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Neue Regelung 2014 - Maissorten für den Ökoanbau

30.01.2014

In vielen ökologisch wirtschaftenden Betrieben hat sich Mais als festes Fruchtfolgeglied etabliert. Nach gültiger EU-Richtlinie im Maisanbau in Ökobetrieben darf jetzt nur noch ökologisch produziertes Saatgut ausgesät werden. Was bei der Sortenwahl im Ökomaisanbau zu beachten ist, erläutert Ihnen Norbert Erhardt, Landwirtschaftskammer NRW.

Öko-Saatgut Mais in Kategorie I

Mit Beginn dieses Jahres ist Maissaatgut für den ökologischen Anbau in die Kategorie I nach der EU-Verordnung bezüglich der ökologischen Produktion eingestuft. Konnte bislang mit Einzelgenehmigung der Kontrollstellen auch konventionell produziertes, ungebeiztes Saatgut eingesetzt werden, wenn von einer Maissorte kein Ökosaatgut erhältlich war, darf nach gültiger EU-Richtlinie im Maisanbau in Ökobetrieben jetzt nur noch ökologisch produziertes Saatgut ausgesät werden.

Regelungen bezüglich einer möglichen Aufbrauchfrist überlagerten Saatguts sind bislang noch nicht bekannt. Des Weiteren bleibt es abzuwarten, ob die entsprechende Regelung bei unzureichender Versorgung mit Ökosaatgut u.U. zeitweise außer Kraft gesetzt werden könnte. Unabhängig von diesen Unwägbarkeiten sollte auch für den Ökoanbau die Sortenentscheidung jetzt aber zeitnah erfolgen und entsprechendes Ökosaatgut bestellt werden, um am Ende nicht leer auszugehen.

Was ist bei der Sortenwahl zu beachten?

Unabhängig von der Nutzungsrichtung kann das Leistungspotenzial einer Maissorte in der Regel nur genutzt werden, wenn der Mais am jeweiligen Standort sicher ausreifen kann. In der Silomaisnutzung sollte der Mais zur Ernte hohe Trockenmassegehalte im Korn von 58 bis 60 Prozent erreichen können, da bis zu diesem Zeitpunkt noch Stärke in die Körner eingelagert wird. Gleichzeitig werden dann auch höchste Energie- und Stärkeerträge erzielt. Wird früher gehäckselt, kann das Ertragspotenzial der Sorte in der Regel nicht ausgeschöpft werden. Insbesondere unter ungünstigen Wachstumsbedingungen - wie im vergangenen Jahr - können daher mit frühen Silomaissorten oftmals auch höhere Erträge als mit mittelfrühen Sorten erzielt werden.

Für den Körnermaisanbau ist die frühe Kornreife von großer Bedeutung, damit der energetische Aufwand für die Trocknung in Grenzen gehalten werden kann. Bezüglich der um die Trocknungskosten bereinigten Marktleistung schneiden frühe Sorten regelmäßig besser ab. Die Frühreife einer Maissorte erhöht darüber hinaus immer die Anbausicherheit und bringt eine gewisse Flexibilität bezüglich des Aussaat- und Erntetermins mit sich. Da der Einsatz mineralischer Unterfußdünger im Ökoanbau nicht möglich ist, stellen sich die Wachstumsbedingungen für den Mais insbesondere in der Jugendentwicklung im Ökoanbau regelmäßig schlechter dar als im konventionellen Maisanbau.

Für den Ökomaisanbau in NRW ist es daher grundsätzlich zu empfehlen, auf frühe Sorten bis zu Reifezahlen von S/K 230 zurückzugreifen. Sorten mit höheren Reifezahlen im Bereich S/K 250 sollten allenfalls in absoluten Gunstlagen bei regelmäßig frühen Aussaatterminen getestet werden.

Saatgut aus ökologischer Produktion

Maissaatgut gilt als ökologisch produziert, wenn die letzte Vermehrungsstufe, also bei dem Hybridsaatgut die Kreuzung der Linien bzw. Einfachhybriden, in einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb erfolgte. Maissaatgut aus ökologischer Produktion ist um ca. 40,- € / Einheit (50.000 Körner) teurer als ungebeiztes, konventionell produziertes Saatgut. In der Übersicht sind die Sorten aufgeführt, von denen nach Auskunft der Züchterhäuser bzw. Vertriebsfirmen zur Aussaat 2014 Ökosaatgut verfügbar ist. Ein Teil der aktuell erhältlichen Sorten standen auch 2013 in den Landessortenversuchen der Landwirtschaftskammer oder wurden bereits in den Vorjahren geprüft. Spezielle Maissortenprüfungen in ökologisch wirtschaftenden Betrieben werden von der Landwirtschaftskammer NRW nicht mehr durchgeführt, da diese Versuche sehr arbeitsintensiv sind und Sortenempfehlungen auf Grund von Unregelmäßigkeiten im Unkrautdruck bzw. in der Unkrautregulierung in den Versuchen immer wieder nur bedingt möglich waren, bzw. die Versuche überhaupt nicht ausgewertet werden konnten.

Die Ergebnisse ließen aber durchaus den Schluss zu, dass auch im Ökoanbau mit den Sorten gute Ergebnisse erzielt werden können, die sich auch in den konventionell angelegten Landessortenversuchen behaupten konnten. Die Sortenbeurteilung auf Basis der konventionell durchgeführten Landessortenversuche bringt darüber hinaus den Vorteil mit sich, dass eine Vielzahl an Versuchen in unterschiedlichen Naturräumen für die Sortenbeurteilung herangezogen werden können.

Die Sorten, die aus den Landessortenversuchen in NRW für den Anbau empfohlen werden, sind in der Übersicht in der jeweiligen Nutzungsrichtung farblich markiert. Nähere Informationen zu den Maissorten, die in den konventionellen Landessortenversuchen geprüft wurden, können im Internet unter www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/mais eingesehen werden.

Bei der Sortenwahl sollten aber auch immer die betrieblichen Erfahrungen der Vorjahre genutzt werden. Es bietet sich an, neue Sorten erst im Vergleich zu den bewährten Sorten zu testen. Leider ist dies aber nicht immer möglich, da auch bei den ökologisch produzierten Sorten eine nicht unerhebliche Sortenfluktuation zu beobachten ist.

Das bleibt festzuhalten

Für die Maisaussaat 2014 werden auch aus ökologischer Produktion viele leistungsstarke Sorten angeboten. Da Maissaatgut für den Ökoanbau ab 2014 in die Kategorie I eingestuft wurde, darf nach aktuellem Stand nur noch ökologisch produziertes Saatgut ausgesät werden. Die Praxis sollte sich jetzt rechtzeitig um den Saatgutbezug kümmern.

Textblock aus 2013 (evtl. als gesonderten Kasten ergänzen)

Saatgutqualität muss stimmen

Voraussetzung für die Anerkennung und damit die Vertriebsfähigkeit einer Saatmaispartie ist eine Mindestkeimfähigkeit von 90 Prozent. Die Keimfähigkeit sagt aber nichts über den Feldaufgang unter ungünstigen Bedingungen aus. In der Saatmaisproduktion wird daher in der Regel für jede Saatgutpartie neben der Keimfähigkeitsuntersuchung auch eine Triebkraftprüfung vorgenommen. Dabei werden mögliche schlechtere Auflaufbedingungen im Labor simuliert. Um Reklamationen aus dem Weg zu gehen, können Saatgutpartien mit schlechteren Qualitäten bzw. Triebkraftwerten dann gezielt in wärmere Regionen mit allgemein günstigen Auflaufbedingungen geschoben werden. Auch ein Verschneiden mit besseren, anerkannten Saatgutpartien ist möglich und wird praktiziert.

Überlagerung vermeiden

In jedem Fall wird der Züchter bzw. das Handelsunternehmen bemüht sein, den Kunden mit Saatgut einer für die Region guten Qualität zu versorgen. Da sowohl Keimfähigkeit als auch Triebkraft bei der Lagerung leiden können, sollte überlagertes Saatgut vor der Auslieferung erneut kontrolliert worden sein. Für Saatgut, das beim Handel vor Ort oder auf den Betrieben überlagert wird, ist dies aber nicht immer machbar, zumal die Triebkraftprüfung wesentlich teurer ist als die reine Keimfähigkeitsuntersuchung (Keimfähigkeit: 15,- € / Triebkraft: 40,- € /Probe bei der LUFA Münster).

In der Praxis sollte daher beim Saatgutbezug auf ein aktuelles Anerkennungsdatum (Probennahmedatum auf blauem Etikett) geachtet werden, was darauf schließen lässt, dass das Saatgut auch zeitnah untersucht wurde. Da es kaum praktikabel ist, für mögliche Reklamationen eine gesamte, original verpackte Einheit als Rückstellprobe zurück zu halten, ist es sinnvoll für mögliche Nachuntersuchungen ein Kilogramm Saatgut und den entsprechenden Sackanhänger sowie den Lieferschein aufzubewahren.

Saatgut bedarfsgerecht ordern

Grundsätzlich sollte das Maissaatgut nur in der benötigten Menge bestellt werden, damit nach Möglichkeit eine Überlagerung im Betrieb vermieden wird. Dazu muss der Saatgutbedarf über die angestrebte Bestandesdichte mit realistischen Feldaufgängen, die im Ökolandbau bei durchschnittlich 90 bis 95 Prozent liegen dürften, kalkuliert werden. Diese bedarfsgerechte Saatgutbestellung ist beim Mais unabhängig von der TKM möglich, da das Saatgut in Einheiten, also nach der Anzahl Körner, gehandelt wird.

GVO frei — 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht

Ein Thema im Ökomaisanbau ist immer wieder die Gentechnik. In den vergangenen Jahren wurden bei Kontrollen einzelne Saatgutpartien gefunden, die zumindest Spuren von gentechnisch veränderten Konstrukten aufwiesen. Da konventionelle und Ökoware in der Regel auf dem gleichen Liniensaatgut aufbauen, kann auch Ökoware betroffen sein. Entsprechende Kontrollen und Untersuchungen sollten aber vor der Aussaat bzw. vor der Auslieferung des Saatguts abgeschlossen sein, so dass eventuell kontaminiertes Saatgut erst gar nicht zur Aussaat kommt. Trotz größter Vorsichtsmaßnahmen in Züchtung, Vermehrung und Saatgutproduktion kann aber niemand die GVO-Freiheit garantieren. Dazu müsste jedes Korn einer Saatgutpartie untersucht werden.

Quelle und Ansprechpartner: Norbert Erhardt, Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251- 2376-734, E-Mail: norbert.erhardt@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

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