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Pflanzenarten auf Kurzrasenweide

26.09.2016

Auf Kurzrasenweiden gibt es je nach Standort sehr unterschiedliche Pflanzenarten, auch auf Standorten mit hoher Flächenproduktivität.

Wie kann ich meinen Pflanzenbestand verbessern? Soll ich nachsäen? Oder ist eine Radikalkur sinnvoll, neuansäen und damit den gewünschten Pflanzenbestand schaffen? Diese Fragen wurden immer wieder auf den Exkursionen der letzten Wochen gestellt. Bevor teure, aber wenig wirksame Maßnahmen ergriffen werden, lohnt es sich, einen Blick auf besonders ertragreiche Pflanzenbestände zu werfen.

Schweizer Vorzeigefläche: mäßiger Pflanzenbestand, aber hohe Produktivität

Auf den ersten Blick unglaubhaft, letztendlich jedoch wahr: Auf den besonders ertragreichen Flächen von Peter Thomet in der Schweiz stand keinesfalls nur Deutsches Weidelgras. Deutsches Weidelgras machte nur etwa 20 % des Aufwuchses aus. Etwa 60 % bestand dagegen aus Flechtstraußgras und Gemeiner Ripse, zwei Pflanzenarten, die man sich in diesem Umfang auf der Weide nicht wünscht. Trotzdem eine Flächenproduktivität von etwa 15.000 kg ECM/ha (ECM = energie-korrigierte Milch; korrigiert auf 4% Fett und 3,4% Eiweiß) alleine aus Weide, was unter mitteleuropäischen Bedingungen auch unter konventionellen Bedingungen, wie auf diesem Betrieb, nicht zu erwarten war.

Pflanzenbestände auf Weiden mit alten Grünlandnarben des Öko-Landbaus

Die Pflanzenbestände in Öko-Betrieben sind oft artenreicher als unter konventionellen Bedingungen. In Kuhweiden auf altem Grünland liegt der Ertragsanteil an Kräutern meist über 10 % oder sogar über 20 %. Der Weißkleeanteil schwankt je nach Jahreszeit und Standort meist zwischen 2 und 30 %. Das als besonders wertvoll angesehene Deutsche Weidelgras liegt nur selten über 40 %, Wiesenrispe tritt, wenn überhaupt, in Norddeutschland nur wenig auf (250 Kuhweiden bonitiert im Rahmen des Projektes "Öko-Leitbetriebe in NRW"). Wenn man die neuesten Bücher liest, müsste man schlussfolgern: Dann ist Kurzrasen nicht möglich. 70 % der am Projekt beteiligten 143 Bio-Betriebe machen aber Kurzrasenweide.

Kurzrasenweide erfordert nicht nur Deutsches Weidelgras und Wiesenrispe

Die Erhebungen zur Flächenproduktivität der letzten Jahre in 34 Bio-Betrieben bestätigen die Erfahrungen aus der Schweiz: Eine hohe Flächenproduktivität gibt es auch bei Beständen, die von der Futterwertzahl eher als mäßig einzustufen sind. Der begrenzende Faktor ist weniger die Artenzusammensetzung als die Witterung. So wurden beispielsweise auf einem 28er Boden mit viel Honiggras, Flechtstraußgras und Rotschwingel 2014 bei etwa gleichmäßiger Niederschlagsverteilung über 8.800 kg ECM/ha erzielt, auf einem vergleichbaren Standort in Holland waren es sogar 10.059 kg ECM/ha. Zum Vergleich: In der gleichen Region an der holländischen Grenze wurde auf 60er Böden und bei hohem Anteil an Deutschem Weidelgras und Weißklee im gleichen Jahr mit 10.749 kg ECM/ha der höchste Wert in Norddeutschland erzielt.

Pflanzenarten, die auf Kurzrasenweiden gefressen werden

Deutsches Weidelgras und Weißklee gibt es in fast allen Kurzrasenweiden (Ausnahme bei Deutschem Weidelgras: Extremstandorte wie Hochmoor, Höhenlagen). Wiesenrispe ist in der norddeutschen Tiefebene und in der Eifel meist nur wenig verbreitet oder fehlt ganz (Ausnahme: Moorstandorte), im Bergischen und Sauerland sowie in Süddeutschland und im Alpenraum kann es aber höhere Anteile bilden. Verbreitet sind neben Wiesenlieschgras, meist mit Ertragsanteilen unter 5 %, auch Flechtstraußgras und Gemeine Rispe, teils mit hohen Anteilen. Je nach Standort gibt es darüber hinaus in größerem Umfang Wolliges Honiggras, Rotschwingel und von den Kräutern Löwenzahn, Spitzwegerich, Kriechender Hahnenfuß, Schafgarbe und bei Ansaat unter gewissen Bedingungen auch Chicorée (beispielsweise, wenn nur alle sechs Tage beweidet wird). Sind die Voraussetzungen günstig, steht auch viel Rotschwingel auf der Kurzrasenweide, so in der Rhön und in der Eifel, aber auch am Niederrhein. Hier dürfte es sich um Öko-Typen handeln. Denn auf den genannten Betrieben gab es in den letzten Jahren keine Nach- oder Neuansaat, auch wurde weder Silage noch Heu zugekauft.

In Höhenlagen findet man auch noch andere Pflanzenarten: So werden Frauenmantel und sogar Rasenschmiele in 2.000 m Höhe in Almnähe den gesamten Sommer kurz gehalten (nie höher als 5 cm) und das seit Jahrzehnten. Denn schon historisch weiden hier sonntags die Kühe, weil die Hirten einen freien Tag haben. Knaulgras und Rohrschwingel findet man eher selten auf langjährigem Kurzrasen, werden, sofern vorhanden, in jungem Stadium aber gefressen. Typische Wiesenarten, wie Wiesenschwingel und Glatthafer, verschwinden bei intensiver Weidenutzung – daher ist dann Nachsaat erforderlich.

Erklärung für diese unerwartete Beobachtung

Mehrere der oben genannten Pflanzenarten werden bei Umtriebsweide oder Langgrasweide weniger gerne gefressen. Der Grund: In älterem Stadium haben sie einen muffigen Geruch oder sind stärker verholzt: In jungem Stadium, wie bei Kurzrasenweide, sind offensichtlich all die oben genannten Pflanzenarten schmackhaft, abgestorbene Pflanzenteile, die sich bei höherem Wuchs bei mehreren Pflanzenarten bilden, fehlen noch.

Neuansaat und Narbenbelüftung nicht empfehlenswert

In vielen Grünlandregionen erfolgt auch in Öko-Betrieben regelmäßig eine Neuansaat, teils wird zusätzlich die Narbe belüftet. Der Grund: Die konventionellen Empfehlungen werden auf den Öko-Landbau einfach übertragen. Gerade im Öko-Landbau gibt es aber nur kurzfristig Erfolg, langfristig sinkt die Flächenproduktivität infolge Humusabbau und Rückgang der Nährstoffnachlieferung aus dem Boden.

Ausblick

Welche Pflanzenarten, und bei Rotklee auch welche Sorten, für Weide zu empfehlen sind, wird derzeit auf 15 Standorten in Zusammenarbeit mit der Praxis und den Versuchsanstellern vor Ort geprüft. Über erste Ergebnisse werden wir im kommenden Winter berichten.

Quelle: Dr. Edmund Leisen, Ökoteam Landwirtschaftskammer NRW, Tel.: 0251-2376-594, E-Mail: edmund.leisen@lwk.nrw.de, Münster, 26. September 2016

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