Die Tiere sind am Ende der Mast ca. 8-11 kg schwer - abhängig von Rasse und Geschlecht. Man kann mit 2,3 Durchgängen kalkulieren. Am Ende ergibt sich eine direktkostenfreie Leistung von ca. 5,50 Euro pro Tier. Die Tiere dürfen nur einmal im Leben mit chemisch allopathischen Arzneimitteln behandelt werden. Finden mehr Behandlungen statt, müssen die Tiere konventionell vermarktet werden.

Die Nachfrage nach Öko-Putenfleisch ist da. Der Markt ist derzeit relativ überschaubar. Schätzungsweise werden pro Jahr 500.000 Ökoputen in Deutschland vermarktet, das sind weniger als 5 % des Gesamtmarktes.

Fazit

Die Nachfrage am Markt kann derzeit nicht mit deutschen Puten gedeckt werden. Vor dem Hintergrund der Nachfrage nach regional erzeugten Produkten sucht die EZG Münsterland daher weitere Putenhalter bzw. Einstiegsinteressierte auf diesem Sektor und steht diesbezüglich gern beratend zur Verfügung. Darüber hinaus findet am Mittwoch, dem 09. März 2016 im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse, Bad Sassendorf der jährliche Umstellertag der Landwirtschaftskammer NRW statt, auf dem sich umstellungsinteressierte Landwirte über die Grundlagen des Einstiegs in die Öko-Produktion informieren können.

Bei Interesse am Einstieg in die Öko-Putenhaltung stehen Ihnen folgende Kontaktadressen zur Verfügung:  a.alpers@naturland-beratung.de, jutta.vanderlinde@lwk.nrw.de oder bio@ezg-ml.de

Quelle: Jutta van der Linde, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 02162-370-672, E-Mail: jutta.vanderlinde@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

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