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Ökomais: Saatgut nur aus Öko-Produktion

22.01.2015

Seit 2014 ist Maissaatgut für den ökologischen Anbau in die Kategorie I nach EU-Verordnung bezüglich der ökologischen Produktion eingestuft. Ökobetriebe dürfen demnach für den Maisanbau nur Saatgut einsetzen, das auch in ökologisch wirtschaftenden Betrieben vermehrt wurde. Was bei der Sortenwahl im Ökomaisanbau zu beachten ist, erläutert Norbert Erhardt, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Auch im ökologischen Maisanbau hat sich der Einsatz moderner Hybridmaissorten etabliert. Maissaatgut gilt als ökologisch produziert, wenn die letzte Vermehrungsstufe, beim Hybridmaissaatgut also die Kreuzung der Linien oder Einfachhybriden, in einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb erfolgte. In der Regel sind im Maisanbau unter ökologischen Bedingungen mehr oder weniger die gleichen Sorten zu finden wie im konventionellen Anbau, da für die ökologische Saatmaisproduktion auf vorhandenes Linienmaterial zurückgegriffen wird. Somit kann auch für den Maisanbau in Ökobetrieben der züchterische Fortschritt der konventionellen Maiszüchtung genutzt werden. Da es sich beim Maisanbau in Ökobetrieben aber um eine im Vergleich zum konventionellen Anbau überschaubare Fläche handelt, steht nicht von allen gängigen Maissorten Saatgut aus Ökoproduktion zur Verfügung. Einige Züchterhäuser bieten aktuell gar kein ökologisch produziertes Maissaatgut an. Darüber hinaus eignet sich auch nicht jede Sorte für die Ökovermehrung, wenn das Hybridsaatgut zum Beispiel auf extrem schwachwüchsigen und wenig konkurrenzfähigen Inzuchtlinien produziert werden muss.

Ähnlich wie im konventionellen Maisanbau ist auch im Ökoanbau ein anhaltend wechselndes Angebot an Maissorten zu beobachten, so dass oft von im Ökoanbau bewährten und etablierten Sorten bereits nach wenigen Anbaujahren kein Saatgut mehr erhältlich ist. Offensichtlich lohnt es sich für die Züchterhäuser nicht, für die Sparte „Ökosaatmais“ eine gesonderte Erhaltungszüchtung zu betreiben.

Darauf ist bei der Sortenwahl zu achten

Das Leistungspotenzial jeder angebauten Sorte kann nur dann genutzt werden, wenn der Mais am jeweiligen Standort sicher ausreifen kann. Dies gilt insbesondere bezüglich hoher Stärkegehalte und -erträge, die kleegrasbetonte Rationen in der Milchviehfütterung optimal ergänzen sollen. In der Silomaisnutzung sollte der Mais zur Ernte hohe Trockenmassegehalte im Korn von 58 bis 60 % erreichen können, da bis zu diesem Zeitpunkt noch Stärke in die Körner eingelagert wird. Gleichzeitig werden dann auch höchste Energie- und Stärkeerträge erzielt. Wird früher gehäckselt, kann das Ertrags- und Qualitätspotenzial der Sorte in der Regel nicht ausgeschöpft werden. Da im Ökoanbau auf die mineralische Unterfußdüngung verzichtet werden muss, verläuft die Jugendentwicklung der Bestände regelmäßig schleppender als im konventionellen Anbau. Besonders in ungünstigen Jahren gehen dann wertvolle Tage für den Ertragsaufbau und in der weiteren Entwicklung für die sichere Abreife verloren. Für den Ökoanbau empfehlen sich daher grundsätzlich frühreife Sorten. In NRW haben sich dafür Sorten im Reifebereich bis zur Reifezahl S 230/ S 240 bewährt. Spätere Sorten sollten allenfalls in absoluten Gunstlagen und dort gewählt werden, wo auch im Ökoanbau regelmäßig früh, bis spätestens Anfang Mai, gesät wird.  Die Frühreife der Maissorte erhöht dabei immer die Anbausicherheit und bringt eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der Aussaat- und Erntetermine mit sich.

Von diesen Sorten gibt es Saatgut

Die Maissorten von denen die Maiszüchterhäuser beziehungsweise Vertriebsfirmen nach eigenen Angaben zur Aussaat 2015 Saatgut aus ökologischer Produktion anbieten, sind in der Übersicht aufgeführt. Dabei ist zu beachten, dass nicht jede hier aufgeführte Sorte auch in der Datenbank organicXseeds gelistet ist. Andererseits sind in der Datenbank Sorten zu finden, die nach Züchterangaben nicht mehr produziert werden - gegebenenfalls lagern hier noch Restbestände einzelner ausgelaufener Sorten beim Handel. 16 der aktuell angebotenen Sorten standen 2014 auch in den konventionellen Landessortenversuchen der Landwirtschaftskammer. Acht noch erhältliche Sorten konnten in vergangenen Jahren in den Landessortenversuchen getestet werden und wurden teilweise auch für den Anbau in NRW empfohlen. Spezielle Landessortenversuche unter ökologischen Anbaubedingungen, die in anderen Bundesländern vereinzelt durchgeführt werden, und die Erfahrungen aus den Vorjahren zeigen, dass die Sorten, welche in den konventionellen Prüfungen gute Resultate erzielen, konnten auch im Ökoanbau beste Erträge und Qualitäten erwarten lassen.
Die Sortenbeurteilung auf Basis der konventionell durchgeführten Landessortenversuche bringt den Vorteil mit sich, dass eine Vielzahl an Versuchen in unterschiedlichen Naturräumen und Anbaujahren für die Sortenbeurteilung herangezogen werden können.  Die Sorten, die aus den Landessortenversuchen in NRW für den Anbau empfohlen werden, sind in der Tabelle in der jeweiligen Nutzungsrichtung farbig markiert. Nähere Informationen zu den Maissorten, die aus den konventionellen Landessortenversuchen von der Landwirtschaftskammer NRW empfohlen werden, können im Internet unter www.landwirtschaftskammer.de, Landwirtschaft/ Ackerbau/ Mais eingesehen werden. Bei der Sortenwahl sollten aber auch immer die betrieblichen Erfahrungen der Vorjahre genutzt werden. Es bietet sich an, neue Sorten erst im Vergleich zu den bewährten Sorten, sofern von diesen Sorten noch Saatgut erhältlich ist, zu testen.

Von diesen Maissorten ist zur Aussaat 2015 Saatgut aus ökologischer Produktion im Handel

Aktuelle Sortenempfehlung für den Ökomaisanbau in NRW

Aus den Landessortenversuchen der Landwirtschaftskammer NRW werden aktuell für den Ökoanbau folgende Sorten empfohlen (nach Reifezahl aufsteigend):

  • Colisee, S 220, K 220: Frohwüchsige, frühreife Zweinutzungssorte mit sehr hohem Trockenmasse- und hohem Energie- und Stärkeertrag. Dreijährig durchschnittliche  Kornerträge, standfest, geringe Anfälligkeit für Stängelfäule.
  • Carolinio KWS, S 230, - : Silomaissorte mit durchschnittlichen Ertrags- und Qualitätsparametern, die sich aufgrund des hohen Stärkeertrages empfiehlt, als Körnermais nicht geprüft.
  • Toninio, S 230, K 230: Frühe, extrem massenwüchsige Silomaissorte mit sehr rascher Jugendentwicklung. Sehr hohe Trockenmasse- und hohe Energieerträge. Hohe Kornerträge, Stärkegehalt aber unterdurchschnittlich, was auf Verdünnungseffekte in Folge des Massenwuchses zurückgeführt werden kann. Toninio zeichnet sich durch einen sehr hohen Kolbenansatz aus, was die Standfestigkeit infolge von Stängelbruchgefahr einschränkt.
  • Farmgold, ca. S 240, ca. K 240: Spätere Abreife, hoher Stärkegehalt und sehr hohe Energiekonzentration, Trockenmasseertrag unterdurchschnittlich. Energie- und Stärkeertrag mittel. In der Körnermaisnutzung mittlere Erträge. Kompakterer Wuchs, Anfälligkeit für Stängelfäule gering, Standfestigkeit mittel.
  • Amamonte, S 250, K 240: Massenwüchsige Zweinutzungssorte mit durchschnittlichen Qualitäten, aber hohen Trockenmasse-, Energie- und Stärkeertrag. Mehrjährig stabile, durchschnittliche Kornerträge.
Weitere Sortenempfehlungen

In den Vorjahren konnten auch mit den aktuell noch geprüften frühen Sorten Saludo und Fabregas gute Silomaiserträge in den Landessortenversuchen realisiert werden. Saludo zeichnete sich dabei regelmäßig durch sehr gute Futterqualitäten aus. Beide frühreife Sorten konnten an das hohe Leistungsniveau im aktuellen Versuchsjahr aber nicht mehr anschließen. Als aktuell geprüfte mittelfrühe Sorten wurden in den vergangenen Jahren des Weiteren CS Luigi für die Körnermaisnutzung und Ronaldinio für die Silomaisnutzung empfohlen. Beide Sorten zeichnen sich durch eine gewisse Robustheit aus und konnten regelmäßig an schwierigeren Standorten überzeugen. Die Sorte Padrino, die sich insbesondere aufgrund der sehr guten Jugendentwicklung im Ökomaisanbau etablieren konnte, läuft aus. Im Handel sollen noch Restbestände an Saatgut erhältlich sein. Wo im Ökoanbau sehr spät gesät wird und auf Standorten, wo Sorten im Reifebereich ab S 210 nicht sicher abreifen, können die sehr frühen Sorten Roadrunner, Scanor oder Troizi getestet werden. Scanor und Troizi wurden in der Vergangenheit bereits in der EU-Prüfung Mais geprüft, erreichten aber nicht das Leistungsniveau der etablierten Sorten im Reifebereich bis S 220 und wurden daher nicht in die Landessortenversuche aufgenommen.

Quelle und Ansprechpartner: Norbert Erhardt, Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251- 2376-734, E-Mail: norbert.erhardt@lwk.nrw.de

Weitere Informationen

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